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Ben Chananja · 1866-01-17 · 3 (17.1.1866) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
3 (17.1.1866)
Date
1866-01-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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HMiletijche und didaktische Beilage 311 ״Den Lhananja" Nr. 3.1866. .- .. - - --— - -— ׳ ־ ■ : Predigt. Gehalten am nationalen Danksagungstage, den 7. Dez. 1865, von Dr. M. Mi elziner, giabbiner der Gemeinde Anshi Cheskd in New-Bork. Meine andächtigen Zuhörer! Zu einer außergewöhnlichen Zeit haben sich heute nnö die Pforten dieses Gotteshauses geöffnet und uns eingeladen, hier vor dem Antlitze Gottes mit Lobgesängen zu erscheinen. Während wir sonst hier als Israeliten, als Bekenner unseres angestammten Glaubens, uns versammeln, um unser Herz zu dem Gott unsrer Väter in Andacht zu erheben und unS von den beseligenden Lehren unsres Glaubeuö durchdringen zu lassen, während wir sonst mit den Festen, die wir hier begehen, bedeutungsvolle Momente uuserer Religion und ihrer Geschichte feiern, erscheinen wir Heute besonders als Kinder deö gemeinsameu Vaterlandes, als Bürger und Angehörige deö Staates, in welchem wir leden, und bringen heute unferm himmlischen Vater bcson- . derS Dank und Preis für die Wohlthaten und Segnungen, die er diesem Laude und diesem Staate erwiesen, und siehen ihn um ferneren Schutz und Segen für Land und Volk an. Ist es schon eine uralte Lehre und Mahnung, die der Mund eines Propheten an Israel gerichtet: ״Suchet das Wohl des Staates, wohin Gott ench geführt, und betet für Land und Volk, denn in seinem Wohl ist auch eure Wohlfahrt" (Jerem. 20, 7.), und haben unsere Väter demgemäß es zu allen Zeiten nie unterlassen, den göttlichen Schutz und Segen für Land und Regierung zu erflehen, obgleich sie oft genug in den Ländern, in denen sie weilten, geknechtet und geächtet waren, und um ihres Glaubens willen blutig verfolgt wurden: um wie viel mehr ist es unsre heilige Pflicht, an dem Wohl und Wehe unsres Landesund unsres Staates ein lebendiges Jntereffe zunehmen nnd für sein Heil und seinen Segen zu Gott zu beten, da wir so glücklich sind, einem Lande anzugehören, das von jeher keinen engherzigen Unterschied zwischen den Glaubenöbekenntnissen seiner Bewohner gemacht, und worin wir im vollsten Sinne des Wortes als Vaterlaudssöhne betrachtet werden. Und wie viel Aufforderung haben wir nicht gerade diesmal, an dem vom Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Gouverneur dieses Staates verordneten nationalen Danksagungstag uns zu betheiligen, da die Wohltha- . ten und Segnungen für die heute in allen Gotteshäusern der Vereinigten Staaten gedankt werden soll, der Art sind, daß Niemand von denselben ausgeschlossen ist, daß jeder Ursuche Hat, Gott dafür zu Preisen. Wohlan, so lasset nus denn die Bedeutung dieses Tagesuns näher zum Bewußtsein bringen, auf daß wir klar erkennen, wofür wir, wofür alle Bewohner und Angehörige dieses Landes heute Gott, unferm himmlischen Vater, Dank und Preis zu bringen haben. Keinen passenderen Tert aber könnten wir dieser unsrer Betrachtung zu Grunde legen als 67 1י. Psalm. Dieser herrliche Psalm, welcher offenbar bei Gelegent eines Erntefestes gesungen worden, mit welchem ein ׳Dankfest für ein so eben erlebtes großes geschichtliches Ereigniß verbunden war, knüpft zunächst an den Inhalt des bekannten priesterlichen Segens an: ״Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse uns sein Antlitz lenchten." Doch währeut» dieser erste Vers so die zwei ersten Theile des priesterlichen Segens ״Gott segne dich" und- ״Gott lasse dir sei» Antlitz leuchten nnd sei dir