Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 13 (27.3.1866)
- Date
- 1866-03-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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263 264 Die Juden in der Militärgrenze find noch immer gezwungeu, außer den seldstverständlichrn gesetzlichen, Steuern auch eine Duldung-» steuer zu entrichten. Der Jude darf weiterfein eigenes Kind im gan» zen Grenzbezirke nicht verheiraten. Heiraten ist überhaupt dem Juden nur dann gestattet, wenn der Vater bereits gestorben; diese Bewilli» gung bezieht sich jedoch nur auf den ältesten Sohn, aste Anderen müssen, wenn sie sich verehelichen wollen, die Grenze verlassen. Daß die Tendenz dieser wahrhaft unglaublichen Verordnungen nur eine abficht« liche Ausrottung der Juden in der Militärgrenze bezweckt» wird wohl Jedermann einleuchten. Der Jude darf ferner an Grundstücken weder etwas kaufen, noch auf anderem gesetzlichen Wege sich aneignen. Die Gemeinde darf ein und denselben Vorbeter nicht länger als drei Jahre behalten, nach Ablauf dieser Frist ist derselbe gezwungen, sich ander» wärtein Amt zu suchen; auch hier in Karänsebes ist vor Kurzem ein derartiger Fall vorgekommen. Don Pachtungen find die Juden auSge» schloffen; Fremde dürfen sich in einem Grenzorte nicht länger als 84 Stunden aufhalten. Dies Alles wird wohl genügen» um die bloß geduldete Stellung der Juden in der Militärgrenze zu kennzeichnen. Hoffen wir übrigens, daß der Geist der Zeit auch in dieser Richtung hin seinen wohlthätigen Einfluß ausüben wird. A Abauj-Szäntö, 22. März. Seit vierzehn Tage ist ein Jude hiesiger Apotheker: der erste;üd. Apotheker in Ungarn. Der Name dleses Ehrenmannes, der zehn Jahre hindurch mit mannigfaltigen Schwierigkeiten zu kämpfen hattte, ist Adolf Meise ls. DaS hiesige Publikum kommt dem neuen Apotheker mit vollem Ver» trauen entgegen. 8. Müte-Szalka, 22. März. Unser geehrter Rabbiner, Herr E. H. Kohn, erhielt am 4. d. M. einen Ruf aus den RabbinalSposten in D. Földvär, dem er auch, um seinen feindseligen chaffidäischen Nach» barn zu.entgehen, Folge leistete. Unsere ganze Gemeinde bedauert innig das Ausscheiden des wackern Rabbiners, der während seines kurzen Wirkens eme'dreiklaffige Schule und mehrere wohltbätige Anstalten ins Leben rief. R. Simünd im März. Der hiesigen Gemeinde, welche seit Jahren in. Synagoge und Schule einen erfreulichen Fortschritt be» kündet, drohet seit kurzem durch die Renitenz der Bezirksisraeliten, die bisher mit ihren Domestikalbeiträgen die Erhaltung sämmtlicher hiesigen KultuSinstituzionen ermöglichten, förmliche Auflösung. — Es ist dies ein eignes Verhältniß mit diesen Bezirksisraeliten: vor einigen Dezennien wohnten diese in der Multergemeinde, später siedelten sie sich zwar in den umliegenden Ortschaften an, blieben aber nichts desto we- Niger treue Balbatim der Kehilla. und find dieser Art noch bis zur Stunde der hiesige» Kultusgemeinve einverleibt. ES wäre daher ein harter Schlag für unsere Gemeinde, wenn dieses seit einer langen Reihe von Jahren bestehende Verband gelockert, und unverzeihlich wäre es, wenn durch bloße Engherzigkeit das Wohl einer Gemeinde auss Spiel gesetzt und deren Bestand in Frage gestellt würde; einer Gemeinde, welche nächst der Araber die einzige Kultusgemeinde im Komitate ist. — Doch wollen wir hoffen, daß es der Energie und dem taktvollen. Fürgehen unseres wackern Vorstehers, Herrn T. Brandeis gelingen werde, dieses drohende Gewitter zu beschwören, und Friede und Eintracht wieder herzustelleu. Wie das Unglück gewönlich nicht vereinzelt zu kommen pflegt, drohet auch unserer Schule durch den Abgang des Herrn Hauptschul» tehrers Franz Kohn ein unersetzlicher Verlust. Dieser tüchtige Schulmann, welcher durch seine wissenschaftliche