Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 13 (27.3.1866)
- Date
- 1866-03-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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141 142 zum Menschen- und Israelitenbevvusstsein Erbadenen verbindet. Zweck und Ziel der isr. Religionsgemeinschaft ist demnach, die Mensehen mit dem reinen Gottesbewusstsein zu erfüllen, sie untereinander eins werden zu lassen in der Liebe, wesshalb sie in der heiligen Schrift sinnbildlich als ״Bethaus für alle Völker“ dezeichnet wird. §. 39. Weil aber die Religionsgemeinschaft in Zeit und Raum unter den verschiedensten Formen in die Erscheinung tritt, so unterliegen natürlich ihre äusserlichen, unwesentlichen Seiten, wie gottesdienstl. Gebräuche und Gebetformeln dem Wechsel der Zeit und Umstände und gehen, wie alle menschlichen Einrichtungen, den Weg der Fortentwicklung vom Guten zum Bessern und vom Bessern zum Besten. §. 40. Aus dem Gesagten ergibt sich für den Einzelnen die Pflicht der Theilnahme an dem kirchlichen Leben, denn dadurch wird die Gemeinschaft der Brüder und die höhere Entwicklung des geistigen Selbstbewusstseins im Einzelnen und in der Gesammtheit nachdriicklich gefördert. Pädagogische Grundsätze der alten Hebräer. (Eine erziehungskundliche Studie.) Von Ignaz Leiob, Vc» fasset־ des ״Bet-El.“ (Fortsetzung.) Sobald das Kind das dritte Jahi erreicht und zu lallen beginnt, übernimmt es der Vater, demselben das: ״Höre Israel, der Ewige ist uuser Herr, der Ewige ist einig einziger Gott“; und: ״Die Thora, die Mose uns befohlen, ist ein Erbgut der Gemeinde Jakobs“, — und sonst leichtfassliche Bibelverse beizubringen, oder dasselbe zu unterrichten (Baba bathra 14, a; Suk. 42 , a). Nach erlangter Fertigkeit im Memorircn obgesagter hebräischer Stellen, werden auch die Buchstaben beigebracht, wozu ein Täfelchen, oder zum Lesen eine Rolle dient und gilt es als Zeichen besondem Fleisses, so das Kind auch in Abwesenheit des Vaters diese bescheidenen Schul- oder Lehrrequisiten zur Hand nehmend, aufs Knie legt und daraus ״studirt“. (Ab. de R. Nath. 8.) Die '.Hausdisziplin war spartanischen Austriebs, ziemlich strenge. Junge Leute im Vaterhause hatten keine Stimme, mussten nur gehorchen: ״Sagt die Jugend dir: baue auf, und das Alter: re 18 8' nieder — so gehorche stets dem Alter und niemals der Jugend; denn das Auf bauen der jungen Leute ist ein Niederreissen, das Niederreissen der Alten . aber ein Aufbau“ (Nedar. 40, a). Bei Tische sassen die Kinder nach Alters rang (I. M. 43, 33), ja die altern Geschwister schienen sogar eine Art Botmässigkeit. über ihre jiingern auszutiben (ibid' 37, 30; I. Sam. 17, 28). Indess־ pflegte der Vater seinem Sohne nicht selten auch eine kleine Aufmunterung zukommen zu lassen, ihn מזרז zu sein (Nedar. 36, a; Maimohides zu Ohelek 1), oder wie der Talmudspruch lautet: ״Die Leidenschaft, das Kind und das Weib soll die Linke abweisen, die Rechte aber wieder näkern und freundlich aufnehmen“ (Sotah 47, a). Die Vornehmen, die zumeist Erzieh er (אומן) hatten, führten ihre eines Vergehens sich schuldig gemachten Kinder in ein kleines Zimmer, um sitz daselbst zu bestrafen, wobei sich jedoch die Erzieher für die jungen Sträflinge zu verwenden pflegten (Midr. R. zu Beresekitk). Mit dem erreichten 6. Lebensjahre aber wurde auch die Zucht eine strengere, und bei zurückgelegtem 12. eine unnacksichtige, und das: ״Wer seinem Kinde die Ruthe entzieht, basstes“, auch in praktische Anwendung gebracht: יורד עטו לחייו heisst der Ausdruck, was wol Ras eh i mit הוסר להם rrFastenstrafe einigermassen zu mildern sucht (Kethub. 50, a; Megil. 19, h). Heberhaupt stand bei unsern Vätern vor Jahrtausenden schon jener Grundsatz fest, elender berühmte Erasmus (gest. 1536) seinerzeit mit dem Beifalle der gebildeten Welt aufgestellt: Muuus formandi pueritiam multis constat partibus, quarurn sicut prima ita praecipua 68t: ut tenellus animus imbibat. pietatis seminaria“; d. h. ״Die Jugenderziehung besteht aus vielfachen Theilen, deren erster u. vorzüglichster ist: dass die zarte Seele schon frühzeitig die Keime der Frömmigkeit in sich aufnehme“; oder wie Aristoteles es kurz ausdrückt: ״Die Gewöknung zum Guten muss gar frühzeitig deginnen“ — dieser Grundsatz nämlich: חנוך לגער על פי דרכו . . . galt hei unsern Altvordern als erste und oberste Erziehungsmaxime. Frühzeitig kaufte die Mutter anstatt unnützer Spiclgeräthe, sogenannte ״Mädchen ־ Öfen“ (תנורי בנית], um ihre Töchter an die Geschäfte der Häuslichkeit zu gewöhnen (Chul. 124 a; Nidda 26. a); sobald das Söhnlein auf den Schultern des Vaters sitzen konnte, wurde es zur dreimaligen jährlichen Wallfahrt nach Jerusalem u. eben so frühzeitig zur heiligen Verkündigung geführt (V. M. 31. 13; II. B. Krön. 20. 13; Chag. 1. a); dem Kinde wird מוציא verabreicht ״wegen Chinuoh“ (Rosch hasch. 29. b); Kinder gaben Schekalim (Sehekal l. a) und wurden an die Funktion des Schofar-Blasens gewöhnt (Erub. 95. b); ja, der ganze Brauch des sogenannten ״Hof-Ernw“