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Ben Chananja · 1866-04-11 · 14-15 (11.4.1866) · page 4

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Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
14-15 (11.4.1866)
Date
1866-04-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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271 272 Als Richtschnur aller jüdischen Schriftausleger kann aber auch diese Treue nicht mehr betrachtet werden. Im Jahre 1784 konnte Joel Löwe an Isaak Euchel schreiben: ״Wir haben einmal zur Fahne der Massoreten geschworen; und ich denke immer, wir thun am besten, wir bleiben ihr treu." Neuere jüdische Schriftforscher haben aber diesen Fahneneid nicht geleistet. Die Berufung auf Schorr, den Radikalen, werden allerdings Viele nicht gelten lassen; aber selbst Luzzatto hat stch manche antimassoretische Konjektur gestattet, und über die Punktatoren hat sich nach Napoport schon die alte französische Eregetenschule hinweggesetzt. Wie gering der Einfluß des religiösen Bekenntnisses auf die heutige Blbeleregese ist, beweisen die Auslegungen der Jesajanischen Worte: 14 ,7) הנה העלמה הרה), welche wegen Matth. 1, 22. 23. für die orthodore christliche Dogmatik von so hoher Bedeutung sind, und worüber Hieronymns, wie er selbst berichtet, mit Juden disputirt hat, indem letztere die Behauptung, daß Almah im Hebräischen Jungfrau bedeutet, lächerlich gefunden haben. Auch R. Lipmann Mühlhausen hatte im Anfänge des fünfzehnten Jahrhunderts mit einem Bischof eine Kontroverse über diese Worte. Unter den älteren christlichen Eregeten ist nur Hugo Grotius der jüdischen Auffassung beigetreten, nach welcher der Profet von der bevorstehenden Schwangerschaft eines junge» Weibes, nicht einer Jungfrau, spricht; diese Auffassnng wird von Gesenius mit filologischen Gründen ausführlich vertheidiget. Von welchem Weibe ist aber die Rede? Hand in Hand gehend denken Nascht, Aben Esra, GrotiuS, Gesenius, Hitzig und Bunsen an das Weib des Profeten, während Luzzatto ein Weib des Königs Achas verstanden wissen will. Den genannten christliche» Eregeten, von denen er blvs in einem unwesentlichen Umstande abweicht, steht mithin Luzzatto viel näher, als dem jüdischen Eregeten Philippson, welcher ״Almah" symbolisch auf die Zeit deutet: eine Deutung, welche Luzzatto mit dem stärksten Ausdruck zurückweist. '*) Und doch hat dieselbe einem Rabbiner ihren Ursprung zu verdanken! Andererseits stehen selbst Umbreit und Dunsen, diese christlich Gesinnten, ihrem orthodoxen Glaubensgenossen Hengstenberg in der Erklärung der fraglichen Stelle schroff gegenüber, während sie mit den jüdischen Eregeten im Wesentlichen Eines Sinnes sind. Nach dem Gesagten ist es leicht möglich, daß bei dem prvjektirten UebersetzungSgeschäfte zuweilen die Bekenner verschiedener Religionen mit einander übereinstimmen, und die derselben Religion von einander abweichen werden. Wer also glaubt, daß an der neuesten französischen Bibelübersetzung drei Glaubensbekenntnisse arbeiten werden, hat ein rein äußerlicheS Moment im Auge, da heutzutage nicht das kirchliche oder synagogale Bekenntniß, sondern die filvlogische Befähigung und die theolog. Richtung deS Uebersetzers maßgebend ist. Auch wird in den meisten Fällen die inhaltliche Auffassung durch eine von keinem Kommentare begleitete Uebersetzung keineswegs präzisirt. בדור הזה החיצסא פרצה