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Ben Chananja · 1866-03-21 · 12 (21.3.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
12 (21.3.1866)
Date
1866-03-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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229 230 die Sache der Reform imJudenthume herabzuwürdigen und zu beflecken, nnd jede Kraft zu lähmen, die in reiner, wahrheitsliebender und überzeugungötreuer Begeisterung dafür thatig war. Die Orthodoxie wird vielleicht in Schrecken gerathen, wenn sie erfahrt, daß ein, halbamtliches Journal in Wien die ״Reformjuden" preist, die zu wiederholten Malen mit so vieler Gründlichkeit denunzirt wurden. Sie wird vielleicht fürchten, daß ihre Antagonisten den günstigen Augenblick benützen und das Beispiel befolgen werden, welches ihnen in so eklatanter Weise gegeben wurde. Die Orthodorie möge sich beruhigen. Im diesseitigen Lager wird der Sirenengesang wirkunglos verhallen. Nein, die Freunde der Reform verlangen keine Protektion, keine Begünstigung, keine Belohnung von oben; am wenigsten können sie das als Belohnung gelten lassen, waS auch ihre׳ orthodoxen Brüder kraft der Lasten, die sie tragen und der Pflichten, die sie erfüllen, zu fordern berechtigt sind. ״Der Negierung gegenüber gebe ich keinen Minhag nach!" so sprach R. David Zinsheim, der Präsident des französischen Sanhedrinö. Ein eines würdigen Rabbiners würdiger Ausspruch! In dem Augenblicke, wo die Emanzipationsfrage mit der Reformfrage identifizirt wird, schweigen alle theologischen Differenzen unter den Juden, und wir rufen einstimmig mit dem alten R. David' Zinsheim: Der weltlichen Macht gegenüber geben wir keinen Minhag nach! •׳ . ■׳ ®äs MnijjungsOai). * ■ Von, Dr. Grüne bäum, BezirkSrabbuier in Landci». (Schluß.*) Wir hätten nun in Bezug auf die Pumpe-nur noch den Punkt Nr. .5 oben zu besprechen, nämlich daß das Bad nicht durch Dinge, welche empfänglich für Unreinheit sind, also auch nicht durch metallene Gefäße (Mischna Khellm 11,' 1), oder auch aus diesem Grunde nich. durch den Menschen (Para 6, 4. Sab. 25, d.) hergestellt werden dürfe. Allein der Brunnenkolbeu ist kein Gefäß, das Unreinheit anuehmen,,könnte Khel. 1. 1. 1. 2., ebensowenig die Ausflußröhre (יצבור) (Mischn. Khel. 1. l. s. auch oben den von Maiin. Mikiv. 4, 3. aufgestellten Grundsatz, R. Ascher G. A. 31, 8.); Ferner sind beide, Kolben und Ausflußrohre, durch ihre Befestigung an das Pumpenrohr mit der Erde verbunden, und nehmen deshalb keine Unreinheit an (s. N. Ascher 1. l. und Ende Nidda). Endlich findet diese Beschränkung über- Haupt, nur bei der Bildung eines VadeS aus Regcuwasser, nicht ' bei einer solchen aus einer Quelle statt (N. Ascher und Tor. I. D. 201. vgl. jedoch B. Josef zu St. und Darche Mosche S. 20.) Indessen kann diesem Einwurfe jedenfalls leicht durch Einfügung einer kleinen Holzröhre in die Auöflußröhre, da wo das Wasser ausfließt, begegnet werden, wodurch alles Bedenken nach dieser Richtung selbst nach dem ,ängstlichen und strengen Kargau wegfällt (s. R. Ascher 1. 1. 7. und Tur 1. 1.) Es erübrigt uns nur noch, von dem sechsten Punkte, nämlich vom dem Badbehälter selbst, oder der Wanne) in; welcher gebadet werden soll, zu sprechen. Hier aber können i *) S. die vorige Nummer. wir uns kurz fassen, da es uns dabei um so weniger auf die objektive wissenschaftliche, halachische Entscheidung ankommt, als 'sie nur eine geringe praktische Bedeutung hat, indem die beliebige Herstellung derBadwanue keine Schwierigkeit bietet. Bemerken wollen wir nur: 1) daß ein anS einzelnen Stücken zusammengemauerreS Bassin, auS Backsteinen oder Traß, — überhaupt kein Gefäß heißt. (Naschba G. •81. 