Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1866-11-15 · 41 (15.11.1866) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
41 (15.11.1866)
Date
1866-11-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2542917-2543175-2543216--5070-2548760
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

799 800 Eine kurze Ueberlegung. wird Ms jedoch eines Besseren belehren. Denn abgesehen davon, daß eine beträchtliche Zahl der indirekten Steuern den relativ mehr verzehrenden Reichen in höherem Verhältnisse trifft, dürfen wir eS auch nie aus dem Auge lassen, daß der Stat eine Genossenschaft p olttischen Charakters ist. Das größtmögliche Wohl aller seiner Mitglieder — das ist daher das belebende Prinzip des States. Die Religionsgemeinde steht auf einem andern Standpunkte. Jene jedoch, die die meritorische Behandlung dieses Gegenstandes nicht überzeugt hat, werden uns vielleicht beipflichten, wenn sie die positive Unmöglichkcit der Erreichung ihrer Absichten einsehen. Sie werden eS. gestehen, daß die Besteuerung nicht itt infinitum erhöht werben kann, sondern eine Grenze hat, sie werden gestehen, daß wir in der österr. Monarchie speziell unS schmeicheln dürfen, dieser Grenze näher als manch anderes Volk gekommen zu sein. Woher nun die Armuth unterstützen, wenn der PauperiSmns, wie bekannt, verhältnißmäßig viel stärker, als die Bevölkerung, steigt? Woher, um ein konkretes Beispiel anzuführen, die Waisenkinder versorgen, die, nachdem voriges. Jahr deren sieben das Gemeindebudget belasteten, Heuer bereits auf 37 angew.achsen? Die zweite Serie jener Ausgaben, die nicht eigentlich iu das Budget der Gemeinde gehören, sind jene für Schulzwecke. Es fällt uns beileibe nicht ein, in reaktionärem Sinne die Verdummung des Volkes zu predigen. Wir wollen nur konstatiren, daß sich Lesen und Schreiben , Naturgeschichte und Mathematik, Geografie und Physik schwerlich von jüdisch-religiösem Standpunkte aus vortragen lassen, die jüdische Schule daher nur mit Rücksicht auf den Religionsunterricht, nothweudig erscheinen, daß aber die Gemeinde Pest in den vier Jahren für Schulzwecke trotzdem an 70.000 fl. verausgabte, während für den Religionsunterricht mit dem zehnten Theile dieser Summe reichlich gesorgt gewesen wäre! (Die Ausgabe für die Religionsschule belief sich während dieses Zeitraumes auf nicht ganz 10.000 fl.). Die Nolhwendigkeit oder Entbehrlichkeit der Konfessionsschule zu besprechen, würde hier zu weit führen; wir wollen es nur im Vorbeigehen bemerken, daß es anderwärts auch Simulterschuleu gibt, in denen alle neütMen Gegenstände gemeinschaftlich, Religionslehre und die hieran streifenden Fächer aber nach Konfessionen getrennt vorgetragen werden. So lange freilich' die Gleichstellung aller Konfessionen nicht von der herrschenden Majorität auS anerkannt und praktisch dnrchgeführt wird,' so lange ist die Existenz von Konfessionsschulen allerdings einigermaßen gerechtfertigt, obwol wir unS keineswegs verhehlen dürfen, daß die Nebelstände durch dieselben nicht völlig paralysirt werden können, eS müßte uns denN gelingen, nicht nur Elementar- Normalschulen, sondern aüch Bürgerschulen, Gymnasien und jüdische Universitäten zu errichten, wozu freilich wenig Aussicht vor- Händen, waS aber auch ׳nicht wünschenswerth wäre. Die Last jedoch, die die jüdische Gemeinde durch Errichtung von KonfesstoySschulen auf sich genommen, kommt dem. Budget der öffentlichen Schulen zu Gute, es ist daher