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Ben Chananja · 1866-01-24 · 4 (24.1.1866) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
4 (24.1.1866)
Date
1866-01-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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71 Einrtchtung des Talmuds gar keinen.Begriff.hat; der Inhalt desselben ist ihm vollends unzugänglich. Verschweigen kann ich aber nicht, daß die'fragliche Vorlesüiig im ©ddttc des Kultusministeriums gehalten wurde. Welche Kultur in einem Kultusministerium! wird man im Auslande sagen. Sehr viele unter den Zuhörern des Herrn Professors sind in der Literaturgeschichte nicht so bewandert, um zu wissen, daß! Shakespeare anno 1616 gestorben ist; durch die Vorlesung wurden sie hierüber nicht belehrt. Die guten Leute verließen also den Saal des Kultusministeriums in dem Glauben, der Dichter des Kaufmanns von Venedig sei,ihr Zeitgenosse , der bei seinen Landsleuten, den Engländern, deshalb in so hohem Ansehen steht, weil er sie gegen die Juden hetzt. Daß der Kaufmann von Venedig eine Kompofitton des 16. Jahrh. ist, die die heutige gebildete Welt mit. von der ästhetischen Seite würdiget, fällt diesen Leuten nicht im Traume ein. Ihnen ist ihr Prof. Hisdu ein zweiter Shakespeare, da er eS ja so gut versteht, Erbitterung gegen die. Juden zu provoziren. Die Hisdu-Enthusiasten werden ihren HeroS wol gar über Shakespeare erheben, und der Herr Prof. HiSdu selbst wird sich gewiß nicht wenig wunder», wie er zu all dem Ruhme gekommen ist. Er wird es daher verschmerzen können, wenn man ihn im gebildeten Auslande für einen ganz gemeinen Judenfeind hält, der das Werk eines großen Dichtergenies mißbraucht, um mit dessen Hilfe die niedrigsten Leidenschaften aufzuregen. Die hiesigen bürgerlichen Zustände der Juden sind wirklich bis zur Verzweiflung trostlos. Nicht genug, daß jeder Fortschritt unterbleibt, es werden sogar Rückschritte gemacht. Professur und Advokatur, die früher den Juden zugänglich waren, sind es in Folge eines Beschlusses des Statsrathes nicht mehr. Und dennoch wagt man, Angesichts Europas von Kultur und Zivilisation, von Freiheit und Fortschritt zu reden. Die gebildeten Rumänen in Ungqrn sollten ihre hiesigen Stamm- und Glaubensgenossen belehren, daß es eine Schmach für ein gebildetes Land ist, die Unduldsamkeit und den Fanatismus, die schon den Einzelnen herabwürdigen, durch die Landesgesetze zu sanktivniren. Das in Pest erscheinende, Blatt ״Concordia" würde nur seiner Mission und Aufgabe, seiner Tendenz und seinem Namen entsprechen, wenn es seine Stimme zu Gunsten der vollen Gewissensfreiheit in den Donaufürftenthümern erbeben würde. Möchte dieser brüderliche Zuruf aus dem in seiner Freiheit neuauflebenden Ungarn nicht lange auf sich warten lassen! Wanken Wer -ie versalsnng jüdischer Mus־ gemeinden, kesanders in Ungarn.*) IV. ES war ein eigenthümlicher Zufall, aber auch nicht Mehr, daß die Verhandlungen des ungarischen Reichstags über die Judenfrage und selbst über die inneren Angelegenheiten der Juden unmittelbar auf die Pakser Versammlung folgten. S. Nr. 1. 2. 3. 72 Der Reichstag war am 20. Mai 1813 eröffnet worden. Die Verhandlungen wurden aber von so brennenden Fragen, ׳;:—kirchliche Wirren in Ungant und nationelle in Kroatien; Kriminalkoderund Gefängnißwesen; Organisation der kön. Freiftädte; Avitizität und Kreditinstitut; die Reinkorporirnng mancher LandeStheile und die Union mit Siebenbürgen; die Zölle und die Eisenbahn nach Fiume; — in Anspruch gegenommen, daß die Judenfrage erst spät zur Sprache kam. Auch hatte dieselbe in den letzten Jahren einen traurigen Umschwung erfahren. Während am vorhergehenden Reichstage mehr denn vierzig Komitate für die vollständige Emanzipation gestimmt hatten, gaben jetzt nur dreizehn in diesem Sinne ihre Stimme ab: Ung, Borsod, Bi Har, Märmaros, Csongräd, Bäkes, Csanäv, Teures, Torontäl, Z a l a, Z o h l, Pest, T o l n a. Man muß es aber den freisinnigen Männern der Minorität nachsagen, daß sie den Gegnern der Emanzipation mit gebührender Energie entgegentraten. Die Debatte begann am 6. September 1814 in der Zirkular- oder Zirkel-Sitzung*), und wurde an den folgenden Tagen fortgesetzt. Am 7. September erklärte ein Ab legal die vorhandene Antipathie gegen die Juden, indem er auf die Antipathie der Engländer gegen die Irländer hinwies. ״Es ist", sagt er, ״traurig aber wahr: das Gefühl der verübten Ungerechtigkeit verwandelt sich endlich in Haß. Und je mehr Pflichten wir gegen einen Menschen vernachlässigen; je größere Ursache wir ihm zur Gegnerschaft geben: desto erzürnter werden wir gegen ihn. Zuletzt betrachten wir jene Gegnerschaft und die Fehler, die wir selbst groß gezogen haben, als die Quelle unseres Haffes. Für eine solche psychologische Erscheinung halte ich die Antipathie gegen die Juden, die mit den Vorurtheilen nicht schwilldet, sondern durch unsere eigene Ungerechtigkeit wächst!" Ein Anderer sagte im Flusse seiner stiebe: ״Ich denke an das Volk, welches, wie Spreu zerstreut auf allen Theilen der Erde, so viel geduldet und gelitten hat; und wenn Standhaftigkeit in Leiden, wenn ein ausdauernder fester Geist Achtung erreget, so kann inan, glaube ich, nicht ohne Pietät Hinblicken auf das Volk Israel. Die Leiden vieler Jahrhunderte haben ein festes Baud um dieses Volk geschlungen, und eS zusam menh al ten gelehrt: eine Tugend, die wir nicht besitzen, und die wir ihnen daher zum Verbrechen anzurechnen bereit sind." — Ferner: ״Man sagt: sie sollen sich zuvörderst mit uns verschmelzen, was so viel heißt: sie sollen zuvörderst von ihrer Religion Abschied nehmen., Ein sonderbares Verlangen in diesem Jahrhundert, mit dessen Namen wir stolziren, und auf dessen Stirne wir Duldung, Ansklärung, Menschlichkeit lesen. Und noch sou- *) Diese Schlinge!, halten in früherer Zeit, nur den Charakter von Privatfonfereujen. Im Jahre 1790 hielten die KomitaiSablcgaten der vier Bezirke oder Zirkel , — diesn»d jenseits׳ der Donau, ׳'dies'? und jenseits der Theiß?— in vier verschiedenen Lokalitäten ihre Be?, sprechungen, Im Jahre 1802 versammelten sich die Dona».Ablegalen an einem, die Theiß-Ablegaten an etilem andern Ortei Später hielieis Alle gemeinschaftliche Sitzungen. welche in Betreff der Diof״ifiou wich« liger waren, als die eigentlichen Reichölagssitziingen. In letzteren prüf, fidirte der fönigl. Personal, m den Ztrtnlarsltznugen war das Präfidittm' NNter den Hblegateu amdulant, >'o daß von Woche zu Woche je zwei derselben den Vorsitz führten.

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