כל גדר וקם פיליססון וכהי: (י .ns שכל הבנים הללו לא היו ולא נבראו So weit wir daher entfernt sind, das Pariser Unternehmen als ein irenisches in gewöhnlichem Sinne zu überschätzen, so müssen wir es doch mit wahrer Freude begrüßen, indem dadurch aufs Neue die öffentliche Aufmerksamkeit der Bibel zugewendet wird, und sich darin eine höhere soziale Jrenik manifestirt, welcher eine ganz andere Zukunft bevorsteht als den irenischen Versuchen bevorstand, zu deren Durchführung sich selbst ein Leibnitz hergab, und worüber derselbe auch mit Bossuet erfolglos korrespondirte. Die von der Verschiedenheit der Dogmen abstrahirende soziale Jrenik unfever Zeit, welche in der Sitzung der französischen Bibelgesellschaft am 21. März l. I. auf so herzerhebende Weise hervortrat, und von Levi Bing, einem jüdischen Mitglieds der Gesellschaft, mit begeisterten Worten begrüßt wurde, kann aber nicht, wie die ״Konstitutionelle österreichische Zeitung" will, die Wurzel der Emanzipation sein; sie ist vielmehr die edle Frucht, bieder Lebensbäum der gleichen Berechtigung berKulte trägt und zur Reife bringt. Ist nach kr Zerstörung Öcs J " lempefs Von Kreisrabbiuer I. W i c ö n e r. Da diese Frage in Nr. 9 d. Bl. wieder angeregt wurde, sei es mir gestattet, meine Ansicht darüber auszusprechen. Ich halte dafür, daß die Annahme, nach welcher die Juden nach der Zerstörung des Tempels auf dem Tempelberge zu Jerusalem Opfer und insbesondere Peßachopfer dargebracht haben sollen, aller Wahrscheinlichkeit entbehre. Diejenige Stelle, welche dieser Annahme zur größten Stütze dienen soll, nämlich die Mischna (Edujoth 8, 6. Megilla 10, a.) R. Josua sagt: ״Ich habe gehört, daß man Opfer dardringen darf, wenn auch kein Tempel besteht u. s. w." beweist gerade, daß es sich hier blos um eine Theorie handelt, die im praktischen Leben nie zur Anwendung gekommen. Wäre das Darbringen der Opfer zur Zeit N. Josnas, ,wo den Juden der Zutritt zum Tempelberge noch völlig gestattet war, eine Sache gewesen, die oft genug oder wenigstens mit jedem Jahre Vorkommen mußte, es würde davon nicht in den unbestimmten, jedem Zweifel Raum gebenden Ausdrücken: ״Ich habe gehört, daß man opfern dürste u. s. w." gesprochen worben sein; und es hätte um so weniger R. Elieser selbst die Befngniß zu dieser Opferung in Abrede stellen können. Wäre wirklich geopfert worden, wer hätte mehr davon wissen müssen, als R. Elieser und N. Josua? N. Zadok berichtet, wie dereinst R. Gamaliel seinem Sklaven Tabi aufgetragen, das Passahopfer für ihn auf dem Roste zu braten (Peßackim 74, a.). Aber wer sagt uns, daß hier von N. Gamaliel II. und nicht von N. Gamaliel dem altern die Rede sei? da doch diese zwei Persönlichkeiten im Talmud ohnehin nicht selten konfnndirt werden. Auch der Sklave Tabi, obschon R. Gamaliel II. unstreitig einen solchen besessen hat, ändert hierin nichts. Die Sklaven waren größtentheils Hansgeborene und die Familien derselben erbten sich in den Familien ihrer Besitzer von Generation zu Generation fort. Wenn eS ,daher in der Familie des Nass! mehrere Gamaliel gegeben, warum sollten in der Sklavenfamilie nicht zwei Tabi, ein älterer und ein jüngerer vorkommen können? — Daß aber in der angeführten Mischna R. Zadok, der unstreitig vor der Zerstörung des Tempels gelebt (s. Seder Tanaim Wa'amvraim 8. v.) der Berichter- 00000000

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