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Ben Chananja · 1866-04-18 · 16 (18.4.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
16 (18.4.1866)
Date
1866-04-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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307 308 erfüllt sich an unserer Synagoge das Wort des Profeten: ״Und die Entfernten werden kommen und an dem Tempel desEwi» gen bauen." (Zecharja 7. 15.) — Szegedin. im April. Der hiesige Gevatter-Verein zählt mehr denn 200 Mitglieder, verfügt über folgende Mittel und zwar: 1700׳ fl. Nominalwerth von 17 Stück 1860er StatSlose und circa 200 fl. Bargeld. Ungeachtet der Erhöhung der Unterstützung auf 10 fl. für die Wöchnerin, haben sich im letzten Jahrgänge die Anmeldungen um Nach- Hilfe nicht gesteigert; der Verein hat also wohltbäiiger gewirkt und sich dennoch materiell gckräftigt. Korrespondenz. Ausland. 8. Jerusalem, 29. März. Am 19. d. M. kam Sir MofeS Montefiore in Joppe an. Da die hiesige jüdische Bevölkerung im vorhinein von seiner Ankunft unterrichtet war, wurde von jeder der hiesigen Gemeinden der Beschluß gefaßt, den verehrten Mann daselbst zu begrüßen. In der Deputation, die nach Joppe entsendet wurde, waren alle hiesigen Gemeinden vertreten. Die Pernschim repräsentirte R. Jsak Chelschin, die holländijch-deutschen Gemeinden N. Gamaliel Schlank, die ungarische R. Josef Moses. Sir MoscS stieg in Joppe in dem Hotel des sei. Jakob Blatner ab. wo für seine Bequemlichkeit hinlänglich gesorgt war. Die Deputirten übergaben ihre hebräisch abgefaßteu Adressen, welche mit freundlichem Wohlwollen ausgenommen wurden. In der Begleitung des verehrten ReisenlKi befinden sich: dessen Verwandler Herr Jos. Sabega und der rühmlich bekannte Dr. Löwe. Der Stadtkom- Mandant stellte eine Ehrenwache in das Hotel. DinStag am 27. d. M. setzte Sir Moses seine Reise fort, und traf, von der ganzen jüdischen Bevölkerung erwartet, in Jerusalem eig. Gleich nach seiner Ankunft begab er sich in die große Synagoge, wo er בלכח הגומל sprach und für den Sultan und den Pascha ein Gebet (מי שברך) verrichten ließ. Die Gemeinde ließ für den gefeierten Gast ein מי שברך verrichten. Am darauffolgenden Tage machte Sir Moses dem Pascha einen Besuch, wo er mit AuSzeiAnung empfangen wurde. Dem Vernehmen nach wird er bis nach dem Wochenfeste in unserer Mitte verweilen. Inland. א״ת Pest, 15. April. Wer hätte ehedem geglaubt, daß eine jüdische Gemeinde ohne Fleischkreuzer bestehen könne, ja! wer hätte eö noch vor Kurzem geahnt, daß das Jahresbudget der Pester Gemeinde ans einen Posten von 20.000 fl. verzichten dürfe? Nein, der Fleischkreuzer ist nicht mehr: und doch ist die Pester Gemeinde nicht iu Stücke gegangen, sondern ist gegenwärtig einiger, kräftiger und blühender denn je. — Es war aber auch bereits höchste Zert, daß dieser Tribut vom Schweiße der Armuth endlich eingegangen. Sie kenne» gewiß die zahllosen Närgeleien und Verdrießlichkeiten, welche die hiesigen jüdischen Fleischbänke dem jeweiligen Vorstande bereiteten. Die Orthodoren klagen, daß die Bankiuhaber das Gesetz auf das Gröblichste verletzen. Der Vorstand, von allen Seiten gedrängt, läßt die Utizukömmlichkeiten untersuchen, darf es aber doch nicht gar zu genau nehmen aus Rücksicht für den — Fleischkreuzer. DaS neue Gewerbegesetz erscheint und über Nacht tauchen eine Menge neuer Bänke mit eigenen, vom Rabbinate weder gekaunteu noch autorisirten Schlächtern auf. Das Fleisch aus solchen Bänken wird von der Kanzel herab mit dem Interdikt belegt, doch böse Leute me,neu: die Kapuzinade fei eigens bestellt — vom Fleischkreuzer. Der Vorstand nimmt nun iu seiner Bedräugniß zu theatralischen rcklamähnlichen Mitteln seine Zuflucht. Ec läßt nämlich vor den Fleischbuben der Gemeinde recht iu die Augen springende hübsche Tafeln aubringen, woraus mit großen jüdischen Lettern geschrieben steht: Diese Bank steht unter derהשגחה des ehrwürdigen Rabbinates. Doch gewisse unverbesserliche Leute bemerken, daß manche unter der Haschgacha des ehrwürdigen Rabbinates stehende Bank selbst an Sabbathtagen offen stehe und daß darin der nicht minder unter der Haschgacha des ehrwürdigen Rabbinates stehende jüdische Bankknecht am heiligen Tage ganz gemüthlich fein Pfeifchen schmaucht. Und wieder meint mancher Trotzköpf: Die Bank