Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 14-15 (11.4.1866)
- Date
- 1866-04-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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295 296 30 Mädchen. Die Waisen-Eltern, besonders in letzterm, kamen mir als sehr gute und gemütliche Menschen vor und sollen fie, wie mir erzählt wird, in jeder Beziehung in ihrem Berufe ausgezeichnet sein. Beide Häuser haben ziemlich bedeutende Fonds durch Stiftungen und jährliche Beiträge. Zn einem bestimmten Zimmer hängen große Verzeichnisse der Wohltäter mit Angabe dergespendeten Summen. Diejenigen, die eine bestimmte Summe jährlich beitragen, haben das Recht, nach Bestimmung des Loses, was jährlich geschieht, ein ihnen beliebiges Waisenkind in die Anstalt aufnehmeu zu lassen. Auch dürfen fie diesen Gewinn, der mehrere 100 fl. Werth hat, an Andere verkaufen, was aber seltener geschieht. — In beiden find anch wieder die vornehmsten Damen thätig, die als Leiterinnen der Anstalten fich um dieselbe großes Verdienst erworben. 2) נוח ישע (Wohnung der Hilfe). Diese großartige Anstalt zerfällt in drei Hauptabtheilungen, und zwar in a) Alte Männer und alte Frauen Haus, in welches solche alte ausgenommen wurden, die das 70. Lebensjahr erreicht haben. Diese werden dort gut und reinlich gekleidet, gepflegt, vollkommen unt-rhalteu und sehen sie auch wohl und behaglich aus. Sie haben ihre besondere recht hübsche Synagoge und ist, wie schon oben erwähnt, der Gottesdienst ein geregelter mit Chor. Die Lokalitäten könnten jedoch viel geräumiger und freundlicher sein. Der erste Dajjan und noch einige Lomdim besuchen diese alten Leute wöchentlich mehrmals nnd halten religiöse Vorträge. Solche Alte-Männer- und Frauen-Häuser gibt es in Amsterdam und überhaupt in Holland auch für die anderen Konfessionen. b) Krankenhaus, Hospital, das sehr geräumig, gut eingerichtet und in welchem überall große Reinlichkeit vorherrschend ist, und 6) Irrenanstalt, die in eine besondere für Frauen und Männer getheilt ist. Das Haus für die letzter« ist ein sehr schönes und großartiges Gebäude, welches erst vor einigen Jahren neu entstanden ist und in welchem alle nöthigen nnd besten Einrichtungen vorhanden: find. — Es soll, wie man mir sagt, diese die einzige besondere jüdische Irrenanstalt sein. Auch dieses so großartige und kostspielige, nach drei bedeutenden Zweigen hin so wohlthätig wirkende Institut wird von vorhandenen Vermächtnissen, Spenden und einem bedeutenden Zuschuß von Seiten der Kommune — wie ich glaube — erhalten. — Der Verwalter desselben — der Name desselben ist mir nicht mehr gegenwärtig, — ist ein sehr ehrsamer, tüchtiger und zuvorkommender Mann. — Sehr anzuerkennen ist das Verdienst mehrerer angesehener und in ihrem Privatberufe sehr beschäftigter Herreu um die bisher erwähnten Schulen und Aiistalten, da sie mit großer Aufopferung fich derselben in Liebe annehmen. Ich nenne einige derselben, die mir persönlich als solche bekannt wurden , ohne hierdurch die andern Ehrenmänner ihnen nachstellen zu wollen, nämlich die Herren: S. E. Ryihertz, Advokat; Alfred PrinS, Philipps, Polizeikommiffäre; Wallach, Banquier; Rieö, Oiofeii rc. 3) Verein, um Arbeit zu verschaffen und Hand- Werker aus zu bilden. Dieser wirkt, seiner schönen sich gestellten Aufgabe gemäß. seit einer Anzahl von Jahren sehr wohlthätig, wie die vom Sekretär desselben, Herrn vr. weck. Rosen, mir übergebenen Jahresberichte zetgen. Jedoch sollen die Israeliten denselben nicht so freigebig unterstützen. Dagegen betheiligen sich auch Christen hierbei und ist noch besonders hervorzuheben, daß die Königin von Holland schon mehrmals schöne Geschenke zum Zwecke der Verlosung dem Vereine eingesendet hat. III. Höhere Lehranstalten. Außer einer Talmud-Thoraschule, über deren Leistungen ich mich nicht weiter erkundigt habe, mehrere Vereine, in welchen täglich Mischna und Bibel gelehrt wird und einem Beth ha-Midrasch in welchem täglich die Lomdim sich vertreiben und auf alte Weile Talmud lernen, gibt es in Amsterdam keine höheren Lehranstalten, und können die genannten eigentlich auch nicht als solche gelten, mit der einzigen Ausnahme des ״Niederländischen jüdischen Seminars" zur Ausbilduug von Lehrern, Religionslehrern und Rabbinern, über welches ausführlich zu berichten ich durch eigene