Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 12 (21.3.1866)
- Date
- 1866-03-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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237 238 wir nur eine angenehme Pflicht der Erkenntlichkeit, indem wir Ihnen zu Ihrem vierzigjährigen Amrsjiibiläum mit dem herzlichen Wunsche gratulire» , daß der Allmächtige, der über den Lobgesängen Israels thront, Sie noch eine lange Reihe von Zabren zur Verherrlichung unserer öffentlichen GotteSverchrung, zum Borbilde Ihrer BerufSgenoffeU und zur Zierde Ihrer Gemeinde in seine besondere Obhut nehme. Genehmigen Sie den Ausdruck unserer ungcthcilten Hochachtung und Sympathie, in welcher wir verharren. Folgen die Unterschriften. Szegediu, 13. März. In der letzten Nummer des ״Ha-Maggid" werden die Mitglieder des Mekize-Nirdamim-Vereins darauf aufmerksam gemacht, daß die Druckwerke des zweiten Jahrganges nach dem bevorstehenden Peßachseste zur Versendung kommen. Zugleich werden ditVereinSmitglieder an die Einsendung der JahrcSgebühr erinnert. GS ist sehr zu wünschen, daß der Verein die ihm gebührende Unterstützung finde. g. Großwardein, 13. März. Nicht über hiefige Zustände habe ich heute zu berichten, sondern über die neuesten Beschlüsse der Gemeinde zu Epe ries: Dem Rabbiner und dem Kantor die Aufbesserung ihres Gehaltes zu entziehen; die Hauptschule auf eine' zweilkassige Trivialschule zu reduziren; den Lehrer Goldstein zu entfernen und den Gehalt des tüchtigen und verdienstvollen Lehrers Deutsch zu vermindern. Dies find die Beschlüsse, die ein gebildeter, sonst sehr einsichtövvller Gemeindevorstand gefaßt hat. Das ist die Aufmunterung, welche den Männern zu Theil wird, die ihre geistige Kraft ihrem Volke widmen! w. Kafchau, 8. März. Die Verhandlungen mit Sr. Hochwürden dem Herrn Rabbiner Dr. Zipser in Rechnitz find im vollen Zuge. Eines von den geachteteflen Mitgliedern der hiesige» Gemeinde hat flch persönlich zu Sr. Hochwürde,1 begeben und wurde vom Vorstände, dessen Milglied es ist, beauftragt, Alles zu versuchen, diese so bedeutende Kraft für Oberungarn zu gewinnen. i. Ungarisch - Brod, 16. März. Unser Gemeindevorstand hat, ohne die Gemeinde zu befragen', einem Rabbiner eine Vokatiou gesendet» welche letzterer annahm. Von abmahnenden Briefen ״überschwemmt", verlangie er nachträglich eine Plenarversammlung, auf die» jedoch der Vorstand nicht eingehen wollte. Andererseits verlangte der Gemeindevorstand vom Rabbiner die Einsendung von Zeugnissen einer filosofischen Fakultät, welche im Konkurse gefordert wurden. Darauf ist mindestens bis zur Stunde der Rabbiner nicht eingegangen. Wie die Angelegenheit enden werde, kann ich Ihnen nicht sagen. Sie scheint ein für den Vorstand tragisches Ende nehmen zu wollen.*) GroßsKanizfa, 18. März. Herr Josef Löwy hat das Zubiläum Sulzer's mit einem kehr gelungenen, geistvollen hebräischen Sonette gefeiert. — Groß-Kanizfa, 16. März. Dr. Sigmund Rosenberg, einer der verdienstvollsten und liebenswürdigsten Aerzte unserer Stadt, und einer der gevchlelesteu Männer unserer Gemeinde hat heute, 4 Uhr Morgens, seine irdische Laufbahn beschlossen. Der Verblichene wurde 58 Jahre alt, und ging seinem Tode ein langes, schmerzvolles Leiden voran. Die Kunde von seinem Tode hat die ganze Stadt mit Trauer erfüllt. Seiu Andenken wird gesegnet bleiben!**) N. Szarvas, 13. März. Wiewol der hiesige Gemeindevorstand im ״Pester Lloyd" verkündet, daß der hiefige, in jeder Beziehung achtungswürdige Rabbiner fein hiesiges Amt freiwillig niedergelegt habe, so weiß hier dennoch Jedermann, daß dem braven Manne Unrecht geschieht. Es ist dies traurig, aber leider wahr. Den Rabbiner trifft jetzt das Geschick, daS früher einem tadellosen Lehrer getroffen hat, L. Effegg, 9. März. Am 7. d. M. wurde von dem hiesigen israelitischen Frauenvereine eine WvhlthätigkeitSakademie veranstaltet, deren Ertrag sehr reichlich ausfiel. Das brüderliche Verhältniß zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung trat dabei auf eine höchst er¬ *) Ihre Mittheilungen, bei denen ich den Raum des ״B. CH." zu berücksichtigen bitte, werden mir stets willkommen sein. Red. **) Gesegnet auch von mir, seinem einstmaligen Kollegen in der Schulkommiissyn. Mögen die Hinterbliebenen, besonders die edle Gattü«, von des Himmels mildestem Tröste erquickt werden. Red. freuliche Weise an den Tag. Ich nenne zuvörderst die mitwirkenden