Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 8 (21.2.1866)
- Date
- 1866-02-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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145 h. Büchern Vorlesungen zu halten : eine Einrichtung, welche den Griechen um so mehr imponiren mußte, als sie׳ derselben in ihren nationalen Sitten nichts Analoges an die Seite setzen konnten. Die öffentlichen Vorträge der Sofisteu waren wol eine Institution, die zur Zeit deS Theophrastos älter alS ein Jahrhundert war; allein diese Vorträge wurden für Bezahlung in einem geschlossenen Kreise gehalten, während die judäischen Vorlesungen Jedem zugänglich waren, und in den Gemeindehäusern stattfanden. Ein Volk, das eine Literatur besitzt, und bestrebt ist, sich mit derselben vertraut zu machen, mußte dem griechischen Beobachter als ein filosofisches, d. i. die Wissenschaft liebendes und pflegendes Volk erscheinen. Den indischen Brahmanen setzte der Grieche die Juden theils wegen der beiden eigenthümlichen Literatur, theils wegen der besondern asketischen Regeln und religiösen Zeremonien an die Seite, wodurch sich, wie die Brahmanen von den übrigen Indern, so die Juden von den übrigen Semiten unterschieden. Es dürfte auch die Vermuthung nicht ganz zurückzuweiseu sein, daß manche kundige Juden, gestützt auf biblische Aussprüche, wie 2 M. 19,-6. Jesaj. 61, 6., sich ihren griechischen Bekannten als Priester der übrigen Völker präsentirt haben. Die von Theophrastos namhaft gemachten sakrifikalen Spezialitäten erklärt Dr. B. mit folgenden Worten : ״Von solchen allgemeinen Voraussetzungen werden nun alle einzelnen Angaben gefärbt, unter denen jedoch eine auch bei Annahme der ärgsten Mißverständnisse ohne jeglichen Anhalt im wirklichen jüdischen Ritus dastehk Denn es ist rein aus der Luft gegriffen, daß die Juden Honig über die zu verbrennenden Opferstücke gegossen ׳hätten. Das Verbot im Levitikus 2, 11., Nichts von Sauerteig oder Honig sollet ihr dem Ewigen zum Feueropfer anzünden, erfährt weder in der Bibel, noch in der jüdischen Tradition die mindeste Einschränkung, und auch nicht die leiseste Spur ist zu entdecken, daß es je während des ersten Tempels, geschweige während des zweiten zu Theophrastos Zeit wäre übertreten worden. Vielleicht wollte Theophrastos, da er einmal den jüdischen Opferritus als einen bessern dem griechischen g^genüberstellte, der Weinspende, deren Vorkommen bei den Juden man ihm wahrheitsgetreu berichtet hatte, die von ihm wegen ihrer Einfachheit bevorzugte,Honigspende wenigstens zur Begleimng geben." (S. 11k. 112.) Es kann aber hier auch ein anderes Mißverständniß obwalten. Das Gebot: ״Die Erstlinge von der ersten Frucht deines Bodens sollst du bringen in das Haus des Ewigen deines Gottes" (2 M. 23, 19) wird -in der Mechilta so auSgelegt, daß unter den Erstlingen auch der Dattelhonig in das Heiligthum gebracht werden durfte. Unter den Bodenerzeugniffeu, welche 5 M. 8, 8. nahmhaft gemacht werden, und von denen allein nach der Halacha die Erstlinge (בכורים) ju bringen sind, wird der Dattelhonig ausdrücklich genannt. Die mischnische Halacha beschränkt die Zulässigkeit von Flüssigkeiten allerdings auf Wein und Oel. Daraus folgt jedoch nicht, daß die ältere Praxis dieser Bestimmung entsprach. Ist ja in der Mischna selbst ein gewisses