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Ben Chananja · 1866-02-28 · 9 (28.2.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
9 (28.2.1866)
Date
1866-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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165 16M übereinstimmr, die Emanzipation an Voraussetzungen zu knüpfen, die unausführbar sind. Die Emanzipation ist eine Forderung der Gerechtigkeit, und was die Gerechtigkeit fordert, muß die Legislatur gewähren. DaS sagt aber nicht nur Franz Deäk, sondern auch eine viel größere Autorität, nämlich die heilige Schrift: ״Denn das Recht muß doch Recht bleiben, und ihm folgen Alle nach, die redlichen Herzens sind." (Pf. 94, 15.) Alle Wünsche der gebildeten ungarischen Juden werden durch die bürgerliche und politische Gleichstellung allerdings nicht erfüllt. Die Organisation der Religionsgemeinden, des Schul- und Rabbinatswesens und der matrimomalen Verhältnisse auf Grundlage der Autonomie bleiben auch nach der Emanzipation fromme Wünsche, deren Erfüllung von allen einsichtsvollen Juden angestrebt wird. Einer unserer geistreichsten Mitarbeiter hat diesen Wünschen beredten Ausdruck gegeben; er ging aber zu weit, indem er die Emanzipationmit der Organisation und sogar mit der Berufung einer Synode in Zusammenhang brachte. Wer kann verbürgen, daß die Emanzipation einmal auf das religiöse Gebiet hinüber gespielt, keine Verzögerung erleiden werde? Nun reicht aber der Gedanke an eine solche Verzögerung hin, unser ganzes Innere in Aufruhr zu bringen, und kennen wir ja keinen fehnlicheru Wunsch, als den, daß die Emanzipation keinen weitern Aufschub erleide, oder — um mit dem Profeten Jesajas zu reden — fdaß unser Li cht hervor breche wie die Morgenröthe, und unsere Heilung schnell emporschieße; möge daher vor uns hergehen unser Recht, und die Herrlichkeit des Ewigen, — die Ordnung, Veredlung und Hebung unserer religiösen Angelegenheiteu — beschließe den Zu g!" (Jes. 58, 8.) Sz egedin, 25. Februar 1864. Löw. II. ׳־ ׳• L. Pest, 24. Februar. Als ich vor einigen Monaten, nach der Eröffnung unseres Reichstages, meinen unter dem Titel ״Pester ReminiScenzen" in Ihrem geschätzten Blatte erschienenen Leitartikel mit der Frage endigte: Der Reichstag tritt nun wieder zusammen, was wird er uns Israeliten bringen? hegte ich nicht im entferntesten die Hoffnung, auf diese Frage heute schon eine so befriedigende und erfreuliche-Lösung zu erhalten; und siehe da, wir köuneu es mit freudeerfütltem Herzen registriren, daß die Angelegenheit unserer bürgerlichen Gleichstellung in unserm auch von uns geliebten, thenern Vaterlande in ein Stadium getreten ist, welches die baldige Erfüllung unserer durch Jahrhunderte gehegten sehnlichsten Wünsche außer allen Zweifel setzt. Ja, außer allen Zweifel. Denn Franz Deäk, der gefeierte große Patriot, sprach das Wort in der Reichstagsversammlung am 23. d. M. aus, er, der über alle Parteien erhabene Maun, sprach es aus im wolverstandenen Interesse des Vaterlandes. Nicht von Sympathie geleitet, nicht von Antipathie beirrt, will er uns nur die lange vorenthalteue G ercch tig ke i t widerfahren lassen, will er in seiner biedern, würdevollen und edlen Weise nicht erst das beschämende Wort Emanzipation aussprechen, will er nicht erst ein eigenes Gesetz schaffen, sondern die schon bestehenden Gesetze überall, wo sie für uns drückend waren, im Geiste der Gleichheit modifiztreu. So führt er uns über die Klippe der Zivilehe sanft hinüber, mit welcher selbst die freisinnigsten Depntirteu unsere bürgerliche Erhebung in Verbindung -u bringen dachten. Ueberhaupt will er diesen Akt der Gerechtigkeit an keine Bedingung knüpfen, weil dies der Würde der Nation nicht anpaßt. Wahrlich/ wir haben es zu allen Zetten empfunden, und müssen es auch jetzt anerkennen: Siehe, eS schlummert nicht, es schläft nicht der Hüter Israels! Der treue Wächter Israels über unS, der uns Jahrtausende hindurch beschützt, und uns aus allen Drangsalen und Leiden unversehrt hervorgehen ließ, er entsendet seine Boten, erfüllt sie mit seinem himmlischen Geiste von Zeit zu Zeit unser Beistand, unsere Vertreter zu sein. Haben wir doch auf der großen weiten Erdenrunde keinen andern Schutz, als unser gutes Pecht! und so gab er auch dem großen Franz Deäk das Won der Anerkennung unseres guten Rechtes in den Mund. Angeregt von dem edlen Deputirten Manojlo^ics, dem wir alle zu großem Danke verpflichtet sind, sprach sich Deäk, wen» auch in kurzen Worten, doch so würdevoll, so inhaltsschwer über unsere Angelegenheit'aus, und das Haus nahm seine Erklärung mit so ungetheiltem Beifalle auf, daß die günstige Entscheidung der Emanzipationsfrage: im Nepräsentautenhause selbst den äugstlichsten Gemüt Hern als vollkommen gesichert erscheinen muß. Und so haben wir denn volle Ursache, unser bevorstehendes Purimfest mit dankerfülltem Herzen und mit voller Freude zu feiern. Haben, unsere Vorfahren das Purimfest gestiftet, weil Gott in Ester und Mordechai seine Engel entsendete, um sie vor der Grausamkeit eines despotischen Ministers zu schützen, so hat er auch jetzt in der Person des hochherzigen Patrioten Franz Deäk seinen Boten entsendet, um unser gutes Recht in Schutz zu nehmen. Auch dem edlen Manojlovics wollen wir in unserem, dankerfüllten Herzen eine Denkfaule errichten. v III. ' Kr. Pc st, 23. Feber. Wenn Sie diese Zeilen erhalten, wird schon die Kunde jenes freudigen Ereignisses, welches hier alle Gemüther so sehr berührt, bereits zu Ihnen gedrungen sein, und mit uns werden die dreimalhttttberttaüsend Israeliten Ungarns dieses' Tages dankend gedenken; denn was man ihnen seit Jahrhundcrten vorenthalten, das angestammte Recht der Menschheit, es soll ihnen nun werdey. ' Der Manu, der bereits vor Jahrzehenden sein Wort für unsere Sache erhoben, ist auch heute für unser Recht eingeständen; nicht aus Humanitären Rücksichten, sondern weil es das Recht fordert, und setzen wir hinzu auch der gute Ruf seines Vaterlandes, dem man nur zu; längs von gewisser Seite hämisch ׳ zurufen durfte, daß es zur Zeit, als es allen seinen Einwohnern die Freiheit geben konnte, eben wieder die Isra eliten ״zufällig vergessen" habe. Stets war es unsere feste Ueberzeugung, daß unserer gerechten Sache auf diesem Reichstage ihr Recht widerfahren werde und es gereicht den Herren Manojlovits und Deäk nicht Zur'kleinsten Ehr^ als!Träger nndReprascntanten dieser , freisinnigen Idee vor ganz Europa, vor der ganzen gebtldeten Menschheit, dazustehen. 9*

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