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Ben Chananja · 1866-02-07 · 6 (7.2.1866) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
6 (7.2.1866)
Date
1866-02-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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113 114 Ich muß mir übrigens bei dieser Gelegenheit auch einige Worte über die JahreSrechnung, wie sie hier veröffentlicht wird, erlauben. Der undefangene Leser wird ans den angeführten Zahlen nicht recht klug. Zn Wien wird bekanntlich allüberall Trinkgeld bezahlt: im Gasthause, Kaffeehause 1c. Auch die Diener und Beamten der Wiener Gemeinde, der Todtengräber und Tempeldiener bis hinauf zum Prediger find auf das Trinkgeld nie, derer oder höherer Kategorie angewiesen. Und ebenso wie der Kaffetier und der Gasthausinhaber dem sogenannten ״Zählkellner" oder ״Zahlmarquenr" — eine Spezies, die man im sogenannten Deutschland nicht kennt — den Salair schmal bemessen, weil fie Trinkgeld bekommen, so wird auch hier der Gehalt der Beamten und Diener der Gemeinde in der Weise bemessen, je nach den Emolument.«, die sie wirklich oder vermeintlich genießen. Es wäre sonst unbegreiflich, wie man den Gehalt der Prediger mit 2000 fl. firiren kann, da thatsächlich eine Familie, die anständig leben will, ohne Sprünge zu machen und sich etwa Equipage zu halten, mindestens 3000—4000 fl. jährlich braucht. Dabei darf eine derartige Familie nicht etwa ein Haus machen oder von Zeit zu Zeit Leute bei sich zu haben. Indessen, die verehrlichen Mitglieder des Vorstandes, die in ihrem Hause jährlich 20.000—30.000 fl. und noch mehr brauchen, mögen sich denken, der Prediger soll ein asketisches Leben führen und kein החי *im essen, da einige derselben in Folge der Trichinen sich auch vom Genuß der Schinken zurückhatten. — Eine fernere Lücke dieses Rechenschaftsberichtes ist, daß man kein klares Bild über die materielle Stellung der Beamten erhält. Man tollte doch glauden , daraus erfahren zu können, in'welcher Weise die Beamten der Gemeinde in Beziehung auf ihr fires Einkommen gestellt find; doch in der Richtung gibt der Bericht am asterwenigsten Aufschluß, bei keinem Beamten ist angegeben, ob derselbe eine NaturalwohnuNg habe, oder eine« Beitrag zum Miethzinfe erhalte 1c.. wie dieses überall der Fall ist, wo überhaupt Rechnungsausweise vorgelegt werden. Um einen eklatanten Fall anzuführen, will ich des Gehaltes des Verwalters des isr. SpitaleS, Herrn Dr. B. Wölfler, gedenken. Derselbe beträgt 630 fl. jährlich. Zeder, der mit Wiener Verhältnissen auch nur theilweise vertraut ist, wird zugeben, daß dieser Gehalt eine Familie kaum vor dem Verhungern schützt. Dazu muß man bedenken, daß der Spitalsverwalter nicht irgend einem Nebenerwerbe, nachgehen kann, er muß Tag und Nacht auf dem qni vive stehen und Zeder, der Herrn Dr. Wölfler kennt, oder wer einmal hier im Spitale in Behandlung war, weiß es, mit welcher Treue und Pünktlichkeit der Mann seine Pflicht erfüllt. Und trotz alledem nur 630 fl. Gehalt? Hat wirklich der Vorstand der Wiener Gemeinde das Herz dazu, einen derartigen Beamten geradezu darben zu lassen? — Zch gestehe aufrichtig, der Casus interessirle mich »nd ich suchte nähere Informationen darüber einzuholen und diese waren befriedigender Natur. Herr Dr. B. Wölfler hat nämlich Naturalwoh« nung, Holz, Licht, Kost, Wäsche ,c. und überdies parlizipirt.er bei dem Mazzoigeschäfle, welches einen nicht unbeträchtlichen Nutzen abwirst. Unser aufgeregtes Gemülh beruhigte sich m Folge dieser Informationen- Wir fragen jedoch: wäre es nicht ehrenhafter für die Gemeinde und ehrenhafter für den vortrefflichen Herrn SpitalSverwalter, wenn daö wahre Einkommen und nicht der Bettelpfennig — im Ausweise ver, zeichnet wäre? Wir wollen in dieses Gebiet nicht weiter eindringen und über den Werth der Zahlen, die man sonst als die besten Beweismittel hält, wie sie hier figuriren, kein Urtheil fällen- Dem neuengagirten Prediger wünschen wir jedoch, daß er sich keinen Zllustonen hingebe. Zn Geldsachen hört die Gemüthlichkeit auf und die Gnttäuschnng ist dann *sehr schmerzlich. (Schluß folgt.) Leber die neudeutschen von jüdischen Gelehrten bearbeiten Gibel-Uebersehungen und Erklärungen für das Volk und die Schule. Don Dr. Hochstädter, Bezirksrabbiner und isr. Seminardirektor zu Bad EmS. Unter Bezugnahme auf meine in den Nummern 3V und 40 vorigen ZahrgangeS dieses Blatteveröffentlichte Monografie (über lYirnr© «Mb סתומות) — worin ich den Einfluß hervorhob, welchen diese uralten Absätze auf dir verbale und reale Exegese der heiltgen Schrift beanspruchen, und wie wenig selbst israelitische Bibel- Übersetzer und Erklärer der neuern und neuesten Zeit diesem Verhältniß Rechnung trugen, — möchte ,ich nunmehr eine kurze Uebcrschau über diese neudeutschen Uebersetzungeu und Erklärungen halten.