Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 8 (21.2.1866)
- Date
- 1866-02-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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159 160 R. Jochanan in seinem Amte. Da es sich wahrscheinlich auch bald ertpies, daß die Semicha von R. Melr Ha-Levi den Charakter nicht habe, welchen ihr JesaiaS beilegte, und daß alles sein eigenes Werk war, so mußte er zurücktreten, und R. Jochanan blieb ruhig in seinem Amte. ׳ Die neue Semicha jedoch wurde in Frankreich durch R. Jochanan; selbst eingesührt, wenn man R. Moseö Botarel Glauben beimeffcn kaM. Dieser spanische Gelehrte schreibt nämlich an einen seiner Schüler, daß er Unrecht habe, sich über den hohen Preis für die Semicha, den er ertheilt habe, zu beklagen. R Jochanan ben Matalia in Paris ließe fich ganz anders für eine ertheilte Semicha bezahlen. So weit Botarel in einer Handschrift, die ich bei dem bekannten Buchhändler Elieser Afchkenafi vor einigen Jahren sah, und die er nach Oxford oder Frankreich zu verkaufen dachte. Ist dies wahr, so haben beide Rabbinen e׳.n sehr unedles Geschäft mit der neuen Semicha gemacht und das Werk R. Mekr Ha-Levis sehr mißbraucht. Von einem Botarel, der sich, wie mich Elieser Aschkenasi versicherte, irgendwo gelesen zu haben, getauft hat, mag die Geschichte wissen; aber dies gilt nicht von 9i. Jochanan, der als ein frommer gottesfürchtiger Mann bekannt ist, der 1394 lieber sein Vaterland verließ, ehe er dem Glauben seiner Väter untreu wurde. Dem sei wie ihm wolle, so warR. Me'kr Ha-Levi beim Beginne der Streitigkeiten in Paris bereits über 70 Jahre alt, es war ihm aber vergönnt, sein Leben bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts zu erhalten. Er starb als מוםלג in Wien, und würde dort beerdigt. Wenig deutsche Rabbiner erfreuten sich wie er, eines so allgemeinen Rufes, einer so verbreiteten Autorität. Schon bei seinem Leben schrieb ein Rabbiner von Jerusalem aus ihn: ומי יבא אחר שארי הארי ׳תעלת צרי מהר״ר מאיר עיני.הגולהMn eben genannte חמשה קונטרסים *bidem. Diese Hochachtung^ verursachte, daß man viele seiner mündlichen Aussprüche und Erklärungen, denn schriftliche scheint er nichts hinterlaffen zu haben, niederschrieb, um sie der Nachwelt zu überliefern. Es wäre zu wünschen, daß eine geübte Feder alle diese Bescheide und Erklärungen , sowol die, welche sich in handschriftlichen, als in gedruckten Werken befinden, sammeln möchte Sie würden ein schönes Bild von den Bestrebungen und dem Charakter des edlen RabbiNerS von Wien geben. Zustande -er jüdischen Gemeinde in Amsterdam. Bon Jos. Kahn, Oberrabbiner zu Trier. (Fortsetzung. *) I. Allgemeine Verhä ltnisse. Verwaltung. Synagogen. Rabbinen. . Amsterdam hat eine jüdische Bevölkerung von ungefähr 30.000 Seelen. Darunter find circa 5000 Sefardim und 10.000 Arme, die unterstützt werden müssen. Die Sesardim verharren noch immer in ihrem Stolze gegen die Aschkenasim. Sie haben daher ihre eigene Synagoge, — die große prachtvolle, portugiesische, — ihre eigenen Armenschulen, Waisenhäuser, Siechhäuser für Männer und Frauen, Hospitäler, Bet Ha-Midrasch, Rabbiner- und Lehrer-Seminar und Wohlthätigkeitsanstalten. Rückfichtlich ihrer Vermögensverhältnisse find die Sesardim sehr herabgrkommen. Das Unterhalten eines eigenen Rabbiner- und Lehrer-SeminarS ist um so auffallender, als sie nur wenige Gemeinden Habens und daher nur wenige Rabbinen und Lehrer bedürfen. Sie zeigen aber in allen Stücken eine so entschiedene Abneigung gegen die Aschkenasim,, daß sie mit denselben nichts gemein haben wollen. Dank den reinen Lehren des Judenthums, welche fast kein Schisma möglich machen. Sonst hätten die Sefardim sicherlich ein solches hervvrgerufen. Durch dresen ihren Eigendünkel und ihren Separatismus , wodurch sie sich.bis in; bie neuere Zeit nur unter einander verschwägern, find sie auch;geistig sehr herabgekommen. Angesehene Aerzte, Geistliche und Profefforen theilten mir mit, daß die. Sefardim aus letzterem Grunde körperlich, und geistig geschwächt sind. Ihre Gemeinde besitzt in Folge frührrer Vermächtnisse bedeutendes Vermögen, so daß ihre Mitglieder keine Kultusbeiträge zu entrichten, brauchen. Die Verwaltung der Gemeinde und des Vermögens ist aristokratisch. Näheres werde ich hierüber, so,Gott will, nach meiner nächsten Reise nach Amsterdam berichten. Hier bemerke ich nur noch, daß ihr ganzes Rituale, sowie der Pentateuch ins Spanische übersetzt find, und habe ich die Uebersetzung vom Rabbiner Rietto in London gesehen. ' : 3» Holland ist die Kirche vom State vollkommen getrennt. Solche.rgestalt können die jüdischen Gemeinden die Kultusbeiträge für alle ihre Bedürfnisse, — zu denen auch die Unterstützung der vielen Armen gehört, für welche die politische Kommune nicht sorgt, - nur auf dem Wege gütlichen