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Ben Chananja · 1866-03-27 · 13 (27.3.1866) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
13 (27.3.1866)
Date
1866-03-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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147 148 gel Zions und den fruchtbaren Boden Judäas, als das herrliche Land, wo die Lüfte milde wehen von dem heitern Himmel, wo — wenn auch nicht die Riesenzeder des Libanon und die Palme Jericho’s — doch die stille Myrthe, der stolze Lorbeer und die Orange unter dem dichten Laub verborgen sind, und wo alles glänzt unter Rosenbtischen und Olivenwäldern, und endlich findet der Leidende in dem wundervollen Schauspiele einer bezaubernden Natur eine Quelle der Erhebung. Beim Anblick dieser ewigen Schönheiten war der grosse Schmerz, der den armen Flüchtlingen nach Italien folgte, gelindert; die matten Glieder, welche eine düstere Leidensgeschichte verkündeten, erholten und stärkten sich einigermassen an jener Luft und an jenem Licht; und unter der goldenen Sonne, die sich im himmelblauen Meere spiegelt und die Gipfel der Alpen und Apenninen in einen golddurchwirkten Schleier hüllt, hatte sich ihr Geist erheitert und ihr Schmerz — wenn auch nicht völlig gestillt — schien wenigstens zum Theil gemildort. Angesichts der grossen Erinnerungen dieses klassischen Bodens, des reichen Kranzes so vieler glänzenden Monumente, an deren Anblick edle Geister entflammt werden, haben auch unsere Väter nach und nach sich geheben und das heilige Feuer von Israels Genius entbrannte in ihnen. Die kräftigen Keime des fast erschlafften jüdischen Gedankens trieben Sprossen, und die hebräische Literatur, dieser reiche Schacht von Gelehrsamkeit, Filosofie und Poesie zeigte sich als mächtiges Element der Zivilisation im ganzen Abendlande. Die jüdische Wissenschaft, auf Italiens Boden verpflanzt, brachte ein frisches Sprossen und Keimen, ein Drängen und Treiben, gedieh herrlieh und blühte so kraftvoll, dass sie der gelehrten Welt ein Gegenstand erhabenen Lobes und tiefer Bewunderung wurde. Da sah man in Italien Männer erstehen, die nicht blos in biblischen und linguistischen Wissenschaften, sondern auch in der Filosofie, Mathematik, Astronomie und besonders in der Medizin das Jahrhundert erleuchten halfen und es gelang־ israelitischen Gelehrten unter den berühmtesten Namen des wissenschaftlichen Europas durch vorzügliche Werke zu glänzen, von denen sogar mehrere in der schönen und gebildeten Sprache des neuen Vaterlandes geschrieben waren. Ja, Italien war es, das nicht blos Europa, sondern auch dem fernen Afrika tüchtige Lehrer gab; und als mit der wunderbaren — mehr göttlichen als menschlichen — Erfindung der Buchdriickerkunst in der gesummten geistigen Welt das grosse Wort: ״Es werde Licht!“ wiederhallte, wie es zur Zeit der Schöpfung in der physischen Welt ertönte und in der religiös-moralischen von dem Gipfel des rauchenden Sinai — da war 68 Italien, das zuerst, davon Nutzen zog und die ersten hebräischen Druckereien gründete, aus denen eine grosse Zahl Werke hervorging, die in der Folge so berühmt wurden. Italien war es, das die israelitischen Gelehrten gastlich aufnahm, die dann Arbeiten liefeiten, welche nicht allein der jüdischen Wissensehaft, sondern auch der allgemeinen Kul* tur förderlich wurden. Italien war es endlich, welches die seltensten Handschriften, diese Archive des jüdischen Geistes, dem Untergange und der gänzlichen Vergessenheit entriss und wovon noch eine bedeutende Zahl in den öffentlichen und Privatbibliotheken der vornehmsten Städte der Halbinsel erhalten sind; solche, die in fremde Länder kamen, legen in den entfernten Regionen Zeugniss ab von dem Genius unserer Väter und leuchten jenseits der' Alpen mit ihrem unversiegbaren Lichte. Was aber dem italienischen Israel zu noch höherem Ruhme gereicht, das ist sein Verbalten auf dem Gebiete des Glaubens und der religiösen Praxis: da blieb es, die beiden zerstörenden Extreme des Unglaubens und des Aberglaubens meidend, den Meinungsdivergenzen abhold, in die das Judenthum sich in anderen Gegenden zerklüftet — war es hier stets rechtgläubig und erleuchtet zugleich, und hegte nicht wie das spanische Judenthum, die Herrschaft einer exotischen Kultur, woraus eben die Heterodoxio entstand; noch hatte es je, wie der Norden, eine Periode der Rohheit und des Fanatismus.“ Wir müssen hier stille halten, da der Raum zu beschränkt ist. Wunderten wir so durch diese Denkrede, würde unser Referat zu sehr anschwellen.' Die edle hinreissende Kraft und Fülle der Sprache, das Markige des Ausdruckes und die gediegene Wahl von Schriftstellen erheben diese Rede weit über das Niveau eines gewöhnlichen הספד, und machen sie des grossen Todten würdig,- dessen Manen sie geweiht ist und dessen Gedächtniss in Israel stets in Segen bleiben wird. Infinit: Grundlinien zum hohem Religionsunterrichte für gebildete Lehrer und Rabbiner. Von Dr. H. Jolowicz. — Pädagogische Grundsätze der alten Hebräer. Von I. Reich. (Forts.)— Orazione letta dal Rabbino Maggiore Prof. Marco Tedeschi nei solenni funerali del Professors Samuel David Luzzatto; eelebrati nei Tempio israelitico di Triests in sera delli 8. Tevet 0626. Besprochen von Hermann Brill. Druck von Sigumnd Burger iu Szegedin 1866.

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