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Ben Chananja · 1866-03-14 · 11 (14.3.1866) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
11 (14.3.1866)
Date
1866-03-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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213 214 Drr schöngeistige» Literatur trägt jetzt die jüdische Journalistik mit Ausnahme der Orthodor,u nur sehr selten Rechnung. Sir bringt ausnahmsweise Gedichte. Novellen 1c. Und thut ganz recht daran. Un« sere wirklichen Dichter wollen von der jüdischen Preffe bloS gelobt sein und halten fich sonst von derselben ferne, und der diis minorum gen• tiam soll kein Platz eingerünmt werden. Wir würden weniger Anstoß an der Tendenz jener Porste (?.') nehmen, welche die orthodoxen Journale veröffentlichen, denn die Verfasser mögen gute Menschen fein, aber sie find sehr schlechte Mufikantev und haben kein Fünkchen Poefie ורוח אין בהם. (Schluß folgt.) Errnor-rmg eines Rabbiners zu Friedberg im Jahre 1562. Bon Rafael Air ch heim. Die Armuth an alten hebräischen Urkunden und internen Ge« schichtSqucllen ist unter andern Ursachen auch dem Mangel an historischem Sinne beizumeffen, wovon unsere Vorfahren nicht fieizusprechen find. So enthalten viele der noch vorhandenen Gemeindebücher aus alter Zeit selten etwas mehr, als die finanziellen Gebarungen, zuweilen noch in rätbselbafter Kürze. Das uns vorliegende Gemeindebuch von Friedberg, vom Jahre 1500 anfangend, macht hiervon keine rühmliche Ausnahme, und nur eine Begebenheit, die zu ihrer Zeit großes Aussehen erregt hat, ist von kundiger Hand ausgezeichnet und zwar genauer, als eine erterne fie gibt. weshalb wir fie der Vergessenheit entreißen und hier mmheilen wollen. t Zn MaderS sichern Nachrichten von Friedberg Th. I. S. 297 wird erzählt, daß 1562 Knuz Fintel einen Todtschtag an einem Juden in der in dem Burgfrieden gelegenen Judengaffe begangen; von den Churfürsten zu Mainz und Sachsen, dem Herzog zu Zürich (und von vielen andern Herzogen und Landgrafen) Fürbitten geschehen, ihm sein Leben zn fristen, es seynd aber diese Interoesslonnles beantwortet und die Burgmannen zusammenberufen worden, welche beschlossen, daß dieser Todschläger vor der Burg in den Schranken enthauptet werden sott, welche Erekution auch am 2. November 1562 vollzogen worden. Zn dieser Mittheilung ist der Name des Ermordeten nicht an« gegeben, auch, ist die Ursache verschwiegen, warum die Fürbitte so vieler! Fürsten den Mörder nicht retten konnte. Hierüber gibt uns die jüdische Quelle Auskunft, in der eö heißt: Montag, 29. Tischri 323 (1562) wurde unser Rabbiner Eleasar genannt Lippmann. Sohn des Rabb. Jsaac מויא vor der Synagoge zu Fnedberg ermordet und Tags darauf begraben. Der Mörder entsteh nach vollbrachtem Morde, kehrte aber kurz darauf in die Stadt zurück, wo er festgenommen und auf die Burg in Verwahrsam gebracht wurde. Zu dieser Zeit waren in Frankfurt alle Reichsfürsten versammelt, welche Maximilian zum römischen Kaiser wählten; an diese wandte fich die Familie des Mörders, seine Freisprechung vom Kaiser zu erlangen, denn der Mörder war ein mächtiger berühmter Feldherr. Durch gütliche Gnade nahm fich aber, der Kaiser unseres Rechtes an und schrieb an den Burggraf und den Gauerbeu. daß sie dem Rechte seinen Lauf lassen sollten und so wurde auch der Mörder Mittwoch 21. Kislew 323 vor dem Thore der Judengaffe, an dem Orte in den Schranken genannk, enthauptet. Unterzeichnet ist diese Auzeichnung von Schädel und David b. Zsaac, Schüler des Ermordeten. Are Lemberg er Grabsteine. Von Ra fael Kirchh e im. Von dem Verein zur Restaurirung der jüdischen Grabsteine in Lemberg ist wieder ein Heftchen erschienen, das 33 Abschriften enthält. Dir bemerkenswerthesten find die 10 Grabsteine einer Gelehrtenfamilie, die vom Profeten Jonas abstammen wollen. Der Familienname ist קיקניש nach dem Klkajon-Blatt. Auf allen diesen Grabsteinen find zwei Fische auSgemrißelt. Der älteste bis jetzt aufgesundene Grabstein dieser Familie ist der eines spanischen Exulanten Abraham aus 81לוני vom Jahre 282iri523. Die Genealogie dieser Familie will der Herausgeber