Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 13 (27.3.1866)
- Date
- 1866-03-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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139 140 §. 29. Das Böse kann indess nickt ungestraft geschehen, denn sonst wäre es ja Herr Uber das Göttliche im Menschen und in der Welt. Aus diesem Grunde tritt das Böse immer als das von Gott Gestrafte auf und der Sünder fühlt sich durch Gewissenspein, Seliande, Leiden, Krankheit u. 8. w. bestraft und sucht wieder die Versöhnung mit dem Gottliehen. §. 30. Obgleich nun das Böse nicht durch Gott, sondern durch die Schuld des Menschen in die Welt gekommen, so hat doch Gott in seiner unendlichen Liebe dafür gesorgt, dass seine Schöpfung am Bösen nicht־ zu Grunde gehe; er bewerkstelligte die durch die bösen Tliaten des Menschen nothwendig gewordene Versöhnung des Göttlichen und Menschlichen im Menschen, durch Kundgebung und Darlegang seines Willens im Sittengesetze, welches der Menschen Erziehungs- und der Welt Erlialtungs-Mittel ist. §. 31. Darum ist der im Sittengesetze offenbar gewordene Gotteswille nicht blos eine Schranke gegen das Böse, sondern zugleich auch ein Antrieb der Liebe zum Guten, durch dessen thatsäcbliche Erfüllung die Befreiung vom Bösen vollzogen wird, und Mensch und Welt in ihrem göttlichen Charakter erhalten werden. §. 32. Die richtige Würdigung dieser Wahrheit führt nothwendig dazu, Gott als die Vorsehung, d. i. ihn als den liebevollen Leiter und Erhalter der Welt im Allgemeinen, sowie im Besondcrn als Walter über das Leben und Schicksal der einzelnen Menschen und der Gesammtheit der Völker zu erkennen. §. 33. Unter den Israeliten trat die Erkenntniss dieser Wahrheit zuerst mit überzeugender Kraft hervor; sie erkannten, wie dies die biblischen Bücher tausendfältig beweisen; den Menschen in seiner Freiheit als von Gott abhängig, als dessen Diener, und den Geist Gottes gegenwärtig in der Weltordnung. Darum sahen sie auch in den mannigfachen Geschicken der Völker und in den Begegnissen des israelitischen besonders die leitende Hand Gottes, deren Führung nichts anderes, als die Heiligung der Welt bezweckt, was die Erlösung der Menschheit vom natürlichen Hange zum Bösen genannt wird. §. 34. In der Erlösung (Geulab) *), als dem höchsten zu erstrebenden Ziele der Menschheit, kommt die Erkenntniss Gottes als waltende Vorsehung der Welt erst' zu ihrer rechten Wahrheit, und darum bildet sie jedesmal den Schlussstein in den Offenbarungen des Gottes Wortes, und sie ist und bleibt für uns eine Grundwahrheit, ohne deren tiefere Erkenntniss wir des hohem Menschen- und Israeliten-Bewusstseins verlustig gehen. §. 35. Die heilige Schrift bringt uns diese Wahrheit näher, indem sie uns unaufhörlich an unsere Kindschaft Gottes mahnt und darauf hinweist, wie Gott als Vater aller Menschen von Ewigkeit her in Liebe unter ihnen gewaltet und zur Vermeidung des Bösen seinen heiligen' Willen als Richtschnur des Lebens ihnen kund gethan hat. Alle Menschen sollen sieh als Kinder Eines Vaters erkennen und durch Erfüllung des göttlichen Willens nach der Gottähnlichkeit trachten. §. 36. Aus der Ueberzeugung von der Gleichheit aller Menschen in der Kindschaft Gottes entspringt die Pflicht der unbegrenzten allgemeinen Nächstenliebe, durch die alle Zustände und Verhältnisse des Lebens erst geregelt und veredelt und die Menschen zur Stufe der Gottähnlichkeit geleitet werden können. Darum gipfelt das Gotteswort der heiligen Schrift in der Lebensregel: ״Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“, welche Vorsehrift alle Geschlechts-, Standes-, Beligions- und Volksverschiedenheit der Menschen auslischt und sie alle auf der gemeinsamen Stufe der Kindschaft Gottes erscheinen lässt. ui. Ton dem rcligiou.sgemcinscliaftlicben (synago־ gnlenj leben. §. 37. Wenn die höhere Erkenntniss Gottes und seines Willens in dem Menschen zum klaren, lebendigen Bewusstsein gekommen und er die dadurch bedingte Verehrung Gottes im Geiste und in der Wahrheit im Leben zur Erscheinung kommen lässt, entsteht die Religionsgemeinschaft (Synagoge). §. 38. Ihrem Wesen nach stellt die isr. Religionsgemeinschgft das Verhältnis des Mensehen zu Gott dar, sie ist aber zugleich das Band, welches die durch Erkenntniss und Gotteswort *) Nicht zu verwechseln mit dem ־polifisch gefärbton Messiasglauben.