Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 10 (7.3.1866)
- Date
- 1866-03-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543186--4673-2548671- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
193 194 in Parlheien zerklüftet ist, die einander anfeinveli. Das ist der Krebs schaden. Wir geben aber noch nicht alle Hoffnung auf — vielleicht kommt ein Ausgleich Zu Stande uud die einst so blühende Gemeinde wird, in Eintracht erstarkend, ihre frühere renvmmirte Stellung wieder einzunchnien berechtigt sein. S. A. Ujhely, 23. Februar. ״Ben Chananja" erwähnt in seiner Nr. 7 einer ebenso zeitgemäßen als wichtigen Frage: ״Wovon soll der Gemeindelehrer, der gar keine Ne b en einküufte hat und 5 — 6 Monate sein verdientes Gehalt nicht bekömmt, auch w äh re nd d i e se r Z ei t sein e Bedürfn i s se decken"? nnd schlägt Ihr sehr geehrter "^״-Korrespondent aus Fünf-- kirchen behufs Lölling dieser Frage eine Prämie von einem Dukaten vor. Bei der Wichtigkeit deS Gegenstandes eincstheils und der Lehrerfreundiichkeit ״Ben Chanauja"S anderntheils sei es uns gestattet, den Bewerbern um diese zeitgemäße Preisfrage einige Anhaltspunkte zur Beantwortung dieses Themas in diesen Blättern niedcrzulegen. Bor allem sei hervorgehoben, daß bisher die hohe Regierung bei Eröffnnng von Gemeiudeschule» nicht immer genau die Lokalverhältnisse prüfte und oftmals eine Gem. 3- oder Massige Volksschule erhält:, wo füglich eine einklassige Elementarschule am. Platze ist. Hiermit wollen wir den einklassigen Glementarschulen im Bach-Tunschen Sinne nicht das Wort reden, wohl aber darauf aufmerksam machen, daß es in armen Gemeinden klüger ist, einen Elementarlchrer anznstellen und zu besolden, und ihm den Unterricht von sämmtlichen Schülern der Gemeinde zu übertragen, als 3 oder 4 Lehrer zu berufen und diese sammt und sonders hnngern zu lasse». Bedenkt man, daß bei uns sehr hänfig die Intelligenten gegen den Willen der Bevölkerung Schulen organisircn, Konkurse ausschreiben, Lehrer anstellen, ohne zn missen, woher das Geld nehmen; so wird man uns zugeben, daß es auch bei nnS mit dem Schulwesen anders wecdeu muß und daß nur Konsistorien, aus freier Wahl hervorgegangen, unserem Nebel abhelfen /öiinen. Bei dem Mangel eines jeden Stammkapitales zu Schnlzwecken, bei dem geringen Sinn für das Volksschulwesen nach modernem Sinne sollten die Gemeinden ein wenig vorsichtig bei der Anstellung von 3 oder 4 Lehrern sein, letztere aber wohl überlegen, bevor sie einen guten Posten anfgeben. Doch reden wir aus Erfahrung, da nun einmal Zahlen am klarsten sprechen. Im Jahre *8 . . folgten wir einer Berufung seitens des Vize-StatthalrecS von P.in K.. im Einvcrständniß des Kultus- und Schul- Vorstandes einer Gemeinde im A. . . . Komitate. Die hohe Regierung bestimmte »ns einen Gehalt von 630 fl. ö. W. nnd setzte in Einverstäudniß einiger Gemeindeglieder das Schulbudget aus 1500 fl. fest. Doch trotz Dekret und .behördlicher Einkassicung, trotz Mahnnng der hohen Negierung blieb unser Gehalt auö, ja der Kultusvorstand hielt es unter diesen Umständen für angemessen, zu resignireu und wir Lehrer, drei an der Zahl, , waren bestimmt, entweder zn hungern oder trotz Versprechung u. s. w. einen andern Weg einzuschlagen. Der Zufall wollte eö, daß uns der Stand der Dinge in der Gemeinde nicht lange verborgen bleiben sollte; wir sollten nur zu bald erfahren, daß die Gemeinde aus ihren Mitteln Wohl einige 100 ff. ,j aber nicht 1500 fl. ausbringen konnte, und war es in der That eine Dame, wenn auch eine der geistreichsten Oberungarns, Frau Amalie W ... r, welche die von Herrn בק gestellte Preisfrage schon vor 7 Jahren löste. ״Verzichten Sie meine Herrn", das waren ungefähr die Worte jener edlen Dame, ״auf ihre Dekrete; bedenken Sie, daß die hiesige Gemeinde arm und wohl eine Volksschule, keineswegs aber eine Hauptschule erhalten kann, Begnügen Sie sich mit dem Gemeindeschulhaus, dem Schulgelde, wel« cheS aber einer von ihnen unter Kontrole der Behörde einzukassiren hat und einer Gratifikation von 200 st. jährlich aus Gemeindemitteln, und ich bin gewiß, Sie werden:in hiesiger Gemeinde ein anständiges Auskommen sinden. In unserer Eigenschaft als leitender Hauptschullehrer trugen wir diesen Plan dieser für uns zum rettenden Engel gewordenen Dame der Behörde vor, erhielten die Erlaubniß von je eiuem Schüler