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Ben Chananja · 1866-03-21 · 12 (21.3.1866) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
12 (21.3.1866)
Date
1866-03-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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233 234 Zustände der jüdischen Gemeinde in Amsterdam. Von Jos. Kahn, Oberrabbiner zu Trier. (Fortsetzung. *) III. Schulen und WohlthätigkeirSanstalten. a) Schulen. Auch diese find WohlthätigkeirSanstalten, da sie nur arme Kinder in ihren Räumen einnehmeu, unter welche dir der Bemittelteren, geschweige denn der Reicheren fich nicht mischen. Auch bei den anderen Konseffionen bestehen besondere Armenschulen, und da in Holland kein Schn lzwa ng besteht, findet der Elementar-- unterricht der Kinder der vermögenderen Klaffen nur in Privatschulen oder im Hanse -statt. — Hierin ist aber besonders für die Israeliten ein großer Uebelstand, da die Kinder der Bevorzugten in der Regel ohne einen gründlichen Unterricht in der Religion in allen jüdisch-religiösen Gegenständen bleiben. In der großen Amsterdamer Gemeinde — hört nnd staunt ihr deutschen Israeliten! — ist keine öffentliche Religionsschnle, außer der für die armen Kinder!! mehrere Versuche, solche zu gründen, sind bisher an dem Jndifferentismus ge« scheitert. Es scheint, daß die dortigen Frommen an dem Spruche de» Talmuds festhalten: Beachtet die Kinder der Armen, denn von ihnen geht die Thora aus! Diejenigen, und es gibt deren viele, dre noch etwas auf den religiösen Unterricht ihrer Kinder halten, taffen denselben entweder in einer der vielen Mittelschulen, die den Gottlob bei uns ausgestorbenen alten Chadarim gleichen, oder im Hause durch Pcivatlehrer in Privatstunden ertheilen. Daß dieser Unterricht daher schlecht nnd sehr Mangelhast sein muß, versteht fich von selbst, sowie auch, daß die Jugend größtentheilS in allem jüd. Wissen unerfahren sein und bleiben muß. Ich habe mit mehreren echt frommen und gebildeten Männern öfters ernste Nnterredungen hierüber gepflogen und dieselben besonders von der Noth- Wendigkeit, kie Armenschulen gänzlich zu beseitigen und an deren Stelle allgemeine Elementar- und Religionsschulen für alle israelitischen Kinder zu gründen. zu überzeugen gesucht. Ich hebe vorzüglich noch hervor, wie oie Abionderung der armen Kinder in besondere Schulen ganz gegen das Judenthum und hauptsächlich dem bekannten tatm. Satze: ״Niemals werde der Arme beschämt!" in Folge dessen der Arme in allen öffentliche,! religiösen und sozialen Angelegenheiten dem Reichen gleichgestellt war, — zuwider ist; wie ferner die ׳armen Kinder durch diese Absonderung in ihrer frühesten Jugend schon fich ihrer Zurücksetzung als ParlaS bewußt werden müssen und hierdurch fich auch nicht aus ihrem niedrigen Stande erheben und zn einem höhern Berufe Hinaufschwingen können. — Aber auf all dieses erhielt ich die einfache kategorische Erwiderung: ES ist dieses unmöglich auszuführen, da kein Vermögender seine Kinder mit denen der Armen in eine und dieselbe Schule schicken würde. Auf meine Zumnthnng an diese Bessern, denen meine Gründe einleuchtend waren, sie sollten mit einem guten Beispiele einmal vorangehr», was gewiß bald größere Nachahmung finden müßte, — sagte man mir: Wie können wir unsere besser erzogenen Kinder in solche Berührung mit diesen verwahrlosten und schmutzigen Kindern bringen!! Mit tief betrübten Herzen brach ich stets solche Unterredungen ab» da die selbst von frommen und gebildeten Juden mir gemachten Einreden mich an den früheren Widerwillen der Christen, jüdische Kinder mit den ihrigen in einer Schule unterrichten zu lassen, lebhaft erinnerten.- Die Juden selbst find somit nicht besser, ja noch, schlimmer, als jene, da fie doch ihre eigenen Religionsgenoffen scheuen, abstoßen nnd absondern. אכן נוע ה1*בר Wahrlich, jetzt! ist es mir bewußt, ״warum die Israeliten, selbst die holländischen so häufig noch von den Christen zurückgesetzt werden! rief ich mit Molcheh nach der bekannten Erklärung drö Midrasch aus, — weil fit sich selbst gegenseitig zurücksetzen und einen dem ganzen Judenthume entgegenstehenden Kastengeist hegen und pflegen. — Die hier nun folgenden Berichte über den vortrefflichen Stand dieser Armenschulen wird den ausgesprochenen Tadel gegen die Vermögenderen noch rechtfertige». b) Die Bew ahrschule (Bewaarschool) für dir nieder« ländischen israelitischen