Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 7 (14.2.1866)
- Date
- 1866-02-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Sedjs־ oöcr fieOenflüuöigcr Mcmdjt? Von Abraham Grüns pan u , Hauptschulbircktor in Boökowitz. Es dürfte meinen Herren Kollegen vielleicht gerade jetzt nicht unwillkommen sein, dieses Thema aufs Tapet gc^ bracht zu sehen, die Frage nämlich, ob ein sechs- oder siebenstündiger Unterricht für die israelitische Jugend ersprießlicher wäre. Wir müssen aber dabei alle Nebenrückstchten, von denen man sich sonst gewöhnlich leiten läßt, außer Acht lassen, uns unparteiisch auf den pädagogischen Standpunkt stellen, nebstbei auch die Stimme der Erfahrung nicht unberücksichtigt lassen. Wir dürfen nicht vergessen, daß die heilige Pflicht der Jugenderziehung höher steht, als alle anderen Pflichten, daß dieselbe ganz unbeeinflußt ausgeübt werden muß, daß eine Vernachlässigung derselben durch Berücksichtignng anderer Momente sich an der Jugend, an ihren Führern, an der -ganzen zukünftigen Generation schwer rächt! Der Kaufmann, der diese Zeilen zufällig lesen sollte, wird freilich sein Staunen nicht unterdrücken können , wie Männer, die sich als Repräsentanten der Intelligenz gebärden, ein solche Frage aufwerfen können, die doch auch jeder Laie in der Mathematik leicht beantworten kann. Mit einem Kopfschütteln wird-er sich sagen: ״Gewiß muß für die Jugend ein stebenstündiger Unterricht weit ersprießlicher sein"; denn: ,/״Je mehr , - desto mehr!"" ist der der einfachste Grundsatz in der Regeldetri. Je mehr Kapital ausgeliehen wird, -desto mehr Zinsen werden abgeworfen. Je mehr Stunden-ein Industrieller seinem Geschäfte widmet, desto größer wird sein materieller Vortheil sein rc.".— Ja, wenn das Wissen mit Maßen und Seiteln eingegossen werden könnte, würden wir freilich mit dem Kaufmanne dasselbe Urtheil zu fällen im Stande sein; wir würden mathematisch berechnen können-,- um wie viel Jahre, Monate, Tage rc. früher ein Dr. med. ober juris seine praktische Lausbam beginnen könnte, wenn er täglich statt 4 oder 5 Stuben, 2, 3mal so viele Stunden zum Studium verwenden würde. Allein die Erfahrung lehrt leider das Gegentheil. Sie lehrt, daß es mit den 2, 3, 4 mal so vielen Stunden täglichen Unterrichtes ungefähr dasselbe Bewandtniß habe, wie mit den 2, 3, 4fachen Portionen Nahrungsstoffes, die Jemand zu sich nehmen wollte in der Absicht - um hierdurch eine 2-, 3-, 4mal so blühende Gesundheit zu erlangen. Ja, der siebenstündige — oder wie es in manchen Schulen noch trauriger aussehen mag , der achtstündige Unterricht tödtet die Jugend in moralischer und physischer Beziehung und läßt durchaus nicht jenes Resultat erzielen, das bei der Einführung jener Stundenzahl vor Augen geschwebt; besonders wenn mit der Schule keine Anstalt — Turnschule — verbunden ist, die auch die Kräfte des Leibes — nur in einem kräftigen Leibe wohnt auch eine kräftige Seele — zu entwickeln geeignet wäre. Ist letzteres nicht der Fall, d. h. steht mit der Schule keine Turnanstalt in Verbindung, wird nochdazu die Thätigkeil eines und desselben Lehrers durch diese Anzahl von Tagesstunden in Anspruch s genommen, gesellt sich noch vielleicht noch dazu die Unreinlichkeit der Schulräumlichkeiten, dann ist das Resultat eines solchen Unterrichtes ׳besiegelt. Niemand wird doch voraussetzen wollen, daß Kinder, die 7 Stunden in der Schule zu verbleiben gezwungen sind, auch faktisch einen kompleten siebenstünvigen Unterricht zu genießen im Stande wären; es müßten denn dem Kinde, - dessen Charakter Uubeständigkeit ist, übernatürliche Kräfte zu Gebote stehen, 7 Stunden auf einem Punkte sitzen und den nicht immer lustig klingeueen Worten deö Lehrers mit gespannter Aufmerksamkeit lauschen zn können. Abermuch dem Lehrer müßten mehr als irdische Kräfte zugemuthel werden, um den geistigen Sin» seiner Zöglinge so :viele Stunden hindurch fesseln zu können, daß'sie nicht bald ermüden müßten. - ׳ -l!