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Ben Chananja · 1866-04-11 · 14-15 (11.4.1866) · page 5

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Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
14-15 (11.4.1866)
Date
1866-04-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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273 274 statter ist, läßt mit Gewißheit schließen, daß von R. Gamaliel I. die Rede sei, denn eS würde R. Zadok, wenn er anch noch zur Zeit Gamaliels II. am Leben war, schlecht anstehen, für eine halachische Entscheidung sich ans die Praxis des viel jünger» Zeitgenossen zu berufen. Im Gegentheile aber sagt die Mischna (Bezah 22, b.): R. Gamaliel habe den Brauch eingeführt, am Paffahabende gebratene Lämmer als Ersatz für das Passahopfer zu verzehren. ׳Ein Beweis, daß an ein wirkliches Opfer nicht zu denken war. — R. Gamaliel stellt ferner einmal seinen Kollegen R. Tarphon, der von priesterlichem Geschiechte war, darüber zur Rede, warum er am frühem Tage nicht im Lehrhause erschienen sei?" ״Ich habe um diese Zeit Opferdienst verrichtet", entgegnete der Befragte. ״Wie soll ich das verstehen, ruft R. Gamaliel, gibt es denn heutzutage einen Opferdienst?" Endlich stellt sich heraus, R. Tar- Phon habe unter seinem Opferdienste den Genuß der Teruma verstanden, welcher in gewisser Beziehung dem Opferdienfte gleich gesetzt wurde (Pesachim 72, b.). Auch aus diesem Vorgange ist deutlich genug zu ersehen, wie fern ein wirklicher Opferkultus dem Jdeenkreise dieser Zeit lag. Der scharfsinnige R. Chajes (Respons. 76, 4) will zwar diese beiden Tbatsachen in die Zeit nachdem Falle BetarS verlegen, wo dem Juden bereits der Zutritt zur h. Stadt verboten war; aber hier läßt er sich einen gewaltigen Anachronismus zu Schulden kommen, indem R. Gamaliel erweislich vor dem Beginne des durch Ben Cosiba veranlaßten Aufstandes mit dem Tode abgegangen war (s. Baba meziah 59, b. Synhedrin 68, a. 101, a.). Und wenn die Baraitha (Synhedrin 11, b.) von R. Gamaliel erzählt, wie er, auf dem Tempelberge stehend, einen Brief an die Glaubensgenossen im parthischen Reiche diktirt, des Inhalts, daß man, weil die Tauben noch zu zart, die Lämmer zum Passahopfer noch zu jung seien, für gut befunden habe, dem lausenden Jahre einen Schalkmonat zuzugeben; so kann hier wieder nur R. Gamaliel I. gemeint sein. Die Bemerkung der Gemara: דלמאבתר דעברלהל, gehört offenbar einer viel spätern Zeit an, und ist eine irrthümliche, denn R. Gamaliel I. wurde niemals abgesetzt. Aber die Verfasser des Talmud hatten nicht immer die Neihenfolge der Personen und Ereignisse vor Augen, und Späteres und Früheres wird nicht selten ganz wunderlich durcheinander geworfen. Und wenn endlich, wie aus dem Midrasch (Koheleth 11, 1.) zu ersehen, zur Zeit der Tanaim die Juden Palästinaö und der angrenzenden Gegenden die hohen Festtage gerne in Jerusalem zngebracht; so geschah dies nur, weil selbst der schmerzliche Anblick der heiligen Stätten in ihrer Zerstörung ihnen eine gewisse Befriedigung gewährte, ohne daß dabei an irgend ein Opfer gedacht wurde. Sylche Wallführten waren noch zur Zeit des rühmlich bekannten Tonristen Estvri Farchi an der Tagesordnung, und zwar aus keinem andern Grunde, als, wie dieser Schriftsteller sich ausdrückt, מפני עגכלח נפש, um sich dort dem schmerzlichen Gefühle hiujugebeu (Laktor Wa—Ferach cap. 6.) Wenn daher Justinian, wie Chajes (Resp. 2.) sagt, wirklich Veranlassung gefunden haben sollte, die Opfer der Juden zu verbieten, so galt dieses Verbot ohne Zweifel den Samaritanern, welche auch noch gegenwärtig alljährlich ein Passahopfer auf dem Berge Garisim schlachten (s. Schwarz d. h. Land S. 428), während die Juden nach der Zerstörung des zweiten Tunpelö jeden Veriuch, den