Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 12 (21.3.1866)
- Date
- 1866-03-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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245 246 auch den treuesten Freund hülflos, ist auch für den jammervollsten Schmerz unempfindlich und hat auch für den beklagenswerthesten Unglücklichen kein Gehör. Darin eben unterscheidet sich Frömmelei von Frömmigkeit. Diese ist liebe- -voll und wohlthatig, jene lieblos und grausam. Frömmigkeit bemitleidet auch den Sünder noch, Frömmelei dagegen haßt auch den Frommen und Gerechten, wenn er nicht ihrer Meinung huldigt, wenn er nicht in Uebereinstimmung mit ihren- Grundsätzen lebt, wenn er sich nicht scheut, offen und unumwunden seine Meinung auszusprechen. In ihrem stolzen Wahne freut sich die Frömmelei der Fehler u. Schwachheiten anderer, mit ihrer eignen Stärke sich brüstend; blickt sie stolz auf jeden unglücklichen Verirrten hin, ist schonnungslos in ihrem Urtheile, schonungslos und nnbarmherzrgin ihrer Zurückstoßung u. Verfolgung. Hütet Euch g. Z. daß Ihr Frömmigkeit mit Frömmelei verwechselt. Frömmigkeit ist Liebe, Frömmelei ist Haß. Liebe muß aber das Herz cheseelen, wenn wir uns von dem Drucke, den unsre Sinnlichkeit auf unser höheres Leben ausübt, frei machen wollen. Ja, m. Gel. da wo sich Liebe offenbart, ist auch wahre Frömmigkeit. Fehlt aber diese, dann ist — was man für Frömmigkeit hält, ein leerer Schein, eitle Täuschung — Frömme lei. — IV. Dazu kommt endlich ״Und Ihr sollt es essen בוזסזון mit Eilfertigkeit." Nicht nur sollte das Volk den Willen zur Thal machen, sondern auch die That mit Eifer ansführen, mit Freudigkeit und froher Zuversicht. Glücklich sollte das Volk bei seinem Auszuge sich fühlen. Und wie viel Ursache war gegeben, sich glücklich zu fühlen! So sollen auch wir freudig entbehren und entsagen, freudig uns von dem Drucke frei machen, den unsre Sinnlichkeit auf unser höheres Leben üuSübt. Wir solleu dieses freudig!. Mohlthaten auösibeu, Gottes Gebote erfüllen, die religiösen Vorschriften beobachten, meinet Ihr das wäre schon Frömmigkeit? O nein! Mit Freu de fromm sein, das ist Frömigkeit! Und eben darin unterscheidet sie sich von der Frömmelei. Frömmigkeit macht zufrieden und vergnügt, Frömmelei dagegen traurig und mißmuthig. Sehet nur-einen wahr- Haft Frommen an, mag er von des Schicksals Stürmen zu leiden haben, oder mögen Sonnstrahlen des zeitlichen Glückes ihm den Lebenspfand erhellen, Freude beseeligt ihn, denn er hat eine Freudenquelle, die niemals versieget, seine Selbst- Zufriedenheit. Aufrichtig und wahr gegen sich trägt er einen Himmel in seiner Brust und jauchzt in seinen andachtsvollen Gebeten der Zukunft heiter uud hoffnungsvoll entgegen! Wie ganz anderes Frömmelei! Falschheit und Verstellung machen den Frömmler unzufrieden mit sich und mit der Welt. Neidisch blickt er auf die Seelenruhe, mit welcher der Fromme den Seelenfrieden segnet; schmerzlich und grimmig zürnt er über Andere, noch mehr aber über sich. Er glaubt immer der Himmel stehe in seiner Schuld, ihm seine Zahlung verweigernd. Glücklich fühlt sich der Fromme durch das Vertrauen, mit welchem seine Mttmenscheu ihn ehren, durch die Theilnahme, mit welcher jeder bessere Mensch ihm sich anschließt, ja durch die Liebe, welche trotz aller Bosheit u. Feindschaft auf Erden ihm aus vielen Herzen entgegenstrahlt und leuchtet. Unglücklich macht aber Frömmelei durch die mißtrauischen Blicke, welchem sie fortwährend begegnet und vor welchem sie tief beschämt ihr Auge zu Boden senken muß; durch die Geringschätzung, welcher sie sich auögesetzt sieht u. welche bald offener bald versteckter