stehe nicht so sehr unter der Haschgacha des ehrwürdigen Rabbinates, als unter der des ehrwürdigen — Fleischkreuzers. Sie sehen also, daß der ärgerliche Fleischkreuzer die Gewissen verwirrte und der Gemeinde einen Schabernak über den andern spielte. Doch nun eristirt er nicht mehr und die Bestrebungen des wackern Vorstaudes, der Gemeinde wirklich koscheres Fleisch zu bieten, werden fortan den sonst so nahe liegenden Verdächtigungen minder ausgesetzt sein. Ob wir aber nun wirklich koscheres Fleisch haben werden, darüber, wenn Sie es wünschen, ein anderes Mal. J. Temesvüv, im April. Am letztvcrfloffenen Wochenfeste erklangen zuerst die Orgeltöne in unserer Synagoge. Wie wir in dieser geschäftlich bedrängten Zeit zu einer Orgel kamen? Auf folgende Weise. ES wurde die von der Pester isr. Kultusgemeinde auzukaufende Orgel mit der Bedingung vermittelst einer Lotterieziehung auögespielt, daß der Gewinner dieselbe uuserer Synagoge spende. Das Los kostete 10 fl. ö. W. In drei Tagen waren sämmtliche Lose verkauft. Herr Ignaz Eisenstädter, der sich überhaupt um unfern Synagogenbau unverwelkliche Verdienste erwarb, gewann die Orgel und spendete dieselbe der Synagoge. Auch hat sich nachträglich herauSgestcllt, daß das Asphaltestrich unserer neuen Synagoge nicht seinem Zwecke entspricht, es wird ein Mosaikpflaster an dessen Stelle treten. Die damit verbundenen Kosten sind in sehr kurzer Zeitfcist gedeckt worden. Unser Gemeinde- Präses, Herr Sam. Scharmann, welcher seine großartige Wohlthätigkeit so anspruchlos übt, als wenn sich seine ununterbrochenen Leistungen von sich selbst verständen, läßt an dem von ihm erbauten Zidduk Ha-Din-Hause einen kostspieligeu Neubau vornehmen. Dem edlen Manne ist die hiesige Gemeinde zn ewigem Danke verpflichtet. Die Versuche zur Fusion des deutschen und sefardischen Ritus sind leider gescheitert; vielleicht werden wiederholte Versuche ein günstigeres Resultat erzielen. F. Szentes. 15. April. Nun ist die Rabbinersrage in unserer Gemeinde gelöst. Herr Dr. B. Friedmann, dessen wir schon in diesen Blättern lobend erwähnten, wurde bei der am 2. April stattgefundencn Generalsitzung fast einstimmig zum Rabbiner gewählt. Herr Friedmann wird diesem Ruse, wie er sich äußerte, folgen und seinen Wirkungskreis bald antreten. Gebe Gott, daß Herr Fricdmaun zum Heile und Wohle der Gemeinde wirken möge! Nng. Brod, 10. April. Die Rabbinerwahl, der wir in UNserem Berichte ddo. 16. a. c. ein tragisches Resultat prognostizirten, schien sich seit jener Zeit in diesem Sinne zu entwickeln; denn der erwählte Rabbi, dessen Begehren nach einer Plenarversammlung der auf filosofische Zeugnisse rcflektirende Vorstand nicht Rechnung tragen wollte, schloß die Unterhandlungen mit den witzigen Worten: שמעו (Par. Schemini war schon für seinen Einzug bestimmt) מזומן לעתיד למוא So war denn, nachdem die Gegensätze sich nicht vermitteln ließen, die Katastrophe eingetreteu und das Stück endete tragisch im etymologischen Sinne des Wortes TragoS. welches Bock heißt. Unsere Herren Vor. standSmitglieder aber, die durch vorzeitige Einsendung von Vokalion ihre Ehre cngagirt sahen, spielten nun ihren letzten Trumpf aus und entsandten dem Herrn Rabbi eine Deputation von vier Männern, um ein Kompromiß zu Stande zu bringen. Mil welchen Znstruktiouen dieselben ausgerüstet wurden, ob filosofische Legitimation noch eine conditio sine qua nou sei, oder ob die Ehre um jeden Preis gerettet werden solle, darüber hängt der Schleier des Amtsgeheimnisses, den wir als Laie nicht zu lüsten vermögen. P. Hohenems, 3. Aprit. Sulzers Jubiläum wurde auch hier in seiner Geburtsstadt auf eine glänzende Weise gefeiert. Die Feier wurde mit Böllerschüssen eröffnet und geschloffen. Dcr Bürgermeister brachte dem Jubilar einen Toast. Kantor Fränkel, Neffe SulzerS, entwickelte bei dcr Feier sein schönes Talent und bereitete den zahlreichen Anwesenden einen wahre» Seeleugenuß. ו S. A. Ujhely, 13. April. Die verschiedeuen Reformen in hiesiger Gemeinde finden rasch hintereinander ihre Erledigung. So wurde nicht nur der Bau einer Synagoge beschlossen, sondern auch zur Wahl einer Baukommission geschritten- Der Bau wird unverzüglich in Angriff genommen und sind die Sitze in der Synagoge für 700 Fa-

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