Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 7 (14.2.1866)
- Date
- 1866-02-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543183--4631-2548625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
131 132 Weg zum Ziele führen werde. Unserer Anficht nach muß das Bet- Kamidrasch, falls es nicht dahinstechen oder.gänzlich zu Grunde gehen will, sich sobald als möglich zur wirklichen Schule umgestalten. GS fragt sich nicht darum, wie viele Schüler dasselbe besuchen werden — odschon wir hier keinen Mangel an sogenannten Rabbinaiskandidaten haben — aber man stelle Forderungen an die Herren und wenn die Anstalt etwas leisten wird, was wir voraussetzen, so wird ihr, wir sind dessen gewiß, die Unterstützung nicht mangeln. Gestatten Sie mir schließlich noch einen Gegenstand zu bespreche 11. Die Journale berichteten jüngst über eine Jubelfeier, die Herrn Oberkantor Sulzer zu Ehren stattfindcn soll, nnd zu welcher die Borbereitungen getroffen werden. Ich erkundigte mich in Folge dessen an verschiedenen Seilen, aber nirgends weiß man etwas davon. Es find eben Zeituligsenten, die lustig, herumschwimmen. Ich will es nun offen erklären, ich gehöre zu den Verehrern SulzerS. Ich glaube, es dürste eine lange, lange Zeit vorübergehen, bevor wieder ein derartiger Mann entsteht, der in solcher Weise alles in sich vereinigt. Gr ist Chasan in der vollsten Bedeutung des Wortes, Künstler im eminentesten Sinne, und seine Persönlichkeit ist wie geschaffen, zu diesem Amte und Berufe. Ich kann es jedoch nicht leugnen, daß . der Zeitpunkt zu einer Jubelfeier sehr mal ä propos ist. Soll die Feier eine Bedeutung haben, fo darf nichts Gezwungenes bei derselben sein, und doch dürften freiwillig nur sehr Wenige sich jetzt zu einer Jubelfeier für Sulzer verstehen. Man will nämlich das vierzigste Dienstjahr nicht als ein Jubeljahr betrachten. Der sel. Mannheimer mußte auch warten, bis er 70 Jahre alt wurde. Hoffentlich wird Herr Sulzer wol viel älter, als 70 Jahre. Manche wollen darin ein bloßes Haschen nach Ruhm und Ovationen sehen, da Herr Sulzer mit mißgünstigen Augen der Jubelfeier für den sel. Mannheimer folgte und nicht einmal bei dem Bankette , das damals gegeben wurde, zugegen war. So sehr man. übrigens die Verdienste SulzerS anerkennt, so zeigt man darauf hin, daß derselbe von Kaisern und Fürsten Anerkennung gefunden habe, und auch die Gemeinde und der Vorstand blieben nicht zurück. Schließlich ist nicht zu vergessen, daß das Auftreten SulzerS im verflossenen Herbste im GotteSyause selbst von seinen intimsten Freunden und Verehrern nur entschuldigt, aber nicht vertheidgt werden kann. Endlich ist sich keiner Täuschung darüber .hinzugeben: ׳העולם שרוי בצער die Geschäftswelt führt die bittersten Klagen, wohin man sieht, überast vernimmt man Weherufe. Wie mir versichert ward, soll selten der Karneval so wenig Proselhten gemacht haben, wie Heuer; — und eine solche Zeit ist nicht dazu angethan, Jubelfeste zu feiern- Wir wiederholen es, wir wünschen Herrn Oberkantor Sulzer aus vollem Herzen eine große Ovation, die aber aus freier Initiative der Gemeinde hervorgeht. Arber die neudeuischen von jüdischen Gelehrten bearbeiteten Gibel-Aebersehnngen und Erklärungen für das Volk und die Schule. "Bon Dr. Hochstädter, Bezirksrabbiner und isr. Seminardirektor zu Bad Ems. (S ch l « ß.*) Da> gab inzwischen (1837) der Prediger Salomolt eine bloße Uebersetzung der Bibel ins Deutsche auf schlechtem Druckpapier zu bil.- ligerem Preise heraus, die aber weder für die Schule so ganz wortgetreu, wie die Johlsohn'sche, noch für das Volk so schwungreich und ab, gerundet, wie die Mendelsohn'sche war; und so verzögerte sich immermehr die Fortsetzung der Johlsohu'schen Uebersetzung nnd unterblieb zuletzt ganz und gar. Ich. erinnere mich noch recht gut der mitunter , treffenden Bemerkung, womit Professor Johlsohn meine Anfrage, warum er seine so!brauchbare Bibelübersetzung und Erklärung nicht fortsetzc? beantwortet! hat : ״Nunmehr werden die armen Lehrer und die gewöhnn lichen Leute mein Werk gewiß nicht anschaffcn, da letztere nicht zu un- .uterscheiden wissen zwischen der wörtlichen Terttreue eines Schulmannes, ,,welcher jeden Begriff concis mit dem ihm entsprechenden Ausdruck zu *) S. die vorige Nummer. geben strebt — und zwischen der Paraphrase eines Predigers, welcher einen und denselben Gedanken durch viele Worte und Tautologien breit zu treten gewohnt ist!" ' Bald darauf (1839) erschien die wortgetreue Bibelübersetzung von unserm