Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 5 (31.1.1866)
- Date
- 1866-01-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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23 24 Dampfbäder in der talmudisclieiL Zeit Einen, vor längerer Zeit in der Allgemeinen Wiener medicinischen Zeitung erschienenen Artikel, leitet Dr. Eduard Segel mit folgenden Worten ein: ״In den Provinzen des ehemaligen Polen gibt es fast keine Stadt, wo nicht die Israeliten ihr eigenes Dampfbad hätten. Der Gebrauch der Dampfbäder, wenigstens einmal wöchentlich, gilt da den Juden gleichsam als religiöser Akt, den zu befolgen sie von den Altvodern übernommen haben sollen. Gestützt auf diese Wahrnehmung, wie auf die Angabe mancher Historiker, dass die Juden fast gleichzeitig mit den Warägern auf dem Territorium des heutigen Russland erschienen sind, wollen nun manche den Beweis führen, dass es Jene waren, welchen schon im 9. und 10. Jahrhunderte den Gebrauch des Wassers in Dampfform im Norden Europa’s einführten, während nach der Behauptung Anderer dieses Verdienst den Warägern gebühren soll." Einen sehr beachtenswerthen Beitrag zur Entscheidung dieser Streitfrage dürfte der Umstand liefern, dass die Juden lange vor ihrer Einwanderung in Russland, spätestens im zweiten Jahrhunderte der ehristl. Zeitrech־ nung, bereits das Wasser in Dampfform zu Bädern gebrauchten. Im dritten Jahrhunderte war das Dampfbad bereits Gegenstand sabbatlicher Gesetzesvorschriften. Die talmudisehen Quellen berichten nämlieh: ״Anfangs nahm man am Sabbathe Bäder, wozu das Wasser, das am Sabbathe nicht gewärmt werden darf, vor dem Sabbatlie gewärmt worden war. Da aber die Badinhaber sich in der Folge kein Gewissen daraus machten, das Wasser auch am Sabbathe wärmen zu lassen, untersagten die Schriftgelehrten das warme Bad am Sabbathe überhaupt, den Gebrauch des Schwitzbades noch immer frei gebend. Nachdem aber manche diese Lizenz missbraucht hatten, um die Badlokalitäten zu besuchen und daselbst warme Bäder zu nehmen, wurde das Verbot auch auf die Schwitzbäder ausgedehnt. Die warmen Quellen zu Tiberias standen jedoch nach wie vor auch dem sabbatlichen Gebrauche offen, bis die Erfahrung lehrte, das manche in gewärmtem Wasser baden, vorschätzend, sie hätten ein naturwarmes Bad genommen. Solchergestalt konnte endlich am Sabbathe nur kalt gebadet werden. Das badende Publikum war aber nichtsweniger als geneigt, sich diesem Rigorism zu fügen, und die Schriftgelehrten mussten sich entschliessen, den sabbatlieben Gebrauch der Tiberias-Quellen wieder frei zu geben. Die Prohibition des Schwitzbades blieb jedoch in Kraft.“1) Die Waräger sind wohl nicht im Stande, ein 80 altes Zeugniss für den Gebrauch der Dampfbäder bei ihren Ahnen zu produziren. Der Talmud berichtet ausdrücklich, dass man sich nach dem Schwitzbade mit kaltem Wasser abgekühlt hat. Selbst das Frottiren und Bürsten wurde schon bei den alten jüdischen Dampfbädern angewendet2) und war der Luxus hierin so weit gediehen, dass silberne Striegel gebraucht wurden, was auch bei den Römern geschah (argentum balneare). Den Russen gegenüber können sich mithin die Juden allenfalls der Priorität im Gebrauche der Dampfbäder rühmen, ohne jedoch behaupten zu können, dass sie dieselben erfunden haben. Die Schwitzbäder waren auch den Griechen in früherer Zeit bekannt: av^iai, itvQiariiQia, und das Begiessen mit kaltem Wasser nach dem Bade war auch ihnen bekannt. Die wichtigsten Prinzipien der thalmudisehen Balneologie mögen hier noch angeführt werden. 1. ״Wer warm badet, ohne zugleich ein warmes Getränk zu sich zu nehmen, gleicht einem Ofen, der nur von Aussen, und nicht von Innen geheitzt wird." Man glaubte, dass die durch das Bad zu erzielende Erhöhung der Temperatur im ganzen Körper gefördert werde, wenn der Badende auch ein warmes Getränk zu sich nimmt. 2. ״Wer ein warmes Bad nimmt, und es unterlässt, sieh unmittelbar nach demselben abzukühlen, gleicht einem Eisen, das man im Feuer geglüht hat, ohne es nachher in’s kalte Wasser zu tauchen.“ Das Wasser, erläutert Rasclii, dient dazu, das Eisen zu stärken. 3. ״Wer es versäumt, sich nach dem Bade zu salben, gleicht einem Fasse, das nur äusserlich mit Was-