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Ben Chananja · 1866-02-14 · 7 (14.2.1866) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
7 (14.2.1866)
Date
1866-02-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ISS 140 nende Antlitz des Lehrers ihnen entgegenstarrt, in einen mehr geistigen Schlaf, in eine völlige Gedankenlostgkeit, aus der sie erst durch das Glockenzeichen zum Nachhausegehen geweckt werden. Dieses gedankenlose Hinbrüten aber führt, wie jedem Pädagogen bekannt fein dürfte, zu gewissen Jugendfehlern, die leider nur zum Ruin der leiblichen nnd geistigen Kräfte ihr Scherflein beitragen. Verfolgen wir nun noch daS Kind in den Kreis seiner Geschwister, um zu sehen, was es da beginnen werde. Da eö in der Schule mit, keiner, oder nur geringer Aufmerksamkeit den Worten des Lehrers gelauscht, so sind -diese, noch bevor sie sein Gedächtniß streiften, schon demselben entfallen, was wieder zur Folge hat, daß das Kind die nichtverstandene Aufgabe einzustudiren keineswegs große Lust zeigt, sondern seine in der Schule stark znrückgedrängte Freiheit jetzt stärker in den Vordergrund treten läßt. Die Selbftthätigkeit, die dem Geiste so nothwendig ist, wie dem Leibe die Verdauung der Speisen, muß demnach als fast ganz aus einer solchen Schule gebannt angesehen werden und der Alles tödtende Mechanismus gewinnt die Ober- Hand. Die Folgen kann jeder leicht errathen. Die Frage ist nun: Wie könnte diesem Grundübel abgeholfen werden, ohne jedoch den beiden an einer israelitischen Schule gleich wichtigen Gegenständen des hebräischen und des Elementarfaches Abbruch zu thun? — Die Autwort lautet: Die längeren Pausen in der Schule, ein Ruin derselben, sollen hinwegfallen. Da sie ohnehin, wenn sie noch so gewissenhaft eingehalten werden, mit den Viertelstunden Vor- und Nachmittags, um die man gewöhnlich — so geschieht es wenigstens bei uns — die Jugend früher nach Hause läßt, manchmal mehr als eine volle Stunde ausntachen, werde die tägliche Unterrichtszeit auf 6 Stunden mit kleinen in Gegenwart der betreffenden Lehrer stattfinhenden Ruhepunktea (etwa 5 Minuten nach jeder Stunde) reduzirt, der ohnehin große Eifer des Lehrers noch erhöht, namentlich beim hebräischen Unterrichte — wo sie noch nicht besteht — eine praktischere Methode eingeschlagen, nnd das Ziel wird ohne so ersichtlichen Schaden für das leibliche und geistige Wohl der Jugend eher erreicht, während das Hauptmoment der Erziehung, die Bildung des Herzens und deS Geistes, nicht außer Acht gelassen wird. Die Jugend bewahrt alsdann vor der Erziehungsstätte jene heilige Ehrfurcht, die sie sonst bloß den Tempelräumen zu schenken pflegt; der Geist gewinnt mehr Muße zur Selbstthätigkeit, ohne die noch nie ein rechtes Resultat erzielt worden; der Körper endlich erhält nicht so leicht durch die allenfalls mit nicht sehr wohlriechenden Düften geschwängerte Zimmerluft den Keim zu einem künftigen kränkelnden Wesen. Sollte diese wohlgemeinte Reduktion und ihre Motivirung auch nicht in aller Lehrer Herzen ein angenehmes Echo wiederfinden, so hofft dennoch Schreiber dieser Zeilen schon sehr viel für die gute Sache gewonnen zu haben, wenn sie einmal öffentlich zur Sprache käme. Man müßte doch am Ende zum Resultate gelangen, daß bei der Jugenderziehung nicht die große Anzahl Stunden den Ansschlag gebe. Schulwesen. 