Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 8 (21.2.1866)
- Date
- 1866-02-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543184--4644-2548640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
155 156 Reiche der Erkennnnß einnimmt, well der erster« mehr als der Unbeflecktgebliebene sich vor fündige» Rückfall zu hüten vermag. Zugleich will ich eine Notiz zum Beste» zu geben, die vrn meiste» Leser» Ihres der Wissenschaft gewidmete» Journals gewiß »ich» uniutereffant wird »ein. Sicherlich wurde» Sie schon durch Ihren diesigen Berichter« statter über die jüngsten Vorgänge in unserer Gemeinde in Kenntniß gesetzt und wissen Sie bereits, daß unserm gelehrten Herrn Oberrabb. höchst schmeichelhaft die Berufung nach Gr. Topolcsan geworden. Aber Ujhely ist el»e der größten, zahlreichsten Gemeinden unseres Vaterlandes und sind die pekuniären Verhältnisse ihres Rabbiners bedeutend gtänzender, als sie sich in der minder importanten Gr. T. Gemeinde je gestalten können. Warum unser Rabbiner dennoch erst zur Stunde jene Brrufung abgelehut, nachdem die hiesige Gemeinde ihm enthusiastische Beweise der Achtung und Liebe gezollt? Wahrlich die Eitelkeit ist es am wenigsten, die ben gelehrten Herrn zu seinem Vorgehen bestimmt, sondrrn sind die Motive, welche ihn von Anfang v»s zu Ende geleitet׳ ganz seiner würdig. den wir zu den Größen der Gegenwart zu zählen völlig berechtigt find. Unser Oberrabbiner ist freilich feiner äußern Erscheinung nach dem Grcisenalter nahe. (aber in Wirklchkeit steht er im rüstigsten ManneSalter unv waltet in seinem von schneeig weißen Haaren überschatteten Haupte ein wahrhaft erleuchteter Geist und hat stch in seinem Herzen die Lust zum Schaffen unv Wirken jugendlich frisch erhalten. Nur meinte er hier in Ujhely nicht ven geeigneten WirkungStreis gefunden zu haben, er, der für seine Brüder und Glaubensgenossen lhätig will sein. In welchem Geiste und von welchen Prinzipien geleitet er das will, werde ich somit auseinandersetzen. Unter den vielen schätzbaren Persönlichkeiten, welche dieser Tage aus nah unv fern zu »userNi Oberrabbiuer herwallfahrteu, um ihn von seinem fast zum Entschlusse gereiften Vorhaben: dem Rufe nach Gr. T. zu folgen, rechtzeitig abzubringen, befand sich auch der Rabbiner zu S. P.f. Die beiden ausgezeichneten Talmudiften unterhielten sich eifrig und lange. Dabei konnte rS nicht fehlen, daß sie auf den Schiur, SchitaS Hanescher Ehnlin 61. » der jetzt in der hiesige» Jeschiba gelernt wird, zu spreche» kamen. Gelehrte Kontroverse wurde» gewechselt und feine Distinktionen wurden gemacht. als plötzlich unser Oberrabbiner auf daS frühere Thema zurück eiulenkend, das Wort ergriff. Wie, sprach er zu seinen würdigen Kollegen, Sie wollen mich zum Ausharren auf meinem hiesigen Posten bereden, weil, wie Sie mich glauben machen wollen, ich auch hier die gesegnete Saat des Glaubens und der ErkenntnißUi empfängliche Gemüther reichlich einzusäen vermag? Uud dennoch gedachten wir hl dieser Stunde vieler talmudischer Autoritäten, gesegnet sei ihr Andenken, die sich mit bewundernSwerther Schärfe des Geistes und Verstandes über die Merkmale der reinen und unreinen Vögel äuSlicßen. bestimmte und unbestimmte Arten derselben ventilirten und dabei großartige Naturkenntniffe entwickelten. als ob wir es nicht mit Rabbinen, sondern mit Ornithologen von Fach zu thun hätten. Was beweist das anders, als daß ein gründliches Eindringen in die Tiefen des Talmuds die exakten Naturkenntniffe voraussetzt und nimmer erkludirt? Wie anders hingegen über diesen Punkt die meisten bedeutendsten Rabbiner Oberungarns denken nud sprechen, denen zufolge der wahre Jude sich mit sonst nichts anderm als mit den auch mir überaus heiligen Religionsschriften befassen, sonst von allen Wissenschaften prosauer Natur stch scheu zurückbalten muß . . . Fragen Sie bei unfern Lomdim herum nur nach den Namen der Vögel. deren Charakter und Wesen unsere heiligen ״Rabbineu" der Natur abgelauscht, fragen Sie doch bei ihnen nach, ob sie nicht die Antwort schuldig bleiben und mehr noch, ob sie die Frage nicht gar als ״unjüdisch" bezeichnen und perhorrrsziren werden? Bei alledem und alldem sollte ich dennoch hier nach mei ne r Ueberzrugung zu wirken vermögen?"