*) Es ist allgemein bekannt, welche eminente Wirkung Mendelssohn's erste neubeul > che Ue Versetzung des Pentateuchs (תה״וז) und der Psalmen (תחלים) — anfangs der achtziger Jahre im vorigen Jahrhundert — auf die Sprachreinigung der deutschen Israeliten und auf die Entfernung ihrer durch langwierigen mittelalterlichen Druck angewöhnten Jargons gehabt hat; so daß nicht nur dessen gelehrige Schüler und Nachfolger, welche die Uebersetzung der übrigen Bücher vollendeten, sondern auch die Jugend in den gewöhnlichen Privatschulen (תדירים) gleich ihren hierin unwissenden Lehren! die deutsche Mutter« spräche erst aus dieser hochdeutschen wohlklingenden Uebersetzung erlernten und beziehungsweise nachahmten. Ebenso bedeutend war der hebräische Kommentar (ביארו״) , womit Mendelssohn «nd feine Zeitgenossen — Dubno, Wessely, Homberg und A. — und nach ihnen die Ucbersetzer der übrigen heil. Schriften jsvie Biuristenj diese deutsche׳ Uebersetzung begleiteten; er war von großem Einflüsse auf den reinhebräischen und biblisch richtigen Ausdrucke der ihnen folgenden jüdi« scheu Gelehrten gegenüber dem Gemisch von hebräischen und chaldäischen, talmudischen und rabbinischen Worten, wodurch Ul der unkritischen Lehrweise der letzten drei Zahrhunderte der schriftliche Styl derselben entstellt war. Mendelssohn lind die ihm folgende Biuristenschule übertrugen jedoch die heiligen Schriften ins deutsche zunächst fürs Volk, und nicht gerade für die Schuljugend. Sie strebten darum minder nach präziser Worttreue, als vielmehr nach einem dem Urterte entsprechenden Sinn, den die abgerundete VerSübersetzung wiedergeben soll; was fie auch in ihrem hebräischen Kommentar für den dieser Sprache Kundigen — und deren gab eS in damaliger Zeit gar viele unter unfern Glaubensgenossen — jeveSmal zu rechtfertigen suchten. Als darum im Lause der Zeit durch das Streben nach allge« meinen sprachlichen und realen Wissenschaften die Vertrautheit mit der rabbinischen Literatur unter unfern deutschen Glaubensgenossen nicht mehr so verbreitet war, wie ehedem, als ferner allenthalben ge, ordnete Schulen auch für die israelitische Jugend entstanden, die ihre Unterrichtszeit zum größer« Theile den vorgeschriebenen Elementarkenutnissen widmen mußten, wodurch sie für jene Literatur keine Zeit erübrigten; als man sich endlich aus Mangel an Schullehrern mit solchen Lehrkräften begnügen mußte, welche die elementaren und sonst unentbehrlichen Kenntnisse methodisch mittheilen konnten, ohne daß sie beim Bibelunrernchte aus den hebräisch geschriebenen eregetischen Schriften die Uebersetzung zu rechtfertige» und die Erklärung schwieriger Stellen zu begründen wußten,, ward das Bedürfniß nach einer wortgetreuen Bibelübersetzung für die ijr. Schule, Familie und Gemeinde, verbunden mit einer dentschen Erklärung der sprachlich und-sachlich schwierigen Stellen auch füc.den gewöhnlich Gebildeten immer sichtbarer, und so gab denn Anfangs der dreißiger Jahre der mit den hebräischen und talmudischen Kenntnissen vertraute Lehrer Iohlfohn eine solche wortgetreue **) Uebersetzung des Pentateuchs auf Schreibpapier heraus und begleitete dieselbe hie und da mit den allernöthigsten deut» schen Erklärungen. Es dauerte über ein Lustrum, bis von demselben *) In diesem Referat werden vorzugsweise jene Bibelübersetzungen besprochen, die sich über die ganze h. Schrift erstrecken, oder minvestens so projektirt waren- Es sind übrigens seit Mendelssohns Zeit einzelne Abtheilungen und einzelne Bücher der Bibel von gelehrten Jsraeliren mit vielem Geschick theilö deutsch übersetzt und hebräisch erklär! (wie z. B. das von I. Heinemann mit dem hebräischen Tert und der chaldäischen Paraphrase Jonathan herausgegebene Buch Jesaia u. dgl. m.) und thrilS auch deutsch erklärt worden (wie z. B. das von Morlz Löwenthal mit hebräischem -Texte und deutschen Einleitnngen herauügegr. bene Buch Job, (welche beide nach mosaischen Schriften hinsichtlich ihrsS poetischen Gehalts bekanntlich die erhabensten und am .schwierigsten zu erklären find.) ' . •*) BloS die dichterischen Stellen in den sonst prosaischen Schriften des Pentateuchs und der geschichtlichen Bücher der ersten Profeteu sind metrisch übertragen; gleichwie die ebenfalls wortgetreue chaldäischc Thora-Uebersetzung (von Onkeloö) vergleichen Stellen midraschartig paraphrastrt.

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