Schwanken auch in Betreff des Weines und Oeles nicht zu; verkennen! Der Versuch der palästinensischen Gemara, den 146 Mischnischen Widerspruch zu lösen, ist wenig befriedigend. *) Theophrastos kann mithin von einem Honigopfer gehört haben; und das Mißverständniß liegt nur darin, daß er mit dem Honig eine das animalische Opfer begleitende Ltbation (Utßoftßs) .,vornehmen! läßt.. . , Dr. BernayS fährt fort: ״Alle übrigen Angaben sind zwar durch einseitige und schiefe Auffassung mehr oder minder getrübt , aber so haltlos ersonnen , wie. das Trankopfer aus Honig, ist weiter keine. Allerdings bedarf es nur der dürftigsten Bekanntschaft mit der Bibel, um Theophrastos Behauptung, die Juden hätten gar kein Opferfleisch gegessen, in ihrer Grundlosigkeit zu erkennen; jeder Leser deö Leviticus weiß, daß von den meisten Opferarten nach Darbringung des Altarantheils das Uebrige den Priestern oder den Veranstaltern deS Opfers zum Genuß überwiesen ward, freilich mit örtlichen und zeitlichen Beschränkungen, die vonder Ungebundenheit griechischer Opferschmänse scharf genug abstachen. Aber trotz der handgreiflichen Unrichtigkeit läßt sich doch der Weg entdecken, auf welchem Theophrastos und seine Berichterstatter in die Irre geriethen. Bei den Griechen der nachmythischen Zeit tritt das Ganz- oder Brandopfer, von dem nichts genossen wurde, gänzlich in den Hintergrund; seine für die ReligionSentwicklung bedeutsame. Znrückdrängung wird in der Sage durch die List des Prometheus bezeichnet, der den Zorn des Zeus dadurch erregt, daß er zuerst die Götter mit den mit Fett - umwickelten Knochen abfindet; in der geschichtlichen Zeit wurden nur die ans befonderen Feuerstätten dargebrachten Todtenopfer und die Eidopfer menschlichem Genuß entzogen; dem gewöhnlichen Tempelopfer war der Schmaus wesentlich. Anders stellt sich das Verhältniß bei den Inden. Das jeden Morgen und jeden Nachmittag dargebrachte Gemeindeopfer, welches den täglichen Tempeldienst eröffnete und beschloß, und auch durch die feierlichsten und außerordentlichen Festopfer nicht verdrängt wurde, war in der That ein Ganzopfer; von seiner ununterbrochenen Stetigkeit hieß es das immerwährende (תמיד, L,öt16xt,5,t05); wie aus dem Briefe Daniel 8, 11., aus dem ersten Makkabäerbuche 1, 47 und aus Josefus (bell. 6. 2, 1.) zu ersehen ist, erregte die zeitweilige Einstellung dieses immerwährenden Opfers durch Antiochus Beherrschung und Titns Belagerung von Jerusalem als bedrohlichstes Zeichen der gefährdeten Nationaleristenz den tiefsten Schmerz des Volkes. Von dem so hochgehaltenen und so regelmäßigen Opfer ward einem Fremden, der sich nach dem jüdischen' Tempelritus erkundigte, gewiß zuerst und am meisten erzählt; vorschnelle Verallgemeinerung ihrer Beobachtung in fremden Ländern ist zu allen Zeiten der Erbfehler der Reisenden gewesen; wenn der griechische Schiffspatron oder der Hoplite und der Filosof/im Gefolge Alexanders erfuhr, daß die Zuden jeden Morgen und jeden Nachmittag ein Ganzopfer darbrachten, so faßte, er die ihm auffällige Thätsache ins Gedächtniß, ohne .viel zu forschen, ob von anderen, regelmämäßigen Opfern nicht vielleicht das Fleisch genossen ward; und so bekam Theophrastos Gelegenheit, die Enthaltsamkeit der * Mechiltha Misp. Abschn. SO. Therum. 1t, 3. und Jerus. das. Challah 4. 11. Bilk. 1 . 3. 8