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Ben Chananja · 1866-03-21 · 12 (21.3.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
12 (21.3.1866)
Date
1866-03-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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235 236 — allerdings eine sehr schwere Aufgabe — Prof. Dr. Bernaya, der dem Rufe an des gefeierten RitschlS Stelle Folge leistet, zum Theil ersetzen. Noch wären zwei Vorträge zu erwähnen, deren einer in Landsberg a. W. von dem dortigen Rabbiner Dr. Klemperer, wie die politischen Blätter melden, über die klassische deutsche Literatur vor eincm *größer» christlich-jüdischen Publikum bereits gehalten und sehr beifällig anfgenommen wurde. Den andern will der Potsdamer Rabbiner, De. Tobias Cohn, dieser Tage iu Breslau halten im dortigen Vereine für Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums. Sein Thema ist ״die Frauen im Talmud." A. Berlin, 13. März. Es dürfte Ihre Leser interessiren, zu erfahren, daß Geiger in Frankfurt am Main hier gewählt zu werden die meiste Aussicht hat. Man mag von Geigers Reformtendenzen denken, wie man wosie — das wird man gelten 'lassen müssen. daß als Ge, lehrte sich nur Wenige der lebenden Rabbinen ebenbürtig ihm zur Seite stellen dürfe». Die zwei Richtungen find hier einmal vorhanden, sie wollen beide Befriedigung. Geiger und Joel — das wären zwei glanzvolle Namen, zwei Männer, die beiden Richtungen genügten. Nun wird es sich bald entscheiden — im Mai treten die neuen Repräsentanten zu« fammen und dann soll alsbald an die Wahl gegangen werden. Möge sie im Sinne der Gemeinde, aber auch zur Ehre der Gesammthei t ausfallen. Wrefchen, 7. März. Wie zeitgemäß und dringend nöthig die jetzt vom Kaiser von Rußland im dortigen Beamtenstand eingeführten Reformen und Personalveränderungen find, beweist auch folgen« der Vorfall, der sich vor Kurzem bei Plock zugetragen hat, welcher mir von einem in der Umgegegend von Plock wohnenden deutschen Kaufmann mitgetheilt ist, und der die Willkürherrschaft der dortigen, jetzt bereits durch andere Persönlichkeiten ersetzten Beamten deutlich kennzeichnet. 'Bekanntlich tragen die russischen Juden zu beiden Seiten der Ohren lange Locken; je größer diese nun sind, desto mehr Selbstgefühl und Selbstgefälligkeit scheinen sie bei ihrem Besitzer hervorzurufen. Diese kleine Schwäche wurde nun vor Kurzem durch die Habgier eines HS- Heren Polizeibeamten folgendermaßen^auSgebeutet. Er ließ nämlich den - Aeltesten der dortigen Judenschaft zu sich bescheiden und las ihm einen von ihm selbst verfaßten Befehl vor, worin eS hieß, der Kaiser von Rußland habe besohlen, daß aste Juden die langen Locken abschneiden müßten. Der alte Mann erschrack und mit ihm die ganze Judenschaft, als sie erfuhr, daß ihre geliebten Locken jetzt ebenfalls auf dem Altäre der Neuerungen fallen sollten. Sie zürnten in ihrem Herzen dem streugen Kaiser, dem selbst ihre Locken im Wege wären, und der nicht die geringste Ehrfurcht vor ihren durch Jahrhunderte geheiligten Gebräuche hegte. Nach langer Ueberlegung kam endlich einer der Juden, der durchaus die theuren Locken nicht lassen wollte, auf den Einfall, ob sich die Sache nicht durch Geld beilegen lasse, wie doch so Manches in Rußland. Der Vorschlag fand Beifall und der älteste von ihnen wurde mit dem Aufträge, jenem Polizeibeamten 500 Rubel anzubieten, wenn er das fernere Tragen der Locken erlauben wolle, abgeschickt. Anfänglich machte der würdige Beamte einige Schwierigkeiten, dieses angebliche Gebot seines Kaisers zu umgehen, ließ aber bei seiner Weigerung dennoch die Möglichkeit immer durchblicken, woraus die Juden schließen konnten, daß ihr Wunsch erfüllt werden würde, wenn sie nur die nöthige Summe zusammenbrächten. Ihre Unterhandlungen über 'diesen Gegenstand hatten endlich den gewünschten Erfolg, weil sie zuletzt die .Summe von 1500 Rubeln zusammengebracht und dem geldgierigen Beamten übergeben hatten. der ihnen dann die Erlaubniß, ihr Haupt anch fernerhin mit den beliebten Locken zu schmücken feierlichst ertheilte.