Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 41 (15.11.1866)
- Date
- 1866-11-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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789 Merkmale abgeben, ob wir es mit einem syphilitischen 'oder nichtsyphilitischett Bubo zu thnn haben, was Moses wahrhaft klassisch und ganz dem heutigen Standpunkte der Erfahrung und Wissenschaft angemessen in nachfolgenden fünf Versen anSeinandersetzt und abschätzt. V. 19. Wenn an der Stelle der Drüsenentzündung eine weiße Blase öder ein röthlichweißes Geschwür entsteht, so muß es dem Priester gezeigt werden. V. 20. Sieht der Priester, daß die Form des Absesses tiefer ist,׳ als die Haut und daß ein weißes 86cr6t, so gesondert wird, so soll es der Priester für unrein erklären, es ist ein syphilitisches Geschwür in einem Bubo blühend. V. 21. Sicht aber der Priester, daß sich darin kein weißeS (speckartiges) 8ecrst befindet, und baß es nicht tiefer ist, als die angrenzende Haut, und baß es abnehme, so soll es der Priester durch sieben Tage verbinden. V. 22. Wenn sich daun die Eiterbeule in der Haut auSbreitet, so soll sie der Priester für unrein erklären, esist ein Schanker. V. 23. Wenn aber die Basis des Geschwüres sich erhebt — תהחיה חעמוד (d. h. mit Fleischwärzchen sich ansfüllt) und sich nicht weiter ausbreitet, so. ist es ein vernarben der»Bubo, und der Priester soll ihn freisprechen. Ich habe mich bis hieher bestrebt , mit jener leider karg zugemessenen Muße , die eine bewegte ärztliche PrariS gestattet, wortgetreu und wie ich versichern darf, dem Heutigeu Standpunkte der Wissenschaft angemessen, nachzuweifen, daß Moses die drei Formen der primären Affektion, — ferner dgs Condylom, und zwar sowol das spitze als das flache — den syphilitischen Hautausschlag oder das Syphilid — endlich den spezifischen und nichtspezifischen Bubo ganz genau gekannt und abgeschätzt habe. Ich muß jedoch, hochverehrter Herr, fürchten, die mir mit so vieler Güte geöffneten Spalten Ihres geschätzten Blattes zu mißbrauchen, wenn ich durch die Zuendeführung dieser Arbeit die engen Grenzen einer Zeitschrift überschreiten würde. Ich will mich daher vorläufig auf die Andeutung beschränken, daß V. 24—28 vom phagedämischen Geschwüre; V. 29—37 von dem Favus und dem Mentagra; V. 38—39 von dem chronischen Pemphigus; V. 40—41 von der Alopecia, endlich V. 42—44 von den sekundären Geschwüren am Kahlköpfe handelt, mannigfache Leiden, die häufig syphilitischen Ursprungs sind, und deren Verständniß aus dem Terte Niemandem schwer fallen dürfte, der sich mit dem Vorhergehenden vertraut gemacht hat. Ich gehe daher mit Umgehung der Opferordnung, die nicht in den Bereich meiner Aufgäbe fällt, zu einer kurzen Besprechung der Krankheiten der Kleider und Gebäude über. Es muß hier vorausgeschickt werden, daß die Ansichten über dje Ansteckungsfähigkeit des Syphilis von alterher sehr verschieden waren. Daß primäre Affektionen (Tripper und Schanker) durch Geschlechtsvermischung fortgepflanzt werden,' darüber war man von jeher einig. Nicht so bezüglich der sekundären Erkrankungen. Während man nämlich einerseits behauptete, daß die Secrete von syphilitischen Hautausschlägen, der Speichel und die Ausdünstung, ja selbst die ausgeathmete Luft der an allgemeiner Syphilis Leibenden, einen gesunden Menschen anzustecken vermögen, wurde dies von entgegengesetzter Seite nachgerade in Abrede gestellt. Selbst der verketzerte Ricord vertheidigte noch 1650 Me letztere Ansicht, bis endlich in jüngster Zeit, namentlich (1853) durch Walle r in Prag augestellte Jmpfversuche die erstere Meinung außer Zweifel setzten. Die Gesetze über Kleider- und Häuserkrankheiten beweisen, daß Moses nicht nur die Ansteckungsfähigkeit der syphilitischen Secrete, sondern auch 790 die