nicht mehr als billig, daß die Stadt in Anerkennung dieser Verhältnisse gleichfalls zur Erhaltung unserer Schulen beitrage, um so der Gemeinde weuigstenS theilweise jene Last erleichtern, die diese, wie wir gesehen, nicht so ganz gerechtfertigter Weise auf sich genommen. . Dies wäre in Kurzem unsere Ansicht über die Pfltchten der Religionsgemeinde. Haben wir geirrt, so soll es uns freuen, einer berichtigenden Stimme zu begegnen und über diese wichtigen Punkte eine fruchtbare Kontroverse angeregt zu haben. Rorrejpondenz. Emanzipation und bürgerliche VerlMnijse. N. Pest, 4. November. Es ist erfreulich, daß Ihre hiesigen Berichterstatter jüdischen Verdiensten Gerechtigkeit widerfahren lassen. Gestatten Sie mir, hiermit das Verdienst eines längst Entschlummerten ans Tageslicht zu ziehen. Dr. Josef Oesterreicher erhielt am 8. August 1818 von Kaiser Franz die große goldene Civil-Ehrenmedaille mit Oehr -und Band wegen seiner Verdienste durch Entdeckung und Anwendüng des natürlichen Glaubersalzes in Ungarn sowol zur Medizin, als zum technischen Gebrauche. Es wäre wol der Mühe werth, Näheres über diesen Manu zn erfahren. Lnltns und Kultnsgerneinde. Mufkirchcu, im November. Die benachbarte Gemeinde zu SikloS hat ihrem tüchtigen Rabbiner Roth nach Ablauf der Festtage eine wohlverdiente Ovation gebracht. Es ist zu wünschen. daß das gute Einvernehmen zwischen Gemeinde und Rabbiner überall einheimisch sei. ׳ Berlin, 9. November. Das Projekt der Schochare- Tpb-Gemeinde, eine Synagoge zu bauen, kommt seiner Verwirklichung immer näher. Es sollen vorerst 300 Sitze zu je 100 Thlr. veräußert werben, wozu bereits die Zeichnungen begönnen' haben. Die Ausführung wird kaum lange auf sich warten lassen. Nächsten Montag, am 11. d. M., wird in allen Bethäusern das Fricdensfest gefeiert werden. Auch die Schochare-Tob-Gemeinde feiert dieses Fest durch Predigt und Gottesdiest, wozu an die Mitglieder gedruckte Programme vertheilt werden. Die Predigten Nascherö bewähren nach wie vor ihre Anziehungskraft, und die eminente Begabtheit dieses jnngen Theologen kann wirklich durch keine Polemik in Schatten gestellt werden. Geigers Berufung wurde in letzter Zeit abermals zur Sprache gebracht. S. Hb. Prag, 1. Nvovember. Die Predigerfrage an der Neusynagoge ist endlich, wir können es mit gutem Gewissen sagen, befriedigend gelöst. Herr Dr. Sonneschein , den werthen Lesern des ״B. CH." wohlbekannt, schloß den' Cyklus der Probcpredigten durch seine dem Inhalte, der Form und Darlegung nach gleich vorzügliche Redens gehalten am Sab-! bath Wajeral), und Sabbath Chaje Sarah. Der treffliche Redner knüpte in seiner ersten Predigt an den ersten VerS der Sidrah Wajera die äußerst gelungen durchgeführte Betrachtuug über bdö unbeschränkte ׳ Israel im freien State, wie eS groß ist in seiner Entwicklung in. allen Gebieten deS sozialen, politischen und wissenschaftlichen Lebens ,! wenn..es frei von beengendem Drucke; er belegte die Wahrheit dieser Behauptung mit glücklich gewählten Bibelstellen, beleuchtete sie durch Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart und kam hierauf mit rhetorischer Gewandheit über die beglückende׳ Anwesenheit Seiner Majestät unseres allergnädigsten Kaisers allhier zu sprechen, womit er die Predigt auch beendete. In seiner zweiten Rede lehnte sich Redner an den zu Gen. 24,1 gehörigen Midrasch: ״Der Eine pocht auf seine Erfahrung,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.