Bildung, seinen biedern Charakter und seine vorzüglichen Leistungen die allgemeinste Anerken» nung und Achtung sich erworbeu, hat dieser Tage einen ehrenvollen Ruf nach Komorn erhalten, dem er, wie wir zu unserem Bedauern vernehmen, zu folgen Willens ist. Wir gratuliren der Komorner Ge« meinde zu dieser glücklichen Aquisizion und wünschen der hiesigen Gemeinde einen würdigen Nachfolger. — Lemberg, 22. März. Die judenfeindliche Bestimmung des hiesigen Gemeinde-Statutes, nach welcher nicht mehr als fünfzehn jüdische Repräsentanten in den hiesigen Gemeinderath kommen dürfen, hat die Majorität des Landtages erhalten. Bürgermeister und Vicebürgermeister müssen Christen sein. Der fortschreitenden Bildung der Juden und der Christen werden diese Beschränkungen mit der Zeit weichen müssen. F. Prag, Ende März. Dieser Tage überreichte eine Deputalion der hiesigen RabbinatSkandidaten dem Herrn Ernst Wehli eine Adresse, in welcher sie nm Abhilfe mehrerer Uebelstänbe der Talmud- Thora bitten. — Bei den diesjährigen Prüfungen haben sich folgende Kandidaten besonders aüsgrzrlchnet. Herr Doktorand I. Kohn (aus Miskolcz); Herr Doktorand S. Knöpflmacher (aus Bikritz); Herr Stern nn Franckl (au« Ungvär). Die Hörer des Herrn Prof. Dr. Kämpf hielte«!Vorträge » welche sowol den Schülern, oldr« Herr« Lehrer zur Ehre,gereichen. Schulwesen. S. G. Munknes» im März. Im verflossenen Herbste gründete unsere Gemeinde eine dreiklaffige Elementarschule, die sich großer Sym» pathie zu erfreuen hat. Die Tüchtigkeit der angestellten Lehrer (Klein, Austerlitz, unb BerkovitS) läßt uns viel Schönes hoffen. Inserate. Konkurs. Bei der israelitischen Kultusgemeinde der Stadt Jägerndorf in österr. Schlesien ist die Stelle eines Kantors, dem die Funktion der שחיטח» die Ertheilung des Choral-, sowie des untern hebräisehen Elementarunterrichtes obliegt, erledigt, und sogleich zu besetzen. Der Gehalt ist 500Gulden nebst den üblichen Emolumenten. Bewerber haben ihre ordentlich instruirten Kompetenzgesuche bis längstens 5. April a. c. beim gefertigten Vostande einzubringen. Unverheiratete Kompetenten werden besonders berücksichtigt. Dem Aoceptirten werden die Keisespesen vergütet. Jägerndorf, 7 März 1866. Spitzer, (3—3) Kultus Vorstand. Eine Erzieherin, mosaischer Konfession, die tüchtige Kenntnisse in der ungarischen, deutschen und französischen Sprache, in den weiblichen Handarbeiten und im Forkepiano besitzt, in all diesem auch tüchtig unterrichten kann, findet sofort in meinem Hause zu vier Mädchen von 4—18 Jahren ein recht anständiges Unterkommen. Even« tuell wird auf ungarische Sprachkenntmß verzichtet. Kinderlose Witwen erhalten den Vorzug. — Eigenhändig geschriebene Offerte sammt den nöthigen Zeugnissen find längstens bis 2S. Apvil l. I. entweder an die löbl. Redaktion dieses Blattes oder an den Gefertigten Portofrei einzusenden. Josef Deutsch in S. A. Ujhely bei Tokay. Berlin, 12- März 1866. Zn etwa 14 Tagen erscheint im Unterzeichneten Verlage: Predigten von Dr. Michael Sachs. Aus dessen schriftlichem Nachlaß heranSgegeben von Dr. D. Rosin. Erste Lieferung: Festpredigten. circa 10 Bogen in eleganter Ausstattung 20 Sgr. Die ganze Sammlung dieser Predigten wird circa 60 Bogen umfassen und in 5—6 Lieferungen von circa 10 Bogen noch im Laufe dieses Jahres vollendet sein. Bei dem bedeutenden Rufe des verstorbenen Dr. Michael Sachs als Kanzelredner und der großen Beliebtheit in seinen Geumnden dürfte diese Sammlung seiner ״Predigten" nicht nur in allen jüdischen Kreisen mit lebhaftem Interesse begrüßt werden, sondern weit über dieselben hinaus Beifall und Anerkennung finden. Louis Gerschel, Verlagsbuchhandlung. Szegedi«, Selbstverlag der Lebalrttou. Leipzig, Rommisstous-Verlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.