Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 13 (27.3.1866)
- Date
- 1866-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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fortan nicht nur in Men die Grundlage des jüdischen Gotteödienstes bildetesondern auch allerorten Eingang gefunden uüd heutzutage niit wenigen Ansnahmett in alleil Synagogen benützt wird, wo sich der Choralgesang bereits Bahn gebrochen hat. Es ist dies die unter dem Namen ״Schir-Aion" von Sulzer herausgegebene Sammlung von Chorälen für den!Gebrauch des jüdischen Gottesdienstes. Der ״Schir ZioN" ist eine Arbeit, auf welche der Komponist mit Recht stolz sein darf. Sachkenner äußerten sich über denselben äußerst günstig; so Franz Lißt und Seyfried. Nicht zu vergessen ferner sind die Worte Lenau's über Sulzer als der Ausdruck nicht eines Fachmannes, sondern eines großen Menscheu überhaupt, und noch dazu eines, der mit dem Worte nicht allzu verschwenderisch war. An Anerkennung fehlte es dem verdienstvollen Manne überhaupt nicht; Männer in den verschiedensten Lebensstellungen ließen ihm solche znTheil werden. Der berühmte Erzbischof Ladislaus Pyrker, der zu seiner Zeit ganz Oesterreich in Banden haltende Statskanzler Fürst Metternich zeichneten den jüdischen Kantor in-hoher Weise ans. Vom Kaiser Ferdinand erhielt Sulzer als Beweis der Anerkennung seiner Verdienste einen prachtvollen Brillantring, vom Kaiser Franz Josef bekam er die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft; mit derselben wurde er auch vom Kaiser Nikolaus beehrt, und der Sultan ertheilte ihm den Medschidje-Orden. Der Ehrendiplome nicht zu gedenken, die dem geachteten Sänger von verschiedenen andern Seiten, Vereinen u. s. w. zuerkannt wurden. Daß er mit seinen engsten Fachgenossen, mit Sangern wie Stau di gl, Lablache auf freundschaftlichem Fuß stand, ist leicht erklärlich; interessant ist, daß auch Robert S ch u m an n, von dem es bekannt ist - wie wenig er sonst im allgemeinen der Mode huldigte, dem Wiener Kantor seine Anerkennung zollte. ׳ Wer Sulzer jemals singen gehört, wird eine solche allgemeine Anerkennung mehr als begreiflich finden. Sulzer besaß eine der wohllautendsten Stimmen, die man je gehört hat; dabei einen ergreifenden Vortrag voll der tiefsten Inyigkeit, und selbst heute, in seinem 62. Lebensjahre, da seine Stimmittel, an Kraft, der Natur den Tribut zollend, nicht das zu leisten vermögen, was sie einst vermocht, fehlt seiner Vortragsweise doch noch nichts von jener Weihe und begeisterungsvollen Andacht, womit er in früheren Jahren seine Zuhörer entzückte. Theils die bei mannigfachen Anlässen neuentstandenen Kompositionen, theils die Anerkennung, welche dem Ver-׳ fasser des ״Schir-Zion" von allen Seiten gezollt wurde,- theils endlich der rastlose Eifer, der ihn immer Neues zu schaffen drängtehatten zur Folge, daß Sulzer gegenwärtig mit einem zweiten Theil ״Schir-Zion^ vor die Oeffentlichkeil, treten konnte. Dieser soeben erschienene zweite Theil kann als Fortsetzung und Ergänzung des ersten Theils betrachtet werden und übertrifft noch denselben in vielfacher Be- Ziehung. ■ - Vier Jahre lang hatte Sulzer die Professur am Wiener Conservatorium inue. Zu dieser Zeit komponirte er die Gesänge für Haus und Schule, die er unter dem Titel: ״Du.daim" edirte. II. Die Sulzer-Feier im Musikvereine. ■ — den 23. März. Der Mann, dessen Lebensskizze wir im Vorigen mit gedrängter Kürze schilderten, ist seit vierzig׳ vollen .Jahren der beliebte Dollmetsch der Gebete einer großen Gemetnde. Zur Erinnerung an diese vierzig Jahre sollte ein würdiges Fest gefeiert werden. Das vierzigjährige Jubiläum W. großen C.hasanS׳ Sulzer. wird morgen Hn Heeigneten Orte, im ׳ Tempel, ftattsinden. Die' Feier/ deren' Zeugen׳ wir gestern