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Ben Chananja · 1866-03-27 · 13 (27.3.1866) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
13 (27.3.1866)
Date
1866-03-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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255 256 wahren Meinung stets ven offensten Ausdruck verleiht, und faßt dies in folgenden sinnigen Worten zusammen: Von der Nachbeter Schaar war er wol Keiner, Tin Borbeter war er und was für Einer! Zum Schluffe werden die Künstler und Künstlerinnen wieder apostrophirt, sie schaaren sich um die Künstlerin, die nun dem ihr näher tretenden Jubilar mit einigen begleitenden Worten einen silbernen Lorbeerkränz mit goldener Schleife überreichte. Der Kranz trägt die Inschrift: ״Dem Künstler Sulzer die Künstler Wiens." Der greise Jubilar war sichtlich gerührt. Er nahm den Kranz, preßte die Hand an die feuchten Augen und sprach mit bewegter, abgebrochener Stimme folgende Worte: ״Einer solchen Liebenswürdigkeit und Theilnahme gegenüber verstummt die Sprache deS Menschen. Sie haben mir den Abend meines Lebens vergoldet; ich nehme die Erinnerung an das heutige Fest mit ins Grab!" Ein dreimaliges Hoch wurde hierauf dem Jubilar gebracht, er dankte nochmals und verließ dann unter stürmischen Hochrufen den Saal. Hiermit schloß die imposante Feier. Sie ehrte nicht nur den Jubilar, sie ehrte das ganze Judenthum, ehrt aber auch Alle, die die Feier veranstalteten, und die zurVerherrlichung derselben so viel beitrugen. Groß, wie die Feier war, war auch der Eindruck, den sie znrückgelassen; meine Feder ist viel zu schwach, als daß sie denselben schildern könnte! III. Die Feier im Tempel. — 25 März. Nachdem dem Künstler Sulzer die verdiente Huldigung zu Theil wurde, versäumte auch die Gemeinde nicht, das vierzigjährige Amtsjubiläum' ihres ‘ großen Chasans feierlich zu begehen. Die gestrige Feier im Tempel war würdig des heiligen Ortes, in dem sie abgehalten wurde, würdig des Manneö, dem sie gegolten, würdig endlich des großen Gemeinde, die dieselbe, veranstaltete. Schon um acht Uhr füllte sich der Tempel; um halb nenn Uhr, zu welcher Zeit der Schacharith-Gottesdienst seinen Anfang nahm, war kein Plätzchen leer geblieben. Selbst der zwischen den zwei Abtheilnngen des Schiffes befindliche Hauptgang konnte trotz der Bemühungen der diensteifrigen Herren Kommissäre nicht leer gelassen werden, die herbeiströmende Menschenmenge ließ sich durch das oft ertönende ״Zurück!" nicht abschrecken und eroberte sich mit Hilfe der ersten Reihen den ganzen Hauptgang bis hinauf zum Altar. Den Schacharith-Gottesdienst versah der beliebte Kantor Fischer. Von שוק עד angefangen fungirte Sulzer selbst. Wie er betete, wie er sang, das zu schildern, überlasse ich gewandteren Federn; ich begnüge mich nur zu konstatiren, daß:die Versammlung dem ewig jungen Altmeister mit ungetheilter Aufmerksamkeit im wahren Sinne des Wortes lauschte. Meinem greisen Nachbarn entschlüpfte unwillkürlich die Aeußerung: ״So soll ich gesund sein uno leben, er singt heute besser, als vor vierzig Jahren!" Und wahrlich, wer heute Sulzers ״Schema" hörte, ohne das greise Haupt zu sehen, der würde es unmöglich geglaubt haben, daß der Mann, der das ״Schema" mit einer solchen Kraft und mit solchem Feuer vorträgt, fünfzig Jahre bereits in seinem schwierigen Amte wirkt. Bei Vorlesung der Sedra wurde Sulzer zur Thora aufgerufen, und nachdem er die Lobsprüche gesprochen, trug Kantor Fischer ein zu dieser festlichen Gelegenheit verfaßtes Mische - berach vor; Sulzer antwortete mit einem Mische-berach auf die ׳Gemeinde. Den Glanzpunkt der Feier bildete unstreitig die Predigt Jellineks, ein an Inhalt wie an Form gleich meisterhafteS Werk. P^r. geuialf