׳ Breslau, 15. März. Herr Dr. Samnelsohn hat auch in diesem Jahre einen Bericht über die NeligionS-Unterrichtö-Anstalt der Synagogengemeinde veröffentlicht. Das vorige Schuljahr hat mit 175 Schüler» und Schülerinnen geschlossen. Im Laufe deS gegenwärtigen ׳traten 61 neue Hinzu. Bei der vorjährigen Prüfung haben 2 Knaben und 6 Mädchen Prämien erhalten. Dem Vernehmen nach wird auch die hiesige Gemeinde eine Beglückwünschungsadresse an Sulzer senden. Von Fabius Mises ist ein in hcbr. Versen geschrtebenes polemisches Schrift« chen 'gegen die Kabbala und die Chaßidäer erschienen, welches gelesen zu werden' verdient. . Pakts, 15. März. In der französischen Armee werden in der Folge auch jüdische Seelsorger angestellt werden. Dr. Leven hat zum zweiten Male von der Akademie für eine wissenschaftliche Arbeit den Preis erhalten. Am 2d. M. fand in Blamont (Dep. Meurthe) daS Leichenbegängniß Jakob Spireö statt. Der Verblichene war Adjunkt deö Maires und Präsident der Synagogenverwaltung. Der Sarg des allgemein verehrten Mannes wurde von allen Notabilitäten der Stadt, von der Schuljugend und von den Zöglingen des Kollegiums begleitet; voran zog eine Kompagnie PompierS, Rabb. Js. Levy hielt die Leichenrede. Die Gemeinde zu BiSchwiller (Niederrhein) hat in Aron Bl in ihren Gründer verloren. Der Verewigte hat bedeutende Beträge für wohlthätige Zwecke legirt (Arch. Jsr.) Brüssel, 15. März. Der Oberrabbiner, Herr Loeb, der Nachfolger Carmolys, hat aus Gesundheitsrücksichten seine Abdikation eingereicht und wird am 1. Juli k. I. seinen RabbinatSfitz verlassen- Inland. ' 8. Wien, 18. März. Zum Sulzerjubiläum werden große Vorbereirungen getroffen. Die Feier wird würdig des Mannes sein, den sie ehren soll. Ich behalte mir vor, in der nächsten Nummer ein ausführlicheS Referat über dieselbe zu liefern und bitte ich Sie, Herr Redakteur. mir den gehörigen Raum resecviren zu wollen. Pest, im März. Alle Interessen unserer Gemeinde, alle Reuigleiten in derselben werden Ihnen treu mitgetheilt und zu unsrem Staunen fiel es noch Niemanden Ihrer Korrespondenten ein, einen großen, sich iu jüngster Zeit bei uns eingeschmuggelten Fehler zu rügen. Ich meine das NL^NV-Wesen. In der letzten Zeit nämlich nehmen bei uns die כשרי Fleischbänke sehr überhand. Keiner weiß, woher sie kamen, keiner weiß, wieso sie kamen, kurz sie find da. Daran läge uns aber wenig, wenn nicht die Gemeinde-Schächter und die von der Gemeinde bewilligten Fleischbänke litten. Das Zutrauen der Fleischbänke sinkt dadurch, denn diese neuen Fleischer haben auch ihre eigenen Schächter, die das Pester ־ב״ך gar nicht kennt. Wir empfehlen dem Pester Rabbinate dieser so wichtigen Angelegenheit mehr Aufmerksamkeit zu widmen, der Vorstand aber wolle von seinen Rechten Gebrauch machen und solchem Uufng energisch entgegentreten. I. Vermuthlich. Ofen, Ans. März. In einem Schrecken, welches unser Gemeindevorstand an Herrn Rabb. M. Deffauer iu Neu-Pest richtete, spricht derselbe, wie folgt: ״Ihre Ehrw. haben uns wol durch Ihre homiletischen Vorträge in unseren früheren Bethäusern bei Trauungen und anderen Gelegenheilen Hochgenüsse bereitet; Alle müssen jedoch zurücktreten vor jener Gediegenheit der aneinander gereihten Ideen, vor der reichhaltigen Eregetik und vor der überaus gelungenen Ausführung in Wort und Ton, die in Ihrer sabbathlichen GinweihungSrede in unserm neuen Tempel am 27. v. M. von Ihrem Rednertalente die glänzendsten Beweise geliefert haben- Wir haben bereits einmal Gelegenheit genommen, Ihnen ehrw. Herr Rabbi für eine schriftliche geistige Rede zu Gunsten unseres Tem« pelbaues zu danken. Unser nnerreichter Zweck mit jenen schriftlichen Aufsätzen verringert keineswegs Ihr Verdienst und den edlen Beweggrund. — Das Verdienst dieser Rednerspende am ersten Sabbath nach der Einweihung wird jedoch von uns ebenfalls als EinweihungSrede vorzüglichster Art iu nnseren Annalen notirlj,. und jener vom Herrn Dr. MeiSl abgehaltenen gleichgeachtet. — Möge daher der wiederholte Wunsch eines ausgcdehntern und segensreichern Wirkungskreises für Ihre eminenten vielseitigen Fähigkeiten in Erfüllung gehen! und mögen Ihre Ehrwürden Gegenwärtiges als den Ausdruck nnseres innigen Dankgefühles, der besondern Hochachtung und Ehrerbietung genehmigen. womit wir die Ehre haben zu zeichnen" Ofen, 20. Februar 1866. Der hierortige isc. KultuSgemeinhevorstank. Philipp Neumann. Präses. Szegedin, 21. März. Die hiesige Gemeinde hat an Sulz ec -nachstehendes Beglückwünschungsschreiben gerichtet: Euer Wohlgeboren, Verehrtester Herr Oberkantor! Da auch unsere Gemeinde sich seit einer Reihe von Jqhren an den herrlichen Gesängen Ihres Schir Zion erbaut und erfreut, erfüllen

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