Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 14-15 (11.4.1866)
- Date
- 1866-04-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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285 286 der gedrückten Zeitverhältnisse noch günstiger; auch ist zu hoffen, dass jene freiwillig fatirten Beträge auch pünktlich eingehen werden, während die Finanzsektion des Provisoriums sieh zu steueramtsmässigen Zahlungsaufforderungen, ja sogar zu Exekntionen genöthigt sah. Ferner haben wir zu berichten, dass der Gerneindevorstand behufs Besetzung des Primariates am Israelitenspitale, welches nach je dreijährigem Cyclns in Erledigung kommt, einen Konkurs ausschreiben und in den Zeitungen ergehen lassen wird. Mit Befriedigung konnten wir schon zu wiederholten Malen auf die mannigfachen Segnungen hinweisen , die uns das, wenn auch leider nur so kurze und zu bald durch die Gewalt des Oktroy’s sistirte Hirschlefsche Regime hinterlassen. Die pariamentarische Behandlung aller Gemeindeangelegenheiten, die angebahnte Regelung unserer derontirten Finanzverhältnisse, die nmsterhafte Regenerirung des Israelitenspitals, die Einführung der freiwilligen Fassion — cs sind ebenso viele Denksteine, die uns jene dem fortschreitenden Zeitgeiste huldigende Vorstellung im Laufe ihrer Wirksamkeit zurückgelassen. — Auch unsere gegenwärtige Verwaltung ist treulich bemüht, in die Fusstapfen jener vorangegangenen zu treten, und hat sich bereits durch Anstellung des ungarischen Predigers die Anerkennung über Generationen hinaus gesichert. Ein Denkmal jedoch , von dem es mit Recht ״aere perennius“ heissen wird, wird die Verwaltung sich errichten, wenn es gelingt, den Plan der Erbauung eines grossartigen, unserer Gemeinde würdigen Schulhauses durchzutiihreu. — Die bisherigen Sclnillokalltäten, namentlich aber die der alten Normalschule waren von jeher ein wunder Fleck unseres Gemeindelebens. — Die engen den Verhältnissen vergangener Jahrzehente angepassten Hörsäle erwiesen sich schon seit Jahren als für den ungarischen mehr als verdoppelten Schulbesuch ungenügend. Es wurde daher der Bau eines neuen Schulhauses schon im Jahre 1861 angeregt, ohne jedoch wegen Missgunst der Zeitverhältnisse in Ausführung kommen zu können. Jetzt wurde diese Idee wieder aufgenommen, es steht die Bildung einer grossen, sich aus allen Kreisen der wohlhabenden Bevölkerung rekrutirenden Kommissien in Aussicht, um die nöthigen Schritte zur Erbauung eines den Bedürfnissen entsprechenden grossen Schulhauses einzuleiten. — ln demselben würden die jetzige Normal- und Mädchenschule, die Kinderbewahranstalt und die Talmud-Thora Platz finden. — Möge das grosse Publikum Angesichts der nun an dasselbe herantretenden so hochwichtigen Frage seine bisherige Opferwilligkeit auch hier nicht verleugnen und die Entwicklung dieser Angelegenheit mit jenem Eifer fördern, der der grossen Tragweite dieser Frage gebührt. 0 Miskolc* , Anfangs Apiil. Bekanntlich hat die reaktionäre Partei den gegenwärtigen Vorstand summt Rep,äsentanz hei den iöbl. Behörden der ersten und hohem Instanz als ungesetzlieh erwählt denuuzirt, und zwar vorzüglich aus dem Grunde, weil bei der am 19. Juni, v. J. stattgefundenen Neuwahl nur die, jenigen Gemeindeglieder (240—960) das Wahlrecht ausübten, die — laut dem diesbezüglichen Statthaltereierlasse vom 19. Mai 1865 direkt (in was immer für einem Betrage) besteuert sind; die Unzufriedenen suchten nämlich zu beweisen, dass die löbl, Statthalterei unter direkter Steuer eigentlich die Bezahlung des Fleisch- Kreuzers verstanden halten musste, wonach Jedermann, gleichviel ob vom Almosen lebend, oder mit einer jährlichen direkten Steuer von 80 fl. bis zu einem Gulden belastet, das gleiche Stimmrecht besitzen müsse, und dass׳ daher bei der Ausschreibung der darnaligen Wahl der löbl. Statthaltereierlass schlecht interpretirt das heisst umgangen wurde. Unser allverehrter, jeden Schein des Unrechtes gerne vermeidende Herr erster Vizegespan, hat in Folge der von den ״Orthodoxen“ letzthin in Szene gesetzten Umtriebe, den gortlischeu Knoten dadurch zu lösen gesucht, dass die unmittelbare Anfrage an den kön. ung. Statthaltereirath [gerichtet wurde: ״Was denn die genannte hohe Landesbehörde in ihrem Erlasse vom Mai 1865 unter direkter Steuer verstanden haben wolle?