Uebereinkommenö eintreiben. Die Amsterdamer, aschkenafische;Gemeinde, wendet niemals Zwangsmittel gegen diejenigen Ge- ',׳ •) S..,die vorige Nummer. meindeglieder an, welche die Kultusstener nicht freiwillig zahlen wollen; nur daß fie dieselben nicht auf dem mehrere Stunden entfernten, aber vornehmen, sondern auf einem in der Nähe gelegenen, sumpfigen, nur für Arme und Fremde bestimmten Begräbnißorte bestatten läßt. Die Praxis in anderen Gemeinden ist mir nicht bekannt geworden. Wie ich glaube, besteht in Holland auch kein Schulzwang. ÄS besteht jedoch eine Hauptkommisfion für die Angelegenheiten der Jsrae- Uten, deren Mitglieder ans allen Gemeinden gewählt werden, und die mit dem Ministerio in engerer Beziehung steht. Diese Kommission hat zehn ordentliche und acht korrespondirende Mitglieder. Die erflere» wohnen gegenwärtig in Amsterdam. Die Gemeindeverwaltung, — kercheraad oder Kirchenrath, merkwürdig ließ sich die Hypcrorthodorie diesen christlich klingenden Namen gefallen, — wird von 30 Personen geleitet, die nach einem g-, wissen Census gewählt werden. Aus ihrer Mitte wird eine aus fünf Mitgliedern bestehende, den Namen Lerhbestum führende Kommission gewählt, welcher die Anordnung des Gottesdienstes und die Aufsicht über denselben obliegt. Außer 30 circa Privatbethäuscrn und Bersammlungen. die auch von den sie besuchenden Personen erhalten werben, gibt es sieben Gemcindesynagogen, die unter der erwähnten Verwaltung stehen. Die größten sind: die alte (große) und neue Synagoge, in denen der Oberkantor von Sabbath zu Sabbath abwechselnd mit Chorbegleitung vorbetet; die Gulenbnrger Synagoge in einem ab« gelegenen, engen, eben nicht durch Reinlichkeit ausgezeichneten Gäßche», wo nur arme jüdische Familien wohnen, und die Rebenburger, die früher einer besvndern Gemeinschaft angehörten, die fichjdnrch manche Abweichungen von der Hauptgemeinde getrennt hatte, und auch einen eigenen Begräbnißplatz besaß, sich aber seit dreißig Jahren wieder mit der Hauptgemeinde vereinigt hat. Keine dieser Synagogen ist durch Baustyl, Größe u. s. w. ausgezeichnet und hervorragend. In allen ziehen sich die Sitze von Westen nach Osten, sv daß die Synagogenbesucher das Angesicht nicht gegen die h. Lade richten, so lange fie an ihrem Betpulte fitzen oder stehen. Bei Schemone Eßre ist dies sehr unbequem, indem diejenigen, die nicht ans dem Gedächtnisse beten׳, das Gebetbuch, in der Hand halten müssen. Dieselbe Einrichtung habe ich auch in anderen Gemeinden Hollands gefunden, und soll dieselbe in allen einheimisch sein, mit Ausnahme der zu Gröningen, die vor einigen Jahren erbaut wurde. Es versteht sich von selbst, daß in allen holländischen Synagogen noch geräumige Almemors stehen und sich an jedem Franeu-Empor Gitter befinden; doch find letztere nicht so dicht und nicht so hoch, wie sie manche ungarische Rabbinen haben wollen. ' Einen Rabbiner gibt es in. den beiden Gemeinden noch immer nicht. Auch ist keine Aussicht vorhanden, daß die seit längerer Zeit vakanten Stellen so bald wieder besetzt werden. . Die Funktionen der Rabbinen werden von Rabbinatö-Affessoren verrichtet. Der erste Dajjan der Aschkenasim, Herr Hirsch, ist ein sehr gelehrter und gebildeter Mann, den ich schon früher als solchen kennen gelernt habe. Derselbe hielt während meines Aufenthaltes in Amsterdam Vorträge in holländischer Sprache. Ueberhaupt sind noch mehrere RabbinatSstellen vakant. wie in Amersfoost, Gröningen, Herzogenbusch und Middelburg. Die häufigen Sedis-Vacanzen sollen darin ihren Grund haben, daß es an eingebornen Kandidaten fehlt, und man die Berufung deutscher Kandidaten oder Rabbinen vermeiden will. Manche Gemeinden, welche in neuerer Zeit deutsche Rabbinen berufen haben, sollen mit denselben unzufrieden sein. Ob mit Recht oder Unrecht, vermag ich nicht zu beurtheilcn. Die Stellung der Rabbinen in Holland ist durchaus keine: bcneidenswerthe, da fie unter den Gemeindevorstehern stehen, und von denselben abhängen. Ihre Besoldung ist im Verhältnisse zu der in Holland herrschenden Theuerung eine geringe zu nennen, weshalb sie .auf die eines Rabbiners unwürdigen Geschenke (מתנ!ת) angewiesen sind. Der bereits erwähnte Dajjan Hirsch ist so gering besolde!,, daß er von seinem Gehalte unmöglich leben könnte. Und doch wird er von seinem Amte sehr in Anspruch genommen! Ein Dajjan der portugiesischen Gemeinde ist zugleich Buchsührer in einem Geschäftshause! (Fortsetzung folgt.) Inserat. Für den Weiterverkauf meines Werkes:; Beal-Encyclopädie für Bibel und Talmud Heft 1. A. — Eidesformel, Preis 1 Thlr. 6 Sgr. suche ich Agenten und Buchhändler, denen ich bei Gewährung eines ansehnlichen ßabbatts die gewünschten Exemplare zusende. Dr, J. Hamburger, Landesrabbiner zu Strelitz in Mecklenburg. Druck von Sigmund Burger in Szegedin 1866.