gelehrten Zunz (im Vereine mit Dr., Sachs und Fürst und dem Schulmanne Arnheim) nebst einer Zeittafel der biblischen Geschichte*) in einer Stereolnp-AuSgabe auf gutem Druck- Papier, ebenfalls zu sehr bistigem Preise, und fand daher dieselbe Gingang in die meisten israelitischen Schulen Deutschlands. Allein für einen deutschen Kommentar zum Gebrauche des gewöhnlichen Lehrers und sonstiger Bibelforscher war bei dieser Ausgabe nicht gesorgt worden, weshalb Dr. Philippfohir (v.J. 1839 an) sein großes Bibelwerk herauszugeben begann, welches splendid gedruckt, neben dem massoretischen, hebr. Texte und einer deutschen Uebersetzung**) einen weitläufigen deutschen Kommentar nebst einer allgemeinen Einleitung und noch besonder״ Einleitungen zu den Hauptabtheilungen und zu jedem einzelnen Buche der heiligen Schrift enthält: dazu wurde diese Prachtbibel mit vielen geschichtlichen, topographischen und naturhistorischen Abbildungen in Holzschnitt ausgestattet. Kein Wunder, daß eine solche Bibelausgabe nicht nur für die Lehrer, sondern auch für kleine und unbemittelte Schulgemeinden zu theuer war, um sich dieselbe anzu« schaffeu.***) Inzwischen (1864) gab Dr. Herxheimer׳, welcher — wie unser einer — von frühester Jugend im israelitischen Schulwesen thätig war, die heiligen. Schriften heraus mit hebräischem Terte, einer wortgetreuen deutschen Uebersetzung, einer eoncisen und doch vollkommen ausreichenden deutschen Wort- und Sacherklärung — wobei die verschiedenen. Ansichten alter und neuer Eregeten berücksichtigt werden — nebst homiletisch benutzbaren Anmerkungen und fügte diesem fleißigen Werke eine allgemeine Einleitung bei, worin das Nöthigste für den Jugendlehrer und Bibelforscher besprochen wird. Durch diese concise Schreibart und mittelst des engen Druckes kommt daö Werk nicht zu hoch zu stehen, und da die in diesem Jahre (1865) erschienene neue Auflage des Pe n t a t e u ch S (״** (תורה*) zugleich *) Sonderbar erscheint es, daß in dieser Zeittafel?Priesterfürsten ausgezählt werden, die nacheinander zwischen Cyrus und Alerauder d. Gr. in Judäa regierten, während es doch nur 6 waren, indem die Namen Jonathun undJochanan einerund derselben Person zukommen (vgl. Hz. Nech. c. 12, v. II. m. v. 22.), und nicht — wie Dr. Zunz annimmt. zweierlei Hohepriester bezeichnet. **) Gelegentlich nur eine Bemerkung zu dieser Uebersetzung: Wenn einerseits die Worte וירקה בסנין (V. Mos. 25, 9.) allzubuchstäblich und' gegen die humane Ansicht der Mischna (Tr. Jebamoth Xll, 6. vgl. hierzu Talm. Jeruschalmi daselbst und die Parallelstclle im Talmnb Babli 39, b.) mit: ״und speie in sein Gesicht" statt: ״und speie vor ihm aus" (vgl. hierzu בסניך V. M. 4. 7f - 24.) übersetzt wird, so wird andererseits das artikellose )נבי^י (das.. 18, 15 18) unnöthigerweise in dem Plural ״Profeten" -übertragen, indem jeder Terlkundige weiß, daß hier keineswegs von einem einzigen und besonder!! Profeten die Rede ist. sondern dies Wort kollektiv zu verstehen sei. Daß christliche Missionäre die Bedeutung von dergleichen Ausdrücken verdrehen, darf uns nicht zur Abweichung von der wörtlichen Treue veranlassen. Dgzu wollte ja Moseö (1. ds. כמני) kein b cso!!derer Sohn Gottes sein, sondern er nennt vielmehr jeden nnd alle OssenbarungSgläubigen ״Kinder Gottes" (בג'□ את□ לד אלהיכם ds. 14, 1. vgl. hierzu II. 4 , 22. und Ps. 2, 7. und 12) dies freilich nur ihrem (religiösen) Geiste zufolge, nie und nimmer aber dem Fleische nach (vgl. hierzu II, 33. 20 nnd Nr. 37 meiner ״religionS-filosofischeii Erläuterungen"'zur ,,biblisch reine» Glaubens- und Pflichtenlehre." ***) Dieses mißliche Vexhältniß suchte indeß Dr. Philippsohn in jüngster Zeit dadurch zu beseitigen, daß er den erwähnten deutschen Kommentar in einem Sonderabdrucke ohne Text und Nebersetzung und ohne Bilder herauszugeben begonnen hat; sowie derselbe für billige nnd korrekte hebräische Bibelausgaben mit und. ohne liebersetzung durch freiwillige Beiträge einer zu Staude gekommenen israelischen Bibelgesellschaft rühmlichst Sorge getragen. , ****) Unter Bezugnahme auf meine Monografie (über DVO) muß hier jedoch bemerkt werden, daß Herr Dr. Hcrrheimer daS Wort שרי)!) (II. M. 36. 1 ) in dieser neuer» Ausgabe minder richtig, als in her früher» Ausgabe ׳'in praeterito ״Und eö machte" übersetzt. Herr Dr. Philippsohn versucht hierbei eine Vermittlung der beiden Ansichten und übersetzt dieses Wort in skilien BibelauSgaben konjnktivisch ״Es,sollte machen", -was aber keinen rechten Sinn, gißt.: ... , ׳;:,