Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 9 (28.2.1866)
- Date
- 1866-02-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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163 164 tvit ihnen dieselbe einräumen werden, leiten uns dabei weder Sympathien, noch Antipathien, sondern rein und ausschließlich die Gerechtigkeit. Auch eine politische Rücksicht spricht dafür, weshalb ich diesen Gegenstand nicht allein für sich, sondern mit jedem Gesetze zusammen behandeln möchte, obwohl ich nichts da. gegen habe, wenn die Emanzipation auch in einem eigenen Artikel ausgesprochen wird. Als Motiv für meine Ansicht führe ich jedoch an, daß wenn dieser Gegenstand separat behandelt und in einem eigenem Gesetzartikel ausgesprochen wird, gewiffe Bedingungen auftauchen können. ES gibt z. B. viele, die über die Zivilehe reden werden. Es ist möglich, daß diese sehr wichtig, möglich, daß sie sehr nützlich sein wird; ich möchte aber die vollständige Verleihung der Bürgerrechte nicht an solche Bedingungen knüpfen. Ich kenne den Widerstand der kathol. Dogmen in dieser Beziehung, ich kenne die Verhältnisse, und halte eS daher nicht für wahrscheinlich, daß die Gesetzgebung so leicht über die Zivilehe binauskommen werde. Dasjenige, was die ,Gerechtigkeit befiehlt, an eine solche Bedingung zu knüpfen, deren Unausführbarkeit wir vorderhand für wahrscheinlich halten, — das wäre der Würde des Hauses nicht angemessen. Ein Gesetz wünsche ich, zwar nicht mit diesem ver- Hunden, aber parallel mit demselben, und dies ist ein Einwandernngsgesetz. (Beifall.) Doch wünsche ich dieses nicht blos auf die Israeliten, sondern überhaupt auf alle Einwanderer ausgedehnt. Wenn das Haus dieses Prinzip theilt (Allgemeine Zustimmung), behalten wir den Ausdruck ״Bürger des Vaterlandes" bei, indem wir darunter jeden Einwohner Ungarns verstehen, wenn er auch bisher weniger Rechte genossen, welche Rechte wir ihm aber nunmehr geden wollen; auch halte ich diesen Ausdruck für viel edler, als wenn wir sagen würden ״Einwohner" (Lebhafter Beifall.) Nach dieser Erklärung, welche vom Hanse mit allgemeiner Zustimmung ausgenommen wurde, zog Manojlovics sein Amendement zurück. So weit der stenographische Reichstagsbericht. Die Worte Deäk's haben bei allen ungarischen Juden den freudigsten Wiederhall gefunden. Die ungarische Legislatur hat kaum ihre Arbeiten begonnen, und siehe, schon empfinden die Juden Ungarns die Wahrheit des profetischen Spruches, nach welchem das Heil des Vorlandes die Grundlage ihres eigenen Heiles ist (Jerem. 29, 7). Die Leser des ״B. CH." kann das, was Franz Deäk am 23. Februar 1866 über die Gleichstellung der Juden sagte, nicht überraschen; sie wurden erst vor Kurzem daran erinnert, daß der Weise von Kehida sich vor einem Menschenalter zu denselben Grundsätzen bekannte'). In demselben Sinne hat er sich seitdem zu wiederholten Maien auSgesprechen. Sehr natürlich! Schon der Profet Jesajas sagte: ״Der Edle denkt aus Edles, und beim Edlen beharrt er" (Jesaj. 32, 8). Deäks Worte sind noch kein-Gesetz. Aber her nngetheilte Beifall, mit welchem seine Erklärung lm Hause der Y B. G. vor. Zhrg. Ur. 48. vom 29, November. Repräsentanten ausgenommen wurde, ist eine Manifestation des Nationalwillens, die geeignet ist, auch ängstliche oder von gewissen Journalen geängstigte Gemüther über die bürgerliche Zukunft des ungarischen Israels zu beruhigen. Herr Manojlovics, welcher durch sein Amendement die authentische Interpretation Deäk's und die Kundgebung des Repräsentantenhauses hervorrief, hat daher gerechten Anspruch auf unsere Dankbarkeit. Den Bibelfreund erinnern Amendement und Interpretation an das Wort Salomos, des weisen Königs: ״Freude hat der Mann an der Antwort seines Mundes, und ein Wort zu seiner Zeit, wie gut ist es!" (Spr. 15, 23.) Wir freuen uns dieser offiziellen Interpretation, wiewol uns der Wortlaut der Adresse nicht den geringsten Skrupel verursacht hat. 2) Auch mit der von Deäk vorgeschlagenen Form der Emanzipation müssen wir uns vollkommen einverstanden erklären, wie wir denn auch früher diese Form der Emanzipation als die kürzeste, den gegebenen Ver^ hältniffen entsprechendste bezeichnet haben. Wenn der Unterschied zwischen gesetzlich rezipirter und nicht rezipirter Religion aus den ungarischen Gesetzen schwindet, sind die Juden vollständig emanzipirt und befinden sich im Vollgenusse aller bürgerlichen und politischen Rechte. Mit viel größerem Rechte, als von den jüdischen Unterthanen der einstmaligen pers. Krone, wird daher — sobald Deäk's Anschauungen zum Gesetze erhoben sind — von ihnen gelten Vas Schriftwort: ״Bei den Juden war Llcvt und Freude und Wonne und Ehre!" (Ester 8, 16.) Besonders dankbare Atterkennulig verdient die Aeußerung Deäk's, daß die Emanzipation der Juden ohne Rücksicht auf die Zivilehe zwischen Christen und Juden zum Gesetze erhoben werden müsse. Nicht wenige entschiedene und längst bewährte Freunde der Emanzipation berufen sich nämlich auf die einheimische Erfahrung, nach welcher die Mischehe ein sehr geeignetes Mittel ist, die Bekenner der verschiedenen Religionen einander näher zu bringen, und zur Duldsamkeit zu stimmen. Manche wollen auf ihren Reisen im Auslande, besonders in Frankreich, dieselbe Wirkung an christlich-jüdischen Mischehen wahrgenommen haben. In ihnen hat sich daher die Ansicht festgesetzt, der Emanzipation die Zivilehe dergestalt zur Begleiterin zu geben, daß beide, Emanzipation und Zivilehe, zn gleicher Zeit, durch einen und denselben Gesetzartikel ins Leben treten sollen. Indem Deäk dieser Ansicht mit Nachdruck entgegentrat, hat er den ungarischen Juden in Wahrheit einen Alp vom Herzen genommen. Er hat das wichtigste Hinderniß der Zivilehe nam- Haft gemacht: das katholische Dogma. Die fragliche Neuerung würde aber noch auf andere, nicht minder unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen. Für die christlich jüdische Zivilehe müßte nämlich eine ganz neue matrimoniale Gesetzgebung geschaffen werden: eine Aufgabe, deren Lösung von den Faktoren der ungarischen Legislatur lange, sehr lauge Zeit nicht gelöst werden dürfte. Deäk sagte daher mit vollem Rechte, daß es mit der Würde des Repräsentantenhauses *) S. obfii Nr. 7. Sp. 134. die Ä. Korresp. aus Pest.