Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 10 (7.3.1866)
- Date
- 1866-03-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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189 190 Betragen hätten ihm mit der Zeit die Wege geebnet. Allein dem jun« gen Manne war es nicht so beschieden. Kleinlichen Einflüsterungen ge» horchend, verlangte er von ei»em hiestgen Geschäftsmanne, der seine ärztliche Hilfe in Anspruch nahm, eine bestimmte Summe Geldes an» tizipando als Honorar und, dies in so peremtorischer Weise, daß fich der Patient veranlaßt sah, auf seine Behandlung zu verzichten. Obschon die Sache publik wurde, hat es doch nur Wenige ge» geben, die geneigt gewesen würen, der Forderung des Ds Sch. ein un» edles Motiv zu supponiren, weil es scheinbar mancherlei Umstände gab, die zu seinen Gunsten sprachen. Allein ein unüberlegter Schritt des Sch. genügte, um der Angelegenheit einen gehäsfigen Anstrich zu geben, »ind zum. Gegenstände öffentlichen AergerniffeS zu machen. Durch falsche Freunde ermuntert, ließ Sch. im hiesigen Lokalblatt eine ״Rechtferti» gung" erscheinen, die an ausgesuchter Trivialität nichts zu wünschen übrig läßt. Es wäre gegen die Würde Ihres Blattes. anch nur de» mindesten der darin vorkommeuben Ausdrücke hier wier!erzugeben. Die Replik hierauf bildet ein würdiges Seitenstück zu der Rechtfertigung, und beide zusammen ein erwünschtes Oorpus delicti gegen die hiesige Judenschaft. Es ist sehr zu bedaueru, daß es in einer Stadt wie Ka» schau nicht wenigstens ein gut rebigirtes Blatt gibt, welches Takt genug besäße, derlei Unzukömmlichkeiten hintanzuhalten. Unser dreiblätteriges Kleeblatt ist eine sehr schwache Pflanze, die jedem Lufthauche nachgibt. ES ist auch kein Mensch berechtigt, an unsere Blätter höhere Anforde» rungen zu stellen, denn ״wo nichts, ist, da hat selbst der Kaiser das Recht verloren." Aber der arme Doktor dauert mich sehr! Wie ich höre, soll hier im Karl Werfer'schen Verlage nächstens ein neues Blatt in hebräischer Sprache erscheinen, welches gewisse Parteizwecke verfolgen wird. 2. Tokaj/ 23 Februar. Mit Bezugnahme auf unseren jüngsten Bericht erlauben wir uns, eine Episode aus dem Chaffidimlager den geschätzten Lesern Ihres Blattes schon darum vorzuführen. weil diese vollkommen geeignet erscheint, den von einem Cbaffid unserer Gegend jüngst an den ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner Oppenheim zu Groß- BecSkerek gerichtete», im ״B. CH." veröffentlichten Brief — zu illustriren. Der von der Chaffidimgemeinde zu S. A. Ujhely jüngst mit Akklamation berufene große Zadik begab fich unter dem Dekmantel einer Präsentation zu dem dortigen gelehrten und berühmten Oberrabbinen: ״Guten Tag Ujhely'er Rabbiner!" — begann er seine Ansprüche, ..ich höre und weiß wol, daß Sie ein großer Verfolger der heiligen Chaffidim fiud: nun denn, ich bin, wie Sie doch wohl wissen ein Pair der hiefigen Chaffidim gewordeu und bin fest entschlossen, einen (Wikuachj Kamps mit Ihnen aufzunehmen. Vor Allem sagt mir Chidusche Tora! Ihr müßt wissen, ich bin ein Gomar Chasfid und kann lernen. Der greise Rabbi fand es weise, diesem herausfordernden Chasfid abzuweisen mit den Worten. ״Daß Ihr ein Chasfid seid, sehe ich deutlich genug, denn bakuras xouiw ousü bom; ob Ihr lernen kennet, weiß ich nicht, will eö nicht untersuchen; ein (Asuß ponim) Frecher seid Ihr allenfalls uud wollet Ihr mein Hans verlassen und dessen Pfosten nie wehr betreten." Daß der Zadik von seinen Verehrern, denen er wahrscheinlich große Wunder erzählt haben mag. — nach dieser Statövifite jubelnd empfangen wurde, braucht nicht erst erwähnt zu werden. und wollen wir bloS die Thatsache anführen, daß ihm seine Anhänger eine förmliche Ovation dargebracht und ihn reich mit Geld beschenkt, nach Hause geschickt haben. Das Verdienst des ehrw. Oberrabbiners zu S. A. Ujhely, der, umgeben von anlockenden' chasstdischen Verführungen, dennoch seine Neutralität mit Selbstaufovferung zu bemüht ist, — kann nach sol« chen Belegen nicht angezweifelt werden. Außer diesem bieten die von uns angeführten Fakta, welche bereits Gemeingut Aller geworden, eine leichtfaßliche Interpretation zu dem Eingangs angeführten Brief. S A. Ujhely, 26. Februar. Der Tempelbau ist fest de« schloffen und fehlt es unserer Gemeinde Göttlob nicht an Geldmitteln hierzu. Bekanntlich erhielt unsere Gemeinde bei 10 660 fl. aus dem nng. isr. Schulfonde zur Ausführung eines Schulgebäudes, welches bis nun erhalten wurde; da die Räumlichkeit der Krstenbaum'schen Schule vollkommen genügte, dir geringe Schülerzähl zu fassen. Am Sterbetag ( Mosche'S hatten wir eine große Drascha, welcher ein noch größeres Fest» essen folgte. EmeS. Desprim. 