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Ben Chananja · 1866-04-11 · 14-15 (11.4.1866) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
14-15 (11.4.1866)
Date
1866-04-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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293 294 wohnten Eifer zu literarischen Forschungen nicht nachließ; wenn neue Entwürfe, zu deren Ausführung, geschweige einjährige, auch größere Zeiträume nicht ausgereicht haben würden, von seiner unerschütterlichen Standhaftigkeit zeugen; sein Körper dennoch solchen heftigen und wiederholten Stößen kaum länger widerstehen konnte. Und er erlag diesem endlich, als Jedermann die Erwartung hegte, daß ein rüstigeS Alter, eine über das gewöhnliche Ziel verlängerte Le> bensdauer, ihm Gelegenheit bieten werde, die begonnenen Arbeiten zu vollenden, und zu den schon erworbenen Lorbeeren neue Zweige hinzuzufügen. Und nun möchte ich ein Bild von den Privattugenden des vortrefflichen Mannes entwerfen. Um mich jedoch kurz zu fassen, will ich mich damit begnügen, zu erwähnen, daß er jenen großen Grundsatz, den er mit Recht als eine der Grundlagen im Judenthume und als charakteristische Tugend des jüdischen Volkes bezeichnete, den der Mildthätigkeit nämlich, besonders beobachtete und übte. Er war im hohen Grade leutselig und wohlthätig. Selbst arm, war er gegen Hilfsbedürftige freigebig. Er gab ja nicht das Ueberflüssige, er hatte doch an Nichts Ueberfluß, sondern von dem, was kaum hinreichte, um seine dringenden Lebensbedürfnisse zu fristen. Sollte ich denn den lichtvollsten Zug seiner wirksamen Pietät unerwähnt lassen? Während Andere den Heller zur Unterstützung dürftiger Verwandten mit Unwillen hinwerfen, nahm er — eben zur Zeit, als man seinen Gehalt reduzirte — die verwitwete Schwester sammt ihrer zahlreichen Familie ins Haus und theilte mit ihr die auf seinem Tische ohnehin nicht reichliche Kost mit jener Liebe, die der Wohlthat einen höhern Werth gibt. So bewährte er seine Treue zu den ewigen Grundsätzen des Judenthumes, so verband er das Beispiel mit der Lehre. Möge seine hinterlassene Gattin den Lohn so vieler Liebeswerke ernten, und mögen seine Verdienste jene wirksame Dankbarkeit, die doch ihm gebührte, sie genießen lassen! Ein so kostbares Leben erlosch in der Nacht des heiligsten unserer religiösen Festes, welches nunmehr allein die zerstreuten Glieder unserer israelitischen Familie zu einer gleichen Bestrebung mit denselben Gesinnungen vereint. O ihr, wo ihr auch immer sein möget, die ihr euch ein einziges Mal daran erinnert, daß ihr im Schoße des Judenthumes geboren seid, wie muß euch da zu Muth gewesen sein, als ihr des Morgens, während ihr euch auf den Weg nach dem so selten besuchten Gotteshause machtet, da ihr doch an diesem Tage von jeder Gewinn- und Vergnügungssucht, die euch an jedem andern Tage nicht Zeit lassen, an eine Angelegenheit des Geistes zu denken, in allem Ernste frei seid,-— wie muß euch da zu Muthe gewesen sein, als euch die Trauerkunde traf, daß in eben dieser Nacht der Mann das so gut angewandte, dem Judenthume als Ganzopfer geweihte Leben geschlossen hat, indem ihr doch kaum einige Stunden im Jahre dem Gottesdienste, dem Gebete gönnen wollet? Es ist also kein Trugbild, kein Traum eines Fieberkranken dieses Judenthum, um dessentwillen ein Weiser, ein Denker weltlichen Freuden entsagt! Ziehet doch Nutzen aus dieser ernsten Lehre, welche die Vorsehung euch an eben dem Tage, den ihr noch heilig haltet, zum Heile eurer Seele ertheilt haben will! Aber leider sieht das Judenthum die Reihen seiner wackern Kämpen sich mit jedem Tage mehr lichten. Ach, welche große, nicht so leicht auszufüllende Lücke ist in dem Hause enstanden, das zur Fortpflanzung und Verbreituug unserer Lehre gegründet ist! Möge dieser schwere Verlust diejenigen, welche die Wichtigkeit eines so ersprießlichen, auch mit jedem