Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 10 (7.3.1866)
- Date
- 1866-03-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543186--4669-2548667- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
185 186 nommen werden, es scheint nach dem Wortlaute des Gesetzes eben nur Quellwaffer, im Gegensatz zum Sammelwaffer in Cisternen erforderlich gewesen zu sein, mochte es auch auS der Quelle in ein Gefäß gebracht und darin das Bad genommen werden. Das Uebertragen aus der Quelle in ein Gefäß raubte ihm nicht die Eigenschaft von ״lebendem Wasser"; cs sollte eben nur lebend, d. h. frisch, gesund sein, wie dies aus 3 Mos. 14, 5. 6. 50. 51. 52. 4. Mos. 19, 17 ersichtlich. Wir sehen hier natürlich von der rabbinischen Erklärung ab, welche gerade wegen dieser Bezeichnung die Verbindung des Gefäßes mit einer Quelle fordert. Außerdem dürfte nicht mit Stillschweigen zu übergehen sein, daß die LXX auch bei dem krankhaften Schleimfluße bloß ורחץ בשרו במים nicht במים חיים gelesen zu haben scheinen, denn sie übersetzen: *c« kofaelzcu rd e&ficc nicht wie.14, 5. u. s. w., iv v&an gcovn. Jedenfalls erscheint es für die Kunde des Mosaischen Gesetzes von Wichtigkeit, daß darin nirgends die Forderung eines Bades in der Erde, wenigstenö nicht ausdrücklich gestellt worden, nicht einmal bei dem gesetzlich und naturgemäß in weit höherem Grade, als die Menstruation verunreinigenden, krankhaften Schleimfluße. Das lateinische aqua viva drückt dem Begriffe, wie dem Worte nach ganz dasselbe aus, wie das hebräische מים ר,י י ם— aqua fontana, das auch der Quelle entnommen, zu Lustrationen genügte. . . . . jub'et ire ministros, Et petere 0 vivis libandas fontibus undas. Ovid. Met. 3,27. Wrr haben dieses Alles nur vorausgeschickt, um festzustellen : 1) daß es im Geiste des Mosaismus liegt , Erleichteruugen in diesen Anordnungen zu suchen; 2) daß mosaisch, auch abgesehen von der Leseart des LXX,‘ sehr wahrfcheinlich selbst bei dem krankhaften Schleimfluße ein aus der Quelle in ein Gefäß verbrachtes Bad genügte, um wie viel mehr also bei der Menstruation: ein Schluß, der jedenfalls mehr Anspruch auf logische Geltung machen dürfte, als der umgekehrte für die Verpflichtung eines Bades für die letztere aus gewissen Stellen; s. Tos. Chagiga 11, a. ד״ה לא נצרב׳ אלא לש״מ cf. Beer Hagola Nidda 197, Sig. 1. Nachm. Mezora fine. Indessen danken wir den Talmudisten, daß sie, gestützt ans ihre Hermeneutik (Sifra Schemini 9, 1.) wenigstens ein Sammelbad für die Menstruation, auch die krankhaft ausgedehnte, genügen ließen; in letzterm Falle sogar im Widerspräche mit dem einfachen Wortsinne (s. Nachm, l. l.). Es erscheint uns dieses in dem quellenarmeu Morgcnlande, das meistens auf Sammelwaffer (Cisternen) angewiesen ist, als ein neues Zeugniß von der, dem dringenden Bedürfnisse Rechnung tragenden, Geistesrichtung der Talmudisten, wie sie bei unfern heutigen Orthodoxen in ähnlichen Fällen sicher nicht gefunden wird. In demselben Geiste scheint uns auch die Maßbestimmung der Mikwe auf 40 Saah, d. h. den Kubikinhalt des ursprünglich wol bloß in einer Tiefe von drei Ellen bei einer Elle Breite und Länge tauglichen Bades,ohne daß es dann mehr׳ dieser Tiefe bedurfte, aufzusassen zu sein. Daß jedoch, wenigstens mosaisch, das Bad, auch wenn es ganz geschöpft wurde, für die Meustruirende genüge, darin stimmen auch die bekannten Gesetzeslehrer überein. Maim. Jad Mikw. 4, 1. 2. Komm. z. M, Mtkch,- 4, 1. nach gewichtigen Mittheilungen die Gaonen, Alfasi, R. Jbn Megas. Die Ansicht R. Schimschon's ist nicht klar s. Mikw. 6, 8. 8, 1. 2, 3. Aus 2, 7. aber geht, jedenfalls seine Hinneigung zu jener Ansicht hervor, und der scheinbareWiderspruch ist dadurch'zu lösen, daß er 2, 3. von der Bildüng des Bades durch Dinge , welche für Unreinheit empfättglich sind, spricht (s. Beth Josef zu Tur I. D. 201). Andere wollen dies allerdings nicht gelten lassen; allein sie wollen dies aus der Sifra Schemini 9, 1. vorkommenden Ableitung aus Bibelworten beweisen, ein Beweis, der nicht nur nach Maim. Sepher Hamizw. Grunds. 