monatlich 1 fl. ö. W. im vorhinein zu erheben und hatten nicht nur Brod, sondern ein schönes Einkommen, keine Oppofition, Schüler in Hülle nnd Fülle nnd war der Andrang aus der Fremde bald ein so enormer, daß wol au 40 Kiiobeu aus Nahe und ferne unsere Schult besuchten. I. Brechtheim. Miskolcz, 25. Februar. In Nr. 7 d. Bl. bietet Ihr בק Korresp. aus Fünfkirchen einen Dukaten für weitere Lösung beregker Frage: ״Wovon soll der Gemeindelehker leben, wenn er sein Gehalk nicht bekömmt"? Schreiber dieses ist zwar nicht in der Lage, mit Dukaten honorlren zu können, weil er ebenfalls einer Gilde augehörtj, welche obige Frage aus eigener Anschaunug zu stellen, zu seinem nicht geringen Bedauern nur allzuoft in die traurige Nothwendigkeit versetzt wird; er erlaubt sich hiermit diese Frage mit dem Appendix weiter z» führen: ״Wie kann ein Lehrer, der seit mehr als zwanzig Jahren schon an einer und derselben Gemeinde wirkt und seit 6—7 Jahre» schon seinen spärlichen Gehalt nicht anders als in Bruchtheileu zu 2—5 fl. auögezahlt erhält, und um sein Leben zu fristen angewiesen ist, hie und da borgen zu müsst» und in der Rückerstattung eben nicht die Kardinaltugend der Großen beobachten kann, seinen unbefleckten Charakter für die Folge auch makellos erhallen?" Damit man jedoch sehe, daß er nichts umsonst verlange, so bietet er für die bestmoiivirte Lösung seine ganze zwanzigjährige Ersparnisse , Herrn Reichs Preisfrage ist auch nach meiner Ansicht nach allen Richtungen hin volkommen gelöst, ja es wäre darüber der ohnedies unnützen Worte auch nicht eines zu verlieren, wenn den löbl. Gemeinden einmal die Schuppen von den Augen fielen nnd sie sich der nackten Wahrheit nicht verschließen wollten, um einzusehen, daß Lehrer mit einem Gehalte von 400—500 fl. nicht leben können im Positiv, und die mit gar keinem im Superlativ. Die Schulen werden sich nur daun wohl befinden, wenn dem Lehrer eine seinem Berufe würdige Stellung eingeräumt, und der Begriff ״Lehrer und Schnorer" nicht mehr identi ch sein-wird. ,- Neu b a u er. Literarische Änzeigen. Coinpte moral et financier du Comite de bienfaisance dans 108 auuees 1862, 1863 et 1864. Paris, 1865. Besprochen von H e r m a n n B r i ll. Mit hohem Interesse haben wir diesen vom französischer Konststorium herauSgegebcuen niüsangreichen Bericht gelesen. Die israelitische Gemeinde zu Paris, welche schon jetzt zu'den zahlreichsten 'in Europa gehört, vergrößert sich noch immer durch massenhaftes Zuströmen aus Deutschland, und in jüngster Zeit sind eö insbesondere die in Folge der traurigen Ereignisse tu Polen aus ihrer Heimat gejagten Glieder der Söhne Israels, welche nach der französischen Hauptstadt wandern, wo ihrer ein gastfreies Asyl harrt. Aber unter diesen Unglücklichen find gar viele, die sich in der erbärmlichsten Lage befinden und gleich nach ihrer Ankunft aus die Mildthätigkeit ihrer Glaubensgenossen hingewieseu si,d. An der Spitze dieses segenbringenden Komitüs steht unser verehrter Landsmann, der edle Albert Cohn.' Der Bericht umfaßt alle in den Ressort der Wohlthätigkeit gehörenden Anstalten, wie das Waisenhaus zur Erziehung jüdischer Waisen nnd vernachlässigter Kinder, ReligionS- und Schulwesen; die Heranbildnng jüdischer Knaben für alle Arten bürgerlicher Gewerbe , die Vertheilung von Osterbrode u. s. w. Die Einnahmen fließen aus den Beiträgen der Mitglieder, aus freiwilligen Spenden und gestifteten Kapitalien zusammen und beliefen sich laut der Bilauz vom letzten Jahre auf 245,742 Fr., wobei die Pariser Mn׳ nizipalitäk allein 20,000 Fr. zu den israelitischen Schulen subventirnirt. In der französischen Metdopole läßt man den Strom der Wohlthätigkeit in so großen Dimensionen fließen, daß Tausenden Hilfsbedürftiger körperliches und gestiges Heil erwächst; wirst mau einen Blick auf die Tabellen, welche die Spenden und Gaben registriren, die auf den Altar der Hnmanilät niedergelegt werden; so muß man die Herzen und Hände segnen, die sich hierzu öffnen und da müssen wir vor Allem die Sprößlinge jener Familie nenneu, deren Wiege in der' Zndengaffe zu Frankfurt staud. Die Rotlschild Jn Paris haben nicht bloß ihre großartigen Paläste, ihre stattlichen BillaS Uud prächtigen Karoffeu — sie geben Brod und Gewand dem nothleidendem Bruder; über 40.000 Fr. steuern Sie jährl. bei. Wir finden überhaupt, daß die Summen von 100