Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 41 (15.11.1866)
- Date
- 1866-11-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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783 784 dem man in früheren Zeiten gar keine Ahnung hatte 5). Von kabbalistischem Standpunkte läßt sich nun das vorliegende Verbot ebenfalls rechtfertigen. Wer sich überzeugt halt, daß hebräische Epitafien translnnarische, magische Wirklingen Hervorbringen, ist jedenfalls berechtiget, nichthebräische Buchstaben zu perhvrresziren. Wo gäbe es aber einen gebildeten Menschen, der sich zu diesem Standpunkte bekennen würde? Kabbalistische Grillen, verbunden mit einem zu weit getriebenen Eifer für daS Herkommen, hätten einst für die jüdische Gemeinde in Pest verhängnißvoll werden können; denn sie lieferten dem Altvfner Rabbiner MoseS Minz die Waffen, der Pester Gemeinde das ihr von der Stadt eingeräumte Recht zum Besitze eines eigenen Gottesackers streitig zu machen. Eines seiner Argumente schöpfte R. MoseS aus einem Verse im Profeten Jesajas, den er jedoch unrichtig gelesen und mißverstanden hat 6)! Von maßgebender Wichtigkeit für unsere Frage ist der Umstand, daß nichthebräische B u ch st a b e n d u r ch a u s keine unerhörte Neuerung sind. Schon Zunz weist auf Wolf hin, welcher im vierten Bande fetucrBibliotheca hebräa erzählt, daß Theophil Sigsried Bayer, — geb. 6. Inner 1694; gest. als Akademiker zu St. Petersburg 10. Februar 1730, — einige jüdische Grabschriften in griechischer und lateinischer Sprache erläutert hat (S. 1170). Wir werden beflissen sein, uns diese Inschriften zugänglich zu machen, und dieselben unfern Leseren vorzulegen. Unsere geehrten Mitarbeiter und Korrespondenten werden hoffentlich die Güte haben, uns die in Ansehung der Epitafien Herrschende Sitte ihrer Gegend milzutheilen. Der Gottselige Schwab hat auf den Denkstein Veit Ehrenstamms in Proß-- nitz schon vor vierzig Jahren eine hebräische und deutsche Inschrift gesetzt. Dieser Denkstein trägt überdies eine kleine deutsche Inschrift von dem damaligen Kreishauptmann Pilz in Olmütz. Niemand nahm Anstoß daran, da man weder den Chaßidäismus kannte, noch die alberne Orthodorelei, mit welcher heutzutage mancher Rabbiner die Schäden seiner theologischen Bildung zu decken hofft. Das jüdische Epitafienwescn in' Ungarn verdient aber auch sonst einer öffentlichen Vesprechun.; unterzogen zu werden. Viele Familien, die prächtige Monumente setzen und mir hebräischen Inschriften versehen lassen, ahnen nicht, wie wenig der Inhalt der letzteren der kostspieligen Pracht der erstereu entspricht. Die hebräischen Inschriften entziehen sich der kritischen Beurtheilung. Denn selbst in dem verhältnißmäßig engen Kreise derer, die hebräisch verstehen, finden sich nicht Wenige, denen die nöthigen Kenntnisse fehlen, mn die Attentate gegen die Grammatik und den guten Geschmack, die Nadebrecherei der Sprache, die Uebertreibungeu, die verunglückten und jedenfalls unpassenden Witze und Redewen« düngen in so vielen Epitaphien wahrzunehmen. Die von Levysohn, Frankel und Lieben veröffentlichten alten Grabschristen sind nichtöweniger als Muster geschmack- נזהר״ ם מיגץ (■״ ^•aa 1827, Nr. 18. S. 39. a. חקקי במשכן סלה Mid 40, a.:להיות קברך קבר עולם לעשות לך שם משכן סלה 3efa{. 22, 16. steht aber:י.! חויקקי בסלע משכן לו vollen Lapidarstyls, uud stehen den von Almanzi kopirten und von Luzzatto herausgegebenen Toledanischen Inschriften bei Weitem nach. Zur Entschuldigung der Verfasser der ersteren dient aber der Umstand, daß sie sich des hebräischen Styls ihrer Zeit bedienten. Mit dem hebräischen Style unserer Zeit wird aber die Nachwelt den Styl so vieler Epitasten nicht vereinigen können. Am Ende wird sie dem Gedanken Raum geben, daß manche Chevra Kaddischa den geschmackvollen hebräischen Styl als eine uachmendelssohnsche Neuerung perhorreSzirt habe! Mit dem Gesagten wollen wir durchaus nicht behauptet haben, daß nur in Ungarn hebr. Mazzewot manchen Unsinn enthalten. Eine Grabschrift gleichen Kalibers wurde uns vor einigen Jahren von London mitgetheilt. Auch kennen wir deutsche Grabschriften, die nichtsweuiger als geeignet sind, Friedhvfgedanken zu wecken. Daß nachstehende Inschrift unbenützt zurückgelegt wurde, geschah aus rein zufälligen Umständen. Wir theilen dieselbe nach der vor uns liegenden Handschrift des Herrn Verfassers mit. Sie lautet: ״Hier liegt nach kurzer Lebenszeit — ein Tugendmann voll Thätigkeit — ein edler Freund, ein treuer Gatte — der gerne theilte, was er hatte — Und that das Gut' aus Menschen- Pflicht— that's in Demuth, stvlzirte nicht!" -- Die folgenden nicht für die Oeffentlichkeit geeigneten Zeilen sind in demselben Style gehalten׳. .Die entsprechende hebräische Inschrift besteht aus 24 Zeilen! Solche lange Epitaphien gehören nicht zu den Seltenheiten, da der oder die Namen des im Grabe Ruhenden vollständig als Akrostichon erscheinen müssen! Es wird uns im nächsten Jahre hoffentlich gegönnt sein, daS Gesagte durch einige Proben zu erhärten, und zugleich eine kleine Sammlung gelungener Grabschriften mitzutheilen. Beides soll in einer besondern Beilage zum ״B. Ch." geschehen. Sachkenner werden es wol auch angezeigt finden, sich über die Erfordernisse einer paffenden Grabschrift auszusprechen. Richtige Einsicht und geläuterter Geschmack dringen auch hier auf Reform; auch hier kann nicht ״Alles beim Alten" bleiben. Schließlich benütze ich noch die sich darbietende Gelegenheit, dem geehrten Fragesteller im nördlichen Ungarn anzudeuten, daß der ״Errichtung einer Pyramide anfeinem Grabe" vom religionsgesetzlichem Standpunkte nicht das geringste Hinderniß im Wege steht, und daß die Pyramide nicht nur geeignet ist, ״die Stelle einer Mazzewa zu vertreten", sondern daß sie mit demselben Rechte den Namen Mazzewa führt, wie Denksteine, die keine Pyramidalform haben. Das Motiv, daß ״man so etwas vor Zeiten ans einem jüdischen Gottesacker nicht gesehen habe", ist an sich ohne Belang, und kann sogar auö der alten Geschichte wi- Verlegt werden. Denn Simon der Fromme, der Hasmonäer, ״machte einen Bau auf dem Grabe seines Vaters und seiner Brüder, und machte ihn hoch anzuschauen von gehauenen Steinen von vorn und von hinten. Und stellte darauf sieben Pyramiden eine gegenüber der andern (1 Makk. 13, 27. 28)." Ueber dem Grabe der vom Heidenthume zum Judenthnme übergetretenen Adiaben. Königin Helene, das drei Sta-