2., sondern bei dem Charakter jenes Buches, das Alles auf Bibelverse und Worte stützt, hier überhaupt nicht stichhältig ist. 6k. Tos. Bathra 66, a. ד״ה מכלל u. s. w. R. Nissim zu Schebuoth c.2. Daraus folgt jedenfalls, daß selbst rabbinisch, auch wenn noch ein Zweifel bestehen könnte, ob ein durch die Säugpumpe gebildetes Bad nicht als ein geschöpftes zu betrachten sei, nicht sofort darüber abgesprochcn werden sollte, wie es eine gedankenlose Orthodoxie hie und da gethan. (S ch l n ß f o l g t.) Zustände der jüdischen Gemeinde in Amsterdam. Von Jo>. Kahn, Öberrabbiuer zu Trier. (Fortsetzung. *) Regelmäßige religiöse Vorträge fehlen noch. Am großen Sabbathe und am Bnßesabbathe werden Deraschol im alten Style gehaltem Die holländischen Predigten, mit denen in neuester'Zeit Versuche gemacht wurden, sollen nicht den vorausgesetzten Anklang gefunden haben. Der Mangel an erbaulicher religiöser Belehrung in den Synagogen ist sehr bedauerlich. Wie wohlthätig könnte hier, wo noch so Vieles zu entwickeln ist, ein tüchtiger und begeisterter Redner wirken! Das Gebet für den LondeSfürsten spricht der Vorbeter hebräisch (הנוחן (!שועה), nicht der Rabbiner. Letzterer hat beim Gottesdienste nur die unbedeutcndc Funktion, die h. Lade zu öffnen und zu schließen, ®or הנותן תשועה öffnet er sie, bleibt vor derselben stehen und schließt sie, nach - dem das Gebet beendet ist. jFür diejenigen', die sich bei der Vorlesung der Thora ruhig verhalten haben, wird ein eigener Mi sche-Berach gesprochen! Der jetzige Vorstand hat manche zweckmäßige Einrichtung getroffen , so daß jetzt ohne Vergleich mehr Ruhe und Ordnung beim Gottesdienste herrscht, als vor einigen Zähren, wiewol eS auch «ich t an solchen fehlt, die fich nicht cntfchsießeu wollen, ihre alten Unarten abzulegen. Der Vorstand läßt die Synagogenbesucher durch die in einem paffenden Ornate fnngirendeu Synagogendicner vermahne» und an die vorgeschriebene Ordnung erinnern. Der seit acht Jahren angestellt e Oberkanior, Herr H eimann, der früher in Gnesen, im Großherzogtbume Posen fungirte, besitzt eine sehr angenehme starke Stimme un d trägt die Gebete schön und deutlich, auf eine sehr erbauende und erhebende Weise vor. Auch soll er ein vollkommener Mufikkenner sein. Ich hörte denselben am Freitag Abend ר״ה השק ohne Chorbegleitung Der Chor schwieg, weil in derselben Woche ein Vorsteher mit Tode abgegaugen war. Herr Heimann betete so. herrlich vor, daß ich die Synagoge wirklich begeistert verließ. Auch der einfache, recht schöne Vortrag des zweiten Kantors sprach mich sehr an. Der erste seit einigen Jahren eingeführte Chorgesaug wird von einer ziemlich großen Anzahl pnigec Männer, die größtentheils dem Handwerksstande, ,vorzüglich dem des Diamantenschleifens — mit,dem sich viele Juden beschäftigen — angehören, ausgeführt. Es sind unter den Sängern viele herrliche und kräftige Stimmen, und kann man-den Choc einen recht hübschen und kunstgerechten nenne» , der auch von einem sehr tüchtigen Dirigenten eingeübt und geleitet wird. Dieser Chor ist jedoch noch lange nicht das, was er eigentlich sein soff nämlich ein e Vertretung d e r G e m e i n d e; denn er wirkt nur in ' einzelnen TheilkN der Gebete, theils in Begleitung des' Vorbeters , theils ohne denselben, mit. Das שמע ברוך הוא ובייש und Amen wird vom Chore nicht gesungen, sowie überhaupt nichts RezitaltveS. Bei jeder Strophe des Lecha Dohi muß der Chor mit dem Vorbeter so lange warten, bis die Gemeinde die bezügliche Strophe'wiederholt hat, wä s einen störenden Mißton bewirkt) und den Eindruck des ganzen;, sehr schönen Gesäuges stört. Auch» werden die Gesänge selbst und deren Adaption auf die Gebetstücke vorerst vom Vorstände und dem Dajjan ' •) S. Nr. 7 und 8. 10*