Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 7 (14.2.1866)
- Date
- 1866-02-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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129 130 Schule gegenüber die Stelle der bei den Katholiken bestehenden Diözesanbehörde vertritt, eine ansj drei örtlichen und drei Provinzialmitgliedern bestehende, durch den Schulausseher Fach Anhörung der Gemeinden vorzuschlagende und durch diesen k. Regierungssitz zu ernennende Commission zu setzen, welche der Oberschuldirektor in den, das jüd. Schulwesen betreffenden, Angelegenheiten zu befragen, und falls MeinungSverschiedenheiten obwalten, wol provisorische Anstalten zu treffen, doch die divergirenden Ansichten behufs endgiltiger Entscheidung diesem k. Regierungssitze zu unterbreiten verpflichtet wäre. Die ordnungsmäßige Verwaltung fände nur mit Zuziehung der örtlichen Mitglieder Statt; Provinzialmitglieder wären nur dann zu berufen, wenn Angelegenheiten von allgemeinerem Jntresse oder größerer Wichtigkeit obwalten, oder deren Berufung von den örtlichen Mitgliedern einstimmig gewünscht, oder von der Regierungsbehörde eigens angeordnet wird. Hiedurch könnte nach der ergebensten Meinung dieses gehorsamen Regierungssitzes das Schulwesen mit dem möglichen Einflüße der betreffenden Confeffion ohne Unterbrechung verwaltet werden, sowie andererseits den Anstalten der Regierungsbehörden eine sichere, den Lebensbedingungen entsprechende B.^siö gegeben wird. - Schließlich erlaubt sich dieser gehorsame Regierungssitz, auch die nach Beendigung der Conferenzen von Seiten der Conferenzmitglieder Kalman Pappenheim und Karl Louis Posner, und zwar von Seiten des ersteren betreffs der Er- Haltung der Talmudschulen und der durch Fachkundige zu bewerkstelligenden Untersuchung des Entwurfes bezüglich des Rabbinnerseminars, von Seiten des leztern behufs der Leitung und Oberaufsicht der Schulen eingebrachten Separateingaben, mit Berufung auf seine oben gebrachten, unterthänigsten Vorschläge, Ew. k. k. apost. Majestät zum Be- Hufe allerhöchster Entschließung ergebenst zu unterbreiten. Uebrigens verbleib! dieser k. ungr. Statthaltereirqth der allerhöchsten Gnade empfohlen. Ofen, 17. Juni 1864. Ew. k. k. apost. Majestät ergebenste, ewig getreue Unterthanen und Kapläne: der Präses und die übrigen Räthe der k. ung. Hoskanzlei Ew. k. k. Majestät. ' Franz Pschy. Georg Friedrich. Josef Bach., Prediger der Wer Gemeinde. Geboren 1781, grst. L.. Februar 1888. Die Lebensumstände des verewigten Bach sind in Reich's Beth-El so ausführlich geschildert,, daß eS hinreicht, die Leser d. Bl. darauf hinzuweisen. Der Vollendete hat sich um die Gründung der Pester Tempelgemeinde Verdienste erworben, die ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte der Pester Gemeinde sichern. Als der Cheßed-Nenrim-Verein den ChorgotteSdienft einführte, 1829, gab eö in Ungarn, ja in der österreichischen Monarchie mir äußerst Wenige, die im Staude waren, selbst eine gegebene Predigt mit Anstand > vorzutragen. Zu diesen Wenigen gehörte Bach, der die Bedürfniffe seiner Zuhörer durch eine lange Reihe von Jahren vollkommen befriedigte, und sich als Prediger eines guten Rufes erfreute. Die von ihm erschienenen ״homiletischen Erstlinge" sind für die Kulturzustände der Zeit, n welcher sie erschienen, sehr charakteristisch. Sie sind aber eine wahre Rarität geworden. Die Pester Gemeinde hat bei dem Leichenbegängniffe ihres Heimgegangenen Predigers ihre Verehrung für denselben auf die unzweideutigste Weise an den Tag gelegt. Friede seiner Asche! Wiener Griefe. n. (Schluß.