Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 8 (21.2.1866)
- Date
- 1866-02-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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151 152 scheu Reistag." Dieselbe verbreitet sich in gedrängter Kürze über die frühere Lage der ungarischen Juden und über die Nothwendigkeit ihrer bürgerlichen, politischen und sozialen Emanzipation. Erster« soll nach der Anschauung des Verfassers in der Form-ausgesprochen werden, daß die Legislatur die jüdische Religion rezipirt. Der Verfasser spricht mit entschiedenem Eifer zu Gunsten der Emanzipation; der kundige Leser wird sich daher gerne bereit finden lassen, manche unrichtige und übertriebene Behauptung zu übersehen. P. Pest, 14. Februar. Nach dem amtlichen ״Sürgöny" waren zu den Wahlen des gegenwärtigen ungarischen Reichstages 705.066 Wähler eingeschrieben; davon waren der Qualifikation nach; Grundbesitzer . . Handwerker ' . . . FabrikSbesttzcr . . ... 217 Handelsleute . . . Rentiers .... Intelligenz . . . . . . . 30.765; Adel . . . . . ... 99.689. Ein Statistiker im Auslande, dem eS unbekannt ist, oder gerade nicht einfällt, daß der ungarische Jude aus diesen Zahlen das Plantinische, extra numerum es! herauslesen muß, wird sich bei näherer Prüfung der Wählerklaffen zu mancherlei Schlüssen über das Verhältniß unserer industriellen und komerziellen Bevölkerung zur landwirthschaftlichcn berechtiget glauben, die er mit den Angaben der Statistik nicht in Nebereinstimmung finden wird. Das- Räthsel löst sich nur, nachdem man sich erinnert, daß ein großer Theil der Hand, werker und wol der größere Theil der Handelsleute als Juden von der Wahl ausgeschlossen waren. In national-ökonomischer Beziehung find unsere Zustände nicht so traurig, wie man nach der Tabelle des ״Sürgöuy" glauben sollte. Aber in legislativer Beziehung! Glücklicherweise ist die sicherste Aussicht׳ vorhanden, daß die Wahltabelle des nächüen Reichstages von keiner Unduldsamkeit 'mehr befleckt sein wird. LI. Szegedin, im Februar. Herr Hauptschullehrer Silber, stern hat im hiefigen Leseverein über die Fortschritte der Kultur eine populäre Vorlesung gehalten, welche sich des ungetheilten Beifalls der zahlreichen Anwesenden in vollstem Maße erfreute. Herr zur. cand. Isidor Noscnberg hat eine kleine Flugschrift herausgegeben, in welcher er erklärt, daß es ihm nicht genügt, »venu die ungarischen Juden als Individuen bürgerlich und politisch emauzipirt werden; er will das Indenthum in den Kreis der rezipirten Religionen ausgenommen und die kirchlichen Angelegenheiten mit Hilfe einer von der Regierung zu berusenden jüdischen Versammlung organisirt wissen. Der hierauf bezügliche Gesetzartikel soll nach seinem Vorschläge von einer für Religionsangelegenheiteu einzusetzenden reichstäglichen Kommission ausgearbeitet werden. Herr Roseuberg gehört zu den Jünglingen, die vom hiesigen Kasino- Verein zum Reichstage gesendet wurden, um an ihrer politischen Ausbildung zu arbeiten. Die Flugschrift ist eine an diesen Verein gerichtete Mittheilnng. ׳ב״ק Fütifkircheit, im Februar. Unsere Gemeinde gedenkt noch immer mit Liebe und Achtung ihres ehemaligen Seelsorgers, Sr. Hochwürden Herrn Dr. Hirschfeld in Augsburg, und versäumt sie keine sich darbietende Gelegenheit, ihm dies zu beweisen. Es bleibt dies ein schönes Zeugniß für den weggegangenen, und eine Aneiferung für den fungirendcn Rabbiner, wenn die heiligsten Interessen und Vorgänge der Gemeinde dem bereits fremden Rabbiner mitgetheilt werden. So hat unsere Gemeinde aus besonderer Anerkennung Herrn Dr. H. nach A. das Bild des neu. zu bauenden Tempel eingeschickt und ihre Freude darüber ausgesprochen, daß ihr Gelegenheit geboten wird, ihm diese Aufmerksamkeit erweisen zu können. Herr Rabbiner Dr. H. antwortete der Gemeinde iu folgenden Worten: ', An den löbl. Vorstand der isr. KultuSgemeinde Fünfkirchen. Löblicher Vorstand! Ihre hochgeschätzte Zuschrift sammt Fotografie des von Ihnen zu erbauenden Tempels hat mich ungemein erfreut, und spreche ich Ihnen meinen Dank für diese. Ihre Güte, wie