Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 5 (31.1.1866)
- Date
- 1866-01-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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99 100 Lorrespon-en). Ausland 8. Jerusalem, im Jäner. Die Epidemie ist gottlob au« ganz Speien gewichen. Don allen Seiten;führt man Lebensmittel der heiligen^Stadt zu, nur leider sehr theuere. Doch läßt sich auf gedeihliche Ruhe und Entwicklung hoffen, indem wir Jerusalem den wohlthätigen Herzen empfehlen. So wäre es jetzt an der Zeit, der Anstalt zum Aufbau der Armen-und Pilgerwohnungen; unter die Arme zu greifen. Fünf ungarische Familien wohnen, jetzt schon, unentgeltlich in diesen Wohnungen. — Der hier verstorbene Rabbiner hieß nicht Samuel, sondern Sundel Salant. — Man hofft, daß die Regierung Sr, Majestät des Sultan« der Beschaffenheit der hiesigen Straßen und Platze mehr Aufmerksämkeit schenken werde, als bisher geschah.? Ll. Lveffa, 6n Jäner. Das hiesige jüdische Spital gehört zu den großartigsten jüdischen WohlthätigkeitSanstalten. Es ist für 140 Kranke vollständig eingerichtet. Der Baudanerte 2 Jahre und 4 Mouate. Die Herren RaifalowitS, Jsr. Freimann, Wolf Steinberg, Jsr. Elk. Ronis, Juda Hessen, Herz Lulky , Jak. Augmann, B. Abramo w, M. H. Rodel, Js.Kaufmann haben sich um die Gründung des Spitals die meisten Verdienste erworben.'Der Architekt Lyubenkow hat den Bau geleitet. Am 10. (23.) Okt. v. I. hat die feierliche Einweihung des Spitals in Gegenwart eines zahlreichen Publikums stattgefunden. Dr. Schwabacher hielt die Einweihungsrede unter freiem Himmel in deutscher Sprache. Auch die Doktoren Löwensohn und Drei hielten Reden. Am Tage nach der Einweihung schickte ei» Ungenannter dem Spital- Vorstände 1500 Rubel; die Frau Mina Efrußi sendete 200 Rubel. Die Spitalvorsteher, Herr Salomo« Barmas und Herr Eleazar FodseS perwaltm ihr Amt mit unermüdlichem Eifer; dasselbe muß den Spirqlärzten nachgerühmt werden. L. Breslau, 21. Jäner. Zu den Gemeinden, die die Hörer d.es-SemiyarS durch Jahresbeiträge unterstützen , ist eine neue Hinzuge - kommen. Aus Landsberg an der Warthe wurden durch den Rabbiner Dr. Klemperer dem Direktor Frankel öO.THaler übermittklt, die. elfterer in Folge einer ״die Pflege der Wissenschaft einst und jetzt" behandelnden Predigt von mehreren Gemeindegliedern erhielt. Ein lo umfassendes Studium, wie das dem jüdischen Theologen heute nolhwendig obliegende, erfordert den ganzen Menschen, die ganze Zeit. Selten aber sind die ״Söhne der Armen", aus denen sich ja zumeist die Theologen rekruliren, in der Lage, lediglich ihren Studien die Zeit widmen zu können. Sie müssen die leidigen ״Stunden.Lektionen" geben, nm nur ihr Leben zu fristen — daher das Große der Wohlthat, die durch solche Spenden am Seminar geübt wird. Der Gemeinde Landsberg sei darum ein aufrichtiger Dank, gebracht. Gestalten Sie mir, verehrter Herr Redakteur, da ich gerade von L. berichte, Ihnen.einen Mann zu nennen, der eü verdient, von jedem Israeliten auch Oesterreichs gekannt und genannt zu werden. Es ist dies — wir vermutheu, der auch bei obiger Spende zu - meist Betkeiligte — hier in Breslau wie in Preußen überhaupt rühmtichst bekannte seltene Äohlthäter Ritter Benni Burchardt, Stadtrath in L. a. W. Die unter Ihren Lesern öffentliche Berichte über jüdische WohlthätigkeitSanstalten in Deutschland lesen, haben gewiß den Namen B. Burchardt niemals vermißt. Der Mann wirkt Großes still und gerauschlvö. Er übergab vor Jahren dem Ministerium veS Unterrichts die Summe von 4000 Thalcrn, um mit ihrem Ertrage jüdische Künstler und das k. Gewerbeinstitut Besuchende zu unterziehen. Der Kommune ,eines Au,en1haltSorteS übergab er zu ähnlichen Zwecken 1000 Thalcr. Dem Gymnasium und anderen Anstalten desgleichen beträchtliche Snmmen — und das Alles, ohne auch nur eine Feder in Bewegung zn setzen, geschweige denn eine RuhmeSposannc. Die Gnade des sel. KöuigS hat ihn zum Rttter des rothen Adlerordens 4. Klasse erhoben, den bisher nur wenige Juden erhielten. Seit 30 Jahren ist der Mann Leiter, erster Vorsteher der Gemeinde, wie aller wohlthätigen Gemeindranstalten und intereffirt sich warm und eifrig für Alles, was Inden mH Judenthum betrifft. Gewiß, Sie öffnen mir gerne die spalten Jhssr geschätzten Blätter,, so oft ich von einem solchen Manne Ihnen berichten kann — und stimmen mit mir in dem Wunsche überein.. der i mich zum Ausgangspunkt