*) Wien, Ende Jäner. Wenden wir UNS nun von den materiellen Angelegenheiten ab, und richten wir unser Augenmerk auf die geistigen Fragen. Wien wurde von seinem größten Dichter der Neuzeit, Grillparzer, das Capua der Geister genannt. Was von Wien, im Allgemeinen gilt, gilt auch von der israelitischen Kultusgemeinde insbesondere. Man kann noch so sehr eingefleischter Wiener sein, so wird man doch dieser Gemeinde nicht nachsagen können, daß sie die geistigen Interessen des ZudenthumS — wir wollen nicht sagen in hervorragender — aber doch-in genügender Weise, wie dieses der ersten Gemeinde des Reiches zukäme, unterstütze. Bis in die neueste Zeit, so lange die Judenfrage auf politischem Gebiete an der Tagesordnung war, da hat die Wiener Gemeinde ihre Pflicht gethan. Seit jener Zeit ruht sie auf ihren Lorbeeren. Sie begnügt sich mit dem Bewußtsein, der neuen gorteSdienstlichen Ordnung die Bahn frei gemacht, (um mit dem neuen offiziellen Style zu sprechen), und den Kampf für die Gleichberechtigung der Juden, fast bis. zu Ende gekämpft zu haben. Für jüdische Wissenschaft hat sie jedoch dis auf den heutigen Tag kein Interesse. Was gilt ihrHekuba? Mit vieler Befriedigung begrüßte man in dem Kreise, der Sinn und Berständniß für jüdische Wissenschaft hat, die Ernennung des Herrn Dr. Jellinek zum Prediger der Gemeinde. Und in ver That hat er manchen bereits zu wissenschaftlichen Arbeiten angeregt. Seine bedeutendste Leistung auf dem Gebiete ist das JnSlebentreten des Bet-Hamidrasch., Wir haben große Hoffnungen an dasselbe geknüpft. Nicht etwa, daß wir glaubten, wir haben es hier mit etwas Fertigem zu thun, und das Institut werde sofort mit dem Breslauer Seminar wetteifern — wozu ihm auch die materiellen Mittel fehlten; aber wir meinten, daß der zarte Sprößling sich zum kräftigen Baume entwickeln werde. Nun besteht das Institut beiläufig drei Jahre. Es hat während der Zeit die kaiserliche Sanktion erhalten, die Statthalterei genehmigte die Staturen, aber die Anstalt ist nicht im Fortschreiten begriffen. Herr Dr. Jellinek suchte nach'verschiedenen Seiten hin zu befriedigen. Er richtete im Laufe deS Winter jeden Sabbath Abends populäre Vorlesungen ein. Da jedoch bei diesen Vorlesungen weder die Gallmayer cancanirt, noch die Wolters deklamirt, noch die Couqui tanzt, so werden dieselben nur sehr wenig besucht, mindestens die sogenannten bessern Kreise halten sich von denselben ferne und doch sind wir überzeugt, daß, wenn manche dieser Vorlesungen im Redoutensaale oder im MusikverereinSsaale gehalten würden, sie ein dankbareres Publikum fänden. — Wir bedauern diese Thatsache. doch legen wir ihr keine zu große Bedeutung bei. Wir betrachten in erster Linie das Bet-Hamidrasch als ein LehrhauS im engern Sinne des Wortes, als eine wirtliche Schule, und da scheint «S uns, daß man nicht genau der Sache Rechnung trägt. Eg find Lektoren da, wir verlangen jedoch Präceptores, Lehrer, im eigentlichen Sinne des Wortes, und. Schüler. Die Herren, die Vorlesungen halten, find ganz vortreffliche Männer, der hochachtbare und sehr bescheidene Gelehrt» Ehacham Rüben Baruch. Frirdmann, Weiß und Dr. Jellinek. — Kennen die Herren jedoch ihre Schüler? Wer will, kommt, und wer nicht will, unterläßt eS. — Wir bekennen aufrichtig, wir glauben nicht, daß dieser ' •)6. di» vorige Nummer.