Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 12 (21.3.1866)
- Date
- 1866-03-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Homiletische und didaktische Deilage zu ״Den Lhananja "Nr.!2. 1806. Muertes unö Jlngcfäucrtes; Unterschie-;wischen Frömmigkeit uni» Frömmelei. Predigt am 5614 שבח הגדול. den 6. April 1854. Bon Dr. L. Adler, LandeSrabbinec zu Kassel. ׳חמץ mtt> ״ מצהGesäuertes und Ungesäuertes!" Diesen Gegensatz kündigt uns das bevorstehende Pesachfest an. Hätte dieser Gegensatz auch keine andere Bedeutung als unS it» jene Zeit zu erinnern, in der unsre Vorfahren aus Knechtschaft befreit wurden, so wäre diese schon hinreichend, Unsere Aufmerksamkeit auf denselben zu lenken u. wie bisher auch ferner mit Sorgfalt bei der Feier des Peßachfestes die hierüber bestehenden Religionsgesetze zu beobachten. Doch eine andere Bedeutung noch liegt in diesem Gegensätze! Wie das Brod als Nahrung Bedingung des leiblichen Lebens, zweifach, gesäuert und ungesäuert sein kann, so kann . auch die des geistigen Lebens eine zweifache Beschaffenheit haben, wodurch ein großer Unterschied entsteht: ein Unterschied, wie zwischen Himmel und Erde ', zwischen Licht und Finsterniß, zwichen Leben und Tod. Auf diesen Gegensatz in der für das Leben der Seele bestimmten Nahrung weist der Unterschied zwischen Gesäuertem und Ungesäuertem hin. Wie das leibliche Leben durch die Speise bedingt ist, so das Leben der Seele durch — Frömmigkeit. Aber ist auch das, was wir Frömmigkeit nennen, immer in Wahrheit Frömmigkeit? .Wird nicht gar oft Frömmelei für Frömmigkeit gehalten? Aber auch umgekehrt hält man gar oft' Frömmigkeit für Frömmelei; Beweis genug, daß man hierüber noch nicht ganz, wenigstens - noch nicht allgemein im Klaren ist; Beweis genug, daß der Unterschiend zwischen Frömmigkeit und Frömmelei noch vielseitig einer Verstänvigung und Erklärung bedarf. Müssen wir, um daö Haus vom Gesäuerten zu reinigen, weil solches in ihm nicht soll gefunden werden, vorher nothwendig wissen, ״was das Gesäuerte vom Ungesäuerten unterscheide, so müssen wir auch, wenn wir unsre Seele von dem Sauerteige der Frömmelei befreien und ihr das. geistige Brod einer wahren Frömmigkeit bieten wollen, vorher über den Unterschied zwischen beiden uns belehren und uns in den Stand setzen, daß wir beide nicht miteinander verwechseln. Teyt: II. Bch. M. Kap. 12, 11. ״Nur also so.llt ihr es essen: euere Lenden gegürtet, euere Schuhe an eueren Füßen, und eueren Stab in euerer Hand; mit Eilfertigkeit sollt ihr es essen: Peszach ist es dem Ewigen." So lauten unsere Tertesworte, die der Prophet zu dem Volke sprach, als die letzten Tage des Druckes gekommen waren. — DaS Volk sollte vor seinem Auszuge das Pesachlamm verzehren, vor seinem Auszuge das Pesachfest feiern. Sonderbar! Ein Fest, welches für uns eine Erinnerungsfeier ist, soll von unseren Vorfahren schon vor dieser Begebenheit selbst gefeiert werden, zu deren Andenken doch das Fest erst eingesetzt wurde. Doch nein! Der Auszug aus Aegypten hat selbst schon eine viel höhere Bedeutung als Israels Rettung, als ׳Befreiung eines geknechteten Volkes aus Knechtschaft und Sklaverei. Das Leben Israels deutet auf das höhere Leben des Menschen hin; das Leben Mizraims an das der willenlosen Sinnlich keit. Beide sind miteinander verbunden. Das Leben der Sinnlichkeit herrscht über daS höhere geistige Leben deS Menschen. Aber der Mensch soll von diesem Drucke sich befreien. Daö , höhere Leben soll herausziehen