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Ben Chananja · 1866-04-18 · 16 (18.4.1866) · page 5

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Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
16 (18.4.1866)
Date
1866-04-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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305 306 6. Kapitel. Von den Sednrfnijsen des Seminars. A r t. 38. Die Bedürfnisse des Seminariums sollen sich beschränken aus die Ausgaben für die Leitung, die Gehalte der Lehrer, für auznschaffende Lehrbücher und Schriften für d e Bibliothek, die Ehrenpreise, den Unterhalt der Stiftung, Feuer, Licht und Abgaben, Besoldung eines Kastellans, der gleichzeitig als Bote fungiren kann, Kost und Logis des Rektors und derjenigen Studenten, die in die Anstalt aufgenommen sind, und wenn möglich, Entschädigung an Unvermögende, bei denen dies nicht der Fall sein konnte. Art. 39. Daö Kuratorium legt jährlich dem Konststorium Rechnung ab.*) Wiener Griefe. IV. (Schluß ") Wien, Ende März 1866. ES ist bekannt, daß Herr Mannheimer s. A. anfänglich als Religionslehrer angestcllt wurde, weil man ihm den Titel ״Prediger" nicht verleihen konnte, va die Wiener im Zahre 1826 keine Gemeinde bilden durften. Aus diesem Grunde führte auch der Rabbiner den Titel ״Koscherfleischaufseher." Erst in späterer Zeit haben die Behörden den Titel Prediger stillschweigend anerkannt. Bor 40 Zähren war der Titel ״Prediger" gewissermaßen berechtigt, das Rabbinerthum ffknd damals in Mißkredit und man verstand unter einem Rabbiner eine verkommene Persönlichkeit 3c. Auch die Behörden, welche damals die Aufklärung so zu sagen protegkrten, schenkten demselben, den sie als einen von Vorurtheilen befangenen Mann betrachteten, wenig Bertrauen. Die Situation hat sich heute geändert, der Name ist wieder zu Achtung und Ehren gekommen. Wrr erinnern daran, daß Herr Dr. Holdheim einen größer! Werth darauf legte, sich Rabbiner der Reformgemeinde in Berlin zu nennen und Herr Dr. Geiger soll, wie ich höre, selbst in Privatbriefen seinem Namen den Titel Rabbiner hinzusügen. Für die Behörden ist der Rab« biuer eine positive Größe, der Prediger hingegen eine unbekannte. Dieses sind die Ansichten der einen Partei, die andere hingegen wünscht die strenge Scheidung und Sonderung zwischen zwei Persönlichkeuen. Sie weist zunächst darauf hin, daß eS auch in früheren Zeucn üblich gewesen sei, daß große Gemeinden neben dem Nabbinrr noch einen Maggid hatten. Sie meint, eS finde sich selten ein Prediger, welcher einerseits mit schwerem Ernst an die Prüfung eines ״Weschet" geht und dabei den Flug der Phantasie, den weiten und tiefen Blick ins Leben hat rc. ,c. um als Prediger die Zuhörer mit sich sortzureißcn. Mit andern Worten, der Rabbiner ist gewissermaßen heute an der Stelle des Priesters in alter Zeit, der nach gegebenen Normen und Formen seinen Dienst zu verrichten batte, ohne in der Lage zu sein, etwas zu lindern. Der Prediger hingegen sei der Jünger der Proseten, der mit flammenden Worten für Gott und seinen Glauben gegen das Volk und dessen Führer spricht, ja der selbst den Priestern Opposition machte, wie dieses so hänsig der Fall. Die Vertreter dieser Ansicht meinen, daß die Ernennung der Prediger zu Rabbinen geeignet sei, Konflikte in der Gemeinde heraufzubeschwören. Jetzt haben die sogenannten Orthodoren len Rabbiner »nd zwei Dajanim, die ihnen ausreichende Gewähr und Bürgschaft geben, welche ihnen vielleicht ein predigender Rabbiner nicht geben würde. Unter dem neugebildeten Rabbinatökolleginm könnte auch vielleicht die Frage entstehen מי ילך בראש• Ferner glauben sie, daß unter den jetzigen Verhältnissen der Prediger, weil er eben keinen bestimmt definirbaren Wirkungskreis bat, sich eine» solchen schaffen muß, d. h. er muß rüstig thätig sein, währenddem ein Rabbiner'sich aus dem bestimmten Platze ruhig niederlaffeu kann. Herr Dr. Jellinek hat wiederholentlich in Predigten und GelegenhritSreden sich für den Dualismus auf diesem Gebiete ausgesprochen. *) Vrgl. B. CH. VII. 365. 356. 363-69. 383-99. VIII. 6. 25. 574. 609. 626. 641. 665. 697. 713. 734. 