Christen: die Herren Herzog und Hummel, Von jüdischer Seite wirkten - Frau Lcoutine Hiller, Fr. Emilie Landfinger und Herr Spieler. Die Schauspieler führten gratis ein Lustspiel auf. ~ Prag, 12. März. Die Kommission der hiesigen Talmud- Thoraschule hat soeben einen Bericht über das Entstehen und Bestehen der ihrer Leitung und Pflege anvertrauten Anstalt veröffentlicht, welcher von dem verdienstvollen Obmann der Kommission, Herrn Ernst Weh li, welcher selbst gründliche uud ausgebreitete talmudische Kenntnisse besitzt, unterzeichnet ist. Da Ihr Blatt öfters dieser Anstalt erwähnte, dürfte, es Ihne» willkommen sein, nachstehende, dem Berichte entnommenen Details darüber zu erfahren. Herr Herz Jonathan Vondi hat zue Gründung einer T. T. Schute 2200 fl. gespendet. Die Gemeinderepräsentanz ernannte zur Leitung der Anstalt eine Kommission. Gegenwärtig stehen dem Herrn Ernst Wehli" folgende Herren als KommisstonSgliedet zur Seite: Georg Feige!, Kopelmann Lieben, A. A. OserS und Leopold Pick. Die Schule besteht aus vier Klaffen. Die unteren Klaffen sorgen für den Bibelunterricht und für den Unterricht in den Anfangsgründen im Talmud. Lehrer: Bernd. Donat und Abraham Klemperer. Zn der vierten Klasse wird höheres Talmudstudinm betrieben, iiiid ist auch für Vorträge über Bibeleregese und Homiletik gesorgt. Lehrer: R. Juda Teweles und Pred. Prof. Dr. Kämpf. Den Mischnaunterricht ertheilt Pred. Dr. Stein. Durch diesen Unterricht sollen die Schülerzum Studium des Talmuds angeleitet werden. Die Bibliothek des sel. R. Benedikt Jeiteles wurde der Anstalt zum Geschenke gemacht. Bereichert wurde dieselbe durch die Munifizenz der Herren; Jsr. Thorsch. Js. W. Taußig, Sal. Fischel, Ez. PreffeleS, Dav. Zappert, Kvppelm. Lieben, M. L. Wiener. Herr Ed. Edler v. Porthelm ist. im Begriffe, der Anstalt die Bibliothek seines Schwiegervaters, Herrn Sal. Zerusalem, und ein paffendes Lokal zum Geschenke zu machen. Dem Berichte geht eine gelehrte Abhandlung von Dr. Stein voran (welche wir näher besprechen werden Red.). L ch u l « e s e n. 0. W. S. A. Ujhely, 9. März. In einer am 4. d. abgrhaltenen Plenarsitzung wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, dass der seiner Zeit mit so großem Pompe eingeführte erweiterte hebräische Unterricht vom 1. April d. I. an auszuhören habe. Unter den verschiedenen Ursache» der Auflösung dieses übrigens größtentheikS aus den Schul׳ gcldern der Musterhauptschule erhaltenen Unterrichtes wurde geltend glmacht, daß ja dadurch die Schülerzahl an der Mustrrschule nicht zugenommen habe. Ueber die übrige» Schulverhälniffe nach ihrer Erledigung in unserm nächsten Berichte. Erwiderung an den Herrn Oberrabbiner Faßel in Betreff eines Bethdin bei Ehescheidungen. (Schluß. *) Wie wir in obigem Gutachten SoferS, gesehen, so hat er nichts gagegen, wenn בשעת הדחק der סופר zum Bcrhdin genommen werde. Wol fügt er bei וטוב שלא יהיה הסופר מהם, würde jedoch schwfrlich einen Get für ungiltig erklärt habem (רמ״א אה״ע סי' קל ס״א ר״מ אות יד ,עו)• Ebenso verhält es sich mit dem zweiten Falle, wo der Mann selber seinen eigenen Get geschrieben (Rambam Geruschin II, 1. Tor Eben-Eser ILO.) Wol äußert sich Reuia (Ebeu-Eser 183): הבעל לכתחלה לא יכתוב הגט' בעצמו, was aber 610« m« ein wohlwollender Rath zu betrachten ist. wert in diesem Falle beim Schreiden des Get genauer geachtet werden muß. 3) Herr Rabbiner Fasset äußert sich ferner: ״Dieser Fall soll auch die Veranlassung gewesen sein, daß die h. Hofkanzlei ein Ehegesetz für Juden erließ." Ich bedaure sehr,. daß mein geschätzter Freund das Ovieuse dieses lästigen Gesetzes ungerechterweise mir zu imputiren und mich als den mittelbaren Verursacher davon vor der Welt Hin,»stellen scheint, was aber geluive gesagt eine Unwahrheit ist. Ich wist dem Gedächtniffe meines werthen Kollegen etwas zu Hilfe kommen. Bekanntlich ist dieses jüdische Ehegesetz in den Erbländern ein bereits ei» Jahrhundert alter Usus, welche Segnung das Back'sche System zu Anfang der 50er Jahre auf die jüdischen-Einwohner Ungarns anszubelttien gesucht und mit aller Strenge auch dnrchgeführt hat. Jm Jakre 1861 jedoch wurde dieses Gesetz wie das ganze österr. bürgert. Gesetzbuch für Ungarn außer Kraft gesetzt. Nun suchten viele jüdische Einwohner daselbst von ihrer früher» ganz freien Autonomie in Betreff ehelicher An« gelegenhklten vollkommene» Gebrauch zu machen, bis gegen Ende 1663 *) S. die vorige Nummer.