Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 13 (27.3.1866)
- Date
- 1866-03-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ml '262 ,r Herr Geheimrath Abraham Oppenheim aus öifßln verweitte jüngst einig« Tage in unserer׳ Stadt. Er wurde wähiend seines turzin Aufenthalts von beiden Majestäten empfangen und von Seiner Maje« stät dem Könige zur Tafel gezogen. Am 14. d. M. verschied plötzlich der Syndikus der hiesigen jüdischeu Gemeinde. Herr Dr. )nris Julius Rubo. Er war in ge« ckeinnütziger Weise als erster Vorsteher der Vfoses Mendelssohn'schen Waisen-ErziehungSanstalt und der Friebe'schen Mildenstiftung thätig, und hat sich auch als juristischer Schriftsteller einen geachteten Namen erworben. .'׳" ........ In Würdigung der segensreichen Wirksamkeit der Baruch- Auerbach'schen Waisen-ErziehungSanftallen für Knaben und Mädchen haben Ihre Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Frau Krön« Prinzessin auf die Bitte des Direktors der Anstalten, Dr. Leonhardt Auerbach , das Protektorat über dieselben angenommen.; .Von Herrn Dr. David C affe l ist im Verlage der Dr. M. Poppelaner'schen Buchhandlung eine neue Peßach-Haggadah mit dentscher Nebersetzung erschienen. Der hebräische Theil ist mit einer großen Anzahl wichtiger Literarnotizen anögestattet, wie auch -die deutsche liebersetzung mit vielen, das Verständniß. erzielenden, Anmerkungen vorse- Ein unentbehrlicher Rathgeber für Jeden, der sich mit dem einschlageiideu Studium ,beschäftigt, ist die in Padua von dem verewigten Prof. S. D. Luzzatto in italienischer Sprache neu erschienene chaldäische Grammatik nebst einem Appendir über babylonischtalmudische Redensarten. Vieles Neue, eine seltene Präzision in allen Formen und. eine reiche Fülle von schätzbarem Material, wie wir sie von dem verehrten Manne gewohnt find, zeichnen das Werk aus. Inland. Wien, 25. März. Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten hat seinen dreiundzwanzigsten Jahresbericht veröffentlicht. Der Verein hat in dem abgelaufenen Jahre über sechstausend Gulden verausgabt , wovon 3751 fl. aus Wäsche, und Bekleidung verwendet wurden. Wiewol 66 neue Mitglieder dem Vereine beigelreten sind, mußte der Vorstand ״doch iu diesem Jahre zum ersten Mate seit dem Bestehen des Vereins zu einem herben Mittel greisen und die Ausnahme neuer Zöglinge durch mehrere Monate sistiren, um-nicht, wie durch fünf frühere Jahre bereits, die Jahresrechnuiig mit einem erheblichen Defizit zu schließen und in solcher Weise die Eristenz des Vereins selbst zu gefährden." An der ersten österreichischeu Arbeiter-Jndustrie-AuSstellung haben sich die Zöglinge des Vereins auf eine sehr ehrenvolle Weise betheiligt. Von 74 Ausstellern, 55 Lehrlingen und 19 Gesellen, erhielten 49 Auszeichnungen und zwar: 5 silberne,;20 bronzene Medaillen, 24 ehrenvolle Erwähnungen. Der Statthalter, Bürgermeister und Polizeidirektor schenkten der Vereins- Ausstellung bei der Eröffnungsfeierlichkeit längere Aufmerksamkeit und sprachen sich mit vollster Befriedigung über die Leistungen der Vereinszögliuge, sowie über das Wirken des Vereines selber aus. Die BitdungSanstalten des Vereins werden in fortdauernder Blüthe erhalten. AuS der Hermann Todeöko'schen Stiftung erhielten drei junge.Meister Darlehen im Gesammtbetrage. von 1000 fl- Den Schluß des Berichtes bildet die dankbare Erinnerung an den verewigten Mannheimer. An der Spitze des Vereins stehen die Herren Brandeis Jaques, Breuer Leyp,, Hirschler Sigm., Landauer Sigm., Mauthner Jos., Springer Mar , Wertheimer Josef, Wertheimstein Leopold ׳Ritter v., Vereinsarzt: wc.ä. und okir. Dr. Sigmund Reis. (Wir verfolgen das wohlthäti'ge, nicht genug zu schätzende Wirken des Vereins mit theilnehmender Aufmerksamkeit, und wünschen demselben ein immer, fortschreitendes Gedeihen. Den Lesern dieser Blättern, welche Wien -besu« chen, empfehlen wir angelegentlichst den Besuch der VereinSschüle. Daß der Verein in dem abgelaufenen Jahre nicht in der Lage war, alle sich meldenden ״Lehrlinge aufzunehmen , ist eine sehr.betrübende Thatsachei Fast scheint es, daß der Geist, :der in den vierziger Jahren in der Wiener Gemeinde-hexrschte, dem Streben des Vereins günstiger war, alS״drr^egenwärtig^herrschende"Geist." Der"Berrin״"zählt ZOO^Mit^ glieder; es kömmt also auf je 1000 Seelen Ein