Tage mehr nothwendigen Institutes nicht einsehen, oder gar in Abrede stellen, zur Besinnung bringen; und mögen die, welche die Entscheidung bei öffentlichen Angelegenheiten in Händen haben, sich berathen über die nöthigeu Vorkehrungen, welche zur Aufrechthaltung einer so Herrlichen und rühmwürdigen Anstalt getroffen werden sollen. Und ihr, die ihr zu den Füßen des vortrefflichen Lehrers saßet, seid nicht ungehalten, wenn ich euch in dieser feierlichen Stunde daran erinnere, daß es keine liebevollere Verehrung gibt, die ihr seinem Andenken zollen könnet, als wenn ihr das heil. Werk fortsetzet, wenn ihr nämlich die Pflege der Wissenschaft, welche dazu beiträgt, den Glauben unverletzt zu erhalten, zu den Pflichten euerer Amtsverwaltung gehöre! Laßt eS euch nicht verdrießen, wenn ich euch vermöge des Ansehens, das mir das Alter und das Lehramt einräumen, ernstlich ermahne, euch beschwöre, daß ihr euch einmüthig scharet, euch in Eintracht fest um das Banner des geoffenbarten und überlieferten Judenthumes reihet, damit es nicht in Stücke zerrissen werde; daß ihr als treue Wächter auf der Hut seid, damit Niemand das, zu dessen Aufbau so viele Jahrhunderte beigetragen haben, niederzureißen wage; daß ihr bedacht seid, die Nebel, worüber man klagt, durch wirksame Mittel zu heilen, -sie aber nicht durch scheinbare oder gefährliche bemäntelt, oder unheilsam machet. Möge es euch endlich nicht verdrießen, wenn ich euch aus inniger und reiflich erwogener Ueberzeugung wiederhole, daß Unwissenheit die wirkliche Feindin des Glaubens ist, und daß sie durch das Wort, die Belehrung, kurz durch die Wissenschaft des Judenthums aufs Aeußerste bekämpft und besiegt werden müsse. Und du seliger Geist, der du nun unter himmlischen Freuden ruhest, bete doch für uns zum Gotte der Wahrheit, daß er unfern Sinn erleuchte, unsere Herzen erwärme, jenen heiligen Eifer für die Lehre, welche du so beherzt vertheidiget hast, in uns entzünde, daß dein Andenken, welches stets in uns fortleben wird, uns ansporne, dir in dem großen Unternehmen nacheifern, damit es auch uns gelinge, das Judenthum zu verherrlichen. Zustände der jüdischen Gemeinde in Amsterdam. Von Jos. Kahn. Oberrabbiner zu:Trier.! (Fortsetzung. *) b) Wohlthätigkeits.Anstalten, t) Waisenhaus. Es bestehen für Knaben und Mädchen zwei besondere Waisen- ׳ Häuser, die auch ihre besonderen Fonds, Stiftungen und Verwaltungen haben. Herr Alfred Prius, Mitglied der Verwaltung, hatte die Güte, mich von der Armenschule aus in daö Knaben-Waisenhaus zu begleiten, und in Gemeinschaft mit Herrn B-S. Ries, dem Präsidenten, den wir dort trafen, Asieö zu zeigen und zu erklären. Dieses Haus, das erst vor einigen Jahren ganz neu erbaut und eingerichtet ward, ist sehr großartig und im schönsten Style aufgeführt. Die Einrichtung und Ausstattung desselben sind ebenso vorzüglich bis in ihre kleinsten Details, und nimmt man überall die!bekannte holländische Reinlichkeit wahr. Außer den großen herrlichen Sälen für die Verwaltung, die Wasche, den Unterricht ic. 1c. befindet sich in dtesem Hause auch eine geräumige Sukka, die im Jahre zum Turnen benützt wird, und eine sehr elegante Synagoge, die mehrere sehr schön geschriebene Thorarollen mit den reichsten Ornamenten besetzt. Die Waisenknaben find sehr paffend und gut gekleidet und sehen sie vorzüglich aus. Wenn ich nicht irre, sind gegenwärtig 30 Knaben in demselben. Die Kosten für diesen großartigen Bau und die ebenso großartige Einrichtung desselben sind theils durch vorhandene Fonds, größtentheils aber durch bedeutende freiwillige Gaben vieler Israeliten aufgebracht werden. Das Mädchen-Waisenhaus ist viel einfacher, aber ebenfalls sehr gut und paffend eingerichtet, und befinden sich in diesem etliche 5) Prof, Lnzzatto verschied in der Nacht des VersvhiinngStageS. ') S. die vorige Nummer.

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