Thatsache gekannt habe, daß Kleider, Hausgeräthe, Bettstellen u. s. w., ja selbst die Mauern eines Zimmers, Ä ches ein Syphilitischer bewohnt, dadurch, daß sie vom Kranken mit solchen Secreten beschmutzt werden, zur Weiterver-. breitung der gräßlichen Krankheit beitragen und dienen. Es genüge hier, eine leider von mir selbst gemachte traurige Erfahrung, wo Syphilis durch die Thürklinke, die ' ein Kranker mit der beschmutzten Hand gefaßt, auf mich selbst übertragen wurde. — Eine einschlägige höchst interessante Beobachtung wurde von einem leider zu früh' dahingeschiedenen Freunde, dem berühmten Oculisten, Doktor Friedrich Groß in Großwardein gemacht. In dem walachisch-bischöfl, Seminär, in welchem während der traurigen Epoche 1848—1849 Kranke mit Öphthalima Aegyptiaca untergebracht waren, und welcheS durch volle zwei Jahre unbenützt gestanden, erkrankten 1852 sämmtliche Zöglinge an derselben ansteckenden Augen-, krankheit, die nicht eher aufhörte, bis das ganze Gebäude geräumt, die Wände frisch übertüncht,— mit einem Worte die mosaische Desinfektion vorgenommen wurde. Außer der Verbreitung von syphilitischem Contagium durch Beschmutzung hat jedoch Moses offenbar noch eine andere Krankheit vor Augen gehabt, die ebenso, wie Blntentmischung einhergeht, und Geschwüre, wie chronische Hautausschläge erzeugt: den Seorbut, Scharbock, eine Krankheit, die mit Syphilis komplicirt, zu den fürchterlichsten und unheilbarsten flebeln gehört: denn sonst würde er nicht befohlen haben ״die schadhaften Steine auszuziehen" (Kap. 14, 40), oder gar ״das ganze Haus einzureißen" (Kap. 14, 45), da würde wol das Abkratzen der Wände (Kap. 14, 41) allein: genügend gewesen, sein. — DaS.להסי.יר (Kap. 13, 5l). 54 und Kap.. 14, 38) kann füglich in der Grundbedeutung. genommen werden, wenn man nicht darunter das Ueberstresch.en mit einem austrocknen den Kleister (Kalk, Gyps u. s. w.) verstehen will.; : ׳ ׳ ״Aber", wird man fragen, ״Moses spricht deutlich von Geschwüren נגע צרעת der Kleider und Häuser — von deren Ausbreitung und Verkleinerung binnen sieben Tagen — von röthlichweißer oder dunkelgrüner Farbe und erhabenen Rändern u. s. w. — also von einem lebenden organischen Krankheitsprozesse, wie wir ihn.an mit syphilitischen Eiter beschmutzten Kleidern und feuchten Mauern nicht beobachten; — sollten wir da nicht annehmen, daß der Aussatz in der Bibel eine eigenthümliche, jetzt nicht bekannte und ganz andere Naturgesetze - befolgende Krankheit gewesen sei?"!?i; Wahrlich, antworte ich, wir leisten der Religion und dem religiösen Gefühle im Allgemeinen schlechte Dienste, wenn wir bei jeder unserer modernen Auffassung unzugänglichen Tradition allsogleich zum Aebernatsirlichen.•.רבוד;,ישלא ■,כדרך הטבע unsere Zuflucht nehmen, und so, anstatt, sie . mit der damaligen Sittenkultur und Äeistesrichtung, d. i. mit dem jeweiligen Volksleben in Einklang zu bringen — es vorziehen, unfern Verstand mit dem Glauben in einem ewigen Konflikte zu erhalten! > u 5 In dem. gegeben Falle müssen wir daö Gesetz von der Kleider- und Mauerkränkheit. von einem doppelten G,esichtspnnkte aus beurtheilen: vom medizittijch-polizeilichen und religiös-zeremoniellen. In erster Beziehung steht Möses als Ärzt vollständig auf der Höhe der modernen Wissenschaft, sowol was die Erkenntniß der einzelnen Krankheitsformen, als auch deren Tragweite betrifft. In Bezug auf die zweite war er strenger Theocrat, und mußte ihm bei der genanen Kennt«iß seines Volkes höchlich daran gelegen fein, die Ueberwachung des Gesetzes dem Laien zu entzieheu und sie dem Priesterstaude zu sichern. Dazu war es nun uner< läßlich, dieselbe an ein gewisses Zeremoniel zu knüpfen, wie er dies bei der dem kalten Verstände gänzlich ünzugänglichefi Opferordnnng that. Ueber dieses Zeremoniel zu grübeln.