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Ben Chananja · 1866-04-11 · 14-15 (11.4.1866) · page 6

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Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
14-15 (11.4.1866)
Date
1866-04-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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275 276 wird dem Kautor, wann immer, Benützung der Stimmgabel, auch Wiederholung verschiedener Tertworte des Gebetes gestatttet; was alles, — ob mit Recht oder Unrecht kann ich als Laie nicht,beurtheileu, — von orthodoxen Rabbinen perhorrescirt wird. — Die Synagoge ist auch mit einigen kleinen und einem größern Thurme geschmückt, was den Szikßüer Chaßid zu wüthenden Jnvekliven gegen die hiesige Gemeinde veranlaßte. — Dieser Thurm hat aber noch eine Verzierung, die besonders von der Fronte betrachtet, eine nicht ganz unbedenkliche Form hat, wodurch die Synagoge, da sie sonst gar kein äußerliches jüdisches Merkmal trägt, mehr einer Kirche gleicht. — Nun hat unser Herr Oberrabbiner gegen Thurm und Verzierung wiederholt mündlich und schriftlich Einsprache erhoben, und die Abnahme derselben verlangt. Wenn trotzdem, und nachdem der Vorstand und die Repräsentanz längst beschlossen, den Wunsch des Herrn Rabbiners zu erfüllen, ja ein frommer Mann sogar ans eigenem Säckel die präsumtiven Kosten der Herabuahme voraus in die Gemeindekaffe erlegte, Thurm und Verzierung noch immer auf der Synagoge prangen, so ist dies zweifelsohne ausschließliches Verdienst unseres ersten Vorstehers, des Herrn C. W. Pappeuheim, der doch hier die Exekutive ausübt. Wir verdanken überhaupt dem richtigen Takte, der weisen Leitung und fast unglaublichen unausgesetzten Mühewaltung dieses Mannes, (er ist Vorsteher fast aller hiesigen jüdischen Vereine), daß wir in jeder Beziehung im bescheidenen Fahrwasser des jusfce milieu überall so schön in der Mitte bleiben. Wir haben für 2000 fl. jährlich einen dl ci)־ »er, der wol kein Prediger neuester Faaon ist, und sich um Grammatik und Logik nicht immer kümmert, aber auch er ist kein Darschan alter Schule, der seine Zuhörer durch Witze fesselt. ׳— Einen Vorbeter, der wol kein Chorkantor, wozu ihm alle Befähigung fehlt, aber auch kein Chasan alten Schlages ist, der durch alte Gesaugsweiseu die Beter rührt. — Eine Synagoge, die wol kein Tempel neuesten Styls mit vorgerücktem Almemor und geregeltem Gottesdienste, aber auch keine alte ״Schauer" erregende Schul ist. — Eine Kinderschule, die wol nicht den Anforderungen der Jetztzeit bezüglich männlichen und weiblichen JngeuduuterrichteS entspricht, aber auch kein Eheder ist. — Und so könnte fernstehenden falschen Beurtheilern durch unzählige Exempla bewiesen werden, wie in allen unfern Institutionen und Gemeindeangelegenheiten die Extreme gemieden werden und wir in der goldenen Mitte sitzen. — Daß aber hierortS die sich so erfolgreich bewährende Leitung verstanden und gewürdigt wird, beweist der Umstand, daß Herr Pappenheim in einer von ihm veranlaßten Generalversammlung, in welcher viel über fünfzig Personen erschienen, zum ew igen R o sch h a - 5k o h l proklamirt wurde. Wiener Griefe. IV. Wien, Ende März 1866. Die Herren Czechen, welche nach vem AuSsprnche des Herrn Dr. Brauner im ehemaligen ReichSralhe an einer Uebcrvrvduktioii der Intelligenz leideu, haben sich neuerdings mit Ruhm bedeckt und lönnen zuverlässig auf ein Belobungödekrct der ״Kicchenzeiluug" rechnen. Es gibt zwar nach dem Aussprüche des weisen Salomon nichts Neues unter der Sonne, und gewiß sind Judenverfolgungen nichts Neues, aber mau batte es doch nicht für möglich gehalten, daß solche Dinge sich im Jahre 1866 zutragen konnten. Die ezechischen Journale haben nnablässig gegen die Inden losgczogen, weit diese sich den Deutschen angeschlossen; nun rufen sie mit dem Zauberlehrling: ״Besen. Besen in die Ecke." Leider jedoch sind die Geister, die sie heraufbeschworen. nicht so leicht zu befriedigen und zu besänftigen. Tigrnthümlich genug nimmt es sich aus, wenn judenfeiudliche Journale ■, wie der ״Volksfceund" mit» das ״Vaterland" sich der armen Juden annehmen (ימל^אך רע ב״כ יענה אמן- Freilich sind diese Journale nicht so weit verblendet, um nicht einzusehen, daß dieses Gesindel, welches heute die Juden plündert, nicht ans religiösem