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Ben Chananja · 1866-02-21 · 8 (21.2.1866) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
8 (21.2.1866)
Date
1866-02-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zum ״Ben Chananja" Nr. 8. Jfadjn1f. k. Temesvar, 15. Februar 1866. ״Der Mensch, der Weib-Geborne, ist kurz an Tagen und satt des Ungemachs; wie eine Blume sproßt er und welkt, fliehet, wie Schatten, und bleibet nicht." (Job. 14, 1. 2). Die Wahrheit dieser Worte Jobs wurde heute der hiesigen Gemeinde, ja ich darf ohne Uebertreibung sagen, einem großen Theile der hiesigen Stadt, auf eine tief erschütternde Weise nahegelegt. Nach einer glücklich verlebten Jugend, heransgerissen ans einem schönen ehelichen Verhältnisse, wurde die Frau Jenny Fischtgeb. Gotthilf, die einzige Tochter des hochverdienten, der hiesigen Gemeinde unvergeßlich gebliebenen Gemeindevorstehers, Herrn Franz Gott hilf, in einem Alter von achtzehn Jahren ins Grab gesenkt. Vor den Ihrigen und vor Men, die sie näher kannten, stand die Vollendete noch in bräutlichem Kranz und Schmuck, der ihr so schön stand, weil der schöne Schmuck des verborgenen Menschen, die zarte Weiblichkeit, die jungfräuliche Unschuldiger sanfte, stille/Geist aus ihrem Auge glänzte, auf ihrem Angesichte und Wesen ruhte. Jetzt schmückte sie das Leichenkleid! Die früh Vollendete wurde unter dem Einflusse edler Md ftommer Wohlthätigkeit erzogen. Ihr elterliches Haus ist bis auf den heutigen Tag der Sitz warmer Menschenliebe, die Stätte, wo die Barmherzigkeit wohnt und waltet. Die Verblichene war beflissen, diese Tugenden in das Haus ihres Gatten zu verpflanzen. Sie that es mit bescheidenem Sinne und edler Anspruchlosigkeit; und sie wird Allen, die sie näher kannten, unvergeßlich bleiben. Dem Gefiihle der Trauer, von welchem unsere ganze Gemeinde ergriffen war, suchte unser ehrwürdiger Oberrabbiner, Herr Dr. Hirschfeld, durch eine ergreifende Rede am Sarge der Verblichenen Ausdruck zu geben. Die allgemeine Achtung, deren sich die Verewigte erfreute, gab sich heute bei ihrem Leichenbegängnisse kund, zu welchem Theilnehmer von nah und fern, aus allen Ständen und Konfessionen, in unübersehbarer Menge herbeigeströmt waren. Möge diese allgemeine Theilnahme dazu beitragen, den Schmerz der Leidtragenden zu lindern, insonderheit den Schmerz der edlen Mutter, welcher Gottes unerforschlicher Rathschluß die schwere Prüfung auferlegte, drei in der Jugendblüthe prangende Töchter zu Grabe zu geleiten. Geliebt zu sein, und die man achtet und lieb hat, geachtet und geliebt zu sehen, und im Tode beklagt und beweint, — das ist auch ein Trost! Und wie die Verewigte fortlebt im Lande des Friedens und der Seligkeit, so wird ihr Andenken fortleben bei Allen, die ihr tugendreiches Wesen kannten. Friede ihrer Asche*)! Zur Geschichte -er Inden in Oesterreich. Bon Dr. G. Carmoly. (Forsetzung. **) Der Zufall leitete R. Mel'r'S Schritte nach Oesterreich, wo sich bald durch die vertriebenen Juden aus Ungarn neue Gemeinden bildeten. Er wurde Rabbiner in Wien, und theilte später diese Würde mit Abraham Klausner. Mel'r Ha-Levi war das Muster eines antiken Gesetzlehrers, ganz allein dem Kultus des Talmuds gewidmet. Er be, saß solchen Respekt vor seinem hohen Berufe, daß er in allen Lebenslagen die rabbinische