aus dieser Knechtschaft und Unterdrückung. Dieser Auszug ist nicht nur Bestimmung des einzelnen Menschen, sondern jeder Gesammtheit, ja dieser Auszug ist als die Lebensgeschichte der ganzen Menschheit anzusehen. Aber wie soll nun der Unterdrückte frei werden d. h. wie kann das höhere Leben von dem Drucke seiner Sinnlichkeit sich befreien? Das können, das sollen wir aus den Vorschriften lernen, die damalS, als Israel noch nicht befreit war, in den letzten Tagen des Druckes dem Volke gegeben wurden. Daö Volk sollte für seine Befreiung sich vorberetten. Auch wir müssen dieses, m. g. Z., auch wir müssen durch Vorderestung dahin wirken, daß wir unS von dem Drucke befreien, den unsere Sinnlichkeit auf daS höhere Leben auöübt und eine solche Vorbereitung, ein solches Streben wird Frömmigkeit genannt. Vollkommen ist nun einmal der , Mensch nicht, und unser ganzes Streben und Wirken ist ein beschränktes und endliches, aber als Ziel muß uns die Befreiung des höheren Lebens von dem Drucke der Sinnlichkeit vorschweben. Als Menschen sind wir beständig im Herausziehen begriffen und müssen daher auch fortwährend uns vorbereiten. Soll unS dieses aber gelingen, soll unser Leben eine fortwährende Befreiung des höheren Lebens von dem Drucke der Sinnlichkeit sein, so müssen wir sorgfältig uns hüten, daß wir Frömmigkeit und Frömmelei nicht mit einander verwechseln. I. ■. יי ״So sollt ihr es essen: Euere Lenden umgürtet." So lautete di.׳ erste Vorschrift, welche der Prophet in den letzten Tagen des Druckes dem Volke gab. ״Euere Lenden umgürtetet" ״vorbereitet zur Reise." Wenp derMörgenländer etwas unternehmen will, so werden vor Allem die Lenden umgürtet. Seine Lenden umgürten heißt: fest entschlossen sein. Das Volk mußte vor Allem auch den Entschluß fassen. Dieser Entschluß war seine Vorbereitung. ׳ Das Volk mußte wissen, daß die Zeit seines Druckes vorüber; mußte das Verlangen, den Willen haben, aus dem Lande der Knechtschaft und Sklaverei hinauszuziehen; mußte das Verlangen, den Willen haben, der so lange schon entbehrten Selbstständigkeit jetzt endlich auch theilhaftig zu werden. Der Sklave, der trug keinen Gurt um seine Lenden, denn er hatte ja keinen Willen, keinen selbstständigen Geist, er war ja nur das Werkzeug Anderer. Diese Sklavenzeit sollte jetzt vorüber sein, das Volk sollte seine Lenden umgürten. So muß auch das höhere Leben vor Allem seiner Kraft und Selbstständigkeit sich b ewußt werden. Der Entschluß, von dem Drucke frei sein zu wollen, den unsere Sinnlichkeit auf unser höheres Leben ausübt, der muß vor allem lebendig und stark in unfever Seele sein. Die Seele muß ihrer Abstammung und ihrer höheren Bestimmung sich bewußt, ihre Selbstständigkeit in Anspruch nehmen. Alles was nun darauf Bezug hat, Alles was wir thun, um zu dieser geistigen Selbstständigkeit zu gelangen — ist Frömmigkeit. Hüten wir unS aber, daß wir nicht Frömmigkeit mit Frömmelei verwechsein! Frömmigkeit ist Gottesfurcht, Frömmelei dagegen ist Menschenfurcht. Allerdings ist auch AeußerlicheS nothwendig, allerdings muß der Mensch auch durch äußerliche gottesdienstliche Verrichtungen auf seinen Geist, auf sein Herz und auf seine Gesinnungen einwirken, und fern sei der Gedanke, diese nicht als Frömmigkeit anzusehen, oder eine fromme Gesinnung, welche sich in sichtbaren Hand-, langen ansspricht, in Andachtsübung, frommen Gebeten, und Befolgung anderer Vorschriften und Gebote Frömmelei zu nennen! Fern sei dieser Gedanke! WäS wir, aus