für den darin liegenden Beweis Ihrer freundlichen Erinnerung meiner hiermit auf das Verbindlichste aus. h Das Vergnügen, das ich über das Zustandekommen eines GotteshauseS, und zwar eines so herrlichen, in Fünfkirchen empfand, war so aufrichtig und herzlich, daß ich hierin mit abermaligem Vergnügen erkannte, welch tiefe Theilnahme mich immer noch erfüllt und wol stet« erfüllen wird für die höher» Interessen meiner ehemaligen, mir immer werth und theuer bleibenden Gemeinde. . Ich gratulire der verehrlichen Gemeinde rn Fünfkirchen zu der freudig muthigcn, so vielversprechenden Inangriffnahme des heil. Baues. Ich gratulire der Gemeiude ferner zu eiuem Vorstände, der die geistige» und materiellen Bedingungen in sich vereint, von denen die glückliche Durchführung einer so hochwichtigen Gemeindeangelegenheit mit Zuversicht erwartet werden kann. Ihnen aber meine Herren gratulire ich ganz besonders zu dem beneidenSwerihen Lose, das Ihnen geworden, Ihrem Namen, wie Ihrem Verdienste eine unsterbliche Dauer bei den kommenden Generationell zu .sichern, nach der Verheißung des GotteSwortes: המשכילים יזהירו כוהר הרקיע ומצדיקי הרבים ככוכבים לעולם ועד. Nehmen Sie, meine Herren, ferner meinen Dank, für die Güte, mit welcher Sie in Ihrer vielgeehrtcn Zuschrift meiner schwachen Kanzelworte gedenken, in denen ich seiner Zeit zum Tempelbaue anzuregen, für meine Pflicht erachtete. Es ist blos das Vergrößerungsglas Ihrer freuudlichen Gesinnung, welches Ihnen meine unbedeutende Verdienstlichkeit hierbei in solchem Maße erscheinen läßt. Doch wenn ich nur den Antheil eines Sonnenstäubchens an dem herrlichen Baue habe, der sich in Ihrer Mitte zu Ehre Gottes erheben und für die Gemeinde eine Stätte der Geistes- und Gemüthserhebung zu dem ewigen und einigen Gotte Israels werden soll, so rechne ich es zu.den schönsten Errungenschaften meines Lebens! Und wird mir diese stets um so werther sein, als hierdurch mein Andenken durch ein geistiges Band an das religiöse Herz der Gemeinde, ihre AndachtSstätte, für immer geknüpft ist, sowie ihr Andenken an das meine — aus dessen Tiefe ich den Segen Gottes erflehe für Sie, meine Herren und Freunde, wie für die G e sammtgemeinde, daß er Wohlgefallen an Ihrem edlen Werke habe, Ihrem Uuternehmen seinen Beistand leihe — ו הפץ ה" בירכם יצליח! Genehmigen Sie die Versicherung der vorzüglichsten Hochachtung, mit welcher ich die Ehre habe zu zeichnen Ihr ergebenster Augsburg, im Dez. 1863. Dr. Hirsch selb. L. Lofoncz, 4. Februar. Gestern, am Sabb. Par. Jethro waren wir Zeugen eines schönen Familiensestes. Der Sohn unseres verdienstvollen, unermüdlich wirkenden Gemeindevorstehers, Herrn Alb. Schmied!, feierte unter der warmen Theilnahme der Gemeinde sein Bar - Mizwa - Fest. Herr Alb. Schmiedl bewährte auch bei dieser Gelegenheit seinen wohlthätigen Sinn, indem er alle Vereine mit Spenden bedachte. Außerdem spendete er ein Parocheth, welches an den nächstkommenden Festtagen unsere Synagoge zieren soll. Diese Spende war die Begleiterin eines Mi Scheberach. welchen Herr Schmiedl für den Redakteur des ״Ben Chananja" sprechen ließ. Nach Mittag brachte Herr Schmiedl in Gegenwart der zahlreich versammelten Gäste dem Redakteur des ״B. CH." einen Toast, welcher telegrafisch nach Szegedin mitgetheilt wurde. *) Schreiber dieser Zeilen schloß sich dem Trinkspräche an, da er der Gesellschaft der Einzige war, der den Redakteur deö ״B- CH." persönlich kennt. Sam. Hofmann, Oberlehrer. P. Lofonez, 12. Februar. Der gehässigen Debrecziner Demonstratiou gegenüber verdient hervorgehoben zu werden, daß der wackere Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Alb. Schmiedl, zum Kassier des Kasino gewählt wurde. *) Der sehr ehrenwerthe Führer der Losonczer Gemeinde überhäuft mich mit Aufmerksamkeiten, für welche ich ihm nicht genug danken kann. Möge er unter der Obhut Gottes an seinem Sohne, dessen Bar Mizwafest gefeiert würde, sowie an allen feinen Kindern die reinsten Vatersreuden erleben, und seine edlen Bestrebungen in seiner Gemeinde durch, fegenreiche Erfolge .belohnt sehen. L ö w.