8. Alt-Beefe, 4. Februar. Unsere Schule ist seit dem Beginne dieses Schuljahres in eine neue Phase getreten. Sie besteht nunmehr aus zwei Klaffen, welche von 60 Kindern beiderlei Geschlechtes besucht werden. Um die Schule haben sich die Herren Ar. Oblat, Mor. Mischer, N. Mayer, Brock und Freund bleibende Verdienste erworben. Hoffentlich wird bald eine dritte Klaffe organisirt werden. ב״ק■ Fültfkirchen. Es wird in der jüngsten Zeit so unend« lich viel geschrieben von Lehrervereinen nnd Preisfragen, daß ich nicht umhin kann, jenen Herren, die die Reich'sche Preisfrage um drei Dukaten erhöhten, mein Kompliment zu machen, und wenn mir diese es erlauben wollten, wäre ich sehr erbötig, den Preis noch um einen Dukaten zu erhöhen und bedinge mir für den angebotenen Dukaten auch die Fragen nur um eine zu vermehren. Diese Frage ist nicht ohne allen Grund aufgestellt. Sie heißt: ״Wovon sollderGemeindelehrer, der gar keinerlei Nebeneinkünfte hat nnd 5—6 Monate fe n verdientes Gehalt nicht bekömmt, auch während dieser Zeit seine Bedürfnisse decken?" Was mich zu dieser Frage bewegt, ist leider eine traurige Ver« anlaffung. Große und alte Gemeinden, die wegen Uneinigkeit ihre hei, ligsten, gemeinsamen Interessen vernachlässigen und den Verfall der Gemeinde durch den Rumor in derselben voraussehen, beginnen das Sparsystem damit, daß sie die Schulen auflösen, sich nach den alten, dem Geschmacke einiger welker Hyperorthodoren entsprechenden ״Chadarim" sehnend. Weil sie aber ein höheres, behördliches Gesetz an ihre Verpflichtungen knüpft, und fie das Gesetz scheue», so find es abermals die armen Lehrer, die die Vorderfront im Gefechte bilden sollen. — Thut dann der unglückliche Lehrer einer solchen Anstalt den Mund auf, um in seiner Bedrängniß der Welt kund thun zu wollen, wie traurig es mit ihm bestellt sei, dann fürchtet er, erkannt und gekränkt zu werden. So hat der Korrespondent ש aus Bonyhäd in Nr. 3 d. Bl. über die Schulzustände daselbst nur andeutungsweise gesprochen. ״Gr möchte in den Wald gehen und scheut das Geräusch." Tüchtige Lehrkräfte wirken an dieser Anstalt — die aber mit Noth — weil fie eben keinen Gehalt bekommen — ihr Leben fristen. Hieher sollten die Pester Herren kommen und ihre Preisfragen werden bald gelöst sein; denn gewiß, fie werden zu der Ueberzeugung kommen, daß nur unter der Leitung tüchtiger Schulen-Oberhäupter sowol das Heil der Anstalt, als auch das der Lehrer gedeihen kann. Dies beweist uns zur Genüge die Miniaturschule in dem naheliegenden SiklüS, wo der um 'Gemeinde, Schule, Kanzel und Gottesdienst verdienstvolle, allgemein beliebte und hochgeachtete Rabbiner Ahron Roth an der Spitze einer intelligenten Schulkommisfion die Schule mit der größten Umsicht und Selbstbethätigung an derselben leitet. Die Kinder aus der Umgebung werden Hm und dem tüchtigen Lehrer Herrn I. iLöwinger zu Liebe, hieher in die Schule gebracht. Hier wird den Lehrern der Gehalt pünktlich verabfolgt und keinerlei Gelegenheit zur Klage geboten. Herrn Rabbiner Roth machen wir öffentlich unser Kompliment für sein segenreiches frommes Wirken und find überzeugt, daß sein Name allenthalben mit Achtung und Liebe genannt wird. — Von so hoher Wichtigkeit uns ein Lehrerverein erscheint, und wir der Wirksamkeit eines solchen sehnsuchtS« voll entgegensehen, erlaube ich mir dennoch die Bemerkung, daß der Lehrerverein wenig zur Verbesserung und Beffergestaltung einer Gemeinde selbst beitragen werde. Meine unmaßgebliche bescheidene Ansicht erstreckt sich dahin, daß die׳ besser geregelten und guteingerichteten Gemeinden Vereine bilden sollen, um den vernachlässigten, zerklüfteten Gemeinden mit Rath beizuzehen, daß diese nicht dem Verderben und dem Untergange anheimfallen; dann können wir auch mit Zuversicht auf ein geregelteres Schulwesen hoffen- Predigtliteratur. Wien, 8. Februar. Die in diesen Blättern bereits erwähnte treffliche Predigt Dr. Sonnescheins, in welcher Zoses als Vorbild Israels geschildert wird, ist im Drucke erschienen. Dieselbe wird sicherlich in weiteren Kreisen denselben Beifall finden, den sie bei den hiesigen Zuhörern gesunden hat. Eine sehr gelungene Predigt: ״Israels allgemeine Menschenliebe" von Dr. Mühsam, Rabbiner in Postelberg ist soeben rn Kommission bei Herzfeld und Bauer erschienen. Druck von Sigmund Burger iulSzegedin 1866.

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