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Ben Chananja · 1866-02-21 · 8 (21.2.1866) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
8 (21.2.1866)
Date
1866-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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14a 144 eine Schilderung seines Umganges mit einem Juden in den Mund gelegt, und den Gründer des Peripatos mit Auerkennung von der jüdischen Enthaltsamkeit und Sittenstrenge reden lassen. Und auch abgesehen von den Nachrichten über das fremdartige Volk, welche seit der Heimkehr von Aleranders Begleitern sich in Griechenland verbreiteten, mußte ein Botaniker, wie TheophrastoS, das Land Judäa, die einzige dem Alterthume bekannte Heimat der Balsamstaude, früh zum Gegenstände seiner Erkundigungen machen; er zeige in seiner Pflanzengeschichte sich genau unterrichtet über den Umfang der Balsamgärten bei Jericho, oder, wie er sich ausdrückt, ״in der Thalschlucht von Syrien"; auch über die Behandlung des kostbaren Gewächses hat er genauere Angaben zu sammeln sich bemüht. Lange vor Alexanders Zügen mögen auf diese Dinge und andere Eigenthümlichkeiten der Gegend die griechischen Kattfleute geachtet haben, welche in den phönikischen Küstenstädten andauernden Aufenthalt nahmen. Bereits aus dem Jahre 399. v. Ehr. berichtet Xeno- Phon, daß Herodas, ein syrakusischer Bürger, der in Gesellschaft eines Kaufmannes in Phönikien war, dort große Seerüstungen der Perser wahrnahm,' die Meldung schleunigst nach Sparta brachte, und dadurch den Zug des Agesilaos nach Asien veranlaßte; dies aus verhältnißmäßig so früher Zeit berechtigt für den Verlauf des vierten Jahrhunderts bei ununterbrochener Entwicklung des Verkehrs eine nicht allzugeringe Zahl griechischer Reisenden in Phönikien anzunehmen." (S. 109. 110.) In dieser lehrreichen Zusammenstellung dürfte viele Leser des ״B. CH." ganz besonders die Notiz intereffiren, daß schon ein unmittelbarer Schüler des Aristoteles, Klearchos, seinen Meister nicht nur mit einem Inden, sondern selbst mit dem Judenthume bekannt werden läßt. Die spätere Sage hat sich dieser, aus Klearchos oder ans mündlichen Erzählungen verbreiteten, Nachricht bemächtigt, und dieselbe nach ihrer Weise ausgeschmückt. Ihr ist der Jude, mit welchem Aristoteles verkehrte, kein Anderer, als Simon der Fromme, den die talmudische Legende znm Zeitgenossen Alexanders mach!. Manche machten den Aristoteles sogar zum jüdischen Proselyten!°) — Bei der Absicht des Herrn Vrf.'s, alle Aenßerungen der alten Griechen znsammenzustellen, die auf Juden bezogen wurden, hätte vielleicht auch Erwähnung verdient, daß die Schilderung, welche der Sklave Karion in dem Plutos der Aristofanes eben von Plutos entwirft, nach manchen Auslegern einen Juden zum Gegenstände hat. Wenn diese Auslegung richtig wäre, so fände sich die älteste Erwähnung der Juden innerhalb der griechischen Literatur nicht bei Theophrastos, sondern bei Aristophanes. Ausdrücklich genannt werden hier die Juden allerdings nicht; dies geschieht aber ebensowenig bei Herodot und Chörilos, welche von dem Hrn. Vrf. angeführt werden. Ueber die Richtigkeit der Auslegung maßen wir uns durchaus kein Urtheil an. Der gehässige Inhalt der Schilderung kann in keinem Falle als Beweis gegen die Zulässigkeit der erwähnten Auffassung gelten. Wer letztere *) Abravanel in Nachal. Abt.. 2. Sed. Ha-Dor. 37, S. Kassels Kus. 172. Anm. 2. : Philologisch sichergestellt glaubt, wird sich die gehässige Gesinnüng aus dem Charakter und der Denkweise des griechischen Volkes leicht erklären können. Auf den Inhalt der Thöophrastischen Darstellung selbst übergehend, sagt Dr. B.: ״Wie sehr nun Alles, was die reisenden Kausleute, die heimkehrenden Krieger Alexanders und auch dessen filosofische, der semitischen Sprachen sicherlich unkundigen Begleiter dem TheophrastoS von den Juden erzählen konnten, mit den Mängeln der Unvollständigkeit und des MißverstanbeS behaftet sein mußte, so war es doch von dem schwereren Gebrechen absichtlicher und feindseliger Entstellung, welches die späteren griechischen wie römischen Darstellungen jüdischer Dinge, mit fast alleiniger Ausnahme der von dem Stoiker Slrabon gelieferten, zu verunstalten pflegt. Vielmehr faßte TheophrastoS offenbar eine günstige Meinung von der ״Filososte" der Juden; und wenn man mit Klearchos Worten: ״die Filosofen heißen bei den Indern Kalauer, bei den Syrern Judäer" die Art zusammenhält, wie TheophrastoS einerseits die Judäer als Abtheilung der Syrer, andererseits den ganzeDjudäischen Stamm als einen filosofischen'bezeichnet, so erkennt man, daß in den peripatetischen Kreisen sich der Glaube festgesetzt hatte, die Juden seien die gelehrte und priesterliche Kaste der Syrer, wie die Brahmanen es bei den Indern sind. Aus diesem ethnologischen Jrrthum fließt nun die ätiologische Hypothese, nach welcher sich TheophrastoS Alles zurechtlegt, was ihm von dem jüdischen Opferritus zu Ohren kam. Verglichen mit der fröhlichen ׳Lust griechischer - Opferfeste und Opferschmäuse machte es ihm den Eindruck düsterer Strenge; und da bei den nächsten Nachbarn der Juden, den phönikischen Syrern so gut wie bei deren Abkömmlingen , den Karthagern, das Menschenopfer zu seiner Zeit in ungeschwächter Uebung fortbestand, so dachte er sich, die übrigen Stämme der großen syrischen Nation haben in Folge eines ursprünglichen NothopferS dauernd sich dem Menschenopfer ergeben, die filosofische Kaste aber, die Juden, enthalte sich zwar des Menschenopfers, habe jedoch zur Erinnerung an dasselbe aus dem Zeremoniell des stellvertretenden ThieropferS jede Fröhlichkeit verbannt." (S. 111.) Wir gestatten nnS abermals eine Unterbrechung des gelehrten Herrn Vrf.'s, um die Frage zu stellen : Wie kam es, daß Klearchos und Theopyraftos die Juden für Filösofen, den ganzen ljudäischen Stamm für einen filosofischen gehalten haben? Wenn Dr. B. den in peripatetischen Kreisen herrschenden Glauben, die Juden seien die gelehrte und priesterliche Kaste der Syrer, wie die Brahmanen es bei den Indern sind, für einen ethnologischen Jrrthum bezeichnet, so muß ihm hierin unbedingt beigestimmt werden. Damit ist aber nicht erklärt, was die Peripatetiker oder ihre Berichterstatter auf diesen Jrrthum geführt haben mag. Der einfachste Erklärungsgrund liegt wol darin, daß die Juden den Griechen als das einzige semitische, —nach griechischer Anschauung ״syrische", — Volk entgegentrete«, welches im Besitze einer Literatur war. Dazu kam noch die in die Augen fallende, zu jener Zeit gewiß schon einheimisch gewordene Einrichtung, dem Volke aus den

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