791. *״) S. dre vorige Nummer. Ob dies, Ansicht schließlich durchdringen werde, kann ich freilich nicht sagen. Die Wege des Vorstandes und die verschiedenen חיצוניות HW", die sich da geltend machen, sind unberecheubae. Noch muß ich einer Thatsache gedenken, welche ein Schlaglicht auf die Bestrebungen mancher Juden wirft. Jüngst standen einige Juden wegen ihrer Eitelkeit vor Gericht. Es befanden sich nämlich hier einige Personen — Christen — welche Vorgaben, in der Lage zu sein, päbflli che Orden zu verschaffen und Juden oder getaufte Juden waren es, welche auf die Leimrutbe gingen und schweres Geld für die falschen väbstlichen Orden ausgaben. Eitelkeit ist ein Ucbel, welches eristirt. seitdem Mensche» aus Erden leben und wol ewige Zeiten sortdauern wird. Es dürste jedoch selten eine Zeit gewesen sein, wo eine solche Jagd nach Orden war. wie eben jetzt. ES ist kaum glaublich, welche Summen vergeudet werden/um ein Band im Knopfloche zu haben, und ein griechischer Orden ist auch ein Orden, wie es im ״Kladderadatsch" heißt. Nicht blos Börsianer, Kaufleule rc. Haschen und jagen nach derartigen Auszeichnungen, auch unsere Dichter und Schriftsteller find in dieser Beziehung nicht zurückhaltender. Wir kennen Poeten, welche gewissermaßen Demokraten spielen, die aber nichtsdestoweniger keine Anstrengung scheuen, um ein Bändchen zu erhaschen. Möchte doch bald dieser unglückliche Dämon der Eitelkeit seine Macht und Gewalt verlieren. Wohllhiitigkeil un- Wohlthätigkeitsanstalten. Hl. Pest, 14. April. Unser Frauenverein, für den die Unterschriften erst vor einigen Wochen begonnen, zählt in Folge der eifrigen Bemühungen seines Ausschusses bereitS^OO ' ordentliche und gegen 90 gründende Mitglieder. Gr verfügt heute über einen Fond von 12.000 fl. während 5—6000 fl. jährliche Einnahme bereits gesichert ist. An die diesem wohlthätigen Zwecke gewidmeten Spenden schließen sich noch weitere 1500 fl. an, die Herr Anton Hör dem Vereine übergab. Der Genannte hielt es für seine Pflicht, dielen Betrag dem Vereine zuzuweuden, indem er dadurch im Sinne scin^!verstorbenen Mutter handeln wollt?, die bereits vor mehreren Jahren einen derartigen Verein zu konstituiren versuchte, damals jedoch mit ihrem Plane an.der Ungunü der Verhältnisse scheiterte. Sie musste sich daher beGnügen, zu Gunsten eines solchen, noch zu gründenden Vereines ein bedeutendes Legat zu vermachen, dessen Nutznleßnng sie jedoch einstweilen ihrem Sohne lebenSlänglich überließ. In Anerkennung ihres gemeinnützigen edlen Strebens hat der Verein nun beschlossen, die Verstorbene als erste Gründerin zu verzeichnen. Ich nehme mir hler die Freiheit, die Namen jener ehrenwerthcn zwölf Ausschuß-Damen zu veröffentlichen, deren menschenfreundlichem Eifer der junge Verein hauptsächlich sein rasches Emporblühen zu verdanken hat, und bemerke ich hierbei nur, daß ich diesbezüglich durchaus nicht authentisch bin, und deshalb um Verzeihung bitte, sollte sich in n achsolgcnder Liste vielleicht ein Jrrthum eingeschlichen haben. Den Ausschuß bilden die Gemalinnen nachstehender Herren: Ignaz Barnay, David Bischitz, Bernhard Gans, Rudolph Goldsteiu, Gomperz, Nikolaus Gottesmann, L. N. Landau, Ignaz Leopold, Dr. L öwy, Moriz Munk. Heinrich Stein, Josef llllmann. In der letzten Nummer des ״B. CH." wird der Spende des Herrn Moses Horvntb für das Jsraelitenspital erwähnt. Eö soll richtig Major Daniel Horvüth heißen. L. Essegg, im März. In Bezug auf Nr. 12 d. Bl. abgcdruckte Korrespondenz ist nachträglich noch zu bemerken, daß die Herren Karl Hitler und Dr. Kodier sich um die hier veranstaltete WohltbätigkeitS-Akademie durch ein zweckentsprechendes Arrangement höchst d ankenswerthe Verdienste erworben. Lofoncz, 13. Avril. Herr Jakob Sicher in Katharinenrhal kaufte in der hiesigen Synagoge einen Betsitz für den Preis von 250 fl. Ferner spendete er einen zwölfarmigen Luster für die Frauenabtheilung unserer Synagoge. Endlich trug er zu den Koste» des vom Frauenvereine gewidmeten Parochet 100 fl. bei. Herr Leop. Popper aus Hlinyik ließ durch seinen hiesigen Bevoflmächtigren dem Synagogeobaufonde der hiesigen Gemeinde 100 fl. zusteflen, wofür ihm die Gemeinde in öffentlichen Blättern ihren Dank aussprach. Solchergestalt

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