Anschauung im Stande bin. Dieser mein Bericht wird als Ergänzung Ihrer gediegenen Arbeiten, geehrter Herr Kollege, über die jüdischen Seminare, dem ״B. CH." wol angenehm seiu. (Fortsetzung folgt.) Zr e u e st e s. M. Beutheir (Oberschlesten), 2. April. ״Gottlob: Wir haben gesucht und wir haben gefunden!" Das ist heute di-Simmung in unferer Gemeinde. An den ersten Tagen dieses Festes hatten wir den Rabbiner Herrn Dr. B. Friedmann aus Ungarn in unserer Mitte. Derselbe zeigte, nachdem er uns am ersten Tage Vormittags mit einer deutschen Predigt sowol in Betreff des Inhalts, als auch mit seinem anziehenden Vortrage einen hoheu geistigen Genuß bereitet hatte, Nachmittags vor einer zahlreichen Versammlung seine tiefe und scharfsinnige Kenntniß des eigentlich rabbinischen Faches, indem ec einen gediegenen Vortrag in Charifuth hielt und im Pilpul mit den hiesigen bewährten Talmudisten eine erstaunliche Gewandtheit, diesen durchzuführen, glänzend an den Tag legte. Nun erst, also unvorbereitet, aufgefordert, am zweiten Tage wieder eine deutsche Predigt zu halten, entledigte er sich dieses Aufträges mit dem glänzendsten Erfolge. Nicht nur allgemeiner Beifall wurde ihm gespendet, sondern von seiner herrliche» Beredsamkeit fühlten fich Alle hingerissen. Wir hoffen, daß diese Stimmung fich auch bei der bevorstehenden Wahl bekunden und Herr Dr. Friedmann bald unser Rabbiner sein wird, was ein Glück für unsere Gemeinde sein würde. Gingesendet. MiSkolcz, Ende März. Die in Nr. 13 des Kaschauer LeitsternS von seinem Miskolczer M. R.-Korrespondenten gelieferte Rezension der von Herrn Dr. Klein, unserem hochgeehrten Schuldirektor und Prcdiger, am Sabb. Schckalim abgehaltene Predigt hat fast auf jeden Leser, dem das Gebot ״Von der Lüge halte dich'fern" nur halbwegs heilig ist, einen peinlichen Eindruck gemacht. Wir würden eS zwar nicht der Mühe Werth gehalten haben, unseren von der ganzen Gemeinde hochgeachteten Prediger. Herrn Dr. Klein, dessen vielseitiges Wissen selbst von den größten RabbinatSantoritäten anerkannt ist, einem Individuum vis-a-vis, das zu geistesarm ist, als daß es überhaupt die tiefsinnige Schkalimpredigt des geehrten Dr. Klein verstanden hätte, zu vertheidigen; allein der Mann, für dessen Ehrenrettung einzusteben wir es als Gebot der Nächstenliebe betrachten, verdient es wahrlich, von dem Schmutze gereinigt zu werden, mit welchem er, ohne es im geringsten verdient zu haben, beworfen wird. ES gehört wahrlich kein geringes Maß von Arroganz und Un, verschänilheit dazu, einen Mann wie Dr. Klein, der durch seine gehaltvolleform- und kunstgerecht abgesaßte, mit aus der Tiefe des Herzens dringeuder Wärme vorgetragenen Reden nicht allein die Anhänger des geregelten Gottesdienstes, sondern auch zahlreiche Besucher des alten TempelS in unser prachtvolles Gotteshaus lockt, so zu begeifern, wie dies genannter Korrespondent gethan. Jeder Intelligente in MiSkolcz hat zu Dr. Kleins durchgebildcten ethischen Charakter und seinem von Männern nne Napoport, Löw, Kämpf und Wessely dokumentarisch bezeugten gründlichen Wissen zu viel Vertrauen, als daß er auch nur einen Augenblick dem Zweifel Raum geben möchte. daß Dr. Klein etwas für geschichtliche Wahrheit auSgeben werde, was sich vor dem Richterstnhle der strengen Wissenschaftlichkeit nicht rechtfertigen ließe. Die Behauptung des LI. R.-Korrespondenten, daß Dr. Klein unter den vier unglücklichen Gelehrten, die für die babylonischen Hochschulen Spenden sammeln sollten, einen R. MoseS Ha-Darschan, mithin unter den vier Gelehrten zwei R. Mose genannt haben soll, ist ebenso lügenhaft und verleumderisch, als Ll. Rs. Angabe, daß Dr. Kleins geringe talmudische Kenntnisse bier ein stadtkundiges Geheimniß ist. Wir geben uns zwar keine große Mühe. aus der Namenklatur vagirender Halbwisser Herrn LI. R.’s wirklichen Namen zu eruiren, aber wenn es wahr ist, daß 16 style c’est!'komme so wagen wir die kühne Behauuptung, daß Herr Kritikus LI. R. fich gratuliren könnte, wenn er nur über einen kleinen Bruchtheil von Dr. Kleins vielseitigem Wissen verfügen möchte, und irrt derselbe sehr, wenn er sich durch diese lügenhaste Kritik den Weg zum hiefigen Predigeramte anzubahneu glaubt. Dies ״zur Rettung der Wahrheit." Vou mehreren Freunden der Gerechtigkeit. Druck von Sigmund Burger in Szegedin 1866.