-Also sprach unser frommer Herr Oberrabbiner mit Nachdruck und Würde, wobei sein feelenvolles Auge glühte. Ich hätte damals gewünscht, daß alle Welt ihn höre, ven». ob ich auch seine etndriitgliche Rede in ihrer ungeschminkten Hoheit wiederzugeben vermag? Aber er hatte e» nur in seinem Sludir- Zimmer zu den Wenigsten seiner Vertrauten gesagt. Und so möge mir der «die, für alles Gute und Schöne begeisterte Herr Oberrabbiner vergebe», daß ich seine im engsten Kreise gethaue Bemerkung vor die Oeffentlichkeit bringe. I. H. L öw. N Gaya.Hier bestehen zwei Vereine, eine Beseda, welche für daö slavische Element schwärmerisch eintritt. und rin deutscher Lesrverein. Die Juden waren anfangs das Papier in der Scheerr, aber durch eine von unferm Herrn Rabbiner gehaltene, im Druck erschienene Rede, erkennt man die Neutralität der Juden an Der Bericht in der ״Presse", daß die hiesigen Juden eine Dankadresse für das September-Patent dem Herrn Minister Belcredi unterbreitet hätten, war eine tendentiöse Zeitungsente. K.Wesseli. Gestern Mondtag!תרומו״ "D wurde hier der am verstoffenen Samstag verstorbene Kohn zu Grabe getragen. Gr hatte seinen Wohnort in Swetin. 8 Meilen von hier, wurde aber auf eigenes Verlangen hiehec cransferirt. Der Verblichene war der Stammvater der berühmten Familie Kohn. Er hinterläßt 6 Söhne, die alle eine ehrenvolle Stelle in der Gesellschaft einnehmcn, einer ist ein rühmlichst bekannter praktischer Arzt in Wien. Ebenso ehrenvoll find seine drei Schwiegersöhne, von welchen einer ein bekannter Arzt in Pest. Sämmtliche Söhne und Schwiegersöhne umstanden seinen Sarg. vor welchem Herr Dr. Duschak und Herr Müller aus Ostrau die Leichenreden hielten. Man wollte um alles in der Welt die Leiche in der Synagoge aufbahren, die Rabbinen wollten .sich aber dazu nicht verstehen» bei aller Dignität des Verblichenen. Dieser war Besitzer einiger Fabriken, die er sich in jenen Zeiten erkämpfte, in welchen die GlaudenSverfolgung noch an der Tagesordnung war. Hunderte von Arbeitern, die er ernährte, weinten um ibn, zahlreiche Warfen unv Witwen, die er physisch und moralisch unterstützte, jammercen, die Gemeinde Weffeli beklagt ihr edelstes Mitglied. Die Leichenreden machten eine tiefe Wirkung nnb die anwesenden Christen, die nach Hunderten zählten, bewunderten Vuchstäblich die Redner. M. Gross-Beoskerek, 16. Februar. Gestützt anf das raass - gebende Ansehen, welches, unser ehrw. Herr Rabbiner im ganzen Lande geniesst, hat derselbe an den ehrsamen Vorstand der isr. Kultusgemeinde in Szegedin die Aufforderung gerichtet, dem Red. des ״B. Ch.“ bei Strafe der Kündigung zu verbieten, gegen den Herrn Rabbiner Oppenheim im ״B. Ch.“ irgend etwas drucken zu lassen. (Der ehrenwerthe Präses meiner Gemeinde, Herr Samuel Bamberger, hat mir diesen geharnischten Brief gezeigt. Der Schrecken, den mir diese Epistel einjagte, isf wirklich nicht zu beschreiben. Nichtsdestoweniger besass ich 80 viel Fassung, aus dem Briefe herauszulesen, dass die Schmähartikel, welche mein wackerer Herr Kollega gegen mich in die Welt schickt, in der gebildeten Gemeinde zu Gr. Becskerek keinen Ankhmg finden. Ist dies nun wirklich der Fall, so sehe ich nicht ein, warum er fortfährt, seinen frommen Zorn an dem ״B. Ch.“ zu kühlen. Seine Müsse kann er ja viel zweckmässiger zur Anfertigung von Auszögen aus׳ dem Magazin für die Literatur des Auslandes benützen, wozu er unbestreitbar entschiedenes Talent hat. Er nimmt sich in seiner Epistel auch anderer Rabbinen an, ich zweifle aber sehr, ob er von den betreffenden Herren dazu ermächtiget wurde, und macht er denselben ein sehr verunglücktes Kompliment, indem er sich als ihre» Advokaten gerirt. Der Vorstand meiner Geuieinde wird ihn natürlich keiner Antwort würdigen, und wenn ihn der Brief des Chassidäers wirklich lächerlich gemacht hat, so macht ihn sein eigener Brief au den hiesigen Vorstand noch viel lächerlicher! Löw.) Szegedin, ' Leipzig, SeUistvrrlag drr Ledakiiou. Louimisstons-Verlag mm frunj lbagnct. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. Hierzu ein Viertelbogen Beilage.