Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 12 (21.3.1866)
- Date
- 1866-03-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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231 232 Oeffnung angebracht werde. Zn der neuern Zeit kam man auf den Gedanken, statt diese kleine Oeffnung in die Klappe zu machen, ein. Röhrchen aus der Wanne in die Quelle zu führen, und dieses zur Herstellung der Verbindung mit der Quelle während des Untertauchens zu öffnen. Auch dies mag, obgleich sich wegen des hier allerdings stattfindenden נצוק und des Streites über מד אחית גוד אסיק noch diskuttren ließe, aus den früher angegebenen Gründen zugegeben werden. Wir erklären offen, daß uns nach dem ganzen Geiste des Mosaismus und nach der noch im Sifra erhaltenen Tradition, ja auch nach den deutlichen Aussprüchen der Halacha, die durch die Pumpe allein hergestellte Verbindnng der Quelle mit dem durch die Auszugsröhre in die Badwanne strömenden Wasser völlig genügt, und uns daher alle jene Mittel, die wir übrigens nach allen Richtungen hin zur Erschöpfung des Gegenstandes und um der ängstlichen Gemüther willen besprechen wollten, als völlig überflüssig erscheinen. Wiener Briefe. hi. (S ch l u ß.*) Wien, Ende Februar. Was das ״Aschenbrödel" jüdischer Wissenschaft betrifft, so wird eS uns schwer fallen, manche Herren von der Wichtigkeit dieser Ver- Handlungen zu überzeugen. Man kann eben mit Blinden nicht über Farben sprechen. Eines wollen wir jedoch bemerken: Das Zudenthum hat viele Phasen durchgemacht, die Juden haben Vieles erlebt und erlitten, zu allen Zeiten und unter allen Verhältnissen jedoch wurde jüdische Wissenschaft «— wir sehen hier ab, in welcher Form und ans welche Art — gehegt und gepflegt. Das Zudenthum hat so zu sagen stets eine flüssige Form gehabt und ist nie eingefroren, und heute wollte man dieselbe als unabänderlich und unwandelbar hinstellen? Man kann welcher Richtung immer im Zudenthume angehören, wer die Forschung mißachtet oder verachtet, der verkennt die Lebensbedingungen des Judenthumes, dem muß man die alte Fabel von dem Fuchse und den Fischen, die R. Akiba dem Pupna erzählte, ins Gedächniß rufen. Da ich den Raum Ihres Blattes nicht unmäßig in Anspruch nehmen kann und darf, so will ich hier abbrechen und mich mit obigen Andeutungen begnügen. Wir kommen nun auf den Beschluß de« Vorstandes, daß ein Gottesdienst für die studirende Zugenv (nicht bloS für Gymnasialschülerj eingerichtet werde, zurück. Seit Jahr und Tag steht diese Frage auf der Tagesordnung, eS zeigt jedoch von dem reaktionären Geiste, der jetzt im Vorstande waltet, indem derselbe beschloß, daß durchaus keine deutschen Gebete und Gesänge bei diesem Gottesdienste Platz greifen dürfen. Wie sehr haben sich die Zeiten geändert! Im Zahre 1845 verlangten die Vertreter vom sei. Prediger Mannheimer den vergessenen Schuttüberrest in der Liturgie, die ausgesprochene Sehnsucht nach der Heimkehr ins gelobte Land ic. wegzuräumen, die Feier ver Doppelfesttage abzustellen, den Gottesdienst conciser, inniger und auferbaulicher zu gestalte», Sinn und Glauben der Jugend gediegen zu leiten und zn läutern. Im Jahre 1849 wurde ein Gottesdienst am Sonntage für v>e Handwerkslehrlinge «ingeführt und zwar mit deutschen Gesängen und im Jahre 1666 werden deutsche Gebete und Gesänge verpönt! Es entsteht nun die Frage: ist der Vorstand oder die Gemeinve jetzt frömmer, als sie es früher Ware»? Haben jetzt unsere Juden hler ihre Komptoir« am Sabbath geschloffen? rauchen weniger Juden jetzt an diesem Tage, als dieses früher der Fall war? Besuchen sie in geriugrrem Maße die christlichen Gasthäuser? Ehrlich gestanden, uns ist darüber nichts bekannt und glauben wir, daß da« Reich des Schulchan Aruch in letzter Zeit nicht fester begründet wurde. Wir wissen vielmehr, daß selbst manche, die sich mit dem ״Feigenblatte der Orihodorie" de« decken, am Sabbathe ihre Geschäfte betreiben. Die Thüre de« Geschäft«- lokales ist zwar zu. aber nicht zugesperrt, sondern bloS zugelehnt. Von einem frommen Manne, der die Börse besucht, wurde uns