Opferkultuö fvnzusetzen oder wieder herzustellen, wvlweiSiich aufgegeben haben. ,Reformen tu ptchbuq. Im ״B. CH." Nr. 10 machen Sie anläßlich der Losonczer Gitterfrage folgende Bemerkung: ״Dem Vernehmen nach hat auch der Preßburger Pappenheim seine Hand im Spiele." Hiergegen müssen wir hier, — die wir Herrn P.'s löbliches Wirken und Streben, der Zeit und dem Fortschritte möglichst Rechnung zu tragen und selbst auf Kosten alter Usanzen Konzessionen zu machen, von der Nähe zu beurtheilen Gelegenheit haben, — entschieden protestireu, und die ihn beleidigende Zumuthung, als Hätte er den Losonczer in seinem fanatischen Vorgehen unterstützt, mit Indignation zurückweisen; Sie wollen es daher einem schlichten Kaufmanne nicht übel nehmen, daß er sich erlaubt, die von Ew. Ehrw. gemachte Aeußerung durch Folgendes zu berichtigen. Auch in unserer Gemeinde wurde eine prachtvolle Synagoge gebaut, und wem haben wir diese Errungenschaft zu danken? zum großen Theile der rastlosen Bemühung, der beispiellosen persönlichen Aufopferung des genannten Herrn P., unserer wahrhaften Provider,z. — Er hat auch hierbei, wie in allen sonstigen Gemeindeangelegenheiten, obwol er eine sogenannte Bankommission neben sich hatte, meist nach eigener An- und Einsicht gehandelt. Nun haben wir in dieser neuen Synagoge wol ein Frauengitter in obligater Höhe, aber sehen Sie, wie der versöhnende Geist auch hier zu ver- Mitteln verstand. In der alten Synagoge bestand das Gitter aus breiten gewundenen schwarzen Eisenstäben und dahinter waren noch dichte Vorhänge; in der neuen keine Vorhänge, keine Eisenstäbe, sondern ein aus einem ganz dünnen gelben Blechdrathe gewebtes Gitter, welches das Himmter, besonders aber das Hinaufsehen (von der Männerhalle) jo wenig beirrt, daß man hinanfsehend, wol die dahinter plazirten Damen ganz genau, aber das Gitter selbst fast gar nicht bemerkt, wodurch auch die gegenseitige Konversation mittelst Augen- und Mienensprache ermöglicht und auch faktisch fleißig gepflogen wird. — Hiermit ist allen Parteien Genüge geleistet. Die ein hohes Gitter wollen, sie haben es; die die Damen während des Betens sehen und sprechen wollen — sie können es, und auch die Synagoge ist durch oas zierliche Gitterwerk nicht verunstaltet. Wol würde dies den R. von L. und die ihm beistimmenden Herren Kollegen, die da verlangen, ״daß die Franengesichter in der Mäunerabtheilung nicht sichtbar sein sollen" (G. A. II), ״daß die Männer die Frauen nicht ansehen können" (G. A. III.), ״daß das männliche Geschlecht ihre Augenblicke dahin nicht haben dürfe (G. A. IV.), ״daß das durchdringliche Auge der Männer die Frauen zu erkennen keineswegs vermögen" (N esu l t a t v o l l e s G. A. V.), — nicht befriedigen; aber eben dies beweist, daß Herr P. nicht mit jenen Herren geht. — G|r wird doch nicht anderöwo mittelst Vizegespan verbieten lassen, was er in seiner eigenen Gemeinde selbst mindestens mitgeschaffen hat. — Wollte er eö anders, wäre es auch gewiß anders, da belanntlich in der hiesigen Gemeinde sein Wille ausschließlich tominirt. Mau beurtheilt überhaupt diesen Mann falsch, wenn man ihn für orthodox hält. Wir hier wissen dies besser. Er ist wol kein Vvrwärtsstürmler, aber Reformer vom reinften Wasser. — Hier die Beweise. — Unsere Gemeinde zählt zu jenen von Ihnen im genannten Blatte erwähnten ״wenigen Gemeinden, wo manche Kultttsverbesserungen w ider den Willen der betreffend«« Rabbinen eingeführt wurden." — Wir haben nämlich in der neuen Gemeindesynagoge, wenn auch keinen eigentlichen Chor, doch Chorrücke und dito Käppchen für Kantor und Meschorerim und theilweise, ja sogar bei den wichtigsten Gebelstücken, wie Schema, Keduscha, quasi Choralgesang eingeführt, auch

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