Fanatismus, sondern aus Raubsucht Handel«. Wenn es mit den Juden fertig ist, wird es gegen die Pfarrhölc und die Grafen und Freiherrnburgen iosziehen. Während der Pöbel in Böhmen gegen die Juden wüthet, ver« öffentlicht hier die offiziöse ״Oesterreichische Zeitung" Artikel über die Emanzipation der Inden. Ais erste Bedingung stellt sie. daß die Juden die Sabbalhseier am Samstag aufgeben. Sie meint, die Nesormjuden seien sittlicher, denn diese arbeiten sechs Tage in der Woche, währenddem die orthvdoren Juden blos fünf Tage in der Woche arbeite», weshalb diese auch durch Betrug und Uebervortheilung in fünf Tagen das erwerben müffen, was die andern in sechs Tagen erwerben. Wir wollen nicht gegen Windmühlen kämpfen, sonst würden wir uns auf eine Polemik mit dem guten Manne einlassen, der der Verfasser der Artikel ist. Der Graf Betccedi scheint anderer Ansicht bezüglich der orthodoxen Juden zu sein, denn er prolegirt sie. Als jüngst einige Vorstandsmitglieder bei demselben Audienz hatten, um ihn zu bitten, die neuen Skatuten, die bereits seit Monaten dem StatSministerium vorliegen, zu genehmigen, soll er, wie ich höre, sich genau informirt haben, ob etwa die neuen Statuten der orthodoxen Partei genehm wären. Es zeigt sich übrigens bei dieser Gelegenheit deutlich, wie sehr der Vorstand durch seine Geheimnißkrämerci der Sache geschadet Hai; wiederholentlich haben die jüdischen Journale den Vorstand gemahnt, den Statuleneniwurf zu veröffentlichen, um denselben einer nnparteischen Diskussion zu unterziehen; doch der Vorstand hietl dies iimer seiner Würde. Man propottirte, der Vorstand möge sich durch Vertrauensmänner zur Berathung der Statuten verstärken, ober es werde ad hoc von Seite der Gemeinde eine Experten-Kommission gewählt, welche dem Vorstande in dieser für die Gemeinde so wichiigen Angelegenhcil zur Seite zu stehen habe: — doch der Vorstand kümmerle sich um Liese gutgemeinten Vorschläge nicht. Und doch wie sehr käme es ihm jetzt zu Statten, wenn er sich den Behörden gegenüber auf die öffcuttiche Meinung berufen könnte. So bleibt ihm den Behörden gegenüber nichts anderes übrig, als darauf hinzuweiten, daß er der legale Vertreter der Gemeinde sei, was auch Niemand bestreitet; — ob er aber auch im Sinne der Gemeinde gehandelt, ist eine Frage, die erst dann entschieden werden wird, wenn d:e Statuten das Licht der Welt erblicken werden. ES zeigt sich da wieder die Wahrheit des allen Satzes; sutumum jus snmma injuria. Wenn jedoch der Vorstand nicht auf die Stimme der jüd. Journale hört, so muß man doch sagen, daß er auf die Winke der potitischeu Journale achlet. Dieses zeigte sich u! letzter Zeit in Angelrgenhett der Sulzerseier. Anfänglich wollte der Vorstand gar nichts thun. Als jedoch die Journale begannen, von der Sulzerseier zu spreche» — und ich muß hinzufügcn, daß die Strategie auf dem Gebiete der Jonriialistlk eine ausgezeichnete war — da entschloß sich ver Vorstand eine Adresse an den Jubilar zu richten. Eigcnlhnmlich genug soll sich der überaus fromme (?) Vorstand, (ehrlich gestanden, führen die meisten Mitglieder eine Trefa-Wirlhschaft), deshalb geweigert haben, diese Zubelfeicr unter seine Proteflion zu nehmen, weil nach jüdischem Gebrauche nur das siebzigjährige Geburtsfest gefeiert wird. Doch mit der Adresse allein sollte es nicht abgethan sein- Die Journale kritisirlen und inlerpeltirten. Sie fragten, wie so es käme, daß die Wiener Gemeinde nichts für de» Jubltar thun wolle, währenddem andere Gemeinden das Fest begehen. Hieraus wurde beschlossen, Herrn Sulzer eine Ehrengabe zu überreichen. Immer aber schwiegen die Journale nicht und wieder iuterpellirteu sie und besürworieken, daß eine Feier im Tempel stattfinde und so fand auch diese statt. — Man kann sagen, daß die Feier ganz ausgezeichnet ausgefallen ist. Auch das Concert, welches Herrn Sulzer zu Ehren gegeben wurde, war brillant. Als ein kletues Meisterwerk darf die Prrdlgt des Herrn Dr. Jellinek betrachtet werden, und wir bekennen aufrichtig, nachdem die Feier nichts zu wünschen übrig ließ, — woran wir anfänglich zweifelten — freut eS uns herzlich, daß sie stattgefuuden hat. Da ich nicht in das Gebiet Ihres ständigen Korresponden eingreisen will, so will ich über die Details schweigen.

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