Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 10 (7.3.1866)
- Date
- 1866-03-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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191 192 theologische Gründlichkeit des Herrn von Pongräz, — so heißt der erste Vizegespan des Neograder Komitates, — welche die Losonczer Gitter, frage sogar mit ״den Glaubensartikeln der israelitischen Religion" in Verbindung bringt! Die Orthodoren informirten ihn wahrscheinlich, daß ein jüdischer Glaubensartikel fordert, das Gitter der Fraucnabtheilung müsse 62 Zoll hoch sein! Am begreiflichsten ist noch das Prohibitivsystem des Losonczer Rabbiners, welches demselben den Absatz seiner homiletischen Waare stchern soll. Minder begreiflich ist die im 4. Punkte ausgesprochene Drohung des ersten VizegespanS, daß er gegen diese.׳ ntgen eine Kriminaluutersuchung einleiten werde, welche vor der Predigt des Rabbiners die Synagoge verlassen! — Im Mittelalter wurden die Juden an manchen Orlen gezwungen, zu gewissen Zeiten ka t h. Predigten anzuhören; das war mittelalterliche Bekehrungssucht. Aon dem Zwang, sich von unfähigen Rabbinen langweilen zu lassen, weiß die Geschichte nichts. Darauf hinweisend, können die Losonczer mit Stolz ausrufen: d a s ist n o ch ni cht d a g e w e s en! Red.) 4. ZtagysKörös, 1. März. Der einzige Uebelstanl, in UNserer, in d. Bl. oft besprochenen Gemeinde besteht darin, daß unser Kantor, der ein braver, gebildeter Lehrer und Notär ist. und jetzt auch als Rabbinalsverwescr fungirt, zum Kantordienste wirklich keinen Beruf hat, weshalb auch unser Gottesdienst sehr unregelmäßig besucht wird. Helfen wir diesem Uebelstande ab, und eS werden Ruhe und Frieden in unserer Gemeinde herrschen. — Palanka. im Februar. In der hiesigen Gemeinde hat rin sehr erfreulicher Umschwung stattgesunden. Unserm wackcrn Vorsteher, Herrn Karl Bruck, stehen die verehrten weck. Doktores Bernheim und Lazar zur Seite. An die Stelle der veralteten Gabella ist die Kultussteuer getreten; in Synagoge und Gemeindehause herrscht schöne Ord« nung, wozu unser von der ganzen Gemeinde geliebter Rabbiner, Herr Em. Deutsch, nicht wenig beiträgt? , LI. Iteu-Nevbaß. 28. Februar. Verflossenen Sabbath "O יתרו wohnte Schreiber dieses in der Synagoge zu Kula — woselbst der Gottesdienst so angemessen geregelt ist, daß derselbe auch vielen größeren Gemeinden unseres Vaterlandes zum Muster dienen kann — einer religiösen Feier bei. wie sie in den ungarisch-jüdischen Gotteshäufern bisher noch zn den selteneren gehört. Der zu schöneu Hoffnungen berechtigende studirende Sohn des dortigen Bezirksrabbiners D. L. Straßer wurde nämlich Bar Mizwa, aus welcher Veranlassung dieser würdige Seelsorger an den als Maftir zur Thora gerufenen Konflrmanden nach Beendigung der Hafthoraverlesung vor der heil. Lade eine Erhörte hielt, die nicht nur auf den Bar Mizwa einen sichtlich tiefen Eindruck hervorbrachte. sondern auch den.versammelten Andächtigen zur wahren Erbauung diente. Anknüpfend an den Inhalt der eben verlesenen Sifra führte der Redner den Vergleich zwischen dem von Analek hinterlistig angegriffenen Israel, welches, eben aus dem Lande seiner Beschränkung auSgezogen war, um zu einem freien Volke sich zu gestalten und für seinen künftigen Beruf sich vorzubereitcn — und dem nun ebenfalls in gewissem Sinne das Gebiet der kindlichen Beschränktheit verlassenden . und eine neue Bahn einschlagenden Bar Mizwa — dem auf dieser Balm der Amalek der Versuchungen und Anreizungen auflauert, um seinem bessern Ich eine Niederlage zu bereiten,^ treffend durch. Es wäre höchst wünschens- Werth, daß die Konfirmationsfeier in den vaterländisch-jüdischen Gottes- Häusern je eher einheimisch werde, denn cS läßt sich nicht leugnen, daß dieselbe in hohem Grade geeignet ist, auf die am Scheidewege der Kinderjahre stehende Jugend von heilsamen Einflüsse zu sein. Die herzliche Theiluahme. welche übrigens Herrn BezirkSrabbiner Strasser bei der in Rede stehenden Gelegenheit von Seite der ganzen Gemeinde seines Wohnsitzes bezeigt wurde, ist ein schöne! Beweis dessen, daß sein fegenreiches Wirken Anerkennung findet. Neu-Derbaß, 1. März. Die Besprechung von Flugschriften, geschrieben im Dienste der Judenemanzipation. bürste Manchen, in Folge der dem Borne der Gerechtigkeit entströmenden