- Es dürften daher ganz natürlich in jeder solchen Schule gewisse Pause» eingeführt sein, die dem Lehrer sowol, als auch dem Schüler eine kleine Erholung zu gewähren geeignet wären. Solche bestehen auch thatsächlich: die eine/Vör-s die andere Nachmittags, erstere gewöhnlich nach einem 2 ׳-- letztere nach einem einstündigen Unterrichte. Die Länge'einer solchen Pause hängt entweder vom Gutachten der-Lehrers oder von einem Uebereinkommen zwischen diesemüNd der Gemeinde ab. So z. B. hält an unserer Schule s einem Uebereiukvmmen gemäß eine solche Pause jedesmal bloß eine Viertelstunde an. Nun könnte man glauben, diese Pausen, die in der Regel nicht ausgedehnt werden/׳ bringenschon das zuwege, was die obenerwähnte Türnschule' jüwegebringen, sollte. Allein man irrt, wenn man dies wähnt. - Denn diese Pausen gewähren nicht nur nicht jene erwünschte Erholuttg für die Jugend, sondern sind,, ich wage-eS zu'bet Haupte», der'Grund zur Verderbniß der Jugend in der Schule. Denn da sie nicht als Erholungsstunde/ sondern als Erholungsviertelstunden -benützt werden״ soMn/ muß doch'ihre Verwendung eine entsprechende sein: Und wer weiß stecheffer zu verwenden, als das Kind? Ja es" denkt schoMchir '-2 Stunden Vor- und die eine StuNve Nachmittags im Voraus nach, wie es dieselben zu verwenden hättet- -י Im Bewußtsein, eine solche. Reihe von Stunde!! jü der «schule zubringen zn müssen, verproviantirt sich nawliH der Schüler, als gälte es, eine ganze Woche fern, vom heimatlichen Herde zu weilen und wirft während der ganzen Unterrichtszeit gierigere Blicke auf den Inhalt seiner. Tasche', als -auf den Lehrer. Kein' Wunder, daß', wenn auch de,r Lehrer den Unterricht noch so anziehend zu machen verstünde, das Kind doch eher seinem thierischen Triebe folgt) ׳als' seknem noch unentwickelten Verstände. Mit Sehnsucht 'erwäMt es daher die Zeit, wo der Glockenschlag die Erholungspause verkündigt. Mit um so größer» Appetite verzehrt es dann die letzten Ueberreste des Proviantes , je größere Ueberwindüng eS ihm gekostet, sie vor den Argusaugen des überall hinspähenden Lehrers während des Unterrichtes nicht ganz zu verzehren. Sich selbst überlassen — man kann doch dem Lehrer nicht verdenken, daß er diese Viertelstunde für sich,genießen, nach der mühsamen Arbeit des Morgens etwa ein zweites Frühstück zu sich nehmen, oder wenigstens eine Pfeife Tabach sich gönnen will — unter Aufsicht des Lehrers ohne Auf- - sicht wird nun das unschuldige , besser erzogene Kinds von dem minder gut erzogenen, vielleicht gar durch das schlechte Beispiel im.Elternhause.verderbten Kinde zum Bösen verleitet, werden schlechte Gewohnheiten kennen gelernt sind:.die zarten Gemüther vielle.icht.Mit. Fehlern bekannt,"vor denen jeder Menschen- und Kinderfreunv das jugendliche Herz lange bewahrt zu wissen wünscht.; ' Beginnt am Ende einer solchen Pause von neuem der Unterricht, so dauert eö nach dem einfachen Gesetze der,Trägheit lange. Zeit, bis die Jugend sich wieder sammelt', um mit erneuter Aufmerksamkeit dem Unterrichte zu. lauschen. Doch bald zeigt es sich, da die meisten -Schüler , nachdem sie ein etwas größeres Quantum physischer,Nahrungzu sich genommen, jetzt zum Denken weniger als sonst geeignet sind; sie möchten, lieber in Orpheus Armen lieblichen Träumen sich hingeben und verfallen auch wirklich, da das zür-