Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 8 (21.2.1866)
- Date
- 1866-02-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543184--4643-2548638- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
153 154 Nesprini. Der dortige ehrsame Vorstand hat uns einen die dortigen Wirren betreffenden Artikel gesendet, den wir nicht veröffentlichen, weil die Polemik sicherlich nicht geeignet ist. den Frieden in der dortigen Gemeinde wiederherznstellen. Wir beschränken »nS daher auf die von dem Vorstände konstatirte Thatsache. daß allerdings Herr Maier Tuskan der Gegenkandidat des gewählten Vorstehers war, und daß die hierauf bezüglichen Nachrichten in anderen Journalen ungegründet sind. N. Libin-Lnbenz, 8. Februar. Unter den vielen Bewerbern um die hiesige Predigeruud Oberlehrerstelle fiel einstimmig die Wahl ans de« Herrn G. Lichtensteili, Oberlehrer in Austerlitz; und soll derselbe den ihm von hierlättdigen Kapazitäten zur Seite stehenden Anempfehlungen nach — nicht nur umfangreiches hebräisches Wissen, sondern auch zeitgemäße moderne Bildung und tüchtiges Rednertalent besitzen. ILngvüp, im Februar. In der Umgegend von Ungvär wütheteu seit einiger Zeit Feuersbrünste und ein Jsraelite wurde de» Brandlegung verdächtig. Kaum gefänglich eingezogen, bekannte er sich sofort, ohne jede moralische oder Physische Pression, zu dieser scheußlichen Untbat, und da im Nngher Komitate seit dem bekannten Raubmorde in Orechova das Statarialgesetz besteht, wurde ein Standgericht bestellt, woselbst er noch umfassendere Geständnisse machte und auch seinen Schwiegervater als Mitschuldigen und Hanpturheber dieser Unthateu bezeichnete. Der dem Jnquifiten zur Vertheidigung beigegebene tüchtige An- Walt plaidirte für ihn sehr ausgezeichnet, warf ihm gleichsam mehrere Rettungsanker zu, die er aber von sich wies, so.daß selbst die Richter über dieses psychologische Phänomen stutzten. Dieselben gaben sich nun mehrere Tage hindurch unsägliche Mühe, einiges Licht über diese mysteriöse Angelegenheit zu verbreiten , es wurde eine Masse von Zeugen vernommen und durch die Aussagen derselben entrollte sich nun ein Bild von dem Leben des Jnquifiten, welches Einsicht in die Motive gewinnen ließ, die den Verdächtigten so hartnäckig bei seiner^AuSsage beharren ließen. Es stellte sich nämlich heraus, daß der Zuquifit schon^oft eine Geisteszerrüttung zeigte, welche .durch ein-unglückliches Eheleben noch gesteigert wurde; und da er in jüngster Zeit mit seinem Schwiegervater oft in heftige Kollision gerieht, so scheint diese Handlung ein Air der Rache zu sein, durch den er auf Kosten seines eigenen Lebens seinen Schwiegervater ins Verderben zu stürzen suchte. Nach dieser gewonnenen Einsicht erklärte das Standgericht, daß diese Angelegenheit nicht vor sein Forum gehöre, und so wird diese Sache auf dem gewöhnlichen Kriminalwege verhandelt werden. Zur Steyer der Wahrheit dürfen wir nicht unerwähnt lassen, daß es nur dem umsichtigen Fürgehen des Gerichtes zu verdanken ist, daß diese Angelegenheit einen verhältnißmäßig so günstigen Verlauf genommen hat; dieser Umsicht aber' reilite sich der Feuereifer unseres ehrwürdigen OberrabbinerS und die Energie unseres löblichen KnltusvorstandeS würdig an die Seite, denn diese beiden Faktoren scheuten keine Mühe i» Herbeischaffung der zur Aufhellung dieser dunkeln Angelegenheit erforderlich gewesenen vielen Zeugen. . Wilhelm Weiß. /V.I?. Szentes, 16. Februar. Die Aufmerksamkeit der hiesigen Gemeinde nimmt die Rabbinersrage in Anspruch, welche kürzlich gelöst werden wird. Unter den fünf Probcpredigten. die schon bis jetzt abgehalten wurden, erfreute sich die des Herrn Dr. B. Friedmann aus Miskolcz- Csaba der beifälligsten. Ausnahme. Herr B. Friedmann kam eben jetzt aus Berlin, wo er sich zu seinem Stande qualifizirte und hat sowol durch seine schöne und inhaltreiche Rede, wie auch durch sein äußeres Benehmen die größten Sympathien sich erworben, wodurch er natürlich die Aufgabe seiner Nachfolger erschwerte. Die Gemeindestatuten wurden gänzlich umgearbeitet, wobei die Statuten der Wiener und Szegediner Gemeinde zum Vorbilde dienten. Der am 6. d. M. abgehaltene Frauenvereinsball erfreute sich einer großen Theilnahme. Der Reinertrag belief sich auf 180 fl. ö. W. welcher Betrag theils unter die Armen vertheilt, theilS dem Fonde beigefügt wurde. 