meiner heutigen Korrespondenz znrncksührt. ~ Möge die Zahl der Gemeinde» immer mehr und mehr wachse«^ die sich für die jungen Theologen, die Stützen der Zukunft, intereffiren; — möge das Seminar, wie in Dr. Kl., sowie in allen seinen Hörern solche Dankbarkeit und Treue sich erziehen! H BreSlqU, 21. Jäner. Rabbiner Dr. Goldschmidt au» Leipzig ist vom Vorstande des Vereins für die Verbreitung der Wissenschaft des ZudenthumS für einen Vereinsabend gewonnen worden, Er spricht morgen über ״Leffing und seinen Einfluß auf die Juden." Ich berichte Ihnen nächstens über den Inhalt des Vortrags. G. BreSlatt, 28. Jäner. Das Seminar beging heute seine - zwölfte Stiftungsfeier. Entlassen wurden: Dr. A. Frank, H. Groß, De. S. Michaelis. Zu Rabbinern und Predigern wurden im verflossene« Jahre berufen: Dr. I. Bamberger nach Königsberg in Preußen, Dr. I. Wallenstei» nach Danzigs Dr. I. Glück nach Samter. An die Stelle des mit Tode abgegangeneu Kurators I. Prinz trat weck. Dr. I. Lobethal. Am Seminar wirken als Lehrer: Frankel, Bernays, Grätz, Zuckermann und Freudenthal. Das Rabbinerseminar zählt 58 Hörer, und zwar: 28 Preußen. 20 Ocsterreicher, 1 Würtemberger. 3 Badenser, 1 Hannoveraner. 1 Lippe-Detmolder. 1 Niederländer, 1 Russen, 2 Polen. Das Lehrerseminar zählt 8. Hörer, welche sämmtlich Preußen find. Kantor Deutsch leitet den Gesangunterricht im Rabbiner- und Lehrersemiuar. Den Preis für die beste Lösung der Lehmann'schen Frage: ״Die Fortbildung der hebräischen Sprache in der Mischna in realer und formaler Beziehung" erhielten Z. Levy und A. Stein. An Wohlthätern hat es dem Seminar anch in diesem Jahre nicht gefehlt,Was Programm nennt folgende Namen: B. M. Marck, Frau Direktor Frankel. I. Prinz, I. Zegler, W. Schiff, Dr. Lobethal. S. K. Frankel, HM. Rosenberg, die Gemeinden zu Prag, Wien, Krakau. Beuchen, die böhmischen Landgemeinden, ferner zur. Dr. Otto Friedländer , hse Familie Sam. F. Goldberger und Söhne; endlich den. Magistrat zu Hildesheim und die Samson-Selig-Goldschmidl'sche Stiftung. Möge das. treffliche. Seminar auch fortan blühen und gedeihen! A. E. äScrftit, Ende Jäner. Die in Nr. 3 d. Bl. bereits gemeldete, von einem aus 16 Personen bestehenden KomitS ausgeführtr Nachfeier des 70jährigen Geburtsfestes des Herrn RabbinatS-AffefforS G. Rosenstein wurde am 10. hier im Saale der Gesellschaft der Freunde begangen. Gegen 350 Personen hatten an dem Festmahle theilgenommen, und viele Gesuche um Zulassung zu der Feier mußten, aus Mangel an Raum zurückgewiesen werden. Unter den Gästen befanden sich außer vielen anderen jüdischen Gelehrten vier jüdische Profesforen, die Herren DD. Steinthal, Jaffü, Traube und Roseusteiu. Der Gefeierte und dessen Gattin wurden von einer Deputation aus ihrer Wohnung abgeholt. Bei ׳ihrem Eintritte in den Saal erhob sich die ganze Versammlung von ihren Sitzen und Fanfaren schmetterten ihnem den Gruß entgegen. Unter der Direktion des königlichen Musikdirektor» LewandowSki intonirte der Synagogenchor mit Orchesterbegleitung den Vers ברוך הבא בשם רד (Ps. 118. 26). Darauf wnrde eine meisterhaste, von Dr. David Cassel abgefaßle und von LewandovSki komponirte Festkantate gesungen, und Dr. Apolant hielt die Festrede, die das Leben des Jubilars und seine 40jährige Wirksamkeit in der hiefigen Gemeinde zeichnete. Während der zunächst eröffneten Tafel folgte ci»em von LewaMotpshiz in Musik! gejetzZen Liede ״dem ein Toast auf Se. Majestät den König von dem Vorsitzenden des Festmahles, Herrn William Schönlank: auSgcbracht. Nachdem die ebenfalls von Lewandowski komp. Verse צדיק כתמר יפרה u. s. w. (Ps. OL nxtr.) vorgelragen wurden, brachte Prof. Dr. Steinthal den zweiten Trinkspruch aus den Jubilar aus, wobei er in einer längen» Rede den Geist des JudenthuniS behandelte. Gin von LewandowSki nach hebräischen Melodiken für Pianoforte und Violine kompouirtes Duo wurde vom׳ Konzertmeister Rehfeldt und dem Komponisten vorgetragen. Prediger Dr. Apolant hatte den Gemeindebehörden ein schönes Gedicht gewidmet, worauf der dritte," von Dr. S. ,Badt auf diese ausgebrachte Trinkspruch folgte. Nach-einem von Maerkcr abgefaßten und von LewandowSki tomponirte» Gedicht ״den Damen" brachte Herr Mar Rosenberg de« vierte« Trinkspruch auf die Frauen und besonders auf die Gemalin des Jubilars aus. Von den vielen andern freien Trinksprüchen ist namentlich der von Dr. Zunz dem Sohne des Giksrierteu, Pros. Dr. Rosenftriue