Erklärung Deäks und der dieselbe begleitenden Zustimmung der Landesvertretung in der Sitzung vom 23. v. M. gegenwärtig quasi post festum erscheinen; allein unserer Ansicht nach gekört die Besprechung der Gleichstellung der Jsraeliten im allgemeinen noch nicht zu jenen überwundenen Standpunkten die jedes darauf bezügliche Wort als überflüssig erscheinen lassen, und darum sei es uns gestattet, hier zwei Broschüren namhaft zu mache», die es verdienen, im ״Ben Ehananja" gewürdigt zn werden Die eine in ungarischer Sprache, verfaßt von dem ehrwürdigen Prediger Dr. Lichtschein in Groß-Kar1i,sa, hebt in dem Vorworte die großen Verdienste des Herrn Redakteurs dieses Blattes um die Zerstreuung der Vorurtheile gegen Inden und Judenthum in unserem Vaterlande hervor und schildert in' lichtvoller Darstellung die Ursachen der frühern Abgeschlossenheit der Juden und den Umschwung in neuerer Zeit, weist hierauf die Nothwcndigkeit der vollständigen Gleichstellnng mit triftigen Argumenten nach und schließt mit einer würdigen Apostrofe an die ״Väter des Landes." Verdient es schon Anerkennung, wenn von jüdischer Seite Versuche gemacht werden, durch Verbreitung von Flugschriften der gerechten Sache zum Siege zu verhelfen, so ist ein solches Bestreben um so anerkennungswürdiger, wenn es von christlicher Seite Susgeht. Nun die zweite der in Rede stehenden Broschüren, erschienen im Verläge von HornyanSky und Hummel in Pest unter dem Titel: ״Die Juden in Ungarn und deren bevorstehende Emanzipation", rührt von christlicher Feder her und nimmt das Menschenrecht zur Basis der Motivirung der vollständigen Gleichstellung der Juden. Sie schließt mit der Erwartung, daß der gegenwärtig in Pest tagende A u S sö hn u ng S rei ch üt a g die vollständige Emanzipation der Juden zum Wohle unseres Vaterlandes'zum heiligen und unantastbaren Gesetze erheben werde. Sal. Dluni. 8. Lemberg, 25. Februar. Ihre Abhandlung über die Dispensaiion von Gelöbnissen in der ersten Nummer der Forschungen des wisscnschaftlich-talmudischcu Vereins hat unter den hiesigen Talmudisten ungewöhnliches Aufsehen erregt. Dem Vernehme» nach hat Herr Kreisrabbiuer Saul Nathansohn die Absicht, diese Abhandlung zu bekämpfen. Ueberhaupt macht das historisch-kritische Talmudstudium unseren Talmudisten viele Sorgen. Sic sehnen sich nach der guten Zeit zurück, uw die Männer des Fortschrittes den Talmud der Orthodoric überließen, und sich auf das Gebiet der Grammatik und der nenhcbräischen Poesie beschränkten. Die Forschungen sollten aber öfters, am besten jede Woche, erscheinen. 'Der in denselben betreiene Weg ist der einzige, der zur Wiedergeburi des Judenthums führen wird. — Prag, 28. Februar. Die hiesige höhere Talmudschule soll nach der nächsten Prüsuug einer gründlichen Reform unterzogen, und dann das OeffentlichkeitSrecht als Nabbinerschule für dieselbe erwirkt werden. Schulwesen. Bonyhüd, 20. Feber. L. M. Der geschätzte Fünfkirchner ^2 Korrespondent dieses Blattes spricht bei Berührung der Bonyhader Gemeindeverhältniffe in einer Weise, daß man daraus entnehmen muß, er glaube, der Schreiber der hiesigen ש Korespondeuz in Nro 3 des ״B. Ch." sei eine Person , die, aus Furcht erkannt zu , werden, sich nicht recht mit der Farbe herauswage. Herr 2ק glaubt sich einer collegialeu Pflicht zu entledigen, wcuu er, von der prekären Stellung des vermeintlichen Schreibers der ש Korrespondenz sprechend, dieselbe als eine hbchst traurige, in hohem Grade bemitleidenSwerthe darftellt. — Indem wir nun dem Herrn 2ק von Herzen für seinen guten Willen danken, bedeuten wir ihm, daß der Schreiber der berührten hiesigen Korespondeuz sich in ganz unabhängiger Stellung befinde und sich also vor dem ״Geschrei im Walde" nicht sehr zu fürchten braucht. Daß die genannte Korespondenz nur andentungSweise die hiesigen Verhältnisse bespricht, was Herrn 2ק hauptsächlich zu obiger.Meinung veranlaßte, kommt daher, weil der hvchwürdige Herr Redakteur dieser Blätter dieselbe nur im Auszüge mitzutheilen sich bewogen fand. Deshalb stimmen wir aber über die Ursachm der hiesigen, leider sehr traurigen Verhält- Nisse nicht mit Herrn ש überein; denn unserer Ansicht nach geht die Gemeinde nicht deshalb ihrem Verfalle entgegen, weil gerade diese Parthei am Ruder ist, sondern deshalb, weil überhaupt die Gemeind!