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Ben Chananja · 1866-01-24 · 4 (24.1.1866) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
4 (24.1.1866)
Date
1866-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Keimter Jahrgang. Erscheint jeden Mittwoch 1—L Bogen stark. rrLnmnsrLdionsprgls: Ganzjährig 8 fl.,—5 Thlr. 10 S׳gr., balbj. 4st. —2 Thlr. 20 Sgr., viertelj. L st. öst. W. Man abonnirt im Znnland bei asten Postämtern; im Anslande bei Herrn Frau; Wagner in Leipzig; in Wien bei Herrn Her;felk> L Sauer (Praterstr.) M 4. 5zegek>m, beit 21 Iäner 1866. AM Mochenktatt für jüdiiche Theologie. Herausgeber und Redakteur: LEOPOLD LÖW, Inserate, Welche in das Fach des Blattes einschlagen. werden an- ,genommen. .:,.,ן,... Die 4spaltige Petitzeile wird bei mehrmaliger Insertion mit 6 kr., bei einmaliger mit 8 kr. berechnet. Stempelgebühr besonders 30 kr. Oberrabbiner zu Szegedin. Mit besonderen homiletischen, didaktischen und wissenschaftlich talmudischen Beilagen. Jnserate ckbernehmen im Auslande /kan; Wagner in Leipzig; in Wien Hcrsseld LSauers Buchhandlung. I n h alt. Shakespeare in Bukarest. Don M. — Gemeindeorganisatiou IV. Dom Herausgeber-Die Juden in Persien. (Forts.) Von Kreisrabbiuer WieSner. — Korrespondenz. Ausland. Bukarest. Aegyten. Brüssel. Inland. Wien. Wien. Pest. Pest. Eisenburger Kom. Sohlec Kom. Großwardein. Szentes. BalaffasGyarmath. Epe'rieö. Bolly. Neusohl. Nagy-AöröS. Aus der Baranya. NagyLKöröS. Triest. Prag. — Schulwesen. Noch ein Wort über die Preisfragen. Von E. Veiglberg. Replik. Von L. M. Bauer. — Schullitecatur. Von Alexander Elsässer. — Bemerkung. — Inserat. — Beilage. Generalversammlung der Pcster KultUSgemeinbe. ' Mit dem 1. Iäner begann -er neunte Jahrgang des ״Ben Chananja". Wir ersuchen diejenigen P. T. Herren Abonnenten, deren Abonnement mit letztem Dezember endete, dasselbe baldigst erneuern zu wollen, damit die Versendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Für/ Böhmen, 'Mahren und SDlWen ׳haben die Herren Sanders u. BrarrdM in' Prag (Nittergaffe) die Agentur übernomnrenM Für Rabbiner, Lehrer und Kantoren ist-, der Abonnementspreis auf sechs Gulden ö. W. ermäßiget. ShaLcheare in Marefl M. fl3ufare.fi, 10. Iäner 1866. Gegen Ende der dreißiger Jahre wurde in Deutschland vielfach die Quelle besprochen, aus welcher Shakespeare den so empörenden Theil deS Kaufmanns von Venebig geschöpft hat. A. Muhr rief diese Erörterungen durch den überraschenden Nachweis hervor, daß in Wirklichkeit nicht ein Jude einem Christen, sondern umgekehrt ein Christ -einem Juden vertragsmäßig ein Pfund Fleisch herausschneiden wollte. Er berief sich dabei auf Gregor io Leti, den Biografen des PabsteS Sirtus V. Diesem Biografen zufolge erfuhr ein angesehener römischer Kaufmann, Namens Paul Maria Secchi, ein katholischer Christ, im Jahre 1587, daß Franz Drake St. Domingo erobert und daselbst große Beute gemacht habe. Er theilte diese Neuigkeit einem jüdischen KaufmanneNamens Simon Ceneda, mit, der dieselbe entweder wirklich für unglaublich hielt, oder doch dafür wollte gehalten wissen. Indem er nun die Wahr- .heil dieses Gerüchtes haruäckig bestritt, äußerte er: ich verwette ein Pfund meines Fleisches, daß die Nachricht erdichtet st. Und ich, rewiderte Secchi, will dagegen tausend Scudi setzen. Der Kontrakt wurde in bester Form aufgesetzt, und darin dem christlichen Kaufmanne, falls er Sieger in der Wette bliebe, das Recht eingeräumt, dem Juden ein Pfund Fleisch von welchem Th eile eS ihm, dem Christen, belieben würde, mit eigener Hand und wohlgeschärftem Messer herauszuschneiden. Gar bald war kein Zweifel an Drakes Sieg und der Christ forderte die Erfüllung seines Vertrages. Vergebend bot der Jude tausend Skudi als die Summe, die sein Gegner hätte verlieren können; der Christ schwur sein Vertrag müsse erfüllt werden , nnd er hatte bereits einen Theil des Körpers gewählt. Der Prozeß kommt vor den Papst, und dieser entscheidet: Beide Theile kommen zu den Galeeren, wovon sie sich jedoch loskaufen können^ wenn jeder von ihnen 2000 Skudi an das Spital bei der sirtinischen Brücke erlegt. Alles dies ist im XI. Buchen der Biograste des Papstes SirtuS V. ausführlich zu lesen. Seiner׳ Mittheilung läßt Muhr die Bemerkung folgen, "daß Shakespeare die Verwechslung nicht aus Bosheit und Judenhaß, sondern aus Ironie vorgenommen habe. Er wollte seinem Publikum sagen: Sehet, worüber ihr zusammenschaudert, was ihr nur von einem Juden für möglich haltet, das hat ein Christ thun wollen! Andere bestritten dies und meinten, daß Shakespeare keineswegs aus einem Vorfälle seiner Zeit, sondern aus alten Dichtungen geschöpft habe, die im Oriente seit Jahr- Hunderten bekannt waren, und daß die abenteuerliche Kom- Position des Kaufmanns von Venedig diesen ihren Ursprung verdanke. Äber auch die Vertreter dieser Meinung geben zu, daß der Dichter in Shylok nicht alle Juden habe schildern wollen. Und gesetztauch, es wäre dies seine Absicht gewesen,so müßten die Christen aus dem Stücke lernen, daß Erscheinungen, wie die Shyloks, bei dem Drucke, unter dem die Inden seufzten, traurige psychologische Wahrheit enthalten: ״Wer BöseS thut, thnt stets mehr., als er will!" Um alles dies bekümmert sich aber der hiesige Professor Hisdu nicht im., geringsten. Dieser-Professor steht auf einer so tiefen Stufe der Bildung, daß er nicht zurückschaudert vor dem Attentate , das er an dem hohen Genius Shakespears begeht, indem er diesen Genius benützt, um die Masse gegen die Juden zu Hetzen. Der Herr Professor Hisvu hielt nämlich eine Vorlesung, in, welcher er Shylok als den ״Repräsentanten des modernen talmudischen , Judenlhumö" zu schildern: wagte! Die lächerlichen Zitate , deren sich der Herr Professor bediente, übergehe ich mit Stillschweigen, da dieselben beweisen, daß deren Urheber von der

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