R. Gabriel durch die verbreitete Sage glaubhaft machen, daß die erste Ansiedlung der Juden in der iberischen Halbinsel unter drr Römrrherr» schüft staltgrfunden und die hochadeligen Ahnen hätten ihren Stamm und ihren Namen bis auf unsere Zeit fortgeerbt, wie auch R. Naftaliin Posen einen Stammbäum besessen haben soll, womit er seine Abstam mung vom Oberpriester Eli beurkundet. Es wäre noch beizufügen . daß auch die Familie Daud und Abarbanel fich ihrer Davidischen Abstammung rühmten, gegen welche'Ahnensucht schon der alte Satyriker R. Kaloni. wus in Eben Bochän anfgetreten ist. Das betreffende Kapitel beginnt mit den Worten ״Einige sind stolz auf ihre Ahnen, fie stammen aber vielleicht nur von jener Seitenlinie ab, von der es heißt נשים בציון ענו." Die anderen Grabschristen find aus jüngerer Zeit und gewinnen nur an Interesse durch das Biografische und Literärisch,, das der HerauSgeber beigefügt hat. Wir heben daraus hervor die sagenhafte Erzählung von dem berühmten Rabb. zu Prag, Efraim Löntschütz (1605), die der Herausgeber nach einem mündlichen Referat seines Vaters aus einem abhanden gekommenen Chebra-Buch weitläufig mittheilt. R. Efraim soll nämlich in einem Kerker zur Welt gekommen und vou einem Magnaten nach dem Tode seiner eingekerkertcn Eltern als Christ erzogen worben fein. Durch ein Traumgestcht von seiner jüdischen Abstammung in Keuntniß gesetzt, sei er nach Prag zu dem Rabbiner R. Jehuda Löwe entflohen, der ihn väterlich ausgenommen und großgezogeu und ihn vor seinem Tode der ganzen Gemeinde zu seinem Nachfolger era'־ pfählen habe. Zn den zahlreichen Schriften dieses Gelehrten findet fich aber keine Hinveutung auf dieses Vorkowmniß, eö scheint dies vielmehr rin von seinen Feinden erfundenes Mährchen zu sein, weshalb er in der Vorrede zu seiner Schrift: Ir Giborim fich so bitterlich klagt über die Verleumdungen und Anfeindungen, die er erdulden müßte. Cm unbekannter jüdischer Autor des sechszehnten Jahrhunderts. Von Dr. M. Wiener. Aus Wolfs biblebr. wissen wir bereits, daß Menachem ben Moscheh Rava*) um 1582 in Padua lebte, und sieben verschiedene Schriften verfaßt hat. Von dessen Sohne Elias theilt derselbe jedoch nur mit, daß er das Werk בית מוער seines Vaters edikt habe, ohne daß er ihn als selbstständigen Autor anführt. Auch sonst wird meines Wissens der literarischen Thätigkeit unseres EliaS nirgends gedacht. Aus zwei mir vorliegenden Handschriften aber, welche ich Herrn N. Coronet überlassen habe, und welche mir Antographa, vielleicht sogar unica zu sein scheinen, ergibt sich, daß Elias nicht bloß einzelne Schriften seines Vaters edirt, sondern auch deren selbst verfaßt bat. Die eine enthält einen mit einer Vorrede versehenen kabbalistischen Kommentar zn seines Vaters נתיבות עו^ם, das Menachem, dem Vorworte zufolge, in wel» chem er bereits seine beiden Schriften תות רבא und בית מועך er« wähnt, Anfangs בית נתיבות betiteln wollte, reicht jedoch nur bis zum Ende der Genefis und ich vermag daher nicht anzugeben, ob EliaS in gleicher Weise auch die übrigen biblischen Bücher kommeutirt hat. Das zweite Werk des EliaS führt den Titel באר מים חיים und wurde von dem Verfasse^ in seinem Wohnorte Carpi, der am Kanal von Secchia in dem Herzogthume Modena gelegenen Hauptstadt des gleichnamigen Fürstenthums.קרסי תחת' ממשלת מעלת אדוננו רוכוס רון אלסונסו יר״ה ראיסטה am Pilnmseste des Jahres 1500 (ש״ן)" als sein Vater noch lebte und in Padua Moreh Zedck war, begonnen. Das Werk zerfällt in mehrere Theile. von denen der erste eine alphabetisch geordnete Sammlung von in den rabbinizchen Schriften vorkommenden attgemeinen Sentenzen, wie etwa in Dukes. Blumenlese, enthält, unter Angäbe des Ortes, wo jene Sentenzen sich finden. .nebst Erläuterung der *) So und nicht Rabbq, wie fich bei Wolf, de issoffi und An» dern findet, ist der noch, jetzt, in Padua vorkommenbe Name zu schreiben. wie mir der selige, für die jüdische Wissenschaft leider zu früh ver« stotbene Lüzzatto mittheilte. dessen Schwiegertochter ebenfalls eine geb'orene Rava ist. Vgl.^^ ,,Be» Chananja^ 1665, 187.

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