“ Dem Vernehmen nach ist nun dieser Tage die klare, keiner Dentelei mehr zugängliche Erklärung von der hohen Stelle herabgelangt, dass man unter direkter Steuer den sogenannten Fleisch- Kreuzer (Gabeila) durchaus nicht verstehe, und dass jene Individuen, die sonst nichts als den Fleisohkreuzer entrichten, um so weniger Irgend einen Anspruch auf das Wahlrecht haben können, als überhaupt die Sohlachtbesteuerung als ein mit den bestehenden Vorschriften unvereinbarer Missbrauch zu betrachten sei. Diese überaus wichtige und hochweise Entscheidung des hohen k. ung. Statthalfereirathes, wonach der tobsüchtige, von blinder Wuth gegen alles Schöne und Gute leicht ergriffene Pöbel endlich zum Schweigen gebracht wird, hat auf die Freunde des Fortschrittes in der hiesigen Gemeinde den günstigsten Eindruck gemacht und birgt hoffentlich den Keim allseitiger Verständigung, sowie der endlichen Austragung aller Zerwürfnisse dieser schwergeprüften Gemeinde in sich. — Der gegenwärtigen Vorstehung aber erübrigt nur noch darzuthun, dass die zweite gegen dieselbe erhobene Beschuldigung der 9 Ankläger , dass man das Gemeindevermögen treulos verwaltet habe, falsch und erlogen ist, um sodann mit vereinten Kräften an die Erfüllung ihrer letzten und ehrenvollsten Mission: Berathung und Unterbreitung eines Gemeindestatuts, eifrig Hand anzulegen. Wir bescliliessen demnach das diessjährige Erinnerungsfest (ססה) an die einstmalige Befreiung aus dem Sklavenjoche Aegyptens, in der frohen Hoffnung, dass endlich auch von unserer Gemeinde der schwere Alp brüderlichen Unfriedens, welcher noch ärger als pharaonische Bedrückung unsere kostbarsten lnteressen zu zerstören droht, recht bald verschwunden sein und wieder segensreicheren Zuständen Platz machen werde. Zur Beruhigung. Der Herr Redakteur der i» Wien erscheinenden ״Ncnzeil" hat einen veiiuchlcndeli Streich nach mir gesühn. Wenn ich glcichwol nichr veriiichlei bin. so kömmt dies daher, weil mir die Literaturgeschichte die iroslreichc Lehre gibt: Schriftsteller, die sich nut ihren, ihnen überlegenen Gegnern ans Ii'terärischcm Gebiete nicht zu messe» vermögen, Wersen sich ans das Gebiet der Personalien, wo sie sich natürlich viel leichter bewege», als aus dem Gebiete der Wissenschaft und Literainr. Herr Szänlö hält mir eine Sirafvredigt, dercn attisches Salz jede» gebiidelcn Leser entzücken muß, und die mich, wie leicht zu ermessen ist, zur Bußseriigk.it gessimnil hat. In Einem Glücke thut mir aber Herr Szänlö jedensallS Unrecht. Er macht es mir zum Vorwürfe, daß ich, in Mähren geboren, mich ״zum magno risch cn Patrioten ansgcstcisl habe", was, wie ich hinznsügen darf, mit einiger Keuntniß der nugarischcl, Svrache ״uv Literatur, der nngarischen Geschichte und Gesetzgebung verbundcii iss. Für dieses Verbrechen muß ich aber gerade den Hrn. Red. der ״Nzk." verantwortlich machen. Er lst nicht in Mähren, sondern in Ungarn geboren, und zwar i» demselben Komitate, in welchem Franz Der'ck daö Licht der Wett erblickte. Er ha: sich aber »ich! znm ״magnarischen Patriotcn aufgesieisl": Ungarische Sprache, Geschichte und Gesetzgebung sind ihm unbetanntc Größen. Da ich liilii sein Genie niemals verkannt habe, so faßte ich gleich beim Antritte meines Amtes in seinem Geburisorte Groß-Kanizsa den Entschluß. mit meinen schwachen Kräften dem Vaterlande den Verinft zu ersetzen, den dasselbe durch die gänzliche Ervatriirung des Hrn. Sz. erlitten hat. Vollständig ist mir dies wol schwerlich gelungen, denn ein Szr'uilö bin ich nicht! Da aber Herr Sz. ein Zaladenser ist. so erlaube ich mir, folgendes Schreiben des Herrn Grafen Leo Fesietitö. Obergespaii-AdministratorS des Zalader KomitateS anzusührcn. woraus Herr Sz. ersehen wird, daß es mir doch