erzählt, daß er auch am Sabbathe dahin komme, da er jedoch an diesem Tage nicht schreibt, so macht er die etwa vorkommenden Rechnungen auf dem Fen, ster, indem er zuvor dasselbe anhaucht. Er schreibt dann mit den Fingern und nicht mit den Federn. Sind wir Juden nicht sehr erfindungsreich? Wenn aber weder der Vorstand noch die Gemeinde heute frömwer find, als dies vor 17 und 21 Jahren der Fall war, werden die Leser fragen, wieso kam es dennoch, daß dieser Beschluß gefaßt wurde? Wir wollen es versuchen, diese Frage zu beantworten. Im Vorstande fitzen Männer, die heute nicht zeremoniell religiös leben, aber sie wur« den fromm erzogen. Sie denken, welche Freuden ihnen die Religion in ihrer Jugend bereitete. Diese glauben, sie seien im Stande, der jetzigen Jugend ähnliche Freuden zu bereiten — wenn sie die alte Gebetordnung dekretiren. Sie vergessen jedoch, daß die Jugend jetzt eine andere Luft athme! und daß das Haus und die Häuslichkeit fast gar »lchlS dazu thun, um den religiösen Sinn zu Wecken und zu erhalten, und das Haus überhaupt wenig oder gar keine religiöse Freuden bietet. Was weiß die Jugend heute von einem Freitag Abend, was von Simchat Thora, was von Purim? Als zweiter Grund mag die Einheit der Gemeinde geltend gemacht worden sein. In manchen Kreisen hier lebt man in einer eigenthümlichen Fiktion, man glaubt nämlich die Gemeinde sei in allen Beziehungen eine einige, und doch gilt dies am allerwenigsten von, Gottesdienste. Wir wollen schweigen von dem polnischen und sefarbischen Bet, Hause und nur daran erinnern, daß wir in der Stadt, Schönlaterngaffe, eine Synagoge, die gewissermaßen mährisch-orthodor ist und in der Leopoldstadt, Ankergaffe, eine Synagoge haben, die wieder ungarisch orthodor ist, zu schweigen von den andern Belhäusern, die eine ganze Musterkarte von orthodoxen Riten haben. Alle diese Synagogen berücksichtigen in ihren Institutionen nicht im Entferntesten die Muttergemcinde; hingegen nimmt die Hauptgemeinde Rücksicht auf diese gewissermaßen renitenten Synagogen, um ihnen, Gott behüte, lein Aergerniß zu bereiten. Da wäre es schon konsequenter, in den beiden ״Tempeln" (wie man hier die Gemeindesynagogen nennt) den Chor und daS deutsche Gebet abzuschaffen und יקום פרקן wieder einzuführen ic. Indessen wollen wir abwarten, welche Früchte dieser Gottesdienst bringen wird. Wir hören, daß eS ein Sabbath-MinchagolteSdienst sein soll und da find wir neugierig, was sich die jungen Leute denken werden, wenn sie von der ממהר, שלמה rc. sprechen werden, sie, die eben am Sabbath keine Menucha haben und wie an andern Tagen die Schulen besuchen und ihre Pensa machen. Während ich dieses schreibe, kömmt mir die Nachricht zu: dadswus Papam, der Prediger ist ernannt. Wieder eine Sorge weniger. Mein gutnnterrichteter Berichterstatter vom grünen Tische, sonst ein gutmüthiger Mensch, der aber nicht ganz frei von Malice ist, meint, den Ausschlag für den fast einstimmig gewählten Herrn Dr. M. Güdemann habe gegeben, weil dieser sehr fromm sei und stets ein Käppchen trage. Nun die Käppchen werden theurer werden, und dieser Industriezweig wird in Flor kommen. Doch, Scherz bei Seite. Herrn Dr. Güdemann« Predigt hat entschieden gefallen, wenn wir auch gewünscht hätten, daß er am Sabbath 'O den Text aus dem Wochenabschnitte genommen und nicht aus שמ1ת D; er erfreut sich in der Gemeinde, wo er jetzt im Amte ist. eines guten Rufes, er hat ein wissenschaftliches Streben; hoffen wir daher. daß er der Wiener Gemeinde und die Wiener Gemeinde ihm gefallen werde. Gar leicht darf er freilich die Sache nicht nehmen, wenn er das Amt und nicht das Amt ihn ehren sott. צרכי ישראלי מרובים. Der sel. Mannheimer klagte wieverholt darüber, daß ihm die Amts- und BerusSgeschäfte keine Zeit zum Studium gönnen. Herr Dr. Jellinek, der früher mit seinen Produktionen öfters auf dem literärischen Markt erschienen ist, veröffenllicht jetzt zumeist bloS Predigten; auch ihn drückt ״das Joch" des Aitttes. Herr Dr. Güdemaun hat sich aber noch einen Namen zu erwerben. Möge ihm dieses gelingen. ') S. di» vorig» Nummer.