Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 41 (15.11.1866)
- Date
- 1866-11-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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795 796 Trauerkunde von dem Hinscheiden der Verblichenen auf Alle gemacht. Er verweilte bei den Umständen, welche diesen Trauerfall zu אבל כבד מאד machten, indem hier nicht bloS ein Leben in der schönsten Blüte dahingewelkt, und eine junge zärtliche Gattin den Armen ihres Mannes und eine treue Mutter ihren zarten Kindern entrissen worden, sondern noch der traurige Umstand hinzukomme, daß die Verblichene erst vor wenig Wochen stch von ihrer Heimat getrennt, um, Wie einst unsere Stammmutter ihrem Gatten Abraham in ein fernes fremdes Land, wohin ihn eine göttliche Stimme gerufen, zu folgen, in welchem sie Ersatz für Alles zu finden hoffte, was sie zurückgelassen. ES schien auch, als sollte diese Hoffnung in schönster Weise in Erfüllung gehe». Bei der herzlichen Aufnahme, die ihrem Gatten in seiner hiesigen ehrenwerthen Gemeinde zu Theil geworden, in welcher alle wetteiferten, ihm die verdiente Anerkennung, Verehrung und Liebe zu bezeigen und ihm und den Seinen die neue Heimat lieb und theuer zu machen. Während so Alles schöne, frohe und glückliche Tage verhieß, sei nun plötzlich die Hoffnung in Trauer, die Freude in bittern Schmerz verwandelt. Der Redner wandte sich darauf an seinen tiefbetrübten Amtsbruder, wies darauf hin, wie eine ganze Gemeinde mit ihm Trauer und Leid um seine Gattin trage, erinnerte ihn an die Worte , welche dem trauernden Hiob von seinen Freunden zugerufen worden: ״Sieh, Viele sind's, die du belehrt, und schwache Hände weißt du durch dein GlaubenSwort zu stärken, den Wankenden richtet dein Wort auf, und sinkende Knie befestigest du!" und knüpfte daran die Hoffnung, daß der schwer geprüfte Geistliche, denen, die sein Wort belehrt und tröstet, ein Beispiel geben werde, wie der Israelit auch die schwerste Prüfung in Ergebung in den unerforschlichen Willen Gottes tragen müsse und daß er des Patriarchen Abraham, dessen Namen er trage, eingedenk sein werde,, welcher, als ihm fein geliebtes Weib Sara in Kanaan, wohin sie ihm aus der fernen Heimat gefolgt war, durch den Tod entrissen worden, wol sein theures Weib betrauerte und beweinte", aber doch ,bald aus seiner Trauer und seinem Schmerze im Glauben an den Alleinen sich wieder erhob. Der . Redner schloß mit einem herzlichen Gebet für alle Trauernden nahe und fern und für das Seelenheil der Verblichenen. Zur Beruhigung der vielen Freunde und Verehrer, die Herr Dr. Hübsch in seiner frühern Heimat zurückgelassen, kann ich noch die Versicherung hinzufügen, daß er die ihm anferlegte schwere göttliche Prüfung mit männlicher Fassung und mit der frommen Ergebung, wie sie von einem so würdigen Glaubenslehrer nur ewartet werden kann, trägt. Mätä-Szalka, 2. Novcmbor. Die hiesige Gemeinde betrauert einen ihrer würdigsten und verdienstvollsten Männer, Herrn Simon Kern, an dem die hiesige Kultnsgemeinde eines ihrer opferwilligsten Mitglieder verloren; derselbe verschied nach einer zweiwöchentlichen Krankheit in der Nacht des 27. Oktobers und wurde am 28. Nachmittags zur Erde bestattet. Am Sarge sprach der hieher berufene ehrwürdige Komitatsrabbiner, Herr M. Perles, aus N. Kärolh und als er der vielen Verdienste des Dahingeschiedenen gedachte, blieb kein Auge der bei der Beerdigung unter einem großen Zudrange von Nah und Fern aller Konfessionen Eingefundenen, trocken, und bethätigten dadurch ihre Theilnahme am Trauerfolle. Der Verblichene war nicht nur den Seinigen, sondern Allen, die seines RatheS oder seiner Fürsprache bedurften, oder seinen Beistand in Anspruch nahmen, Helfer und Retter. Er war Vater der Armen, Witwen und Waisen, überhaupt stets bereit, den Armen und Bedrängten mit Rath und That beizustehen; er war ein Helfer für Alle, die seiner Hilfe bedurften, der treue Beschützer jedes redlichen Strebens und hat sich nicht nur das größte Vertrauen seiner Gemeinde, sondern auch daS Vertrauen und die Achtung Aller, die ihn kannten, erworben. Darum mischten sich auch die Thränen Aller in den Thränenstrom seiner betrübten Gattin, Kinder und Verwandten und es bleibt ihm gewiß im Herzen eines jeden Einzelnen seiner zahlreichen Bekannten ein Denkmal, wie ihm solches im Herzen seiner Angehörigen errichtet wird. S. Horovitz, Oberlehrer und prov. Direktor. DfierraöGiner MeLleMrg. Der Herr Berichterstatter aus Königsberg beschuldigt mich — gelinde ausgedrückt— einer Unwahrheit. Gleichwol gibt er jetzt zu, was er in seinem Berichte verschwiegen, daß das fragliche Geschäft von einem Nichtjuden und Inden gemeinschaftlich gegründet wurde, hierauf allein aber kommt es an, ob ein Rabbiner zur Zeit der Gründung eine Tafel, wie die bezeichnete, gesetzmäßig ausstellen konnte, oder nicht. — Nur Unwissenheit oder Böswilligkeit kann hierin einen Dispens zuM öffentlichen Geschäftsbetrieb an Sabbath und Festtagen für Israeliten finden. Einer solchen Schmähung müßte man, auch wenn sie dem Geringsten-zugefügt würde , entgegentreten , geschweige, wenn einem Manne, der mit vollem Rechte von der ganzen Judenheit hoch zu verehren ist. Dies zu thun, werde ich stets für meine Pflicht erachten, und bei Jedem, für den die in der rabbinischen Literatur ganz gewöhnliche Abbreviatur א״י für אינו ישראל nicht, wie für den Berichterstatter eine Frage ist, habe ich, durch das eigene Bekenntniß desselben meinen Zweck erreicht. In der Sache wäre Nichts mehr zu sagen, und für meine Person würde ich dem Berichterstatter gegenüber kein Wort mehr verlieren. Aber für den Verstorbenen muß ich noch hinzufügen, daß ich es aktenmäßig beweisen kann, wie seine Gemeinde und nach ihr tausende von jüdischen Gemeinden ihm den Titel Oberrabbiner zuerkannten. Für die Rechtmäßigkeit dieses Titels ist aber nur die Gemeinde, nicht eine königlich preußische Behörde maßgebend. —• Der Berichterstatter kann einmal die Tobten nicht ruhen lassen, und so wird auch noch der selige Professor Saalschütz zitirt, um zu bezeugen, daß der Lehrer des Herrn Oberrabbinen sein Schäler war. — Aber kann denn ein gelehrter Schüler nicht auch einen ungelehrten Lehrer gehabt haben? Aber was soll's denn uur einen Verstorbenen zu