bedürftigen Kinder." ') S. Nr. 10. Diese besuchen circa 900 arme Kinder im Alter von L—6 Jahren. Der Unterricht wird vom Oberlehrer Herrn BoeS, einem sehr tüchtigen Manne, der mit großer Liebe und Aufopferung seinem schweren Berufe vorsteht, dessen Augen aber leider sehr geschwächt sind. — und von noch 16 Mädchen als Lehrerinnen ertheilt. Diese Schule wird erhalten durch freiwillige Beiträge und den Vertrag der Kinder'selbst. Jedes Kind muß täglich einen CenS (2 Pf.) mitbringen, sowie auch ein Stück Brot für sein Mittagessen. Sie verweilen dorr von 8 oder 8 bis Nachmit, tags 5 Uhr. Alle werden reinlich gekleidet und sehen frisch und munter aus. Das Schullokal besteht in mehreren geräumigen uud freundlichen Zimmern und fitzen die Kinder, ihre.», Alter nach in viele Abtheilungen und GiuppkN geordnet, von Lehrerinnen überwacht und geleitet. Durch die freundliche Zuvorkommenheit des Herrn Alfred Prius, Mitgliedes der Verwaltung dieser Schule, eines sehr angesehenen und gebildeten Mannes, welcher mit wahrer Menschenfreundlichkeit sich dieser Schule annimmt und viel Zeit für fie opfert, war es mir gegönnt, während zwei voller Stunden den Gang des Unterrichtes kennen zu lernen und mich hieran wahrhaft zn ergötzen- Derselbe ist ganz nach Art und Weise der bessern derartigen Anstalten. Es würde mich zu weit führen, denselben detaillirl hier zu beschreiben; ich will nur folgendes, was mich in eine heilige Stimmung der Bewunderung versetzte hier uuttheilen. Herr Prins forderte einen kaum noch 5jährigen Knaben aus, den er den ]הל nomitf, weil dieser den Morgengottesdienst j leitet, denselben zu beginnen. Dieser trug nun mit sehr lauter und kräftiger Stimme und inniger Erhebung das übliche Morgengebet für Kinder in hebräischer Sprache und hierauf in holländischer Uebersetzung vor. Ich konnte mich nicht enthalten, diesem Kinde einen Kuß aus sein so beredtes Mündchcn zu drücken. Hierauf wurden von noch andern Knaben und Mädchen andere Gebete sehr schön vorgetragen.- Dann folgten die herrlichsten Ge-" sänge in Chor, die so harmonisch waren, wie ich solche nie schöner gehört habe. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz. Ausland. H. Berlin, 12. März. Soeben erhalte ich die neueste Nun,- mer Ihres durch seinen reichen Inhalt trotz Bonner und Wiener Anathemen auch im Norden sich immer fester einbürgernden ״Ben Chunanjo." So wäre denn ein drohender Konflikt zwischen den beiden deutschen Großstaaten erledigt! Auch hier hatte man es noch nicht ganz' anfgegt-bcn, Dr. Güdemann wieder auf die Kandidatur zu bringen. Nun ist cct Würfel gefallen. — Wien hat sich — eö scheint beinahe so — fichilich becilt/Dr. G. zu acquiriren. Und er ist — das muß Freund und Feind eingestehen, eine Aeqnifitiou. Er ist zwar — wobei seine Jugend mit ins Gewicht fallen muß — noch kein bedeutender Gelehrter; allein Erudition kann man erringen, nnd mehr als bloße Ansätze zur Gelehrtheit bringt Dr. G. doch mit — dafür bürgen, wie bei ihm, so bei allen, aus dem Seminar Hervorgegangenen die dort angestellten re» gelmäßigen Stnvie״. Allein Dr. G. ist-ein Charakter, ein Mann, von dem Frankel zur Zeit (daS Urtheil ist. hier bekannt worden) hieher schrieb, ,der eher bricht, denn er biegt." Seine Richtung ist die milde gemäßigte, einzig und allein mit der Wissenschaft sich vereinende des Breslauer Seminars; — ihr Motto: das historische Judenthum und keine Extravaganz nach rechts oder links. Solche Charaktere bedarf «n« sere Gegenwart noch mehr, als der Talente. Was das rednerische Elemeut betrifft. - so wird der neukreirte Prediger wol zunächst »eben Jelliuek einen schweren Stand haben — allein auch f)itt besitzt Dr. G. eine glückliche natürliche Begabung und eines — was schon oft mittelmäßigen Rednern zum Siege verholfen über bedeutendere größere — ״einen Brustton der Neberzeugung." — Allgemein wird seine Wabl als der bedeutsamste Triumph gefaßt, den das Breslauer.Seminar bisher gefeiert. Wien, Königsberg, Danzig, Landsberg, Thorn, Posen, Graudenz, Lanner, Frirdlaud (einst Sitz weiland R. Aliba Egers) find Gemeinden, auf die die Leiter des Seminars nun Hinweisen können, wenn irgend ein Zweifel oder Bedenken ihnen entgegentritt. — Von hier habe ich nur wenig zu berichten — Dr. Rofin, ein grundgelehrter, denkgläuber klassischer Philologe, geht von hirr nach Breslau — er soll

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