86. Februar. Ein von diesem Tage datirtes, von ״Arjeh Segal" unterzeichne»?» Schreiben wacht mir in sehr drastischer Weise Borwürfe darüber, daß ich die Sendungen des dortigen ehrsamen Vorstandes nicht veröffentlicht habe. Der Herr Einsender dieses Schrei» bens, der angeblich im Namen von löv Gemeindegliedern spricht, hat aber, wie ich bekennen muß, den Nagel auf den Kopf getroffen. ״Sie fürchten fich", sagt er. ״vor der ״Neuzeit", wo Sie so oft herunterge» rissen wurden, ohne ein Wort zu erwidern." Ganz richtig. Wie sollte ich auch vor dem Redakteur der ״Neuzeit" keine Furcht haben? Die Wundergabe dieses Herrn, über Dinge, von denen er wirktich gar nichts versteht, sehr viel zu reden, muß doch Jedem einen gewaltigen Re» spekt einflößen! Der Herr Segal möge eS mir daher zu Gute halten, daß ich vor einem solchen Universalgenie besiegt die Waffen strecke. Ich thue dies um so bereitwilliger, als die Unverschämtheit bes Herrn Re« dakteurS der ״Neuzeit" noch viel größer ist, als sein Genie. UebrlgenS irrt Herr S., wenn ec glaubt, daß die Polemik im ״B. CH." den Aus» gleich fördern, würde. Sie würde nur die Ecbitternng steigern, die fich mindestens in dem mir vorliegenden Schreiben in sehr scharfen Worten Luft macht. L. ■ 8t. Neufohl, Ende Februar. Mein Weg führt mich oft nach Losonez. wo die Gitterfrage nicht nur noch nicht verjährt ist, sondern, wie ich hörte, am 23. dieses, Sabbath Vormittags 1l Uhr im Tempel während des Gottesdienstes den Kulminationspunkt erreicht zu haben schien. In dieser Stunde ließ nämlich Herr Oberstuhlrichter v. Sznby einen seitens des ersten Vizegespans des Neograder KomitateS herabgelangten, eine von dem Rabbiner und dessen Partei gegen den hiesigen Vorstand eingegebenen Anklage betreffenden, Bescheid, öffentlich verlesen. Dieser Bescheid enthält 6 ,Punkte: 1. Die Gabella auf das gehörige Ausmaß zurückzusühren. 2. Auch die nichtinkorporirten Mitglieder der Gemeinde an den Gemkindeberathnngen theilnebmen zu lassen. 3..Die, selben mit Jnkorporationsgebühren nicht zu belästigen: 4. Keinen reisenden Rabbiner oder Abenteurer die Kanzel besteigen zu lassen, wenn der Rabbi seine Einwilligung nicht gibt. S. Daß die Gegenpartei, wenn der Herr Rabbiner Bortrag hält, den Tempel nicht verlasse. 6. Endlich das vielgeprüfte Gitter, durch dessen Niedrigkeit das mehrere tausend Jahre alte Herkommen und das religiöse Gefühl der Andacht und der Gottesdienst gestört werden, bis auf die Höhe von 62" zu bringen, ansonsten die genannte Komitatsbedörbe sich veranlaßt sehen werde, die Franengallerie zu schließen." Dem Vorstand wird die Appellation an die hohe f. nng. Statthalterei offen gelassen, und die Frauenhalle wird bis zur Entscheidung von dort gesperrt. Nach unserer unmaßgeblichen Meinung hat der Losonczer Rabbiner mit dem oftmaligen Belästigen der Behörde zur Realifirung seiner an Fanatismus grenzenden unbilligen Forderungen sich nur noch mehr geschadet-und abermals den Beweis geliefert, daß seine oft ausgesprochene Friedensliebe Heuchelei, sein Treiben eraltirt und sein Hang nach Ruhestörung bewiese» ist. Wir sind auf den Ausgang mehr als je gespannt und werden nicht ermangeln, dem geschätzten ״Ben Chananja" seiner Zeit den Hergang wortgetreu zu berichten. (Unser geehrter Korrespondent hat die Entscheidung des ersten Vizegespans des Neograder KomitateS nur Vorleser! gehört; mir war ein Einblick in dieses merkwürdige Aktenstück gestattet. Einiges daraus will׳ ich den freundlichen Lesern des ״B. CH." mittheilen. Im 3. Punkte heißt es wörtlich, daß ״die kirchliche Disziplin a ns sch ließt i ch in de n Wirkungskreis deöRabbinerS gehört." Jeder Kundige weiß' aber, daß dem nicht also ist. Der Rabbiner ist Funktionär der Gemeinde, und es kommt ihm gar keine Erekutive zu. Der erste Vizegespan des Neograder KomitateS hätte feine unjüdische, jeden gebildeten Juden empörende Doktrin natür« lich nicht aufgestellt, wenn ihm dieselbe nicht von den Herren ״Kirchen» seelsorgern" in Losonez und Balaffa-Gyarmath und ihren Helfershel» fern, — dem Vernehmen nach hat auch der Preßburger Pappenheim , seine Hand im Spiele — infinuirt worden wäre. Die Majorität der Losonczer Gemeinde kann aber der höher« Entscheidung ruhig entgegen» sehen. Der k. ung. Statthaltereirath wird die hierarchischen Tendenzen anmaßender Fanatiker nicht begünstigen. Wahrhaft erheiternd ist die