Abends im Müstkveretne"warest/ galt dem getMen Künstler Sulzer. Ein treues Bild dieser Feier zu geben/ ist meine-heutige Aufgabe; erschwert wird sie Mir einigermaßen dadurch, daß der Rahmen für das Bild bereits fertig ist und ich daher strenge darauf achten muß, daß das Bild in diesenf vom ״Ben Chananja" gebotenen Rahmen genau passe.' •'־ -/ ' י •״־'"׳ •־ ‘ Ein ungemein zahlreiches׳, sehr gewähltes und festlich! gestimmtes Publikum hatte sich im schön geschmückten Müstk-l Vereins-Saale eingesunden. Im Cercle war eine imposante- Anzahl von Kunst- und andern Notabilitäteu versammelt: die Primadonnen des HofoperntheaterS, die hervorragendsten Hofopernsänger, die berühmtesten Mitglieder des Hofb'urgtheaters, die Direktoren des Konservatoriums, verschiebette andere Notabilitäten, Dichter und Journalisten, sie waren alle vollzählig erschienet Die-Feier wurde mit einem von Mosenthai verfaßten Prolog eröffnet, den die beliebte Hofschauspielerin Frau Gabillon in gewohnter Meister- Hafter Weise vortrug- Der höchst gelungene Prolog ist eine schwungvolle Apotheose der Musik und des Gesanges; er läßt die Musik mit dem ersten Wort der Schöpfung entstehen und erzählt, wie Israels Söhne bei allen großen M» eignissen ihren Gefühlen durch Gesang Ausdruck gegeben; stellenweise wird er durch die liebliche, melodramatische Begleitung Gvldmarks auf eine charakteristische Weise illustrirt. Nun gelangt er zu den Psalmen des großen Sänger- Königs David und während die Musik Davids Harfentöne erklingen läßt hören wir mit zündendem Pathos den Herrlichen Psalter deklamiren: Alles, was Odem hat, lobet den Herrn! — Die Harfen der Söhne Judaö verstummten, erzählt der Prolog weiter, und überspringt dann die Jahrhunderte., in denen Judas Söhne zerstreut und unterdrückt lebten. Er gelangt zum Schluffe zu dem Manne,; der die verstummte Harfe wieder ertönen ließ, ertönen auf eine so wunderbare Weise, schildert seine unsterblichen Verdienste in ebenso schwungvoller, wie beredter Weise und apostrophirt schließlich die Musenföhne und Töchter alle, sie mögen dem großen Meister ihre Huldigung darbringen. Und die anwesenden Künstler und Künstlerinnen schaaren sich um die begeisterte Deklamatrice und singen eine Nossinifche Hymne. Daß diele Schlußcantate auf eine meisterhafte Weise durchgesührt wurde, braucht nicht erst erwähnt zu werden, da die erekutirenden Künstler und Künstlerinnen sich ohne Ausnahme eines europäischen Rufes erfreuen. Nun folgten zehn Piecen, die alle.ohne Ausnahme von Kräften ersten Ranges ausgeführt wurden. Es ist nicht, hier am Orte, die einzelnen Piecen ausführlich zu besprechen; ich glaube, sie selbst namentlich nicht vorführen zw müssen und begnüge mich , zu konstatiren, daß die Mikwirkenden Alle, Sänger und Sängerinnen, Künstler und Künstlerinnen ihr Möglichstes thaten , um den. Abend zu einem festlichen zu gestalten und hierfür mit zahlreichen Beifalls-, bezeugungen belohnt wurden. . Den Schluß und den Glanzpunkt des Abends bildete der von Tau ber verfaßte und von der sehr beliebten Hofschauspielerin Frau H a i z t n g e r vortrefflich gesprochene E p ilog. Derselbe schildert-den großen Meister in sehr gelüngener Weise; er feiert ihn als Schubertsänger, wie als Interpreten der synagogalen Gesänge. Ernstes und Heiteres wechselt in anregender Weise mit einander ab und die geniale Deklamatrice verdöllmetschte dies bald durch ergreifende׳ Rührung, bald durch eine, lieblich muntere Laune. Aber nicht nur dem׳ Sänger, auch dem Menschen Sulzer läßt der geistreiche׳ Epilog Gerechtigkeit widerfahren. Er schildert ihn als' einen ganzen Mann, einen Mann - der sein Herz am rechtes Wecke hat, als einen Mann/ offen, ohne' Trug Und' Hehl/' der seine Ueberzengung nirgends unterdrückt und seiner? 13*