sich ihr offenbaret. Glücklich fühlt sich der Fromme, denn der Wechsel des Geschickes hat für ihn im Getümmel der Welt wie der Tod am Ende der Laufbahn keine Schreckniffe,׳ weil er ein ewiges Leben vor sich hat, welches ihm Trost und Beruhigung bietet! Wo dagegen, wo soll -der Frömmler diese Beruhigung, diesen Trost finden? Zu den Menschen hat er kein Vertrauen, vor seinem allwissenden in die Herzen blickenden Richter zittert er und schrickt zusummen, denn er wollte ja nur der Welt fromm scheinen. Ach diese Täuschung hat nun ihren Werth verloren und nicht ein Leben voll Hoffnung sieht er beim Herannahen seiner Sterbestunde, sondern die Qualen bitterster Reue foltern daS Herz. — Wollt Ihr ein Merkmal, Frömmigkeit von Frömmelei zu unterscheiden — hier habt Ihr eines und, ein sicheres: בשמחה תצאו ובשלום תובלון Freude und Friede! Amen. Zur Sufjerfeier. Pest, 16. März. Im Zusammenhänge mit meinen Ansichten, welche ich bezüglich des am 24. d. M. in Wien stattfindenden AmtsjubiläumS des um die Verherrlichung des jüdischen Gottesdienstes vielverdienten Herrn Oberkantors Sulzer in der letzten Nummer dieser geschätzten Blätter mitgetheilt habe, richte ich nun an die verehrlichen Herren jüdischen Literaten, Musiker und Kantoren die ergebenste und wärmste Bitte: mich in der projektirten Herausgabe des ״Sulzer-Albums" durch geeignete für ein derartiges Buch paffende Beiträge und Kompositionen freundlichst unterstützen zu wollen. Bis heute haben sich diesem meinem pietätvollen Unternehmen die Herren Oberkantor Löwenstein in München, Oberkanror׳ -Deutsch in Breslau, Kantor Fischer i» Wien und der königliche Musikdirektor Lewandowski in Berlin zur unmittelbaren Mithilfe angeschlossen. Die?. 1. Herren Gelehrten und Künstler, welche meiner ergebensten Bitte eine geneigte Verückstchtigung schenken wollen, können daher ihre geschätzten Arbeiten, in welcher Sprache immer sie verfaßt sind, je nach Bequemlichkeit etweder an mich oder an einen der benannten Herren nnfrankirt einsenden. Die Namen der Herren,Autoren werden seiner Zeit veröffentlicht werde«. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, mit besonderer Genugthuung zu konstatiren, daß in Folge eines erst in den letzten Tagen von mir ausgesandten Zirkulars an meine Herren Kollegen in Ungarn bis heute bereits 14 Kantoren und einige Gemeinden sich bereit erklärten, sowol eine von mir abzufendende Beglückwünschungsadresse an Sulzer. mitzufertigen, als auch die Albumsangelegenheit thatkräftigst fördern zu helfen. Oberkantor Fried mann. Wskolvzvi׳ Ziistiiude. Miskolcz, 15. März. Zu jeder andern Zeit wäre dem hies. Berichterstatter in Nr. 9. dieser gesch. Blätter das grosse Vergnügen, seinen vollen Namen, ״Neubauer“ mit fetter Schrift gedruckt sehen zu können, und gleichzeitig der Held einer gewissen Parthei im Caffeöhause zu sein, ganz ungeschwächt gelassen worden. Aber in einem Zeitpunkt, wo hierorts alle Bande des Rechtes der Ordnung und der Eintracht gelockert, wo Verleumdung und Angeberei guten Absatz finden, heute würde ein Stillschweigen gegenüber der von •dem angestellten Lehrer N... aufgestellten Behauptung als Zugeständniss, und dessen Beschwerde über mangelhafte Gehaltsauszahlung, zu ■einer erneuerten Klageführung an d. löbl. Behörde äuBgebeutet werden. In meiner Eigenschaft als Mitglied des hies. Sohuloomitös erachte ich es als eine notbgedrungene Pflicht, nach: genauer Einsicht in d. vorliegenden Oassablichern, ■ Herrn N.’ s Angabe als unwahr und als eine von irgend einer Seite angeregte Gehäseigkeit zu bezeichnen, da es Tathsaohe istdass unter der; gegenwärtigen Vorstellung das Lehrerpersonal im Laufe eines