2. Tokaj, 9. Februar. Gestern war gerade Wochenmarkt in Ujhely uud da in unserer Nachbargemeinde während der ganzen Woche , divergirende Gerüchte von dorther die Runde machten, reisten wir um einen Tag früher dahin, auf welchen die Abhaltung einer Generalvrrsammlung bestimmt ward, von der am 8. d. abgehaltenen Versammlung, in welcher der greise, durch seine talmudifche Gelehrsamkeit allgemein bekannte, (hier leider den chaßidischen Verfolgungen ausgesetzte) Oberrabbiner Jer. Löw die Gemeinde davon in Kenntniß setzte, daß er der an.ihn soeben ergangenen Berufung als Oberrabbiner von Gr. Topolcsan Folge zu leisten fest entschlossen fei, und somit für das während 14 Jahre bekleideten RabbinatS geziemend danke. Dieser feste Entschluß des hochwürvigen Herrn versetzte den größten Theil der aus nahezu 800 jüdischen Familien bestehenden KultuSgemeinde in Erstaune». In großer Aufregung sammelten sich mehrere Hunderte Mitglieder unter Anführung des wacker» und freundlichen Vorstehers und. begaben sich zu ihrem geistlichen Oberhaupt, um Aufschluß zu bitten, gelobten etwaige Beschwerden nach Thunlichkeit abzustellen, und verlangten ungestüm die Rücknahme des mitgetheilten Entschlusses. Allein der greise Seelenhirt gab deutlich zu verstehen, daß ihn weder Ehrsucht noch Eigennutz zu dieser Entschließung geleitet. Er bedauere sehr, in dieser großen Gemeinde selbst Kleinliches zu bereut Wähle nicht geleistet haben zu können; er erbat sich die Entsendung einer Deputation von ausgewählten 5—7 Mitgliedern, auf daß er ihnen die gewünschten Eröffnungen mache, und erklärte im Vorhinein feierlichst, daß die Annahme oder das Verwerfen dieser seiner Vorschläge sein Bleibe» oder. Gehen bedingen werden. Diesem bescheidenen Wlinsche grmäs wurden sofort 7 Mitglieder — unter denen nicht ein Ehaßid — ermittirt, die in der Eingangs erwähnten, am 7. d. abgehaltenen Geueralversammlung, welcher auch wir beiwohnten — Folgendes vortrugen: 1. Nachdem wegen beengten Raumes der hiesigen 100 Jahre - alten Synagoge bis nun zahlreiche Miuzanim errichtet werden mußten, wodurch dem Partejwesen Vorschub geleistet, und jeder Forschritt gehindert wurde; so stell» unser hochwürdiger Rabbi als erste Bedingung den Bau einer erforderlichen Synagoge nach altem Styl und Ritus, welche binnen drei Jahren zu vollenden sei, auf daß oben angeführtes Uebcl beseitigt werden könne; und 2. da das hiesige Chaßidimthum einen Stat im State auSmachl, ja letztere Zeit fast an Uebermacht zu gewinnen scheint, uud Sekten die Einigkeit verschwinden und Zank und Hader entstehen machen, möge die Gemeinde sofort beschließen, daß sällimtliche Gemeindeglieder der Kultusgemeinbe sich anzuschließcn haben bei sonstigem Verluste der aktiven und passiven Wahlfähigkeil — und beziehungsweise Angehörigkeit. Es wurden die einzelnen Gemeindemitglieder behufs Nnterzeichnung der Annahme obiger Punkte anss Gemeindehaus berufen; doch wen» auch die Majorität auf diese Weise aufgebracht würde, glauben wir kaum, daß Se. Hochwürden nach dem Geschehenen ferner bliebe. Denn wir hören, daß außer den Chaßidim', welche die Berufung eines großen Zadik zu ihrem Rabbi schon beschlossen, auch die Intelligenz — Dank den jüngsten Pest er Beschlüssen! mit dem Plane umgehe, einen geregelte» Gottesdienst mit deutscher und ungarischer Predigt in Bälde eiirzuführe». S. A. Ujhely,11. Februar. Wie auch immer unsere Weisen für die wichtigsten Momente des Lebens Denk- und SegenSsprüche pafsend angeordnet, haben sie dennoch einen beachtenSwerthen Fall nicht ins Auge gefaßt, weil der für ihre Zeit durchaus undenklich war:, welche Benediktionen derjenige zu sprechen hat , der mehrere Jahre hindurch pon ge»viffen seriösen Umständen genöthigt, Mitarbeiter des ״Mainzer Israeliten" zu sein, erst durch die Gemeinheit des HeranögeberS jenes Blattes seiner unliebsamen Verpflichtung enthoben ward. Ich bin der Mann, der dieses Elend sah. Mich führte es und leitete durch sichtlose Finsterniß." (Klaget. 3, 1—2.) Und nun dieser Finsterniß mühsam entrönnen, in wetchen Worten danke ich auch recht dem Geschicke, das mir so freundlich war! Ich spreche mit Ruchana: ״Ich wist gehe« und zurückkehren zu meinem ersten Manne, denn wohler war mir niemals als jetzt!" (Hos. 2, 9). So mögen Sie, ehrwürdiger Herr Redakteur, denn mich nach einem längern, für mich allein bebauernswerthen Intervall wieder um so freundlicher in die Zahl Ihrer Korrespondeliten einwei- Heu, je zutreffeuder der Ausspruch nnserer Weisen ist. nach welchem der Reuige eine höhere Rangstufe, als drz! immer Treugeblrebene in dem