Redner! entwarf in einigen kräftigen Zützen ein Bild vom Tempel in Jerusalem, und schilderte nach ihren Funktionen den P riester> der die Opfer versah, den Proseten, der daS Wort Gottes verkündete und den Leviten, der zu Ehren Gottes Musik und Gesang ertönen ließ. Die Stelle des Priesters hat der Gesetzeskundige eingenommen — daS Wort ״Rabbiner" kam nicht über die Lippen des Redners — der über daS Rechte und Unrechte, über daS Reine und Unreine entscheidet; dem Profeten entspricht der Redner — er nannte ihn nicht ״Prediger", — der die Gläubigen Gottes unverfälschte Lehre lehrt und sie über die Zeitströmungen aufklärt; die Funktionen der Leviten haben die Vorbeter übernommen, die in verschiedenen Zeiten verschiedene Namen hatten und verschiedenes Ansehen genossen. Auf diese Weise kam Redner auf den Jubilar zu sprechen. In beredten Worten schilderte er nun die mannigfachen Verdienste desselben, seine Verdienste um den synagogalen Gottesdienst überhaupt und um den Wiener Tempel insbesondere; es war kein Phrasenschmuck, sondern eine wahrhaft gewissenhafte Würdigung. Nachdem eS Redner noch für zweckmäßig erachtete, seiner Gemeinde gleichfalls ein klein wenig Weihrauch zu streuen, schloß er mit einem, dem Jubilar geltenden und mit ergreifender Begeisterung vorgetragenen Segen. Das ״Amen" fand, in der Versammlung einen lauten Wiederhall. Nach dem Gottesdienste begaben sich die Vertreter der Gemeinde zum Gefeierten und überreichten ihm ein prachtvolles Gelegenheitsgeschenk. Zugleich wurde die auf eine zierliche Mappe geschriebene Adresse verlesen. Sulzer hörte sie stehend an und antwortete mit einigen warmen Worten des Dankes. Religionslehrer Breuer überreichte hierauf die Adreffe des Handwerkervereins und sprach dabei einige sehr herzliche Beglückwünschungsworte. Sulzer dankte und. gcch seiner Theilnahme für den Verein in einigen Worten Ausdruck. Nun trat Oberkantor Friedmann und Oberkantor Katschmaroff vor. Der erstere war Ablegat ver Pester Gemeinde und der ungarischen Kantoren; letzterer, gleichfalls ein Vertreter der ungarischen Kantoren, war von der Groß-Kanizsaer Gemeinde entsendet. Oberkantor Friedmann sprach nun einige einleitende Worte, in denen er sich als Schüler und Verehrer Sulzers manifestirte, und verlas dann die Zuschrift der Pester Gemeinde, die sich vom Jubilar, dem sie auch ein Ehrengeschenk zuschickt, die Einsendung des zweiten Theiles des ״Schir Zion" erbittet, und eine andere im Namen der ungarischen Kantoren von ihm selbst verfaßte, sehr gelungene Adreffe. Sulzer hörte beide Adressen mit gespannter Aufmerksamkeit an und dankt dem Ueberbringer derselben recht herzlich. Hierauf kommt die Zuschrift des Redakteurs dieser Blätter zur Verlesung. Derselbe ein ״alter" Freund Sulzers und seines Hauses, bedauert, durch den ״großen Sabbath" am persönlichen Erscheinen verhindert zu sein, deutet auf die unsterblichen Verdienste Snlzerö hin, fleht dann den Segen Gottes auf daS Haupt desselben herab, und schließt mit einem hebräischen Verse. Die Adresse machte auf Sulzers Gemüth einen sichtlichen Eindruck, er sagt, dieselbe sei seines vielwiffenden Löw würdig und umarmt und küßt dann den Ueberbringer und Verleser der Adreffe. Der Vertreter der Kantoren aus Böhmen überbringt einen Pokal, der Vertreter der mährischen Kantoren bringt seine Huldigung dar. Von Hohenems 'werde» zwei Pokale mit Begleitschreiben übergeben, und zum Schluß entbieten die Wiener Lehrinstitute ihre Glückwünsche. Damit , schloß die imposante Feier. Während des gestrigen TageS und schon seit mehreren Tagen sind von Nahe und Ferne zahlreiche Adressen, Geschenke und BeglückwüuschuugStelegramme eingelaüfen. DaS

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