gnädig" umschreibt, und diesen göttlichen Segen und seine Gnade für . hie Zukunft erflehet/ enthalten die folgenden Verse eine ausführlichere Umschreibung des dritten TheileS in jener Segensformel ״Gott wende dir sein Antlitz zu und gebe dir Frieden-" indem in diesen Versen auf das sichtbare Walten Gottes und seine Hilfe Hingewieseu wird, wodurch ein Kampf für eine gerechte Sache glücklich beendet -und Frieden und Ruhe wieder hergestellt worden, wofür die Völker,7nicht nur die unmittelbar dabei betheiligten, sondern auch.andexw Völker und Nationen Gott preisen: ״Daß kund werde auf Erden dein Weg, unter allen Völkern deine Hilfe. Dich preisen die Völker, 0 Gott! Dir danken die Völker alle-" Und sehet, geliebte Zuhörer, für Aehnliches haben /.-auch wir, haben alle Bewohner dieser Staaten heute Gott.zu danken. Denn auch unS ist ״GotteS Weg" — sein gerechteS und gnädiges Walten — in dem nun zu Ende gehenden bürgerlichen Jahr kund worden, auch wir haben-seine Hilfe erfahren. -7 Vier thränenvolle Jahre hindurch hat ein fürchterlicher Bürgerkrieg, fürchterlicher, als je ein Volk, und ein Land ihn erlebt hat, in den Staaten dieses Landes geraset^ und den Bestand und die Macht der Union in ihren-Grundfesten erschüttert. Soll ich Euch erst schildern das schauervo.lle Gefolge dieses Krieges? Die furchtbaren Verheerungen und Verwüstungen, die er in jenen Staaten verursacht׳ Hat? Hie Opfer, , die unzähligen Opfer, die ihm gefallen? Soll , ich Euch erst schildern die schauererregenden Gräuelnnd Jam׳ merscenen, die in ihm stattgefunden und welche Erschütterung und Gefährdung des allgemeinen Wohlstandes er selbst in den entferntesten Theilen des Landes hervorgebracht? O, zu frisch steht dies Alles noch vor Eurem Geiste, als daß es einer solchen Erinnerung meinerseits bedürfte; aber eben so wird es Allen noch erinnerlich sein, wie wenig , Aussicht noch zu Anfang des nun zu-Ende gehenden bürgerlichen Jahres vorhanden war, daß *dieser angst- und gefahrvolle Zustand bald ein Ende nehmen würde. Nachdem/blutige Schlachten auf blutige Schlachten gefolgt warenin denen das Glück der Waffen bald hierhin, bald dorthin schwankte, standen da noch mächtige kampfgerüstete Heere einander gegenüber und in banger Erwartung harrte Alles der Dinge, die da kommen sollten. Die Muthlosen und Verzagten in unserer Mitte glaubten׳ schon die heilige Sache, , für׳ die so lange gekämpft worden, für unerrettbar verloren׳ und nicht nur die gegenüberstehenden Feinde, sondern auch mnfreundliche Völker in der Ferne freuten sich schon über dje nicht abzuwendeude Auflösung, der so lange bestandenen Staatenverbindung. und über: die dadurch zu bewirkende Schwächung einer ihren Neid und ihre Eifersucht längst erweckenden Macht. — Wer war eS, der diese schadenfrohen Hoffnungen vereitelte und diese Befürchtungen der Muthlysen beschämte? Wer war es, der die Macht des Widerstandes plötzlich gebrochen und der Sache des Vaterlandes, einen so entscheidenden Sieg verliehen, daß die Flamme des AufrnhrS vollständig, erstickt worden, und Friede und Ruhe nun eingekehrt sind in alle Grenzen-des Landes? — war: eö allein die Macht der Waffen, der Mnth und die Tapferkeit unsrer Heere und ihrer Führer? Freilich wo man.muthlöS und feig eine heilige und gerechte Sache anfgiebr, ist. sie auch unrettbar verloren; aber nicht dieMacht und der Much und die Tapferkeit allein verschaffen den Sieg/ ״denn nicht durch seine Kraft siegt der Mann" (ch-San/2, .9) nein, die Entscheidung, der Sieg hängt von Gott/ab, der ״ איש מלחמהein Herr des Krieges" ist; der, beglückende Friede kömmt von ihm, der ״ עשה שלוםein Stifter deö Frtedeö" ist.

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