Würde mit religiöser Gewissenhaftigkeit beibehielt, und verlangte er dasselbe von jedem andern Rabbiner. Leider lebte er in einer Zeit, wo wegen der vielen Verfolgungen die rabbinische Würde in Deutschland sehr gesunken war. Die meisten Rabbinen und ihre Jünger wurden Opfer der Volkswuth im Jahre 1349 und ihre Stellen nahmen Unberufene ohne Kenntnisse und Ansehen ein. Da entschloß sich der würdige Mann eine neue Semicha zu gründen. Seinen großen Ruf, der sich in ganz Europa bis nach Babylon und Palästina erstreckte, wie aus der Geschichte des R. Samuel von Schlettstadt bekannt ist (Siehe חמשה P-110, b.), und seine hohe Autorität, die alle jüdisch-deutsche Gemeinden anerkannten, krönte sein Vorhaben mit Erfolg. Kein Rabbiner wurde mehr in Deutschland ausgenommen, der nicht von einer anerkannten rabbinischen Autorität würdig gefunden und eine schriftliche Semicha oder ein Diplom erhalten hatte. Diese neue Semicha verbreitete sich bald in andern Ländern Tu« ropas, namentlich in Frankreich. Aber dort entstanden über ihre Ginführung Streitigkeiten, die uns ausführlich in der Gutachtensammlung von R-Jsak ben Scheschet, Rga, Nr. 268—273 mitgetheilt werden. R. Jochanan, Sohn des gelehrten R. Matathia, Oberrabbiners zu Paris, folgte seinem Vater im Amte und bekleidete seine Stelle mit Würde und zur allgemeinen Zufriedenheit. Nnr ein fremder Rabbiner, Namens JesaiaS ben Abba Mari, aus Savoyen gebürtig, der nach seinem Amte gelüstete, lebte in offener Fehde mit ihm. Gr war ein Schüler des R. Melr Ha-Levi und gab vor, daß sein Lehrer ihm die geistliche Gewalt über alle französische Rabbiner gegeben habe. Keiner solle ohne seinen Willen, bei Bannstrase, einer Rabbinerschule vorstehen und alle Trauunge», Ehescheidungen und ähnliche Zeremonien, die ohne seine Zustimmung vorgenommen würden, sollen null und nichtig fein. Man sollte glauben, daß die französischen Juden sich um eine solche Anmaßung, diim Namen eines auswärtigen Rabbiners geführt wurde, der mit ihrer religiösen Ordnung in keiner Art von Verbindung stand, wenig bekümmerten; dies war aber nicht der Fall. Der Einfluß R. Mekr Ha-Levis war so mächtig, daß sich alle Gewissen durch seinen Bannspruch aufs höchste beunruhigt fühlten, was die verderblichste Unordnung zur Folge hatte. Um derselben ein Ende zu machen, wandte sich R. Jochanan an die spanischen Rabbinen , an R. Jsak ben Sche« schet und R. ChiSdai CreöcaS. Beide wiesen das Vorhaben des R. Je« saiaS entschieden zurück, und unterstützten mit ihrer ganzen Autorität *) Auch ich kann mir’s nicht versagen, der verehrten Pamilie Scharmann-Gotthilf meine innigste Theilnahme auszudrücken. Der fromme Glaube, der in dieser achtungswürdigen und vielgeprüften Familie einheimisch ist, wird deren Mitgliedern das Bekenntniss in den Mund legen: ״Die thoure Verklärte lebt, wenn auch nicht mehr für uns. Sie ist da, wenn auch nicht mehr in unserer Mitte. Sie wirkt in seligen Gedanken, in himmlischen Thaten fort, wenn wir auch nicht mehr Zeugen ihres seligen Lebens sind!“ — Die zahlreichen Freunde der edlen Familie vereinigen sich mit mir in dem Wunsche, dass Gottes schützende Hand sie fortan vor jedem vorzeitigen Trennungsschmerze bewahre. Lüw. ••) Siehe ״B. CH." v. I. 1865 Nr. 51, p. 913.

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