800, Rema 201, 7.) 2) daß aber bei einem wirklichen Gefäß, einer Wanne von Holz, Stein oder Metall eine Oeffnnng ganz unten, in oder an den Boden, angebracht werden müsse, ehe die Wanne eingemauert wird, und daß letztere ein- oder aufgemauert werden müsse. Nur in Bezug auf die Größe der Oeffnungen herrschen drei verschiedene Ansichten. Nach der einen genügt auch die kleinste Oeffnung; nach der zweiten muß sie so groß sein, daß sich die zwei ersten Finger darin zusammen bewegen können; nach der dritten endlich ist das Maß hier ebenso groß wie das, um ein Gefäß vor Verunreinigung zu schützen,, also bei einem irdenen von der Größe einer Olive, bei andern von der eines gewöhnlichen Granatapfels. Eine apodiktische Entscheidüng zwischen diesen verschiedenen Ansichten ist kaum möglich, da.sie sich alle auf talmudische Autoritäten und deren jeweilige verschiedene Auffassung berufen. Wir verweisen daher in dieser Hinsicht einfach auf Beth Josef zu Tur 201 Fol. 180. Col. 4. ff. 6ä. Berlin, wo die Quellen und ihre verschiedenen Erklärungen so ziemlich vollständig zusammengestellt sind. Wir haben nichts dagegen, wenn nun diese Größe, übrigens im Widerspruche mit Rema I. D. 201,7. und auch hier wieder im. Widerspruche mit, dem Geiste des MosaiSmus das Erschwerendste zusammenklaubend, wie einen Granatapfel gemacht wissen will, obgleich es lächerlich erscheint, .wenn man sich bei der Verkündigung dieser erschwerendsten Ansicht, die jedenfalls vom Selbstdenken .befre.it, das Ansehen gibt, als sei es etwas unerhört Neue- , und zugleich die hohe Weisheit lehrt, daß die Oeffnung vor dem Einmauern der Wanne gemacht werden müsse, und dabei sogar noch von einem ״Eimercheu" faselt, deshalb die Saugpumpe unter allen Umständen als unstatthaft erklärt,, und den Gegner wie einen Schulbuben behandelt, der von all diesen hohen Dingen nie etwas gehört. Wie tief muß,in dem Lager unserer Frommen die talmudische Gelehrsamkeit gesunken sein, wenn man sich sogar auf einer Seite, wo mansich gerne eine gewisse Autorität beilegt, so kindisch, möchte man sagen, gerirt. 0 sancta simplicitas! ל . Auch das bedarf keines Nachweises, obgleich man sich auch darüber ereifert hat, daß die Oeffnung in der Wanne wahrend des Badens zugepfropft werden dürfe. Wäre dies nicht der-Fall, so hätten alle jene Mischna'ö, welche von der Bildung eines solchen Bades sprechen, einfach keinen Sinn. Sobald aber die Wanne mit der vorher in sie gemachten Oeffnung eingemauert ist, hört sie ein für allemal auf, ein Gefäß zu sein (I. D. 201, 7. 40.), und selbst Kargau gibt dies unter einer gewissen Vorsicht zu. Am Schluffe nur noch die Bemerkung , daß sich vor bereits fast hundert Jahren der seiner-Zeit berühmte 'Fürther Rabbiner, R. Joses Steinhardt, in s. G. A. Thl. Jore Dea 13, wenn auch noch schüchtern und nicht erschöpfend, ohne daß ihm die Konstruktion der Pumpe klar war, für die Herstellung des Nitualbades durch letztere aussprach und daß-nicht nur allealteren pfälzischen Rabbinen:׳vor fast 30 Jahren, sondern auch -der sel. Oberrabbiner Ullmann von Paris., damals noch Rabbiner in Lauterburg, und R: Anschel Rosen anS Hagenau (ein als großer Talmudist bekann! gewesener Rabbiner), sowie derdamalige-Rabbiner Erlanger auS Weißenburg sich fürdie Ansicht - des Schreibers d. Z. auSsprachen, letztere unter der einzigen Bedingung, daß in die untere Klappe, wie oben'angegeben, eine kleine 12*

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