Vereinsmitglied: in der That kein erfreuliches Berhältniß! Red.) M. Pest, 20. März. Der Graf Köloman Läzär». ein Sie« Venbürgrr , bei sich viel mit semitischen Stüdieü beschäftigt, hät am 47. d. M. int isräel. uttg. Vereine eine Vorlesung gehalten. Er behandelte mit vieler Bravour die Frage: Welches waren die- Drachen (oder Lindwurm) des AlterthumS? Auch der Leviathan mußte natürlich dabei zur Spräche kommen. Die Vorlesung hatte nicht nur archäologi, fches,' sondernauch naturwissenschaftliches Interesse, indem.dabei auch die Knochen der ürweltlichen Thtere zur Sprache kamen, deren Abbildüngen dem zahlreichen, gewählten Publikum vorgezeigt wurden. Nugetheilter stürmischer Beifall folgte -dem glänzenden Vortrage, mit welcheM die diesjährigen Vorlesungen beschlossen wurden. - ük. Pest, 25, März. Heute fand die öffentliche - Prüfung der Talmud-Thora in Gegenwart mehrer Mitglieder des Gemeinde- Vorstandes Statt. — So weit es einem Laten möglich ist hierüber, nach den mir von Ohrenzrugen zugekommenen Mittycilungei, , ein Urtheil. zu fällen, hat diese Prüfung einen׳ deutlichen Beweis für die Lebensfähigkeit die>er Lehranstalt geliefert was hauptsächlich dem eisri-- gen BemüheuUdeS Herrn Heinrich Deutsch als׳ Verdienst ziiz,!schreiben sein dürfte. — Das Eramen bot. uns genügende; Gelegenheit um . sc'-- wohl deffel, eingehenden, gramaticalisch — eregetischen Vortrag des JesaiaS, wie auch die rationelle Auffassung^ und UnterrichtSwrise des Talmud anerkennend zu bemerken. Nicht minder befriedigend waren die Prüfungen^ aus. den religionsphilosofischen Chowoth' halivö>p)th .unter Leitung des Herrn Oberrabbiners Meisel. — Auch verdienen,, die Leistungen des Herrn Lehrers Freidenberg lobende Erwähnung.- D!e Talmud-Thora zählt gegenwärtig in ihren 2 Claffen an ÄO Schulcr die zum größten Theile das Gymnasium und die Realschule besuchest. Beweis dafür, daß. der Sinn für Cultur biblisch-talmudischen- Wissens doch, nicht so abgestumpft ist, als man im Allgemeinen׳ anzunehmen bereit wäre. — Wie wir vernehmen sollen mehreren,jetzt am Räbbinic S eminar zu Breslau studirenden Schülern unserS, Talmud-Thora daselbst besondere' Würdigung ihrer Vorkenntnisse widerfahren sein, cs ist daher, aufrichtig zu wünschen, daß bei dem größten Mangel.derartiger Lehranstalten, die i» Frage stehende sich einer lebhaften Theil,,ahme zu erfreuen haben möge. ' Ueber den im Eulstehen begriffenen Frauenverein, ist in diestn Blättern bereits, zu wiederhollenmalen berichtet worden. — Hier nur so viel, daß die Theilnahme für denselben eine sehr lebhafte ist, und sich die Zahl der gründenden Mitglieder (mit einem Beitrage von 160 si.) recht ansehnlich vermehrt. — Frau Babetie Herz Pollak ist dem Vereine als gründendcs Mitglied mit einer Spende von tausend Gulden beigetreten. ' ׳;:״ ׳■ .. H. L. Rechnitz, im März. Die hiesige Vorstanbswahi ist nun endlich erledigt. Vorsteher wurden: Die HH. Michael Weiß, L. Schabst niib Dr. I e l l i n e k. Beiräthe: die H. H. Mor. S tra u ß, A. Frankl und A. Rechtn i tz. Synagogenvorsteherdie H. H. Mor. Weisz B. Frankel und J.Löwi. Kassier: H.; Glstck Konrrolor H. Äron P ick und dann zehn AuSschnßmänner. >— Die hiesige Schule hak bas OeffenllichkeitSrecht erhallen. — H. Mor. E hrenth ei l und M. Steiger aus Raab geben ein Werk unter dcm Titel ״Jüdische Charakterbilder" heraus, das eine Sammlung intereffalttcc Biografien der hervorragendsten Männer Israels' entha!- ten wird. Im 1. Theile .sind die Biografien von Markus Benedlkt Rapopvrt, Philippson, Geiger, L. Schwab, Leop. Löw, I: N. Manheimer, Dr. Sachs , Dr. Jellinek, Montestore, Munk, Zunz , Jost, Fürst u." a. augeküttdigt. LaS Ünteruehmen scheint allerbingö ein verdienstvvlleö zu sein und bürgt der Name der H. H. Verfasser!hinlänglich für die Reichhaltigkeit und Gediegenheit des Stoffes; zu wnnschen wäre, daßzeder Biografie das betrlHnde Portrait beigegeben wäre, wenn auch, ln Folge dessen der Plänuuieraziv'nöpreis (1 si. O. W.) nach Maßgabe erhöht werden,müßte. - .. Karänfebes, 20. März. Trotz aller aufgeklärten Strömungen des 19. Jahrhunderts, die auch in der Judenfrage überall alte intelligenten Schichten der Völker ^ürAriäU«, ist die Lage der 'derartig^' die an die finstersten Zeiten ves Mittelalters mahnt und sie noch immer zu wahren Parias der Gesellschaft stempelt.